Die Innenpolitik und innere Konflikte der Vandalen in Nordafrika unter besonderer Berücksichtigung der Ursachen des Scheiterns der Vandalenherrschaft


Hausarbeit, 2010

18 Seiten, Note: 3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort
1.1 Fragestellung und Aufbau der Arbeit
1.2 Quellenlage

2. Die Innenpolitik und Konflikte innerhalb des Vandalenreiches
2.1 Die Zeit Geiserichs
2.2 Die Zeit Hunerichs
2.3 Die Zeit Gunthamunds
2.4 Die Zeit Thrasamunds
2.5 Die Zeit Hilderichs
2.6 Die Zeit Gelimers

3. Fazit

1. Vorwort

1.1 Fragestellung und Aufbau der Arbeit

Das Scheitern der Vandalenherrschaft in Nordafrika im Jahr 534 n. Chr. ist Gegenstand vieler Untersuchungen der Altertumsforschung. Der Blick wird hierbei primär auf Rom gerichtet, denn immerhin war es der Oberbefehlshaber Belisar unter dem oströmischen Kaiser Justinian, der nach vielen für Ostrom erfolgslosen Schlachten das Vandalenreich in Nordafrika zurückeroberte. Doch wie kam es dazu, dass das Reich unter Gelimer so geschwächt war, dass es dem Überraschungsangriff Belisars nicht trotzen konnte? Welche innerpolitischen Konflikte und strukturellen Schwächen führten innerhalb des Reiches zu einem Abschwächen der Macht? In der folgenden Seminararbeit sollen genau diese Fragen untersucht werden. Der Chronologie der Vandalenkönige folgend wird der Fokus auf die Innenpolitik des Reiches gelegt. Vor allem wird hier die Religionspolitik der Könige, sowie das Maurenproblem in Nordafrika ein Thema sein. Hier wird deutlich, dass man bei der Analyse der vandalischen Innenpolitik nicht die Außenpolitik ausklammern kann, da sich innerpolitische Handlungen stets an dieser orientieren. Nach dieser Analyse wird der Blick auf die Ursachen des Scheiterns der Vandalenherrschaft gerichtet und in einem abschließenden Fazit erläutert, inwiefern innenpolitische Fehlentscheidungen zum Ende dieser beigetragen haben.

1.2 Quellenlage

Die wichtigste Quelle, die Aufschluss über die Beziehungen der Vandalen zu den Einheimischen gibt, ist die des Prokopius von Caesarea (Im Folgenden: Prokop). In seinen acht historischen BüchernBellazeigt er sich als objektiver Geschichtsschreiber, der sich an seinen Vorbildern Homer, Herodot und Thukydides orientiert. Als Consiliarius des Belisar war er Augenzeuge des Vandalenkrieges 533 bis 543. Somit ist er eine glaubwürdige Quelle, die gerade für die folgende Analyse wichtig ist. Als römischer Adliger, der zu seiner Herkunft steht und diese immer wieder betont, wird Belisar und sein Siegeszug zwar euphemistischer dargestellt, als er gewesen sein mag, dennoch zeugt sein Kriegsbericht von einer professionellen Objektivität (Vgl. Prokop 1981: 8f.). Neben Prokop ist auch Victor von Vita zu nennen, der vor allem die Christenverfolgungen unter den Vandalen thematisiert. Auch wenn seine Objektivität als katholischer Bischof eingeschränkt ist, trägt er dennoch wertvolle Fakten und Geschehnisse zur Religionspolitik der Vandalen bei.

2. Die Innenpolitik und Konflikte innerhalb des Vandalenreiches

2.1 Die Zeit Geiserichs

Als Geiserich 429 mit seinem Gefolge nach Nordafrika kommt, ist dieses den Eroberern hilflos ausgeliefert. Neben der provinzialrömischen Bevölkerung leben in den eroberten Gebieten eine kleine Anzahl von Goten, Juden, judaisierte Gruppen und die in den Randgebieten lebenden Mauren (Vgl. Castritius 2007:100). Die „Kornkammer Roms“ ist nie einer solchen Bedrohung ausgesetzt gewesen und die Vandalen haben ein Leichtes 439 bis nach Karthago vorzudringen und in Nordafrika ihrregnumzu gründen, „zumal [sie] Unterstützung von kampferfahrenen Mauren“ erhalten (Walter 2009: 23). Prokop berichtet, Geiserich habe sich mit den Mauren zunächst gütig geeinigt und frühjährliche Streifzüge nach Sizilien und Italien unternommen (Prokop 1981: 324). Auch spielen die Mauren bei der Plünderung Roms 455 eine wesentliche Rolle in der Streitmacht Geiserichs (Vgl. Walter 2009: 26). In den Anfängen des Vandalenreiches geht es vor allem darum, die Herrschaft zu legitimieren. Der Verband, der 429 Nordafrika betritt, ist ausgesprochen heterogen und auch religiös keineswegs geschlossen (Vgl. Meier 2009:31). Geiserich hat die Aufgabe, das Vandalenreich im Inneren zu festigen und nach Außen zu behaupten. Die ersten Aktionen gegen die Einheimischen, wie Plünderungen und Enteignungen dürften nach Meier noch „eher (...) Teil des Kriegsgeschehens“ gewesen sein (Meier 2009: 32). Die Aufmerksamkeit gilt hier besonders der Provinz Africa Proconsularis. Katholische Geistliche sind genauso betroffen wie reiche Großgrundbesitzer (Vgl. Meier 2009: 32). In dieser Phase geht es darum, die Vandalen und ihre Krieger mit Land auszustatten, aber auch mit Kirchen zu versorgen. „Geiserich forciert also von Anfang an ein Programm religiöser Vereinheitlichung im vandalischen Machtbereich“ (Castritius 2007: 93). So leitet er erste Verfolgungsmaßnahmen gegen Anhänger und Vertreter der katholischen Orthodoxie ein. Das Entstehen einer Infrastruktur des neuen vandalisch-homöischen Klerus soll durch die Bereitstellung von Kirchen begünstigt werden. Sein Königstitelrex Vandolorum et Alanorumzielt langfristig genauso auf eine „Identitätsstiftung“ hinaus wie die „Arianisierungspolitik im religiösen Bereich“ (Castritius 2007: 100). Spätestens 439 muss Geiserich seine Herrschaft auch nach Außen hin konsolidieren und das „spiegelt sich auch offenbar in seiner Religionspolitik“ (Meier 2009: 32). So gestattet er 454 erstmals wieder die Besetzung des katholischen Bischofstuhls in Karthago, denn die Tochter Kaiser Valentinians, Eudocia, soll seinen Sohn Hunerich ehelichen. „Um dies zu befördern, war Geiserich offenbar zu Zugeständnissen bereit“ (Meier 2009: 33). Geiserichs Religionspolitik ist weniger ideologisch als außenpolitisch orientiert. Als die Ehe der beiden Kinder nicht zu Stande kommt, ändert sich auch wieder der Kurs der Religionspolitik im Vandalenreich. Geiserich verhindert die Wiederbesetzung des Bischofstuhls 457. In der Proconsularis werden Ordinationen katholischer Bischöfe untersagt (Vgl. Meier 2009: 33). Zum einen versucht Geiserich durch die Vertreibung katholischer Kleriker eine arianische Staatskirche zu etablieren, die als „ideologische Klammer“ dienen soll, „die den so unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen im vandalischen Nordafrika ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu geben vermochte“ (Castritius 2007: 102), zum anderen dient seine Religionspolitik aber stets als Druckmittel gegenüber Ostrom und ist deshalb nicht konsequent. Das Wechselverhältnis dieser beiden Motive führt dazu, dass weder das identitätsstiftende Motiv Geiserichs von Erfolg gekrönt ist, noch die Beziehungen zu Rom eine Stabilität erfahren. Mit Kaiser Zenon verhandelt Geiserich 474 einen Friedensvertrag aus, nach dessem Abschluss „sogar verbannte Bischöfe (...) zurückkehren“ dürfen (Meier 2009: 33). Das Homöertum als Identifikationsmerkmal des Vandalenreiches hätte als wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu Ostrom wirken können, wenn Geiserich hier konsequenter und ideologischer vorgegangen wäre. Die katholische Bevölkerung ist demnach Opfer Geiserichs Innen- und Außenpolitik. Auch andere Bevölkerungsgruppen, vor allem Wohlhabende , leiden unter den enormen Enteignungen und „Land- und Eigentumszuweisungen“ (Castritius 2007: 101). Auch Prokop beschreibt das Ausmaß der Enteignungen und Sanktionen gegenüber Großgrundbesitzern und den Einheimischen als enorm und rücksichtslos (Prokop 1981: 323):

„Wenn aber unter der einheimischen Bevölkerung sich jemand durch Ansehen und Wohlhabenheit auszeichnete, so machte ihn Geiserich zum Sklaven und schenkte ihn samt seinem ganzen Besitz an Land und andern Gütern seinen Söhnen Hunerich und Genzo; (...). Den Übrigen Libyern nahm er den größten und besten Teil ihrer Ländereien weg und verteilte sie unter die Vandalen (...). „

Die Welle der Enteignungen trifft vor allem die „senatorische Oberschicht und die Mitglieder der städtischen Kurien“ (Castritius 2007: 102). Hiervon betroffen ist neben der Proconsularis auch der nördliche Teil der Byzancena und kleine Teile im nördlichen Teil von Numidien. Die bisherigen Eigentümer werden versklavt oder vertrieben. Für die Städter oder kleinen Bauern mit wenig Besitz änderte sich in der Vandalenzeit weniger. Auch die „soziale Schichtung der provinzialrömischen Bevölkerung blieb unter der Herrschaft der Vandalen weitgehend erhalten“ (Castritius 2009: 36).

Die Mauren verhalten sich bis in die 80er Jahre des 5. Jahrhundert relativ ruhig und nehmen als Krieger an vandalischen Expeditionen teil (Vgl. Castritius 2007: 110). Dass diese bevölkerungsmäßig große Gruppe wichtig für den Fortgang der Geschichte des Vandalenreiches sein musste, erkennt Geiserich nicht. Er bemüht sich weder um Integration, noch um Kleinhaltung dieser Gruppe. Walter geht sogar so weit zu sagen, dass Geiserich „das Aufkommen regelrechter maurischer Reiche im Westen seines eigenen Reiches geduldet“ habe (Walter 2009: 27). Allerdings muss hier angemerkt werden, dass Geiserich keine andere Wahl hat, wenn man einen Blick auf die Bevölkerungsrelationen legt. Castritius nimmt sich in seinem Aufsatz „Die romanisierten Barbaren“ (Castritius 2009) dem Integrationsgrad der Vandalen an. Hier kann man zusammenfassend sagen, dass die provinzialrömische Kultur weitgehend erhalten bleibt und sich entgegen der heute mit den Vandalen verbundenen Ansichten keine enorme Zerstörung römischer Kultur erkennen lässt. Als „Integrationsbemühen“ sieht Castritius auch, dass die Vandalen keine eigenen Münzen prägen und kaum, wenn gar keine eigene Literatur verfassen (Vgl. Castritius 2009: 41). Abschließend kann gesagt werden, dass Geiserichs innenpolitische Entscheidungen stets an die Außenpolitik mit Rom gekoppelt sind und sich ein innerpolitisches Konzept zum Zusammenhalt der heterogenen Masse kaum realisieren lässt. Als Geiserich 477 stirbt, sind die Sanktionen gegen die katholische Geistlichkeit wieder gelockert (Vgl. Walter 2009: 27), dennoch kann auch hier nicht von einem Wechsel in der Religionspolitik gesprochen werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Innenpolitik und innere Konflikte der Vandalen in Nordafrika unter besonderer Berücksichtigung der Ursachen des Scheiterns der Vandalenherrschaft
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
3
Autor
Jahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V160628
ISBN (eBook)
9783640738335
ISBN (Buch)
9783640738632
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Innenpolitik, Konflikte, Vandalen, Nordafrika, Berücksichtigung, Ursachen, Scheiterns, Vandalenherrschaft
Arbeit zitieren
Natascha Weimar (Autor), 2010, Die Innenpolitik und innere Konflikte der Vandalen in Nordafrika unter besonderer Berücksichtigung der Ursachen des Scheiterns der Vandalenherrschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160628

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