Kriegsmetaphorik in Sir Philip Sidneys "Astrophil and Stella"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

19 Seiten, Note: 2.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sir Philip Sidneys Biografie

3. Verteilung der Kriegsmetaphern

4. Verwendung der Kriegsmetaphorik
4.1 Konsistenz der Kriegsmetaphorik
4.2 Funktion der Kriegsmetaphorik
4.3 Extension der Kriegsmetaphorik

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Plagiatserklärung.

1. Einleitung

Die Einführung des Sonetts in England ist zwar nicht Sir Philip Sidney zu verdanken, dieses Verdienst gebührt Sir Thomas Wyatt (1503-1542)[1], Sidneys Leistung bestand aber darin, als erster englischer Dichter, Anschluss an die europäische Dichtkunst gefunden zu haben. Dies ist umso bemerkenswerter, da es vom damals politisch und kulturell randständigen England aus geschah, das durch die Rosenkriege geschwächt war und keine erhebliche Rolle unter den europäischen Mächten zu spielen in der Lage war.

Sidney, der nicht nur als Dichter und Literaturtheoretiker eine der bedeutendsten Gestalten der Renaissance­literatur war, sondern auch ein ehrgeiziger Höfling und Diplomat,[2] hinterließ ein Werk, das stark durch sein Leben beeinflusst wurde. Mit Astrophil and Stella verfasste er die erste Sonettsequenz in englischer Sprache, in der Astrophil , in dem unschwer Sidney selbst zu erkennen ist, seine hoffnungslose Liebe zu Lady Devereux, einer Dame am königlichen Hof, literarisch verarbeitet.[3]

In seinem Sonettzyklus Astrophil and Stella verwendet Sidney eine Metaphorik, die sich aus seinen verschiedenen Lebensbereichen speist. Diese Bereiche lassen sich grob in Metaphern und Bilder aus der militärischen, mythologischen und feudalen Sphäre unterteilen.[4] Meine Hauptseminarsarbeit wird sich vornehmlich mit dem militärischen Aspekt in der Metaphorik Sir Philip Sidneys in Astrophil and Stella beschäftigen.

Dabei wird es zum einen um die Frage gehen, welche Rolle Sidneys Biografie für die verwendete Metaphorik spielt. Zum anderen wird der Frage nachgegangen, wie die Kriegsmetaphern über den Sonettzyklus verteilt sind und möglichen Gründen nachgegangen, warum sie so verteilt sind. Schließlich wird, mittels ausgewählter Sonette, Sidneys Verwendung von Kriegsmetaphorik exemplifiziert, wobei es im Detail um Konsistenz, Funktion und Extension der Metaphern und Bilder geht.

2. Sir Philip Sidneys Biografie

Für das Verständnis von Sir Philip Sidneys Werk und insbesondere der Metaphorik, deren er sich in seinen Sonetten bedient, sind gewisse Informationen über sein Leben unerlässlich. Sidney (1554-1586) war von adliger Herkunft. Sein Vater war ein Teil des jungen aufstrebenden Adels. Mütterlicherseits entstammte er dem vornehmen etablierten Geschlecht der Familie Dudley. Sidneys Mutter war außerordentlich gebildet und leitete ihn und seine Schwester Mary frühzeitig zum Lernen an.[5]

Neben dem Unterricht in der Grammar School wurde bei Sidney bewusst die Heranbildung des Gentleman gepflegt, wozu vornehmes Auftreten und Beherrschung der gesellschaftlichen Formen gehörten. Die Jahre auf der Universität und die übliche Bildungsreise auf dem Kontinent dienten dem Ziel, in den Staatsdienst einzutreten. Der ideale Ort für die Bildungsreise eines Gentleman im 16. Jahrhundert war Italien, das Ursprungsland der Renaissance, von dem Sidney übrigens enttäuscht war. Sidney interessierte sich besonders für das Studium fremder Länder, ihrer Verfassungen, ihrer politischen Lage und ihrer Gebräuche.[6]

Ein besonders einschneidendes Erlebnis für Sidney war die Bartholomäus­nacht. In der Person Katharina von Medicis, die ihm als das Böse schlechthin erscheinen musste, fand er Katholizismus und Machiavellismus versehen mit Macht vor. Dieses Ereignis veranlasste Sidney dazu, an einer aktiven gemeinsamen protestantischen Politik mitzuwirken, wobei die innige Freundschaft zu Hubert Languet, einem Hugenotten, eine wichtige Rolle spielte.[7]

Zu dieser Zeit begann Sidneys Interesse für Kriegskunst lebendig zu werden. Gespannt verfolgte er die Kriege der europäischen Staaten. Ferner studierte er Geometrie, beschäftigte sich mit Büchern über Taktik und Festungsbauten verschiedener Länder. Sidney erntete als Soldat und Führer im Krieg den größten Ruhm zu Lebzeiten. Vielfach wurde er als „letzter Ritter“ gefeiert, obwohl die praktischen Anforderungen seiner Zeit Krieg erforderten und weniger Turniere.[8]

Als Sidney 1575 von seiner Bildungsreise zurückkehrte, begann für ihn eine Zeit des Wartens an Königin Elisabeths Hof. Er war in ihren Augen zwar ein begabter junger Adliger mit den besten verwandtschaftlichen Beziehungen – die idealen Voraussetzungen für eine Karriere. Er hatte jedoch zwei Fehler: Zum einen war er der Sohn des zu selbständigen Lord Deputy of Ireland. Zum andern war er auf einem extrem protestantischen Weg begriffen. Da Sidney keine größeren politischen Aufgaben zu erledigen hatte, kämpfte er an der Seite seines Vaters gegen die aufständischen Iren. Erst 1577 erhielt er von Elisabeth den Auftrag, einen Blick in den kaiserlichen Hof von Prag und dessen Politik zu werfen. Zugleich sollte er sich um Verhandlungen mit protestantischen deutschen Fürsten bemühen, womit er wenig Erfolg hatte und nach England zurückkehrte.

Während seiner erneuten Tatenlosigkeit am Hof widmete sich Sidney unter anderem dichterischen Versuchen gemeinsam mit seinen Freunden Greville und Dyer. Im Herbst 1579 zog sich Sidney, nachdem er am Hof in Ungnade gefallen war und sein Gesuch unter Oranien Kriegsdienste zu leisten abgelehnt wurde, auf das Schloss seiner Schwester Mary zurück. Dies bedeutete für ihn einen Schritt in die Unabhängigkeit. Es entstanden die Arcadia und die Defence of Poesie . Astrophila and Stella , das zwischen 1581 und 1582 entstanden ist und worin er seine unerwiderte Liebe zur Hofdame Lady Devereux verarbeitet, fällt ebenfalls in diese Periode. Sidney wollte wirken, und da ihm der Staatsdienst versagt blieb, versuchte er es im geistigen Werk.[9]

Am Hofe wurde Sidney immer noch eine größere Aufgabe versagt. Er trat in Turnieren auf, die bei großen Festlichkeiten stattfanden und versuchte beharrlich, die Tore zu einer Tätigkeit zu öffnen. Im Jahr 1583 heiratete er die Tochter Walsinghams, des Führers der protestantischen Partei. Er war der festen Überzeugung, dass nur die Vernichtung Spaniens die Macht Englands und den Sieg des Protestantismus sicherstellen konnte. Die Niederlande oder Amerika waren für ihn mögliche Schlachtfelder. Deswegen versuchte er heimlich nach Amerika zu segeln, als er überraschend zum Gouverneur von Vlissingen gemacht wurde. 1585 fuhr er in die Niederlanden ab.[10]

Als Kommandant von Vlissingen hatte Sidney eine sehr wichtige Stellung inne. Sein Verhandlungsgeschick und seine militärische Klugheit wurden aufs höchste bewundert. Er führte den ersten größeren und erfolgreichen Angriff gegen den Feind an: Er überfiel und nahm die Stadt Axel ein. Der Versuch Gravelingen zu erobern misslang. Am 22. September 1586 versuchte eine kleine Schar Engländer, einen spanischen Proviantzug vor Zütphen abzufangen, ohne zu ahnen, dass es sich dabei um eine Armee von 5 000 Mann handelte. Es kam zu einem heroischen Kampf der Engländer, deren Heldenmut mit einer tödlichen Verwundung Sidneys bezahlt wurde. Dreimal hatte er, allen anderen voran, die Reihen der Feinde durchbrochen. Dann traf ihn eine Kugel ins Bein. Am 17. Oktober 1586 starb Sidney an den Folgen seiner Verletzung in Zütphen.[11]

3. Verteilung der Kriegsmetaphern

Bei der Betrachtung von Astrophil and Stella fällt auf, dass die Kriegsmetaphern nicht gleichmäßig über alle Sonette verteilt sind. Wie man Abbildung 1 entnehmen kann, ist die überwiegende Mehrzahl der Kriegsmetaphern in der ersten Hälfte der 108 Sonette zählenden Sonettsequenz zu finden. So entfallen nach meiner Zählung auf die ersten 54 Sonette 53 Metaphern mit Kriegsbezug, wohingegen auf die letzten 54 Sonette lediglich elf Kriegsmetaphern entfallen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Verteilung der Kriegsmetaphern in Astrophil and Stella

Eine mögliche Erklärung hierfür ist, dass Astrophil im ersten Teil Stella sieht, sich in sie verliebt, versucht, ihr seine Liebe mitzuteilen, dies dann schließlich tut, nur um im zweiten Teil der Sequenz zu entdecken, dass Stella nun bereits verheiratet ist.[12] In der Phase des Hoffens auf eine Erfüllung seiner Liebe treten vermehrt Kriegsmetaphern auf. In der Phase der Gewissheit um die Unmöglichkeit einer Liebe treten kaum noch solche Metaphern auf.

Eine andere Erklärung ist der Anspruch des Dichters auf Originalität. Sidney, der eine Verkörperung des Renaissanceideals eines Gentleman, Höflings, Soldaten und Gelehrten war,[13] hat zweifelsohne viele berühmte europäische Dichter studiert und war auch vertraut mit den Sonett-Konventionen des Petrarkismus. Den Erfahrungsbereich des Krieges in die Sonettdichtung einzubringen, muss ihm als eine bahnbrechende Innovation erschienen sein für eine zur Formelhaftigkeit erstarrte Sonettdichtung.[14] Folglich setzt Sidney Kriegsmetaphern vermehrt am Anfang des Sonettzyklus ein, um eine innovative Dichtung zu präsentieren, deren er zum Ende des Zyklus hin immer weniger bedarf, weil er vermutlich mehr Zutrauen in seine Originalität als Dichter hat und weniger Mittel zur Profilierung anwenden muss.

[...]


[1] Craik: 7.

[2] Erzgräber: 358.

[3] Ebd.: 359.

[4] Cooper: 121.

[5] Siebeck: 6 f.

[6] Ebd.: 8.

[7] Ebd.: 8 f.

[8] Siebeck: 10.

[9] Ebd.: 14.

[10] Siebeck: 16.

[11] Ebd.: 16 f.

[12] Kimbrough: 123.

[13] Craik: 1.

[14] Siebeck: 34.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Kriegsmetaphorik in Sir Philip Sidneys "Astrophil and Stella"
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
2.0
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V160613
ISBN (eBook)
9783640738830
ISBN (Buch)
9783640738953
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kriegsmetaphorik, Philip, Sidneys, Astrophil, Stella
Arbeit zitieren
Günther Orend (Autor), 2008, Kriegsmetaphorik in Sir Philip Sidneys "Astrophil and Stella", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160613

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