Die Tea Party-Bewegung

Ein Charakterisierungsversuch


Hausarbeit, 2010
22 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung

2. Historischer Begriff der Tea Party-Bewegung (TPB)

3. Die Motive der „Teabagger“
3.1 Die wirtschaftliche Situation in den USA
3.2 Relevante Politikfelder

4. Einordnung der TPB in den politischen Kontext der USA
4.1 Favorisierte Parteien
4.2 Die TPB als Konservative Bewegung
4.3 Bildungshintergrund und Alter der TPB-Anhänger
4.4 Die Tea Party-Bewegung als dritte Partei?

5. Fazit

6. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung

Diese Hausarbeit hat zum Ziel, die sogenannte Tea Party-Bewegung in den Vereinig- ten Staaten zu untersuchen. Dazu soll zunächst die Namensgebung, die auf einen Akt des Widerstandes am 16. Dezember 1773 zurückzuführen ist, beleuchtet wer- den. Anschließend wird diese Hausarbeit verschiedene Studien und Umfragen, die zumeist im englischsprachigen Raum ihren Ursprung haben, vorstellen um daran anknüpfend einen Charakterisierungsversuch dieser Bewegung zu unternehmen.

Dieser Charakterisierungsversuch soll verschiedene Aspekte der Betrachtung beinhalten: Zunächst wird die Motivation der Anführer dieser Bewegung im Fokus unserer Betrachtung stehen. Anschließend wird anhand von der Vorstellung ausgewählter Umfragen eine Einordnung in den politischen Kontext der Anhänger dieser Bewegung vollzogen werden.

Allerdings sollen auch die Gründe für das Aufkommen der Tea Party-Bewegung hier eine Rolle spielen, u.a. durch Statistiken, die die grassierende Armut in den USA widerspiegeln, sowie durch einen Vergleich der Ansichten bzw. Wertvorstellungen der Mitglieder dieser Bewegung mit den Ansichten der gesamten US-Bevölkerung. Ziel dieses Vergleichs ist es, zu untersuchen, in welchen Teil des politischen Spektrums die Tea Party-Bewegung einzuordnen ist.

Größere mediale Öffentlichkeit erlangte diese Bewegung, als Rick Santelli, Börsen- experte von dem TV-Netzwerk CNBC, im Februar 2009 während einer Live-Sendung eine „Chicago Tea Party“ forderte, die in Opposition zu den Regierungs-Plänen ste- hen solle.[1]

Diese Regierungspläne sahen vor, die Immobilienkredite, die im Zuge der Weltwirtschaftskrise nicht mehr bezahlbar waren, mittels staatlicher Geldmittel zu retten. Wir werden also neben dem historischen Begriff „Tea Party“ hauptsächlich auf die Tea Party-Bewegung, die heute in den USA in den politischen Prozess einzugreifen versucht, eingehen und überprüfen, wie diese einzuordnen ist.

Die eigentlichen Fragen der Hausarbeit können also wie folgt zusammengefasst werden:

Wie lässt sich die Tea Party-Bewegung einordnen? was sind die Motive der Menschen, sich in dieser Bewegung politisch zu engagieren und welche Gründe gibt es, die ein Erstarken dieser Bewegung erst ermöglicht haben?

2. Historischer Begriff der Tea Party

Der Begriff Tea Party hat in den USA eine besondere, da historische Bedeutung. Sie ist zurückzuführen auf den 16. Dezember 1773. An diesem Tag warfen im Hafen von Boston als Indianer verkleidete Kolonialisten britischen Tee von den im Hafen lie- genden Schiffen, als Protest gegen die von der britischen Krone erhobene Steuer auf Tee.

Dem vorangegangen waren in den späten 1760er-Jahren Bestrebungen innerhalb der Bevölkerung, für ein von der britischen Monarchie unabhängiges Land einzutre- ten.

Durch den 1763 beendeten Krieg zwischen Groß-Britannien und Frankreich wurden „(…) Kanada und alle französischen Besitzungen westlich des Mississippi England zugesprochen“[2], womit Nordamerika als dem Empire zugehörig galt. Durch verschiedene Maßnahmen seitens der britischen Monarchie, hier sei auf das Verbot aller Siedlungstätigkeit westlich der Appalachen verwiesen, aber auch auf die Erhebung einer Zucker- und Stempelsteuer, begann der amerikanische Kampf für die eigene Unabhängigkeit von Groß-Britannien.[3]

Die Stempelsteuer war eine Steuer auf alle Druckerzeugnisse, was in der Konse- quenz einen anti-britischen Kurs der amerikanischen Medien zur Folge hatte.[4] Bereits 1770 war die Hafenstadt Boston Schauplatz eines weiteren Ereignisses, wel- ches den Unabhängigkeitsbestrebungen weiteren Vorschub leisten sollte: Beim „Massaker von Boston“ am 5. März 1770 schossen britische Soldaten in eine protestierende Menschenmenge, wodurch fünf Menschen ihr Leben verloren.[5] All diese Ereignisse hatten einen Einfluss auf die „Boston Tea Party“, da sie den Kampf zwischen dem amerikanischen Volk und seinem Wunsch nach Unabhängig- keit und des britischen Empire aufzeigen und den Zorn der Bevölkerung anfachten.

„Die kolonialen Vordenker machten sich ein in England längst im Abflauen begriffenes radikales Gedankengut zu Eigen. Sie sahen die tugendhafte Ordnung einer harmonischen Welt autonomer Bürger durch Kommerz und administrative Modernisierung bedroht. Sie fürchteten um die „alten englischen Freiheiten“, die die „korrupte und tyrannische“ Regierung untergrabe. Das gab der Revolution einen konservativen und defensiven Zug.“[6]

Der Protest der Bostoner Tea Party wurde mit neuerlichen drangsalierenden Maßnahmen seitens der Briten quittiert, was wiederum einer Deeskalation der Situation diametral entgegen stand.[7]

Aus diesem historischen Kontext heraus ist die heutige Tea Party-Bewegung (TPB), allein schon wegen der namentlichen Gleichheit, also zunächst als Protest gegen die Regierung anzusehen. Wie weit dieser Protest reicht, werden wir in den folgenden Kapiteln betrachten. Obschon sich der Protest vor allem gegen den amtierenden Präsidenten der USA, Barack Obama, richtet, so ist es dennoch eine Verkürzung, diese Bewegung als ausschließlich gegen Präsident Obama zu verstehen. Deshalb wird im Folgenden auf die tieferen Beweggründe der Sympathisanten und Unterstützer dieser Bewegung eingegangen, die zeigen werden, dass es eben nicht die Antipathie zu Präsident Obama allein ist, die sie protestieren lässt.

3. Die Motive der „Teabagger“

Die Mitglieder der TPB - im Englischen „Teabagger“ - und deren Motivation, sich aktiv an dieser Organisation zu beteiligen, sollen in diesem Abschnitt untersucht wer- den.

Dazu bietet es sich an, die qualitative Studie der „Sam Adams Alliance“ (SAM) in die Betrachtung einfließen zu lassen.

Der Namensgeber Samuel Adams gilt als einer der Gründerväter der USA, gehört er doch zu den Unterzeichnern der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. Die SAM-Studie wollte einen Einblick in die Bewegung und deren Mitglieder bekommen, weshalb sie gut 50 Führungspersönlichkeiten der TPB u.a. nach ihren Beweggründen fragte, sich für diese zu engagieren.[8]

Bevor allerdings die Motive der Mitglieder der TPB genannt werden, wollen wir zu- nächst eine weitere wichtige Frage grafisch aufbereiten, nämlich die, wie die Befrag- ten ihr eigenes politisches Engagement bewerten, bevor sie sich in der TPB enga- gierten.

Abb. 1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung, Daten s. Fußnote[9]

keine Partizipation kaum Partizipation etwas Partizipation hohe Partizipation sehr hohe Partizipation

Insgesamt 47 Prozent der Führungskräfte der TPB gaben an, vor ihrem politischen Engagement in der TPB entweder gar nicht oder lediglich kaum politisch partizipiert zu haben.

Dies ist insofern interessant, als der Umstand illustriert wird, dass fast die Hälfte der in der TPB engagierten Menschen erst durch die Arbeit in der TPB eine politischpartizipative Sensibilisierung erfuhren.

Die Hauptgründe für ihre Beteiligung an der TPB soll in der folgenden Abbildung dargestellt werden.

Abb.2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellungen, Daten s. Fußnote[10]

Bei dieser Frage sollten die Führungskräfte der TPB, die in der SAM-Studie befragt wurden, auf einer Skala von Null bis Vier angeben, welche Gründe entscheidend für ihr Engagement in der TPB waren, wobei Null völlig unwichtig und Vier äußerst wich- tig bedeutet.

Wir sehen, dass es vor allem die eigenen Überzeugungen sind, für die die Mitglieder der TPB bereit sind, einzustehen. Allerdings möchten die Befragten ebenfalls Wahlen und Wahlergebnisse, sowie die Politik insgesamt beeinflussen.

Insofern kann von einer reinen Protest-Bewegung keine Rede sein, da seitens der TPB sehr wohl konstruktiv an einer Verbesserung der momentanen Situation in den USA mitgearbeitet werden möchte.

Auffällig ist hingegen auch der hohe Wert der Wut bzw. Frustration, der die Mitglieder der TPB zum Engagement treibt.

Woher rührt diese Wut? Dies soll im Folgenden beantwortet werden.

Um diese Wut näher beschreiben zu können, muss hier auf die momentane wirtschaftliche Situation in den USA verwiesen werden, da wir hier die Antwort auf die Frage finden, worauf die in der TPB mitwirkenden Menschen wütend sind.

[...]


[1] Vgl. http://www.cnbc.com/id/29283701/Rick_Santelli_s_Shout_Heard_Round_the_World

[2] Länderbericht USA Phillip Gassert S. 37

[3] Vgl. Ebd. S. 37 bis 38

[4] Vgl. Ebd. S. 38

[5] Vgl. Ebd.

[6] Ebd. S. 38

[7] Vgl. Ebd.

[8] Vgl. http://www.samadamsalliance.org/media/7936/early_adopters_report.pdf S.3

[9] Ebd. S. 17

[10] http://www.samadamsalliance.org/media/7936/early_adopters_report.pdf S. 17

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Tea Party-Bewegung
Untertitel
Ein Charakterisierungsversuch
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Politikwissenschaft und Japanologie)
Veranstaltung
Aufbaumodul Regierungslehre und Policyforschung
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V160497
ISBN (eBook)
9783640735785
ISBN (Buch)
9783640736003
Dateigröße
568 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Party-Bewegung, Charakterisierungsversuch, Obama, USA, Tea Party-Bewegung, Konservativ, Republikanisch, Statistiken
Arbeit zitieren
Sebastian Jende (Autor), 2010, Die Tea Party-Bewegung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160497

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