Das Papiamentu ist eine spanisch-portugiesisch basierte Kreolsprache, welche in den Niederlanden und vor allem auf den niederländischen Kolonialgebieten Aruba, Bonaire und Curaҫao, auch ABC-Inseln genannt, gesprochen wird. Derzeit verfügt das Papiamentu über ca. 350.000 Sprecher. Für über 80% der Bevölkerung der ABC-Inseln ist das Papiamentu die Familiensprache. In den Niederlanden wird es mit circa 120-130.000 Sprechern als Minderheitensprache eingestuft. In dieser Hausarbeit geht es um das Papiamentu als Ausbausprache. Zunächst geht es im Allgemeinen um die Kreolsprache. Anschließend wird der Unterschied zwischen Abstandsprachen und Ausbausprachen thematisiert und der Kern der Hausarbeit ist die folgende Fragestellung: Gehört die Kreolsprache Papiamentu zu den Ausbausprachen ?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Abstand und Ausbau
2.1 Abstandsprache
2.2 Ausbausprache
2.2.1 Ausbauphasen
2.2.2 Ausbaustufen
3. Forschungsstand des Papiamentu
3.1 Syntax als Ausbauindikator
3.1.1 Junktionstechniken des Papiamentu
3.2 Literarische Übersetzung als Ausbauindikator
4. Methode
5. Fazit
6. Bibliographie
7. Anhang
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Sprachausbau des Papiamentu, einer spanisch-portugiesisch basierten Kreolsprache, um zu bestimmen, ob sie als vollwertige Ausbausprache klassifiziert werden kann. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob das Papiamentu über den privaten Gebrauch hinaus neue gesellschaftliche Domänen erschließt und durch soziolinguistische Kriterien, wie sie von Heinz Kloss und Einar Haugen definiert wurden, als ausgebaute Sprache gelten darf.
- Grundlagen der Unterscheidung von Abstand- und Ausbausprachen
- Analyse der Ausbauphasen und Ausbaustufen des Papiamentu
- Syntax als Indikator für sprachliche Komplexität (Junktion-Theorie)
- Die Rolle der literarischen Übersetzung im Standardisierungsprozess
- Empirische Überprüfung des Ausbaus anhand von Bildungs- und Mediennutzung
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Junktionstechniken des Papiamentu
Das Papiamentu verfügt über Junktionstechniken auf den Ebenen I-VII (Vgl. Lämmle 2014, 101 ff.). Im Folgenden fasse ich die Junktionsebenen des Papiamentu auf Curaҫao zusammen (vgl. Lämmle 2014, 101 ff.). Die erste Ebene steht für die aggregativste Technik, und zwar eine einfache Juxtaposition von Sätzen ohne Junktion. Es handelt sich hierbei um aneinandergefügte Hauptsätze, z.B.:
pap. Habitenan a konta polis ku ta basta tiru nan a tende zona. Polis a hasi nan investigashon na e sitio (Die Anwohner sagten der Polizei, dass sie das Geräusch von Schüssen gehört haben. Die Polizei führte ihre Untersuchungen vor Ort durch) (Lämmle 2014, 102).
Die fehlende Verknüpfung der beiden Sätze durch einen Junktor erlangt der Hörer durch sein situatives Wissen selbst. Zu der zweiten Junktionsebene gehören jene Verknüpfungstechniken, bei denen ein zweiter Satz einen Zusammenhang mit dem ersten Satz verdeutlicht. Im folgenden Beispiel geschieht dies durch die Konjunktion ,pesei‘ (sp. por eso, dt. deshalb):
pap. Folklor ta abarká sabiduria di un pueblo. Ta pesei ta imperativo pa studia folklor di un pueblo, […] (Die Folklore beinhaltet die Weisheit eines Volkes. Deshalb ist es unerlässlich die Folklore eines Volkes zu studieren […]) (Lämmle 2014, 104)
Durch die Konjunktion pesei zu Beginn des zweiten Satzes wird die kausale Relation zwischen beiden Sätzen deutlich. Bezüglich dieser Ebene gibt es mehrere Konjunktionen, die denselben Zweck erfüllen, z.B. ,a base di esei‘ (auf dieser Grundlage, damit), ,den e sentido ei‘ (in diesem Sinne) (vgl. Lämmle 2014, 105). Die dritte Junktionsebene beschreibt das Aneinanderketten von Hauptsätzen zu einem Gefüge. Dafür dient häufig die Konjunktionen ,i‘ (und).
pap. E doño di Bandera Grill a move for di e sitio ku su jeep i ela bai kas pone e jeep para i drenta den e outo di su amigu i a Sali bai den kaya, pasobra pa nan e kos aki no a kaba (Der Besitzer des „Bandera Grill“ fuhr mit seinem Jeep von dort weg und fuhr nach Hause, stellte den Jeep ab und stieg in das Auto seines Freundes und sie machten sich auf den Weg, da für sie diese Sache noch nicht beendet war) (Lämmle 2014, 105).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung skizziert die sprachliche und historische Entwicklung des Papiamentu sowie dessen aktuellen Status als Minderheitensprache und Familiensprache auf den ABC-Inseln.
2 Abstand und Ausbau: Dieses Kapitel führt die linguistischen Konzepte von Heinz Kloss ein, um die Kategorisierung von Sprachen mittels Abstand (linguistische Distanz) und Ausbau (gesellschaftliche Verwendung) zu erläutern.
3. Forschungsstand des Papiamentu: Der Abschnitt analysiert bestehende wissenschaftliche Ansätze zur Erforschung des Papiamentu durch die Untersuchung von Syntax-Strukturen und die Bedeutung der Bibelübersetzung.
4. Methode: Dieses Kapitel prüft anhand der drei Kriterien von Heinz Kloss (Zeitschriften, Schulfach, Mediennutzung), inwieweit das Papiamentu den Mindestgrad für den Status einer Ausbausprache erreicht.
5. Fazit: Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass das Papiamentu aufgrund seiner breiten Verwendung in Sachprosa und Bildungswesen als Ausbausprache klassifiziert werden kann, sich jedoch in einem kontinuierlichen Entwicklungsprozess befindet.
Schlüsselwörter
Papiamentu, Ausbausprache, Abstandsprache, Kreolsprache, Sprachausbau, Syntax, Junktion-Theorie, Karibik, Soziolinguistik, Sprachplanung, Sprachkontakt, Heinz Kloss, Einar Haugen, Sprachnormierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem soziolinguistischen Status der Kreolsprache Papiamentu und untersucht, ob diese die Kriterien erfüllt, um als "Ausbausprache" definiert zu werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die theoretische Abgrenzung zwischen Dialekt und Sprache, die historische Entwicklung des Papiamentu sowie die Analyse von Sprachplanung und Sprachausbau im karibischen Kontext.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, durch die Anwendung der Theorien von Kloss und Haugen zu klären, ob Papiamentu eine eigenständige, ausgebaute Sprache ist, die über den informellen Gebrauch hinausgeht.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Der Autor nutzt eine Kombination aus Literaturanalyse zur Sprachtheorie und eine empirische Prüfung anhand von drei spezifischen Kriterien für den Sprachausbau (Medien, Bildung, Schrifttum).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu "Abstand und Ausbau", die Analyse des aktuellen Forschungsstandes (insb. Syntax und literarische Übersetzung) und eine methodische Überprüfung des Ausbaugrades.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Papiamentu, Ausbausprache, Sprachplanung, Junktion-Theorie, Soziolinguistik und Sprachkontakt.
Welche Rolle spielt der Orthographiestreit bei der Stufe der Selektion?
Der Streit zwischen der A-Norm (Aruba) und der BC-Norm (Bonaire/Curaçao) dient als Beispiel für die erste Stufe der Selektion, bei der eine Varietät als Norm bestimmt wird.
Warum wird das Papiamentu im Fazit als "Treppe" und nicht als "Tür" bezeichnet?
Der Autor betont, dass der Sprachausbau kein abgeschlossener Vorgang ist, sondern ein fortlaufender Prozess, bei dem eine Sprache kontinuierlich neue Domänen und Anwendungsbereiche erschließt.
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- Deniz Inkaya (Author), 2020, Die Kreolsprache Papiamentu. Eine Kreolsprache im Ausbau, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1604246