Und was bedeutet Unterentwicklung? Wieso sind einige Länder weit entwickelt, an-dere nicht? Diese Kernfragen, die nicht nur Soziologen, sondern Vertreter aus allen Disziplinen interessieren und auch die Öffentlichkeit bewegen, sollen im Folgenden erläutert und an Beispielen illustriert werden.
Bei der Entwicklungsdebatte dominiert meist die ökonomische Sichtweise, aber zum Teil schmerzhafte Erfahrungen haben wiederholt gezeigt, dass auch andere Aspekte berücksichtigt werden müssen, besonders wenn es um die Konzeption von Entwick-lungshilfe geht. Aus dieser Erkenntnis heraus ist eine intensive Debatte über die so-ziokulturellen Faktoren von Entwicklung und Unterentwicklung entstanden und die Integrationswilligkeit der beiden ehemals verfeindeten Flügel gestiegen. Die grundle-genden Aspekte dieser Debatte werden im Folgenden dargelegt.
In der heutigen Zeit lautet die Antwort auf diese Frage „Was bedeutet Entwicklung?“ häufig: wirtschaftlicher und sozialer Fortschritt. Doch fehlt bei dieser Definition schon der kulturelle oder politische Aspekt. Für einen Ökonomen bedeutet Fortschritt etwas anderes als für einen Mediziner, für einen Politiker etwas anderes als für einen In-formatiker. Es kann sogar soweit kommen, dass das eine Fortschrittsmerkmal für den anderen eher einen Rückschritt bedeutet: Gewinnmaximierung wäre positiv in den Augen des Unternehmers, aber ein Menschenrechtler würde darin Ausbeutung se-hen. Schon der Brandt-Bericht wies auf die schwierige Definition von Entwicklung hin:
Entwicklung „bezeichnet, weit gefasst, den erwünschten sozialen und wirt-schaftlichen Fortschritt – und es wird immer unterschiedliche Auffassungen darüber geben, was erwünscht ist“. (Brandt-Bericht 1980:64)
Inhaltsverzeichnis
WAS BEDEUTET ENTWICKLUNG?
NACHHALTIGE ENTWICKLUNG UND GLOBALISIERUNG
WAS BEDEUTET UNTERENTWICKLUNG?
HANDLUNGSFELDER DER ENTWICKLUNGSPOLITIK
ENTWICKLUNGSTHEORIEN
DIE MODERNISIERUNGSTHEORIE
DEMOGRAPHISCHE THEORIEN
DIE HINTERLASSENSCHAFT DES KOLONIALISMUS
DIE DEPENDENZTHEORIE
AUTOZENTRIERTE ENTWICKLUNG
FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegenden Theorien und Konzepte von Entwicklung und Unterentwicklung. Ziel ist es, die vielschichtigen Ursachen für die Diskrepanzen zwischen verschiedenen Staaten zu beleuchten und zu klären, welche Faktoren – unter Berücksichtigung sowohl endogener als auch exogener Einflüsse – nachhaltigen Fortschritt begünstigen können.
- Definition von Entwicklung und Unterentwicklung im historischen Kontext
- Die Rolle der Globalisierung und nachhaltiger Entwicklungsstrategien
- Analyse der wichtigsten Entwicklungstheorien (Modernisierung, Dependenz)
- Sozioökonomische und politische Indikatoren von Unterentwicklung
- Strategien zur Förderung des Entwicklungspotentials durch autozentrierte Ansätze
Auszug aus dem Buch
Die Modernisierungstheorie
Auf der Prämisse, dass der industrielle Kapitalismus das anzustrebende Ziel aller Länder sein sollte, beruht die sog. Modernisierungstheorie, ein Ansatz, der besonders in den 50er und 60er Jahren populär war. Anhänger dieser Theorie sind der Überzeugung, dass bestimmte Länder sich nicht entwickeln können und werden, weil sie an ihren Traditionen hängen, welche zwar für die Identitätsstiftung einer Nation ausschlaggebend sein mögen (Riegel 1982:74), aber zum Beispiel nicht die für wirtschaftlichen Fortschritt notwendige „schöpferische Persönlichkeit vom Typ des kapitalistischen Unternehmers“ mit seiner Selbstdisziplin, Askese und strengen Arbeitsethik (Nohlen/Nuscheler 1982:36; Evers 2001:455) hervorbringen oder aufgrund sozialer Strukturen u.a. keine gleichen Bildungschancen für alle Bevölkerungsgruppen bereitstellen können. Der Kieler Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Stucken schrieb 1966:
„Die grundlegenden Ursachen der Armut sind nicht so sehr in ökonomischen Tatbeständen wie Kapitalmangel etc. zu suchen, sondern mehr im psychologischen und gesellschaftlichen Bereich. Vor allem die religiöse Tradition ist es, die die Menschen im „Ewig-Gestrigen“ (Max Weber) gefangen hält“ (Stucken 1966:59).
Schon der Soziologe Max Weber hatte in seiner Schrift „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ die Erklärung für die Unterentwicklung der „farbigen Welt“ liefern wollen: Sie sei einfach noch nicht genug vom Geist des Kapitalismus und der protestantischen Wirtschaftsethik durchdrungen. Weber stützte sich u.a. die christliche Religion als Fortschrittsmotor, wertete aber die religiöse Tradition anderer Völker als rückschrittlich ab.
Zusammenfassung der Kapitel
WAS BEDEUTET ENTWICKLUNG?: Dieses Kapitel beleuchtet den Wandel der Entwicklungsdefinition von rein ökonomischen Kennzahlen hin zu einer Berücksichtigung soziokultureller und politischer Faktoren.
NACHHALTIGE ENTWICKLUNG UND GLOBALISIERUNG: Hier wird der Einfluss globaler Handelsbeziehungen und ökologischer Aspekte auf die weltweite Entwicklung thematisiert.
WAS BEDEUTET UNTERENTWICKLUNG?: Dieses Kapitel identifiziert verschiedene Merkmale – von ökonomischen bis hin zu soziokulturellen Indikatoren –, die zur Beschreibung von Unterentwicklung herangezogen werden.
HANDLUNGSFELDER DER ENTWICKLUNGSPOLITIK: Es werden zentrale Ansatzpunkte der Entwicklungshilfe definiert, wie etwa Demokratisierung, Umweltschutz und Bildungsförderung.
ENTWICKLUNGSTHEORIEN: Eine komprimierte Darstellung unterschiedlicher Erklärungsansätze für Unterentwicklung, eingeteilt in endogene und exogene Faktoren.
DIE MODERNISIERUNGSTHEORIE: Analyse des Ansatzes, der traditionelle Gesellschaftsstrukturen als Haupthindernis für wirtschaftlichen Fortschritt begreift.
DEMOGRAPHISCHE THEORIEN: Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Bevölkerungswachstum und Armut.
DIE HINTERLASSENSCHAFT DES KOLONIALISMUS: Beleuchtung der historischen Ursachen für wirtschaftliche Abhängigkeiten durch koloniale Strukturen.
DIE DEPENDENZTHEORIE: Betrachtung der Theorie, die Unterentwicklung durch die ungerechte Eingliederung der Peripherie in das kapitalistische Weltsystem erklärt.
AUTOZENTRIERTE ENTWICKLUNG: Vorstellung eines Konzepts, das den Ausbau der Binnenwirtschaft und die Nutzung eigener Stärken gegenüber einer reinen Exportorientierung hervorhebt.
FAZIT: Zusammenfassende Einschätzung, dass eine Kombination aus endogenen und exogenen Faktoren für eine erfolgreiche Entwicklung entscheidend ist.
Schlüsselwörter
Entwicklung, Unterentwicklung, Entwicklungstheorien, Modernisierungstheorie, Dependenztheorie, Globalisierung, Kolonialismus, nachhaltige Entwicklung, Autozentrierte Entwicklung, Welthandel, sozioökonomische Faktoren, Industrialisierung, Demographie, Wirtschaftspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den theoretischen Hintergründen und den Ursachen von Entwicklung sowie Unterentwicklung im globalen Kontext.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Definition von Entwicklungsbegriffen, die Auswirkungen der Globalisierung, die Analyse klassischer Entwicklungstheorien sowie die Bedeutung kolonialer Erblasten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die komplexen Gründe für unterschiedliche Entwicklungsniveaus von Ländern zu verstehen und aufzuzeigen, wie nachhaltige Entwicklung durch verschiedene theoretische Linsen betrachtet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse, um den aktuellen Forschungsstand und die historische Entwicklung der verschiedenen Theorien strukturiert darzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition der Begriffe, die Darstellung der wichtigsten Entwicklungstheorien wie Modernisierungs- und Dependenztheorie sowie eine Diskussion über autozentrierte Entwicklungsansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Entwicklungstheorien, Modernisierung, Dependenz, Kolonialismus und Globalisierung charakterisiert.
Welche Rolle spielt das Konzept der autozentrierten Entwicklung?
Die autozentrierte Entwicklung wird als positiver Ansatz hervorgehoben, da sie auf das interne Entwicklungspotential setzt, statt sich ausschließlich an externen, oft nicht passenden westlichen Modellen zu orientieren.
Warum kritisiert die Autorin die klassischen Indikatoren für Unterentwicklung?
Die Kritik richtet sich dagegen, dass frühere Indikatoren oft nur Durchschnittswerte abbildeten und ökologische oder soziokulturelle Gegebenheiten sowie die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung vernachlässigten.
- Quote paper
- Maria Schnurr (Author), 2002, Theorien der Entwicklung und Unterentwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16042