Sowohl die türkische als auch die spanische Sprache zählen zu den sogenannten Pro-Drop-Sprachen bzw. Nullsubjektsprachen. Dies bedeutet, dass man in diesen Sprachen in vielen Situationen das Personalpronomen weglassen kann z.B. Quiero un helado (Ich möchte ein Eis) statt Yo quiero un helado (Ich möchte ein Eis). Auch im Deutschen ist dieses linguistische Phänomen im umgangssprachlichen Kontext ab und zu zu beobachten. Jedoch ist es in Sprachen wie Türkisch und Spanisch viel häufiger der Fall, aber auch nicht immer. In bestimmten Kontexten ist die Verwendung des Personalpronomens obligatorisch. Wann ist das bei der spanischen und wann ist das bei der türkischen Sprache der Fall? Gibt es im Spanischen und im Türkischen bestimmte Verben, bei denen Subjektpronomen häufiger in Erscheinung treten oder vielleicht sogar obligatorisch sind? In dieser Hausarbeit soll herausgefunden werden, unter welchen Bedingungen im Türkischen und im Spanischen Subjektpronomen verwendet werden. Hierzu wurden insgesamt sechs Verben selektiert, die mit Hilfe der korpuslinguistischen Plattform Sketch Engine analysiert wurden. Für die spanischen Daten wurde der Korpus Spanish Web 2018 (esTenTen18) verwendet und für die türkischen Daten der Korpus Turkish Web 2020 (trTenTen). Die Hausarbeit und das entsprechende Modul sind Teil des Masterstudiums Spanisch auf Lehramt an der Freien Unversität Berlin.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Pro-Drop im Türkischen
3 Pro-Drop im Spanischen
4 Spanischer vs. Türkischer Pro-Drop
5 Ergebnisse
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert das linguistische Phänomen des "pronoun droppings" im Türkischen und Spanischen, um gemeinsame und unterschiedliche Pronominalisierungsmuster bei verschiedenen Verbtypen zu identifizieren und die Bedingungen für das explizite Auftreten von Subjektpronomen zu ergründen.
- Vergleich der Nullsubjekt-Strukturen beider Sprachen
- Einfluss der Verbsemantik auf die Verwendung von Subjektpronomen
- Analyse der Rolle von Transitivität und Valenz
- Untersuchung kontrastiver Funktionen von Pronomen
- Dialektale Besonderheiten im Spanischen (karibische Varietät)
Auszug aus dem Buch
3 Pro-Drop im Spanischen
Neben dem Türkischen gehört auch die spanische Sprache zu dem dritten Typ der Klassifizierung von Huang (Vgl. Huang 2000). So stellt das Weglassen von Subjektpronomen im Spanischen, wie in (19), den Normalfall dar.
(19) ___ Aprendo español en el colegio. (Ich lerne Spanisch in der Schule)
Dennoch gibt es auch im Spanischen spezielle Fälle, in denen der Gebrauch von Subjektpronomen erforderlich ist. Dazu gehören, ähnlich wie im Türkischen bei (15), Sätze mit fokussiertem Subjekt wie in (20) (Posio 2011, 2).
(20) ¿Quién lo hizo? Lo hice yo. *Lo hice. Wer hat das gemacht? Das machte ich.
Der zweite Ausnahmefall (21), der Subjektpronomen verlangt ist ein Kontext, bei welchem ein Kontrast zwischen zwei Referenten hergestellt wird (Posio 2011, 2).
(21) Yo hablo y tú escuchas. Ich spreche und du hörst zu.
In Kontexten wie bei Beispielsatz (20) taucht das Subjektpronomen fast immer postverbal und satzfinal auf. Dieses Beispiel zeigt auch schon den ersten großen Unterschied zwischen dem Türkischen und dem Spanischen hinsichtlich der Position von Subjektpronomen im Satz. Im Türkischen ist die Nachstellung von Personalpronomen nach dem Verb nicht möglich. Dies stellt eine Besonderheit im Spanischen dar. Es stellt sich jedoch die Frage, warum es die postverbalen Subjektpronomen gibt und was sie für eine Funktion haben. Bei den Verben mit postverbalen pronominalen Subjekten handelt es sich, wie man dem Beispiel (22) entnehmen kann, oft um transitive Verben, die sich durch eine geringe Transitivität auszeichnen, wie z. B. mentale Verben oder Verben des Sprechakts (Posio 2012, 182).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das Thema des Pronoun Droppings und Abgrenzung von Sprachen mit obligatorischem Subjektpronomen anhand von Beispielen.
2 Pro-Drop im Türkischen: Detaillierte Untersuchung des Nullsubjekt-Phänomens im Türkischen, inklusive Expletivkonstruktionen und Ausnahmen bei Fokus- oder Kontrastbildungen.
3 Pro-Drop im Spanischen: Analyse der spanischen Nullsubjekt-Strukturen, wobei insbesondere auf postverbale Pronomina und die Besonderheiten karibischer Varietäten eingegangen wird.
4 Spanischer vs. Türkischer Pro-Drop: Methodischer Vergleich beider Sprachen unter Berücksichtigung von sechs ausgewählten Verben und korpuslinguistischer Daten.
5 Ergebnisse: Tabellarische Auswertung und Interpretation der Häufigkeit von Subjektpronomen in Abhängigkeit von Person und Verbtyp.
6 Fazit: Zusammenfassende Gegenüberstellung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Pronoun Droppings in beiden Sprachen sowie Bestätigung der kontrastiven Funktion von Pronomen.
Schlüsselwörter
Pro-Drop, Nullsubjektsprachen, Spanisch, Türkisch, Pronomen, Pronominalisierung, Verbsemantik, Transitivität, Korpuslinguistik, Expletiva, Kontrastive Linguistik, Sprachvergleich, Subjektpronomen, Morphologie, Syntax.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das systematische Auslassen von Subjektpronomen in der türkischen und spanischen Sprache.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Pronominalisierungsmuster, die Einflüsse der Verbsemantik sowie die Bedingungen, unter denen Subjektpronomen dennoch obligatorisch werden.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Leitfrage ist, ob es in beiden Sprachen spezifische Verben gibt, bei denen Subjektpronomen häufiger auftreten oder zwingend erforderlich sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung erfolgt durch einen korpuslinguistischen Ansatz unter Nutzung der Plattform Sketch Engine und der Korpora Spanish Web 2018 sowie Turkish Web 2020.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Pro-Drop-Verhalten in beiden Sprachen einzeln, führt einen direkten Vergleich durch und wertet quantitative Daten zu ausgewählten Verben aus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Pro-Drop, Nullsubjektsprachen, Verbsemantik, Transitivität und Pronominalisierung.
Warum spielt die erste Person Singular bei beiden Sprachen eine besondere Rolle?
Laut den Ergebnissen liegt dies vermutlich am egozentrischen Charakter menschlicher Interaktion, bei dem der Sprecher stärker involviert ist.
Welche Besonderheit weist das Spanische im Gegensatz zum Türkischen auf?
Im Spanischen existieren postverbale Subjektpronomen sowie im karibischen Dialekt auch Expletivkonstruktionen, die im Türkischen nicht vorkommen.
- Arbeit zitieren
- Deniz Inkaya (Autor:in), 2024, Türkischer und Spanischer pro-drop im Vergleich. Eine Analyse der beiden Nullsubjektsprachen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1604272