Ekel und Scham bei der Arbeit mit dem menschlichen Körper


Skript, 2010
36 Seiten

Leseprobe

Inhalt

Zwei Erlebnisse vorab

Ekel

1. Die Nase ist angeboren, der Ekel auch

2.3 Gruppen von Ekelobjekten
Gruppe 1: Universelle Ekelobjekte
Gruppe 2: individuell oder kulturell sozialisierte Ekelobjekte
Gruppe 3: Ekel oder Abneigung aufgrund körperlicher Disposition

3. Was bedeutet das für die Pflege?
Die gute Nachricht
Die schlechte Nachricht

4. Menschen stinken! — Ekelobjekt „Körper“

5. Arbeit am Körper als Grenzüberschreitung und Belastung

6. Ekel-Facts: Was ist am Ekeligen eigentlich eklig?
Konsistenz und Farbe
Der Anschein von Gesundheit oder Gefährlichkeit
Der Ort, an dem sich die Substanz befindet
Geräusche
Wahrnehmbarkeit

7. Was steigert den Ekel?
Ekel und Tagesverfassung
Ekel, Unerwartetes und Kontrollverlust

8. Gefühlsarbeit

9. Gefühle als Informationen über Bedürfnisse

10. 5 Ebenen des Ekelmanagements
Ebene 1: Offenheit für „ negative “ Gefühle im Team
Ebene 2: Gute Planung, sorgfältiges und kontrolliertes Arbeiten
Ebene 3: Größtmöglicher Schutz im Umgang mit Ekelerregendem
Ebene 4: Abwehr von Ekelgefühlen durch Perspektivwechsel
Ebene 5: Auszeit und Distanzierung nach Ekel erregenden Tätigkeiten

11. Arbeiten mit den 5 Ebenen des Ekel-Managements
Scham
1. Ist Scham angeboren oder erlernt?
2. Scham in medizinisch-pflegerischen Situationen
3. Körperscham als Information über das Bedürfnis nach Schutz
4. Schamgefühle regulieren
Scham reduzierende Techniken erwachsener Personen
Umgang mit Angehörigen anderer Kulturen und Religionen
PatientInnen mit besonders schamintensiven Erkrankungen
5. Schützender Umgang mit Schamgefühlen in der Pflege
Scham und Scham-Abwehr erkennen
Exhibitionismus: Ein Beispiel
6. Grundsätze für den Umgang mit Scham und Intimität
Unterscheidung „ Behandlungspflege und Grundpflege
Sichtschutz und Personenschutz
Gefühle behutsam und umschreibend ansprechen
Distanzierungsmaßnahmen bewusst einsetzen

Literatur

Zwei Erlebnisse vorab

Während meines Studiums arbeitete ich als Hilfskraft in einem Altersheim. Ich brachte Frau

K. das Abendessen - Hackbraten und Kartoffelpüree. Frau K. war dement, hatte aber auch immer wieder längere Phasen, in denen sie völlig klar bei Sinnen war. Sie konnte ziemlich bösartig sein und wenn sie wieder in den dementiellen Zustand kippte, dann hatte sie paranoide Anwandlungen und beschuldigte uns alle, dass wir sie bestahlen. Ihr Zimmer war vollgestopft mit persönlichen Gegenständen und hatte etwas Schmuddeliges. Frau K. verströmte einen käsigen Geruch. Beim Team war sie nicht besonders beliebt. An besagtem Abend wollte ich das Tablett nach dem Essen abservieren und bemerkte, dass Frau K. noch nicht ganz fertig gegessen hatte. Deshalb fragte ich sie, ob ich später noch mal kommen sollte oder ob ich ihr Gesellschaft leisten sollte. Sie deutete mir auf den Stuhl gegenüber und ich setzte mich hin. Frau K. hatte alles auf ihrem Teller zu einem bräunlichen Brei vermischt und leckte schlürfend, das Gesicht dichtüber dem Teller, die Reste auf. Alleine dieser Anblick machte mich aggressiv, weil es einfach eklig war und ich den Verdacht hatte, dass sie dies absichtlich tat. Als sie damit fertig war, wollte ich das Tablett endlich abservieren. In dem Moment nahm Frau K. ihr Gebiss aus dem Mund und leckte die Püree-Reste darauf ab. Auf das war ich nicht vorbereitet. Ich weißnicht, ob es nachvollziehbar ist, aber in diesem Moment war ich einfach nur von Ekelüberwältigt.

Dieses Erlebnis teile ich mit einer Pflegerin, die ein ganz ähnliches hatte, das in Christine Sowinskis Aufsatz „Grenzsituationen in der Pflege“ beschrieben wird. Als ich ihre Geschichte las, kamen Jahre danach noch einmal dieselben Gefühle hoch: Mir wurde übel und schwindlig und ich musste das Lesen des Beitrages unterbrechen.

Das zweite Erlebnis, an das ich mich erinnere, ist inzwischen eine Schlüsselszene für den gesunden Umgang mit dem Ekel für mich geworden:

Frau M. war an einem Tumor erkrankt und bekam starke Schmerzmittel, die zu Obstipation und im Wechsel dazu zu massiven Stuhlentleerungen führten. Dabei passierte es Frau M., dass sie ihren Rollstuhl „ zuschiss “ : Der Rollstuhl war im wahrsten Sinne des Wortes voller dünnflüssigem und teils breiigem Stuhl und stank fürchterlich. Meine Aufgabe war es, diesen Rollstuhl zu reinigen. Und ich war damit ziemlichüberfordert. Wenn manüberfordert ist, ist man in einer Stress-Situation. Stress-Situationen zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass man nicht klar denken kann und mitunter sinnlos handelt: Ich schob den Rollstuhl ins zentrale Badezimmer des Stockwerks und begann dort mit Schwämmen und anderen Reinigungsutensilien diesen Rollstuhl zu reinigen. Er stank und es war einfach nur grauenhaft. So ein alter Rollstuhl hat zahlreiche Ritzen und Möglichkeiten, in denen sich Stuhl ansammelt, die man mit Schwämmchen und Tüchern nicht erreicht. Ich habe schließlich versucht diese Fugen und Ritzen mit Wattestäbchen zu säubern. Ich war so wild darauf, mir selbst und den anderen zu beweisen, dass mir das alles nichts ausmacht, dass ich gar nicht erst daran dachte, wie ich mir diese Arbeit erleichtern könnte. Um meine Gefühle unter Kontrolle zu bringen, atmete ich durch den Mund ein, gab mir selbst Befehle wie: „ Das schaffst du doch locker! “ und ich redete mir Sätze vor wie: „ Das ist doch alles ganz natürlich und sie kann ja nichts dafür! “ , nur um die Bedrohlichkeit der Situation zu entschärfen. Es war eine Arbeit, die kein Ende nahm, und als ich schon ganz verzagt und verzweifelt war, kam die Stationsleitung und fragte verärgert, was ich so lange mit dem Rollstuhl mache und meinte: „ Warum stellst du das Ding nicht einfach in die Badewanne und duschst es ab! “ Und dann schämte ich mich für meine Dummheit und Kompliziertheit. Am Abend ging ich heim und hatte den Eindruck „ nach Scheiße “ zu riechen.

Diese beiden Erlebnisse machen deutlich, dass es wichtig ist, SchülerInnen und StudentInnen der Pflegeausbildung auf Ekelgefühle vorzubereiten bzw. mit ausgebildetem Gesundheitspersonal darüber zu sprechen und ihnen Strategien mitzugeben, wie sie auf gesunde Weise mit diesem Gefühl umgehen können.

Generell kann man sagen, dass alle Berufsgruppen, die irgendwie mit dem Körper des Menschen arbeiten, die beiden Gefühle „Ekel und Scham“ kennen - aber kaum darüber sprechen.

In den vergangenen Jahren habe ich im Rahmen von Vorträgen und Seminaren mit vielen Berufsgruppen zu diesem Thema gearbeitet: Mit PflegerInnen, ÄrztInnen, PolizistInnen, SanitäterInnen, MitarbeiterInnen des Kriseninterventionsteams, mit Kontinenz-Stoma- BeraterInnen, mit Feuerwehrmännern und -frauen, MasseurInnen, PhysiotherapeutInnen …. Die folgenden Seiten sind eine Zusammenfassung aus meiner Lehrtätigkeit, den wertvollen Beiträgen meiner SeminarteilnehmerInnen der unterschiedlichsten Berufsgruppen und meinen eigenen Erfahrungen mit diesen beiden Gefühlen.

Ekel

Am Beginn meines Seminars zum „Ekel-Management“ fordere ich meine TeilnehmerInnen zu einem Brainstorming auf: Die TeilnehmerInnen sammeln auf einem Flipchart alle Dinge, die für sie Ekel erregend sind. Wir nennen diese Dinge „Ekel-Objekte“. Unabhängig von der Berufsgruppe, der die Teilnehmer angehören, sieht die Sammlung immer recht ähnlich aus:

Erbrochenes, Kot, Gerüche, Sputum, Sekrete, Parasiten, Spinnen, Schlangen, Smegma, Blut, gestocktes Blut, Durchfall, gebrauchte Vorlagen, künstliche Ausgänge, Dekubitus, Sperma, Cerumen, Schweiß, Fäulnis, große Wunden, Leichenteile, Brandleichen, Wasserleichen, Amputate, Eiter … um die wichtigsten Ekelobjekte zu nennen.

Anschließend an das Brainstorming stelle ich die Frage, ob man sich den Ekel vor diesen Dingen abgewöhnen kann, ob man ihn mit der Zeit und mit einer gewissen Professionalität verlernen kann. Diese Frage wird von den meisten SchülerInnen mit „ja“ beantwortet: „ Ekel kann man sich abgewöhnen, man kann ihn verlernen. Es wird mit der Zeit besser. “

In Seminaren mit TeilnehmerInnen, die aus Berufserfahrung sprechen, ist die Meinung geteilt: Etwa die Hälfte der TeilnehmerInnen meint: Ja, man kann Ekel abgewöhnen. Die andere Hälfte ist der Meinung: Nein, Ekel ist nicht abgewöhnbar oder verlernbar. Man kann lernen mit ihm zu leben, aber er verschwindet nicht. Was ich von den VertreterInnen verschiedenster Berufsgruppen immer wieder höre, sind Aussagen wie:

- Am Anfang hab ich mich geekelt, mit der Zeit gewöhnt man sich, irgendwann ekelt einen (fast) nichts mehr.
- Wer sich ekelt, ist für diesen Job ungeeignet.
- Als Profi musst du in einen Zustand kommen, in dem du dich vor nichts mehr ekelst.

Solchen Aussagen liegen Überzeugungen zugrunde, die für unsere Kultur typisch sind:

Die Überzeugung, dass Gefühle lästig sind: Gefühle sind lästig und hindern den Menschen am professionellen Handeln. Das stimmt natürlich und jeder kennt das: Wenn ein Gefühl zu stark wird, dann macht es uns entweder handlungsunfähig oder aber wir handeln aus dem Affekt und unbedacht. Beides wirkt nicht professionell.

Die Überzeugung, dass Gefühle „Schwächen“ sind: Gefühle zu zeigen oder sie zu haben, wird mit „Schwäche“ gleichgesetzt. Wer Angst, Ekel, Scham, Eifersucht, Neid etc. zeigt, der zeigt Schwäche. Das ist auch mit ein Grund, warum Frauen grundsätzlich als „das schwächere Geschlecht“ gelten, weil ihnen „mehr und stärkere Emotionalität“ zugesprochen wird (was natürlich so nicht stimmt!). Wie auch immer: Wenn wir stark und professionell auftreten wollen, dann zeigen wir Gefühle besser nicht. Und das ist es ja, was wir in diesen Berufen gerne nach außen kehren wollen: Stärke und Sicherheit.

Wenn man Ekel tatsächlich verlernen oder abgewöhnen könnte, dann kann man sich unter Umständen unangenehme und „lästige“ Gefühle ersparen und immer sicher und stark sein. Das klingt praktisch, denn - wie gesagt - ein starkes Gefühl, das mit voller Wucht auftritt, kann handlungsunfähig machen.

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie kommen als Pflegerin in eine furchtbar Ekel erregende Situation, sie beginnen zu würgen, Sie verlieren die Kontrolle und müssen neben dem Patienten erbrechen. Wirkt das professionell? - Nein.

Also wäre es doch angenehm, wenn es ein Desensibilisierungsprogramm für unseren Ekel gäbe, mit dessen Hilfe wir den im Laufe unserer Sozialisation erlernten Ekel wieder verlernen könnten. Was ist aber, wenn Ekel gar nicht erlernt ist? Wenn Ekel angeboren ist, dann ist das Abgewöhnen- oder Verlernen-Wollen vergebliche Liebesmüh, es ist Zeitverschwendung, ein unnötiger Kraftakt, der zu nichts führt und vielleicht sogar ungesund ist.

1. Die Nase ist angeboren, der Ekel auch

Ekel ist wie Angst, Zorn, Lust und Freude eine primäre Emotion. Als primäre Emotionen werden Gefühle bezeichnet, die angeboren (das heißt, von Geburt an vorhanden) und universell sind. Universell heißt, es gibt keine Kultur, in der gesunde Menschen diese primären Gefühle nicht haben. Ekel ist ein Instinkt, er schützt uns vor toxischen und infektiösen Substanzen und ist uns mit dem Geruchs- und Geschmackssinn angeboren. Ekel ist in erster Linie ein sehr körperliches Gefühl: Er sagt uns über sehr deutliche physiologische Reaktionen, wie Würgen, Speichelfluss bis hin zum Brechreiz, ganz klar, was für uns gut ist und was nicht. Auch neurologisch betrachtet zeigt sich der Ekel vor allem als „primitiver“ Instinktrest und nicht so sehr als „intellektuelles“ Gefühl:

In der Riechschleimhaut werden Gerüche an die Riechzellen gebunden und Gerüche werden von dort als elektrische Signale über Axone an den Bulbus Olfaktorius, den Riechkolben, im Gehirn weitergeleitet. Der Riechkolben steht über die Geruchsnerven in Verbindung mit dem Limbischen System und dem Hypothalamus. Das Limbische System ist ein sehr alter Teil unseres Gehirns und ist der Sitz der primären Emotionen. Der Hypothalamus ist Bindeglied zwischen dem Nervensystem und dem Hormonsystem und er ist das Steuerzentrum der vegetativen Funktionen sowie des affektiven Reaktionsverhaltens. Affektive Reaktionen - z.B. Stress, Aggressivität, Angstreaktionen und eben auch Ekel - werden vom Hypothalamus aus gesteuert.

Für die typischen physiologischen Ekelreaktionen (Speichelfluss, Würge-Reiz, Erbrechen) ist das Brechzentrum mit Sitz im verlängerten Rückenmark zuständig. Gesteuert über Limbisches System und Hypothalamus und als Teil des vegetativen Nervensystems sind die Aktivitäten des Brechzentrums nur sehr schwer zu beeinflussen, was die Körperlichkeit des Gefühls erklärt und die Schwierigkeit starken Ekel durch intellektuelle Leistung zu unterdrücken. Es gibt zwar Möglichkeiten Ekel zu regulieren, aber grundsätzlich ist das sehr schwierig - vor allem, wenn es zu starken Ekelreaktionen kommt.

Wenn wir bedenken, dass Ekel uns vor der Einverleibung oder dem Kontakt mit toxischen und infektiösen Substanzen schützen soll, so wird der Sinn, „instinktiv“ mit Ekel zu reagieren, klar: Wenn etwas gefährlich für mich wird, so soll ich keine Zeit zum Nachdenken haben, ob ich diese Substanz angreifen oder essen soll oder ob ich besser auf Distanz gehen soll. Der Ekel signalisiert ein klares: „ Nein “ ! Es lohnt sich durchaus auf die Nase „zu hören“ und einem Gefühl zu vertrauen, die Nase und unser Gefühl sagen uns genau, was Sache ist.

Darüber hinaus gibt es natürlich auch erlernte Anteile am Ekel, denn am Menschen ist nichts reiner Instinkt: Alles was angelegt ist, wird durch Erfahrung, Denken und Sozialisation überlagert.

2.3 Gruppen von Ekelobjekten

Gruppe 1: Universelle Ekelobjekte

Dazu zählen alle Objekte, die beim Menschen in allen Kulturen und von Geburt an Ekel als Schutzmechanismus auslösen. Es handelt sich bei diesen Objekten um Substanzen, die man als Abfälle bezeichnen kann: Das sind Substanzen, die keine Funktion mehr für uns haben und die zudem durch Fäulnis- oder Verwesungsprozesse toxisch und/oder infektiös sind oder es werden. Dazu zählen klassischer Abfall, aber auch Ausscheidungen, Sekrete, Auswürfe, Verfaulendes und Verwesendes.

In Bezug auf den Körper und seine Ausscheidungen kann man sagen: Alles, was aus unserem Körper ausgeschieden wird, gilt als ekelerregend und wird tabu: Kot, Urin, Sekrete, Sputum, Haare (im Abguss der Dusche z.B.), abgeschnittene Finger- oder Zehennägel.

Zwei Gedankenexperimente:

Experiment 1: Stell dir vor, du sammelst ein Glas voll mit deiner eigenen Spucke. Würdest du das Glas wieder austrinken? Würdest du das Glas Spucke austrinken, wenn es ... sagen wir ... einen Tag alt ist?

Warum ist unsere eigene Spucke, die wir gerade eben ausgespuckt haben, so ekelerregend, dass wir sie uns nicht mehr einverleiben wollen?

Experiment 2: Stell dir vor, ein Mann isst 5 rohe Eier. Dann steckt er sich den Finger in den Rachen und erbricht die Eier wieder. Er würzt sie, verrührt die Mischung, brät sich eine Eierspeise daraus und isst diese.

Warum ist es ekelerregend, Erbrochenes - auch im gesunden Zustand - noch einmal zu essen?

Sind Kleinkinder polymorph pervers?

Sigmund Freud hat ein Gerücht in die Welt gesetzt, das sich bis heute hartnäckig hält: Säuglinge und Kleinkinder seien „polymorph pervers“: Sie ekeln sich angeblich nicht, sie fühlen sich zu Kot und anderen ekligen Dingen sogar hingezogen und spielen lustvoll damit. Der Ekel wird dem Kind laut Freud erst anerzogen. Wir wissen heute, dass das nicht stimmt. Ekel ist als primäres Gefühl angeboren und gerade beim Säugling bzw. Kleinkind bis zu 3 Jahren ist dieses Gefühl bzw. dieser Instinkt überlebensnotwendig, da sich Kinder bis zum 3. Lebensjahr alles in den Mund stecken, was ihnen interessant erscheint. Denn der Mund ist in dieser Entwicklungsspanne das Forschungsinstrument des Kindes. Hätte das Kind keinen Ekel, wäre das äußerst ungünstig. Das heißt natürlich nicht, dass der Säugling mit dem aktiven Wissen auf die Welt kommt, dass Ausscheidungen und ähnliches „eklig“ sind. Diese Erfahrungen muss ein Kind erst machen: Sobald das Kind sich etwas Ungenießbares, z.B. Hundekot, in den Mund steckt, erkennt es über Geschmack und Geruch instinktiv, dass Kot ungenießbar ist und spuckt ihn aus bzw. schiebt ihn mit der Zunge aus dem Mund (wenige Monate alte Säuglinge sind motorisch noch nicht in der Lage zu spucken). Säuglinge sind also nicht frei von Ekel wie fälschlicherweise oft behauptet wird. Sie wissen noch nichts über den Geschmack und den Geruch von Abfällen, weswegen sie erst über den Geschmacks- und Geruchssinn Erfahrungen sammeln müssen. Dabei kann es sein, dass sie sich Kot oder andere eklige Substanzen in den Mund stecken, einfach weil Kleinkinder sich zu Erkundungszwecken alles Mögliche in den Mund stecken. Der Kot wird daraufhin aber sehr schnell wieder ausgespuckt und das Kind merkt sich gut, dass es sich hierbei um etwas

Ungenießbares handelt. Kinder beginnen nicht begeistert Kot zu verspeisen, nachdem sie die erste geschmackliche Erfahrung damit hatten. Das liegt am Ekel vor dem Geschmack dieses Abfallproduktes und nicht am elterlichen Verbot diese Dinge zu essen. Verbote alleine können wohl kaum dazu führen, dass sich Menschen aller Kulturen vor Abfällen, insbesondere Fäkalien ekeln.

Gruppe 2: individuell oder kulturell sozialisierte Ekelobjekte

Ekel kann aufgrund von Konditionierung beim Individuum erlernt sein: Jeder hat schon mal nach einer bestimmten Speise erbrochen. Es ist dann für einen längeren Zeitraum unmöglich, diese Speise wieder zu sich zu nehmen. Teilweise bleibt der Ekel davor auch lebenslänglich.

Ekel kann natürlich durch die Kultur erworben bzw. anerzogen sein: Der europäische Ekel vor der Insektenküche ist hier ein gutes Bespiel: Der Verzehr von Insekten ist in bestimmten Kulturen tabu, weil sie mit Schmutz und Krankheit in Zusammenhang gebracht werden, in anderen nicht. Das Argument, Insekten seien schmutzig und deshalb nicht essbar lässt sich aber genauso wenig halten wie die Behauptung, dass Schweine schmutzig und ungenießbar sind. Krankheiten, die durch den Verzehr von Schweinefleisch ausgelöst werden können, werden durch Säuberung des Fleisches und vor allem durch Garen verhindert. Genauso spricht - gebraten und gewürzt - nichts gegen eine Kakerlake: Man öffnet ihren Chitinpanzer und isst das Fleisch wie das einer Languste.

Darüber hinaus gibt es Geschmackscodes, welche sich in den einzelnen Kulturen entwickelt haben und nicht mehr nachvollziehbar sind, uns aber dahingehend prägen, was für uns Wohlgeschmack oder Widerwillen bedeutet: Gegen die Vermischung von Salami, Kaffee und Eau de Cologne zu einer Speise spricht an sich nichts, die Kombination erscheint uns aber dennoch als ungenießbar.

Gruppe 3: Ekel oder Abneigung aufgrund körperlicher Disposition

Es gibt Substanzen gegenüber denen der Körper „Ekel“ als Schutz aufbaut, weil er sie nicht verträgt: So können Schwangere oft keinen Kaffee mehr riechen oder trinken, ohne dass ihnen übel wird. Dasselbe Phänomen kennen Patienten mit Magenerkrankungen: Kaffee, Wein und andere säurehaltige Lebens- bzw. Genussmittel erzeugten schon bei ihrem Geruch Ekel und Übelkeit.

3. Was bedeutet das für die Pflege?

Die gute Nachricht

PflegerInnen können erlernten Ekel wieder verlernen: Wir können Ekel soweit verlernen, dass wir Insekten in unseren Speiseplan mitaufnehmen. Eine Einschränkung gibt es: Es muss unserer individuellen Geschmacksdisposition entsprechen, welche zum Teil wieder Veranlagung ist.

Die schlechte Nachricht

Für die Gruppe der universellen Ekelobjekte gilt: Ekel vor Abfällen, Ausscheidungen, Sekreten, Verwesung und Fäulnis verlernen oder abgewöhnen zu wollen, funktioniert nicht. Leider ist es aber gerade diese Objektgruppe, mit der es Berufsgruppen, die am Körper arbeiten, tagtäglich zu tun haben. Es ist zu beobachten, dass gegenüber bestimmten Substanzen eine gewisse „Gewöhnung“ eintritt, wobei es sich hier nicht wirklich um Gewöhnung handelt. Es ist eher so, dass wir uns Strategien zurechtlegen, mit denen wir Ekel erregende Situationen erleichtern und auch das Ekel-Gefühl besser regulieren können. Wenn wir unseren Ekel aber anders bewerten, dann wird aus der schlechten Nachricht wieder eine gute: Es wäre ziemlich unvernünftig, den Ekel loswerden zu wollen, denn man

könnte nicht mehr erkennen, wann eine Substanz gefährlich ist. Ekel ist für Berufsgruppen, die mit infektiösen Körpern und Substanzen arbeiten, nicht nur okay, er ist sogar wichtig, um gesund zu bleiben.

4. Menschen stinken! — Ekelobjekt „Körper“

Wenn wir uns die Frage stellen, was am menschlichen Körper eklig ist, dann denken wir in erster Linie an Ausscheidungs- und Geschlechtsorgane, weil sie „schmutzig“ sind. Aus den Ausscheidungs- und Geschlechtsöffnungen entleeren sich jene Substanzen, welche zu den universellen Ekelobjekten zählen.

Bedenken wir, dass der Körper zur Gänze von Haut überzogen ist und dass diese ein einziges großes Ausscheidungsorgan ist, dann müssen wir zugeben: Körper sind immer mehr oder weniger Ekel erregend. Das wird uns deutlich, wenn wir an einem heißen Sommertag abends mit dem überfüllten Bus nach Hause fahren und von Schweiß und anderen Gerüchen umgeben werden. Die Industrie hat schon längst reagiert: Eine Flut an verschiedenen Duftkerzen und -wässerchen, Sprays und Deodorants zeugt von unserer Scham dafür, dass wir riechen und dem Ekel vor Körpergerüchen und Ausscheidungen.

Schambesetzte und Ekel erregende Körperzonen sind nicht nur Ausscheidungs- und Geschlechtsorgane, sondern im Grunde alle „ Körperöffnungen “ , also auch Mund, Nase, Ohren, Augen und Achselhöhlen. Stellen wir uns vor, jemand greift uns plötzlich in die Achselhöhle. Achselhöhlen sind Intimzonen: Wir scheiden hier vermehrt Schweiß aus und sind auch besonders empfindlich, vielleicht sogar kitzlig.

Mund, Zunge und Mundhöhle sind Ekel erregend: Eine Studie bei Intensivpflegepersonal ergab, dass über 70% der PflegerInnen die Pflege vom Mund-Hals-Nasen-Rachen-Bereich Ekel erregender empfindet als die Pflege von Anal- und Geschlechtszonen. Küssen, vor allem der Zungenkuss, ist etwas äußerst Intimes, aber auch das Eingreifen in den Mund und Rachenraum bei der Mundpflege oder das Füttern sind intime Handlungen, die, wenn sie durch Pflegepersonal ausgeführt werden, immer eine gewisse Grenz- überschreitung darstellen, bei der man sehr behutsam vorgehen muss. Füttern gegen den Willen des Patienten oder unsanfte Mundpflege können leicht übergriffig und zur „Vergewaltigung“ werden.

Körper- und Mundgeruch verschlechtern sich vor allem beim kranken Körper. Krankheitskeime verursachen sehr häufig üble Gerüche. Das ist schon bei einer normalen Halsentzündung wahrnehmbar, besonders aber bei nekrotischen Prozessen oder Tumorerkrankungen, vor allem bei exulcerierenden Tumoren.

Verstümmelungen, Wunden und grundsätzlich alle als makelhaft empfundenen Körperteile sind schambesetzte Zonen und können Ekel erregend erlebt werden. Nicht selten empfindet der Patient Selbstekel. Ein wichtiges Thema in der Palliativpflege ist, wie man mit der Geruchsbelastung durch Tumore, dem Selbstekel des Patienten und dem Ekel des Pflegepersonals umgehen kann. Ein ähnliches Problem stellt sich natürlich auch in der Kontinenz-Stoma-Beratung, denn Stoma-PatientInnen haben ihre Ausscheidungsöffnung „immer unter der Nase“ und damit Angst davor, dass nicht nur sie selbst, sondern auch andere Menschen dies riechen. Ein Patient, der sich vor sich selbst oder vor Teilen seiner selbst ekelt, wird sich auch mit der selbstständigen Versorgung des kranken oder entstellten Körperteils schwertun. Auch hier sind kompetente Beratung durch PflegerInnen, ÄrztInnen und speziell ausgebildetes Beratungspersonal wichtig.

5. Arbeit am Körper als Grenzüberschreitung und Belastung

Zu fremden Personen nehmen wir automatisch eine schützende Distanz ein: Die minimale Distanz, die wir bei frontaler Gegenüberstellung („face to face“) zu einer uns fremden Person einnehmen, beträgt zwischen 60 und 70 cm. Das ist der Abstand, bei dem wir eine Person in gutem hygienischem Zustand gerade nicht mehr riechen können. Kommt mir die Person in frontaler Haltung näher, wird sie riechbar - als ganzer Körper -, besonders aber der Mundgeruch. Das ist nicht nur bedrohlich, weil es eklig sein kann, wir reagieren auch „betreten“, denn bei dieser Grenzübertretung betritt tatsächlich jemand unseren Privatraum. „Betretenheit“ ist „Verlegenheit“ und Verlegenheit ist ein Gefühl, das eng mit dem Scham- gefühl verwandt ist.

Berufsgruppen, die mit Körpern arbeiten, können diesen Sicherheitsabstand oft nicht einhalten: Wir müssen durch die Arbeit näher an den Körper heran oder invasiv in den Körper eingreifen. Damit werden tagtäglich etliche „Grenzen“ überschritten - eigene und fremde ! Dazu kommt, dass wir selten mit „schönen“ und gesunden Körpern arbeiten, sondern hauptsächlich mit kranken, toten und verstümmelten Körpern. Wir arbeiten im Intimbereich und mit Ausscheidungen, mit Auswürfen und Sekreten. Wir sehen und arbeiten an Körperteilen, die normalerweise vor anderen Menschen verborgen werden.

Die Arbeit am Körper ist eine permanente Grenzüberschreitung und bedeutet Dauer- belastung. Sie ist eine Dauerbelastung, die uns nicht bewusst ist und uns krank machen kann, wenn wir keine Strategien finden, mit dieser Belastung auf gesunde Weise umzugehen.

6. Ekel-Facts: Was ist am Ekeligen eigentlich eklig?

Es gibt bestimmte Eigenschaften, die wir als eklig empfinden. Wenn uns diese Eigenschaften bewusst sind, können wir uns vor ihnen besser schützen.

Konsistenz und Farbe

Aurel Kolnai hat beobachtet, dass sich Ekelgefühle „niemals auf Anorganisches, Lebensfreies“ beziehen, es sind immer organische Substanzen, die für uns schwierig sind,[1] und Bernhard Kathan führt an, dass wir uns vor tierischen und menschlichen Körperfetten ekeln, nicht aber zum Beispiel vor Maschinen-Fetten.[2]

Eklig ist vor allem alles, was breiig-schleimig, schwabbelig, weich, klebrig und unklar ist. Es sind also vermischte, „unreine“, organische Substanzen, die Ekel erregen. Die Klebrigkeit der Konsistenz macht es uns besonders schwierig, denn Klebriges ist schwer zu entfernen, es haftet an. Sartre beschreibt es so: „ Das Klebrige ist fügsam. Doch im gleichen Moment, in dem ich es zu besitzen glaube, besitzt es plötzlich mich in einer merkwürdigen Umkehrung. “[3] Sich mit Sputum zu beschmutzen, wird gewöhnlich als ekliger empfunden als die Beschmutzung mit Urin.

Auch die Farbe spielt eine Rolle: Ekelobjekte sind nicht nur in ihrer Konsistenz vermischt, auch die Farbe ist meist eine Mischfarbe: Rötlich, Bräunlich, Grünlich, Gelblich und eine Mischung aus diesen unklaren Farben - das wirkt unsauber und schmutzig.

Der Anschein von Gesundheit oder Gefährlichkeit

Warum sind Tränen weniger eklig als Nasensekret? Tränen sind einerseits klare Flüssigkeiten, die nicht schleimig und klebrig sind. Wir wissen natürlich auch, dass sie infolge von Schmerz oder Trauer auftreten, jedoch nicht ansteckend sind. Vermehrt produziertes Nasensekret ist uns als Krankheitssymptom bekannt. Wie Sputum ist es trüb-schleimig und mitunter sogar gelblich-grün. Wir wissen auch, dass Nasensekret und Sputum infektiös sind. Dieses Wissen steigert den Ekel.

Stuhl ist ein Ekelobjekt, gegenüber dem PflegerInnen am ehesten eine „gewisse Gewöhnung“ entwickeln. Das ist so lange der Fall, solange der Stuhl „normal“ riecht und aussieht. Wenn Konsistenz oder Geruch zeigen, dass der Stuhlgang „nicht normal ist“, wird er wieder ekelerregender.

Der Ort, an dem sich die Substanz befindet

Kot auf dem Boden vor dem Bett ist Ekel erregender als Kot in der WC-Schüssel. Christine Sowinski zeigt, dass die Platzierung von Ekelobjekten ein wichtiges Kriterium für das Empfinden von Ekel ist. Sobald Stuhl an Orten auftaucht, die unseren Konventionen nicht entsprechen, oder an Orten, an denen die Säuberung erschwert wird, verstärken sich Ekelgefühle. Wenn ein Patient Durchfall in die Schüssel oder ins WC produziert, ist das erträglich, weil es leicht zu reinigen ist. Wenn ein Patient aber neben das WC, ins Bett defäktiert oder - wie im Beispiel eingangs - einen ganzen Rollstuhl einkotet, wird es sehr schwierig.

„ Sehr schlimm sind Situationen, in denen man es mit Verunreinigungen des Mundes zu tun hat, zum Beispiel beim Umgang mit Erbrochenem, Schleim. Am allerschlimmsten empfanden es die MitarbeiterInnen, wenn ein dementiell erkrankter Bewohner seinen Kot nicht mehr als solchen erkannte, sondern ihn gegessen hat und die MitarbeiterInnen ihm den Mund reinigen mußten. Bemerkenswert ist, daßder Mund als der Ort der gr öß ten Reinheit angesehen wird und Verunreinigungen in diesem Bereich als besonders belastend empfunden werden [...] So sagte zum Beispiel eine 26jährige Altenpflegerin in den Interviews: „ Wenn das passiert, könnte ich mich auf den Boden legen und weinen. Das kann man doch keinem erzählen, was man manchmal bei der Arbeit machen muß. Danach ist der Tag für mich gelaufen. “ [4]

Geräusche

Auch Geräusche können Ekel auslösen, z.B. das Geräusch des Würgens beim Erbrechen oder das Schmatzen und Schlürfen beim Essen. Auch Geräusche von Blähungen können Ekel erregend sein oder Rülpsen. Wenn jemand Sputum für sehr ekelerregend hält, genügt oft schon das Geräusch des Räusperns oder Spuckens, um starken Ekel auszulösen. Wenn PatientInnen nach der Schüssel verlangen, macht es Sinn, ein Stück Papier auf den Boden der Schüssel zu geben, um die Geräusche, die das Wasserlassen auf Nirosta verursacht, zu vermeiden. Das hat zwei Vorteile: Einerseits werden die Schamgefühle des Patienten reduziert, andererseits wird durch die Verminderung von Körperscham des einen oft auch der Ekel des andern gemildert.

Wahrnehmbarkeit

Eigentlich muss man Ekliges sehen, riechen, hören oder fühlen können, dass Ekel einsetzt. Nicht wahrnehmbare Keime werden aber oft als bedrohlicher empfunden, weil man sich schlechter vor ihnen schützen kann: „ Der sichtbare Schmutz löst zwar schnell Ekelgefühle aus, weil er aber sichtbar ist, l äß t sich die direkte Berührung auch einfach vermeiden. “[5] Keime sind unsichtbar und sie können gefährlich sein. Mit unserer Angst lässt sich viel Geld machen: Produkte wie „antibakterielle“ Raumsprays und Düfte sowie „antibakterielle“ Reinigungsmittel mit dem Ziel der „Keimfreiheit“ zeugen von unserer Angst, ja Hysterie im Kontakt mit den für das freie Auge nicht sichtbaren Keimen. Je mehr geputzt und desinfiziert wird, desto mehr betonen wir, dass da etwas Gefährliches, Schmutziges, Krankmachendes und Todbringendes um uns ist. Und das ist natürlich in Krankenhäusern besonders der Fall.

[...]


[1] Kolnai: Der Ekel. S. 120.

[2] Katan: Die Ekelpyramide. S.4.

[3] Sartre: Das Sein und das Nichts. S. 1041.

[4] Sowinski: Grenzsituationen in der Pflege. S. 10

[5] Kathan: Die Ekelpyramide. S. 18.

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Ekel und Scham bei der Arbeit mit dem menschlichen Körper
Veranstaltung
Gefühlsmanagement - Ekel und Scham; Tabus in der Pflege
Autor
Jahr
2010
Seiten
36
Katalognummer
V160503
ISBN (eBook)
9783640747481
ISBN (Buch)
9783640747672
Dateigröße
1597 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ekel, Scham, Gefühle, Emotionen, Thanatologie, Psychologie, Pflege, Bestattung
Arbeit zitieren
Dr. Mag. Christine Pernlochner-Kügler (Autor), 2010, Ekel und Scham bei der Arbeit mit dem menschlichen Körper, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160503

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