Werbung und Geschlechterrollenvermittlung als Unterrichtsgegenstand im Deutschunterricht


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009
22 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Eine didaktische Begründung des Unterrichtsgegenstandes Medien

2. Vorgaben des G8-Lehrplans des Landes Bayern zur Medienintegration

3. Eine didaktische Begründung des Unterrichtsgegenstandes: Geschlechterrollen in der Werbung

4. Unterrichtsentwurf zum Thema Geschlechterrollenvermittlung in der Werbung
4.1. Jahrgangsstufe
4.2. Lernvoraussetzungen der Schüler
4.3. Begründung der Wahl beider Werbebeispiele
4.4. Angestrebte Unterrichtsziele
4.4.1. Grobziele
4.4.1.1. Förderung der Sachkompetenz
4.4.1.2. Förderung der Sozialkompetenz
4.4.1.3. Förderung der Selbstkompetenz
4.4.1.4. Förderung der Methodenkompetenz
4.4.2. Feinziele
4.5. Geplanter Unterrichtsverlauf
4.5.1. Einstiegsphase
4.5.2. Erarbeitungsphasen
4.5.2.1. Erarbeitungsphase I: Probleme und Ursachen der Geschlechterrollen
4.5.2.2. Erarbeitungsphase II: Klischees in der Werbung
4.5.3. Hausaufgaben und Ausblick auf die folgenden Stunden

5. Anhang
5.1. Literaturverzeichnis
5.1.1. Primärliteratur
5.1.2. Sekundärliteratur
5.2. Materialien

1. Eine didaktische Begründung des Unterrichtsgegenstandes Medien

Schon seit einiger Zeit ist die Didaktik erfolgreich dabei Möglichkeiten zu entwickeln neben dem Buch die anderen bedeutsamen „Massenmedien“ Fernsehen, Film, Zeitungen und in neuester Zeit auch das Internet in den Schulunterricht zu integrieren. Die vorliegende Arbeit soll an diese Ansätze anknüpfen und ein entsprechendes Unterrichtskonzept vorstellen. Zuvor erfolgt in diesem Abschnitt ein kurzer Blick auf den Forschungsstand der Didaktik zum Thema Medienintegration. Dabei wird unter „Medienintegration“ vor allem die Integration der oben erwähnten, neuen Medien verstanden, deren Einfluss auf alle Bevölkerungsmitglieder wird heutzutage kaum mehr bestritten wird.

Diese Tatsache hat zur Folge, dass sich auch die moderne Didaktik diesem Problem mehr und mehr zuwendet und eine stärkere Berücksichtigung der neueren Medien wie Film und Fernsehen im Schulunterricht thematisiert.[1] Doch bereits in den siebziger Jahren wurde im Rahmen der aufkommenden Mediendidaktik eine kompetente Kritikfähigkeit gegenüber Fernseh-, Zeitschriften- und Radiokonsum als oberstes Lernziel formuliert.[2] Heute zu Beginn des 21. Jahrhunderts, erscheint dieses Postulat höchst aktuell, zumal zu den oben genannten Medien noch das boomende Medium Internet hinzuzurechnen ist und sich gerade für die jüngere Generation erschließt.

Als Ziele eines modernen Medienunterrichts werden vor allem Medienkompetenz, sowie Ästhetische und Politische Bildung genannt.[3] Laut Jutta Wermke ist unter Medienkompetenz „die Fähigkeit des Rezipienten bzw. Users zum sachgerechten und selbstbestimmten Umgang mit Medien“ zu verstehen.[4] Achim Barsch versteht unter ihr ferner die Fähigkeit Medien „in sozialer Verantwortung sowie in kreativem und kollektivem Handeln zu gestalten.“[5] Voraussetzung hierzu sind Kenntnisse um Form und Inhalt des Angebots an Medien und vor allem die Fähigkeit zur kritischen Beurteilung der Informationsqualität und der ästhetischen Umsetzung.[6] Betrachtet man die Einflussnahme der neuen Medien Fernsehen und Internet auf die jüngere Generation, so erscheint Medienkompetenz als ein zentrales Lernziel des Faches Deutsch, das die Schüler dazu befähigen soll sich in der modernen Mediengesellschaft zurecht zu finden und diese aktiv mitgestalten zu können.

2. Vorgaben des G8-Lehrplans des Landes Bayern zur Medienintegration

Aufgrund des zunehmenden Bewusstseins innerhalb der Fachdidaktik um die Bedeutung der Massenmedien, sind diese längst in den Lehrplan des Landes Bayern eingegangen. So sind „Medien“ ganz allgemein im Fächerprofil Deutsch als Gegenstand des Unterrichts verankert.[7] Hier ist diesem Thema ein eigener kleiner Abschnitt unter „Beitrag des Faches zur gymnasialen Bildung und Persönlichkeitsentwicklung“ gewidmet:

Der selbstbestimmte Umgang mit Medien fördert die Entwicklung einer eigenständigen und reflektierten Einstellung zu ihnen und verhilft Schülern dazu, deren Angebote und Möglichkeiten verantwortungsbewusst, sachgerecht, sinnvoll und kreativ zu nutzen.[8]

Hieraus geht bereits hervor, dass die im vorangegangen Abschnitt dieser Arbeit dargestellten Forderungen der Didaktik nach einem Lernziel Medienkompetenz in den aktuellen Lehrplan Eingang gefunden haben. Die sehr allgemein gehaltene Formulierung - die Art der Medien wird beispielsweise nicht präzisiert - lässt einigen Interpretationsspielraum und damit weitere Möglichkeiten der Lehrkräfte zur Schwerpunktlegung.

In den Jahrgangsstufenlehrplänen wird das Thema etwas eingegrenzt. Die Vorgabe „Medien nutzen und reflektieren“ ist in allen Jahrgangsstufen vorhanden wird unterschiedlich konkretisiert.[9] In der fünften und sechsten Klasse ist allerdings lediglich eine - dem Erfahrungshorizont der Schüler entsprechende - oberflächlichere Betrachtung visueller Darstellungen vorgesehen. Zu einem ersten tiefer gehenden „Reflektieren von Mediennutzung“ kommt es erst ab der siebten Jahrgangsstufe.[10] Explizit werden hier Computer und Internet genannt.[11] In der achten Stufe steht dann die Zeitung, sowie auch hier ein reflektierter Umgang mit ihr, im Vordergrund. Für das folgende Schuljahr wird der Begriff der „reflektierten Mediennutzung“ präzisiert: Der Umgang mit dem Angebot an Informationen soll erörtert, Intentionen und Wirkungen erkannt und bewertet werden.[12] Dies wird in Stufe 10 erneut aufgegriffen und in den beiden Kollegstufen weiter intensiviert. Vorgesehen ist hier die Diskussion um Probleme der Mediengesellschaft.[13]

Aus dieser Zusammenfassung zur Verankerung des Unterrichtsgegenstandes Medien im Lehrplan geht hervor, dass neue Medien, bzw. in der neunten Klasse die Zeitung, in jeder Jahrgangstufe behandelt werden sollen. Die Lernzielvorgabe lautet in erster Linie: Erwerb von Medienkompetenz und damit der Fähigkeit zum kritischen und reflektierten Umgang mit den wichtigsten Medien unserer Gesellschaft. Als solche sind - einmal abgesehen vom sekundären Medium Buch - vor allem das Fernsehen, die Zeitungen und seit neuestem auch das Internet zu verstehen. Die bewusst weniger konkreten Formulierungen lassen breiten Spielraum zur Schwerpunktlegung. Hieraus ergeben sich einige didaktische Entscheidungen zur Themeneingrenzung, die im folgenden Abschnitt erörtert werden sollen.

3. Eine didaktische Begründung des Unterrichtsgegenstandes: Geschlechterrollen in der Werbung

Im Hinblick auf das Lernziel Medienkompetenz bietet sich die Thematisierung von Werbung im Unterricht besonders an. Werbung spielt in der modernen, kommerzialisierten Gesellschaft eine herausragende Rolle und ist aus ihr aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung kaum mehr wegzudenken. Daher ist davon auszugehen, dass sich der weitaus größte Teil der Schüler der Einflussnahme durch die vielfältig in Erscheinung tretende Reklame nicht entziehen kann. Ob über Radiowerbung, Werbeplakate an den Straßen und Plätzen, Werbeanzeigen und -seiten in den Zeitungen, Magazinen oder im Internet; als Konsumenten stehen die Heranwachsenden genau wie alle anderen Bevölkerungsmitglieder vor einer kaum überschaubaren und kaum zu durchblickenden Informationsflut. Aus didaktischer Sicht sollte folglich nicht nur die Integration der neuen Medien und Printmedien im Allgemeinen, sondern im Besonderen auch der Werbung als Unterrichtsgegenstand gefordert werden.

Die Fähigkeit zur kritischen Beurteilung der Qualität der Werbeinhalte, soll nicht nur eine reflektierende Auseinandersetzung mit den Manipulationsmechanismen, sondern auch mit den unterschwellig - und z. T. auch unbewusst - von den Werbemachern vermittelten Wertehaltungen bedeuten. Gemeint ist im Bezug auf diese Arbeit die Vermittlung der Geschlechtsrollen über die Werbung.

Das Thema Geschlechterrollen im Alltag ist als Unterrichtsgegenstand in der Didaktik kaum thematisiert worden. In zahlreichen, diesbezüglichen Studien, wird jedoch die Bedeutsamkeit der Sozialisation und Erziehung zu bestimmten Geschlechterrollen unterstrichen. So hebt Hartmut Kasten in seiner Darstellung gerade die Bedeutung des Fernsehens auf die Festigung der Geschlechterrollen hervor.[14] Laut Kasten werden insbesondere über die Werbung spezifisch weibliche bzw. männliche Berufsfelder und damit Interessendomänen präsentiert.[15]

Diese Feststellung im Bezug auf das Fernsehen kann auch auf die Printmedien ausgedehnt werden. Hier sind, wie Kasten ebenso herausstellt, Kinder-, Jugend- und sogar Schulbücher - also Literatur, die den Heranwachsenden äußerst nahe steht - einzuschließen.[16] In den genannten Literaturgattungen seien Mädchen sehr oft als passiv mit dem häuslichen Bereich als Hauptbetätigungsfeld dargestellt. Jungen dagegen erschienen tendenziell als aktiv, intelligent und unternehmungsfreudig.[17] An dieser Stelle soll keine tiefergehende Auseinandersetzung mit dieser Problematik erfolgen. Das von Kasten gezeichnete Bild unserer Mediengesellschaft sollte jedoch auch im Hinblick auf die unten dargestellte Unterrichtsstunde und deren kognitive Lernziele relativiert werden. So zeigt Cornelia Hippmann in ihrer Studie zum Männerbild in der Zeitschriften- und Fernsehwerbung, dass traditionelle Rollenbilder durchaus aufgebrochen werden.[18] Laut Hippmann treten Männer in der Fernseh- und Zeitschriftenwerbung keineswegs nur als Machos, sportlich aktive, beruflich erfolgreiche und leistungsorientierte, sondern auch als sensible, gefühlvolle und kulturell gebildete Charaktere auf.[19]

Führt man beide Ansätze zusammen, so lässt sich festhalten, dass es auch in der modernen Gesellschaft noch Geschlechtsrollenstereotype gibt, die u. a. über die Medien vermittelt werden. Geschieht dies über Werbung - ob im Fernsehen oder in Zeitschriften - besteht ein erhöhtes Risiko der unbewussten Übernahme dieser Klischees in die eigene Wertehaltung, da die Werbemacher gezielt ästhetische Mittel der Manipulation einsetzen.

Angesichts dieser von Kasten herausgestellten immer noch vorhandenen Sozialisation durch Werbung zu bestimmten Rollenklischees, die wiederum Grundlage für eine Ungleichbehandlung von Frauen und Männern in der heutigen Berufswelt und Gesellschaft allgemein sein können, ist ein Reflektieren über diese Tendenzen im Rahmen der Medienkompetenz als Lernziel gerechtfertigt. Die Relativierung dieses Ansatzes durch Hippmann soll bei der Lernzielfindung nicht außer Acht gelassen werden.

Aus diesen Ausführungen geht hervor, dass eine Thematisierung des Unterrichtsgegenstandes Geschlechterrollen in der heutigen Werbung nicht nur begründet, sondern auch wünschenswert ist. Eine Medienkompetenz, die eine kritische Aufnahme von Werbung und ihren Inhalten, welche Geschlechterrollen der heutigen Gesellschaft vermitteln und festigen, ist dabei ein auch durch den G8-Lehrplan begründbares Lernziel.

4. Unterrichtsentwurf zum Thema Geschlechterrollenvermittlung in der Werbung

Vor dem Hintergrund dieser Begründung zur Integration von Werbung in den Unterricht soll im Folgenden ein Unterrichtskonzept vorgeschlagen werden, welches zwei konkrete Werbebeispiele, in denen Geschlechtsrollenvermittlung zum Ausdruck kommt, zum Gegenstand hat. In den ersten Abschnitten werden Elemente der Bedingungsanalyse aufgegriffen, um die wichtigsten Voraussetzung für die geplante Doppelstunde zu klären. Es folgt eine Begründung der konkreten Werbebeispiele sowie eine Ausformulierung der Lernziele. Anschließend soll der geplante Unterrichtsverlauf und die dafür vorgesehenen Methoden erläutert und begründet werden. Zum Schluss soll eine möglich Einbettung des Konzepts in eine entsprechende Unterrichtseinheit erfolgen.

4.1. Jahrgangsstufe

Ein Einblick in das Medium Zeitung ist durch den Lehrplan für die 8. Jahrgangsstufe vorgesehen.[20] Zweifelsohne stellt eine Behandlung des Themas Geschlechterrollenvermittlung durch Werbung am Beispiel der Zeitschriftenreklame einen nicht unerheblichen intellektuellen Anspruch an die Schüler und setzt einen gewissen Reifegrad voraus. Schüler der Mittelstufe beginnen ihr eigenes Geschlecht als Teil der Identität wahrzunehmen, ihre Persönlichkeit entsprechend zu entwickeln und die durch die Gesellschaft vermittelten Geschlechterrollen mehr oder weniger zu übernehmen. Da die Schüler i. d. R. erst ab der 8. Klasse beginnen ihre geschlechtliche Identität zu festigen und zu entwickeln, ist es sinnvoll eine Reflexion darüber erst ein bis zwei Jahre später zu thematisieren. In Stufe 10 ist die Untersuchung „medienspezifischer Mittel“ Gegenstand des Unterrichts.[21] Die Schüler sollten ab diesem Alter in der Lage sein, nicht nur die Mittel, sondern auch die Wirkung der Beeinflussung zu erkennen. Der vorliegende Unterrichtsentwurf richtet sich somit an eine 10. Klasse, die ihre in den beiden vorangegangen Jahrgangsstufen erworbenen Kenntnisse zur kritischen Medienreflexion nutzt und darauf aufbauen kann.

[...]


[1] Thomé: Lernen mit neuen Medien, S. 82. Paefken: Literaturdidaktik, S. 137.

[2] Ebd.

[3] Wermke: Literatur- und Medienunterricht, S. 99.

[4] Ebd.

[5] Barsch: Mediendidaktik, S. 67.

[6] Wermke: Literatur- und Medienunterricht, S. 99.

[7] Lehrplan Bayern, G8

[8] Ebd.

[9] Ebd.

[10] Ebd.

[11] Ebd.

[12] Ebd.

[13] Ebd.

[14] Kasten: Weiblich-Männlich, S. 79-83.

[15] Ebd., S. 80.

[16] Ebd., S. 76-79.

[17] Ebd., S. 77f.

[18] Hippmann: Das Männerbild, S. 176.

[19] Ebd.

[20] Lehrplan Bayern, G8.

[21] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Werbung und Geschlechterrollenvermittlung als Unterrichtsgegenstand im Deutschunterricht
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Didaktik der Deutschen Sprache und Literatur)
Veranstaltung
Werbung und Didaktik
Note
2
Autor
Jahr
2009
Seiten
22
Katalognummer
V160562
ISBN (eBook)
9783640738175
ISBN (Buch)
9783640738168
Dateigröße
854 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschlechterrollen, Werbung, Didaktik, Deutschunterricht, Gender, Frauenrolle
Arbeit zitieren
Jonas Kessler (Autor), 2009, Werbung und Geschlechterrollenvermittlung als Unterrichtsgegenstand im Deutschunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160562

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