Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Politics - Environmental Policy

Der 'ökologische' Marx - Zum Marxschen Naturbegriff

Title: Der 'ökologische' Marx - Zum Marxschen Naturbegriff

Seminar Paper , 2003 , 18 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Anna Fehmel (Author)

Politics - Environmental Policy
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Umweltbewegte Kritiker werfen Marx heute vor, er hätte „keinen Sinn für Ökologie“ bzw. eine „unkritische Haltung zur industriellen Zivilisation, insbesondere hinsichtlich ihrer zerstörerischen Beziehung zur Umwelt“ gehabt, einige gehen sogar soweit, ihn des unreflektierten Materialismus‘ bzw. des Produktivismus‘ zu „bezichtigen“ .Was ist an diesen Vorwürfen gerechtfertigt? „War Marx ein Produktivfetischist oder hat er die ökologischen Probleme schon mitbedacht?“ (Müller: Marx in Zukunft) Gibt es gar den ‚ökologischen Marx‘? Für diese Arbeit habe ich mich neben weiteren, z.T. essayistischen Quellen besonders auf Hilmar Westholms Veröffentlichung (‚Stoffwechsel des Menschen mit der Natur‘) gestützt und bin seinen Ausführungen weitestgehend gefolgt. Da Marx selbst „nie eine systematische Theorie der Natur entworfen hat“ (Westholm: 69), waren die Sekundärquellen vor allem notwendig, um einen Überblick über diejenigen Texte bzw. Textstellen des Marxschen Gesamtwerkes zu erhalten, die sich auf Natur bzw. das Naturverhältnis beziehen. Interessanterweise widersprechen sich die Autoren zum Teil hinsichtlich der jeweiligen Rezeption einzelner Textstellen. Was dem einen als Beispiel für Marx‘ Kritik am Kapitalismus bzw. der entfremdenden kapitalistischen Produktion dient, gilt dem anderen hingegen als Beleg für dessen „allzu unkritische Bewunderung [...] für die ‚zivilisatorische‘ Mission der kapitalistischen Produktion und ihre brutale Instrumentalisierung der Natur“.

In dieser Arbeit soll dennoch versucht werden, anhand entscheidender Begriffe (wie Natur, Stoffwechsel, Arbeit, Entfremdung) die wichtigsten Aspekte herauszuarbeiten, die die Frage nach dem ‚ökologischen‘ Marx klären helfen sollen; der Schwerpunkt liegt hierbei auf Zitaten aus den ökonomischen Schriften - angefangen bei den Ökonomisch-philosophischen Manuskripten, den Grundrissen zur Kritik der politischen Ökonomie bis hin zum Kapital. Insbesondere die Ökonomisch-philosophischen Manuskripte erwiesen sich dahingehend als wahre Fundgrube.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Das Verhältnis von Mensch und Natur

2.1. Zum Marxschen Naturbegriff

2.2. Natur und Arbeit - Praxis und Entfremdung

2.3. Die Ausbeutung von Mensch und Natur

3. Auswege

4. Schlußbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die theoretische Auseinandersetzung von Karl Marx mit ökologischen Fragestellungen und prüft, inwiefern Marx ein Verständnis für Umweltprobleme und den "Stoffwechsel" zwischen Mensch und Natur besaß, um Vorwürfen eines bloßen Produktivismus entgegenzutreten.

  • Analyse des Marxschen Naturbegriffs als unorganischer Leib des Menschen.
  • Untersuchung des Konzepts der Entfremdung im kapitalistischen Produktionsprozess.
  • Beleuchtung des Zusammenhangs zwischen Ausbeutung des Menschen und Ausbeutung der Natur.
  • Diskussion möglicher Ansätze für ein ökologisch nachhaltiges Wirtschaften bei Marx.
  • Kritische Würdigung der Aktualität der Marxschen Analysen für die heutige Umweltdebatte.

Auszug aus dem Buch

2.1. Zum Marxschen Naturbegriff

Marx entwickelt einen heute (wieder) erstaunlich modern anmutenden, geradezu ganzheitlich zu nennenden Naturbegriff: „Die Natur ist der unorganische Leib des Menschen, nämlich die Natur, soweit sie nicht selbst menschlicher Körper ist. Der Mensch lebt von der Natur, heißt: Die Natur ist sein Leib, mit dem er in beständigem Prozess bleiben muß, um nicht zu sterben. Daß das physische und geistige Leben des Menschen mit der Natur zusammenhängt, hat keinen andren Sinn, als daß die Natur mit sich selbst zusammenhängt, denn der Mensch ist ein Teil der Natur.“ (Marx: Manuskripte: 516). Der Mensch ist also Bestandteil der Natur, er bildet den organischen Teil, die restliche, äußere Natur den unorganischen Teil des Leibes (vgl. Westholm: 88).

Marx bezeichnet die Natur weiterhin als „erste[...] Quelle aller Arbeitsmittel und -gegenstände“ (Marx: Kritik des Gothaer Programms: 11), sie ist für ihn auch nur in diesem Zusammenhang - im Stoffwechsel mit dem Menschen bzw. durch menschliche Arbeit, die Praxis - wirklich „sinnlich“ wahrnehmbar (Westholm: 73) und relevant: „Erst als bearbeitete finden Ressourcen wie Luft, Wasser, Mineralien u. dgl. Berücksichtigung im ökonomischen Kalkül“ (Westholm: 82). Ohne den (Eingriff des) Menschen ist Marx die Natur nichts: „[D]ie Natur, abstrakt genommen, für sich, in der Trennung vom Menschen fixiert, ist für den Menschen nichts“ (Marx: Manuskripte: 587).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Es wird die Forschungsfrage aufgeworfen, ob Marx ein ökologisches Bewusstsein besaß oder ein reiner Produktivfetischist war.

2. Das Verhältnis von Mensch und Natur: Dieses Kapitel erläutert Marx' Verständnis der untrennbaren, stoffwechselartigen Verbindung zwischen Mensch und Natur.

2.1. Zum Marxschen Naturbegriff: Hier wird dargelegt, dass Marx die Natur als unorganischen Leib des Menschen definiert, von dem er existenziell abhängig ist.

2.2. Natur und Arbeit - Praxis und Entfremdung: Das Kapitel untersucht die Rolle der Arbeit als Vermittler im Stoffwechsel und wie Entfremdung die Beziehung zur Natur zerstört.

2.3. Die Ausbeutung von Mensch und Natur: Es wird analysiert, wie die kapitalistische Produktionsweise sowohl menschliche Arbeitskraft als auch natürliche Ressourcen rücksichtslos ausbeutet.

3. Auswege: Dieses Kapitel diskutiert die Aufhebung des Privateigentums und eine revolutionäre Praxis als Ansätze zur Lösung der ökologischen Krise.

4. Schlußbemerkung: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass Marx' Analysen trotz ihrer historischen Einbettung hochaktuell für die zeitgenössische Umweltbewegung bleiben.

Schlüsselwörter

Ökologie, Karl Marx, Entfremdung, Stoffwechsel, Naturverhältnis, Kapitalismus, Ausbeutung, Nachhaltigkeit, Arbeit, Privateigentum, Produktivismus, Mensch-Natur-Beziehung, ökologische Krise.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Frage, ob das Werk von Karl Marx Ansätze zu einer ökologischen Theorie enthält und wie er das Mensch-Natur-Verhältnis im Kontext des Kapitalismus bewertet.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind der Marxsche Naturbegriff, der Stoffwechselprozess, die Entfremdung der Arbeit und die ökologischen Folgen der industriellen Ausbeutung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die Vorwürfe zu entkräften, Marx sei ein ignoranter Befürworter der Naturzerstörung, und stattdessen die human-ökologischen Aspekte in seinen Schriften herauszuarbeiten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, die zentrale Begriffe aus Marx' Schriften (Manuskripte, Grundrisse, Kapital) sowie relevante Sekundärliteratur vergleicht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Entfremdung des Menschen von der Natur, die Rolle des Stoffwechsels und die kapitalistische Logik, die Erde und Arbeiter als bloße Produktionsmittel instrumentell ausbeutet.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Ökologie, Entfremdung, Kapitalismus, Stoffwechsel und Nachhaltigkeit geprägt.

Wie unterscheidet Marx das Verhältnis von Natur und Mensch?

Marx sieht den Menschen als Teil der Natur, wobei die Arbeit die unorganische Natur in den Stoffwechsel des Menschen integriert, was im Kapitalismus jedoch zu einer entfremdeten und zerstörerischen Beziehung führt.

Warum hält die Autorin Marx' Analysen für aktuell?

Die Autorin argumentiert, dass Marx den systemimmanenten Zerstörungszwang des Kapitalismus klar erkannt hat, was heute, angesichts globaler ökologischer Krisen, eine wichtige Grundlage für moderne Nachhaltigkeitsdebatten liefert.

Excerpt out of 18 pages  - scroll top

Details

Title
Der 'ökologische' Marx - Zum Marxschen Naturbegriff
College
Free University of Berlin  (Otto-Suhr-Institut für Politikwiss.)
Course
PS Marx
Grade
1,3
Author
Anna Fehmel (Author)
Publication Year
2003
Pages
18
Catalog Number
V16054
ISBN (eBook)
9783638210058
ISBN (Book)
9783638771382
Language
German
Tags
Marx Marxschen Naturbegriff Marx
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anna Fehmel (Author), 2003, Der 'ökologische' Marx - Zum Marxschen Naturbegriff, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16054
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  18  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint