Die Bedeutung von Resilienz für die Prävention von Störungen des Sozialverhaltens im Kindes- und Jugendalter


Bachelorarbeit, 2010
112 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Zur Psychopathologie der Störung des Sozialverhaltens
2.1 Definition und Klassifikation
2.2 Komorbiditäten
2.3 Diagnostik
2.3.1 Differenzialdiagnostik
2.4 Epidemiologie
2.5 Verlauf und Prognose
2.6 Ätiologie
2.6.1 Risiko- und Schutzfaktoren
2.6.2 Auslösende und aufrechterhaltende Faktoren
2.6.3 Ätiologiemodelle

3 Grundlagen der Resilienz
3.1 Definition und Merkmale
3.2 Exkurs: Antonovskys Modell der Salutogenese
3.2.1 Modelle mit salutogenetischem Ansatz
3.2.1.1 Das Konzept „Sense of Coherence“
3.2.1.2 Das Konzept „Hardiness“
3.3 Entwicklung der Resilienzforschung
3.3.1 Studien der Risiko- und Resilienzforschung
3.3.1.1 Die „Kauai- Längsschnittstudie“
3.3.1.2 Die „Mannheimer Risikokinderstudie“
3.3.1.3 Die „Bielefelder Invulnerabilitätsstudie“
3.4 Charakteristika des Resilienzkonzepts
3.4.1 „Resilienz ist ein dynamischer Anpassungs- und Entwicklungsprozess“
3.4.2 „Resilienz ist eine variable Größe“
3.4.3 „Resilienz ist situationsspezifisch und multidimensional“
3.5 Das Risiko- und das Schutzfaktorenkonzept
3.5.1 Das Risikofaktorenkonzept
3.5.2 Das Schutzfaktorenkonzept
3.5.3 Wirkprozesse und Mechanismen
3.5.4 Resilienzmodelle
3.6 Resilienzfaktoren – personale Ressourcen des Kindes

4 Fragestellung

5 Resilienzförderung im Kontext der Prävention der Störung des Sozialverhaltens
5.1 Notwendigkeit von Prävention
5.2 Ziele, Ebenen und Strategien
5.3 Forschungsstand zur Prävention der Störung des Sozialverhaltens
5.4 Ansatzpunkte
5.4.1 Resilienzförderung auf der individuellen Ebene
5.4.1.1 Förderung der Resilienzfaktoren
5.4.2 Resilienzförderung auf der Beziehungsebene
5.4.3 Reduktion von Aggression
5.5 Programmbeispiele
5.5.1 „FAUSTLOS- Curriculum“
5.5.2 „Kinder Stärken!“
5.6 Anforderungen an Präventionsprogramme

6 Fazit und Ausblick

7 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Zweidimensonales Modell für Störungen des Sozialverhaltens

Abbildung 2: Entwicklungsmodell der Störung des Sozialverhaltens

Abbildung 3: Bio-psycho-soziales Entwicklungsmodell dissozialen Verhaltens

Abbildung 4: Entwicklungsmodell von Verhaltensstörungen und Substanzmissbrauch

Abbildung 5: Ursachenmodell für Störungen des Sozialverhaltens

Abbildung 6: Kombination aus Haupteffektmodell und Stresspuffermodell

Abbildung 7: Risikoerhöhende Merkmale

Abbildung 8: Risikoerhöhende und –mildernde Bedingungen

Abbildung 9: Rahmenmodell von Resilienz

Abbildung 10: Resilienzfaktoren

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Prävalenz der Störung des Sozialverhaltens

Tabelle 2: Risiko- und Schutzfaktoren

Tabelle 3: Klassifikation von personalen, familiären und sozialen Schutzfaktoren

Tabelle 4: Steckbrief: „FAUSTLOS- Curriculum“

Tabelle 5: Steckbrief „Kinder Stärken!“

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Wilhelm Busch beschreibt in seinem Buch „Max und Moritz“ (1865) (in Hochhuth o. J. S. 19-69) anschaulich die problematischen Verhaltensweisen seiner beiden Protagonisten, Max und Moritz, die inzwischen weltbekannte Kultfiguren sind:

„Ach, was muss man oft von bösen
Kindern hören oder lesen!
Wie zum Beispiel hier von diesen,
Welche Max und Moritz hießen;
Die anstatt durch weise Lehre
Sich zum Guten zu bekehren,
Oftmals noch darüber lachten
Und sich heimlich lustig machten.
Ja, zur Übeltätigkeit,
Ja, dazu ist man bereit!
Menschen necken, Tiere quälen,
Äpfel, Birnen, Zwetschgen stehlen,
Das ist freilich angenehmer
Und dazu auch viel bequemer,
Als in der Kirche oder Schule
Festzusitzen auf dem Stuhle [...]“

(Busch 1856 S. 19).

Die von Busch in „Max und Moritz“ erzählten Handlungen deuten auf Symptome hin, welche – nach dem aktuellen Stand der Forschung – die Symptome einer Störung des Sozialverhaltens charakterisieren. Diese und andere Handlungen sind auch in der heutigen Zeit häufig bei Kindern und Jugendlichen zu beobachten.

Delinquente, dissoziale, aggressive und oppositionelle Verhaltensweisen werden in der Kinder- und Jugendpsychiatrie unter dem Begriff Störung des Sozialverhaltens zusammengefasst (Baving 2006 S. 6; Grasmann 2009 S. 1). Kinder und Jugendliche, die ein solches Verhalten aufzeigen, unterliegen einem hohen Risiko, im Erwachsenenalter gewalttätig und kriminell zu werden, unter psychischen Problemen zu leiden oder auch eine Substanzabhängigkeit zu entwickeln (Essau & Conradt 2004 S. 11).

Die Störung des Sozialverhaltens geht mit erheblichen Problemen einher. Nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern auch für die Gesellschaft. Zum einen direkt durch die Täterschaft, zum anderen indirekt durch erhebliche Kosten in der Behandlung, Betreuung und Rehabilitation, Maßnahmen in Heimen oder die Unterbringung in Gefängnissen. Verschiedene Bemühungen diesen Problemen entgegen zu wirken, führten zu entsprechenden Präventionsmaßnahmen (Lösel et al. 2006 S. 128).

Die vorliegende Bachelorarbeit gliedert sich im Wesentlichen in drei Hauptteile:

Der erste Teil gibt zunächst einen systematischen Überblick über die Psychopathologie der Störungen des Sozialverhaltens.

Kinder sind verletzlich – zahlreiche Risikofaktoren können ihre Entwicklung beeinträchtigen. Manchmal können Kinder aber auch schwierige Lebenssituationen erfolgreich bewältigen. In diesem Fall spricht man von „Resilienz“. Die Kernfrage lautet: „Was macht Kinder stark?“ (Wustmann 2009 S. 14). Mit den Befunden der Resilienzforschung beschäftigt sich der zweite Teil dieser Arbeit.

Daraus ergibt sich die zentrale Fragestellung: Welche Erkenntnisse und neuen Wege lassen sich aus der Resilienzforschung ableiten, die für die Prävention einer Störung des Sozialverhaltens von Bedeutung sind? Die Beantwortung dieser Frage wird im dritten Teil der Arbeit behandelt.

Resiliente Kinder haben bessere Chancen, gesellschaftliche, familiäre und individuelle Krisen erfolgreich zu bewältigen. Somit erweist sich Resilienz als Voraussetzung, dass Kinder sich selbstsicher, gesund und zu kompetenten Persönlichkeiten entwickeln können. Entscheidende Anhaltspunkte für Fördermöglichkeiten erschließt die Resilienzforschung. Kinder benötigen entsprechende Basiskompetenzen, sowie auch Unterstützungsleistungen, um trotz widriger Einflüsse und Risikobedingungen nicht zu scheitern (Wustmann 2009 S 15).

In der Präventionspraxis der Störung des Sozialverhaltens muss daher alles dafür getan werden, dass Kinder mit den zur Verfügung stehenden Mitteln tatkräftig unterstützt werden (Wustmann 2009 S. 15).

Das Ziel dieser Arbeit ist es, theoretische Möglichkeiten der Resilienzförderung aufzuzeigen. Darüber hinaus sollen bestehende Programme, die in der Praxis bereits existieren, skizziert werden. Es handelt sich dabei um präventive Maßnahmen, die entwicklungsgefährdete Kinder und Jugendliche stärken. Der Fokus liegt stets darauf, durch Prävention die Prognosen einer Störung des Sozialverhaltens zu verbessern, um letztlich die Inzidenzrate und die Prävalenzrate langfristig zu senken.

2 Zur Psychopathologie der Störung des Sozialverhaltens

Die Störung des Sozialverhaltens ist eine Störung des Kindes- und Jugendalters. Im Folgenden werden relevante Merkmale der Psychopathologie thematisiert.

2.1 Definition und Klassifikation

Die Störung des Sozialverhaltens umfasst eine hohe Anzahl von unkontrollierten Verhaltensweisen (Davison et al. 2007 S. 551). Die allgemeine Symptomatik ist gekennzeichnet durch ein wiederkehrendes und anhaltendes Muster von Dissozialität, Aggressivität und aufsässigem Verhalten (Knopf & Dauer 2005 S. 111); Hartmann (1977) spricht in diesem Zusammenhang von einem persistenten Sozialversagen, – ein überdauerndes Verstoßen gegen die Regeln des Zusammenlebens (Schmidt 2004 S. 67 zit. n. Hartmann). Im Extremfall umfasst die Störung schwere Verletzungen der altersentsprechenden sozialen Normen und Gesetze. Bei der Diagnosestellung ist ein Verhaltensmuster gefordert, das über „tolerierbares Verhalten“, wie leichte Regelverletzungen und jugendliche Aufmüpfigkeit, oder auch einzelne kriminelle Handlungen hinausgeht (Baving 2006 S. 6; Blanz 2002 S. 198; Boumann 2008 S. 12; Dilling & Schulte-Markwort 2010 S. 190; Knopf & Dauer 2005 S. 111f.; Lentze et al. 2007 S. 1613; Schmidt 2004 S. 115; Steinhausen 2000 S. 225).

Im ICD-10 (Weltgesundheitsorganisation 2010), wird die Störung des Sozialverhaltens im Diagnoseschlüssel F91 kodiert (Dilling & Schulte-Markwort 2010 S. 190-193).

Der ICD-10 beschreibt insgesamt folgende 23 Symptome:

„1. für das Entwicklungsalter ungewöhnlich häufige und schwere Wutausbrüche
2. häufiges Streiten mit Erwachsenen
3. häufige aktive Verweigerung von Forderungen Erwachsener und Hinwegsetzten über Regeln
4. häufiges, offensichtlich wohl überlegtes Handeln, das andere [sic] ärgert
5. häufiges verantwortlich machen anderer [sic], für die eigenen Fehler oder eigenes Fehlverhalten
6. häufige Empfindlichkeiten oder sich belästigt fühlen durch andere [sic]
7. häufiger Ärger oder Groll
8. häufige Gehässigkeit oder Rachsucht
9. häufiges Lügen oder Brechen von Versprechen, um materielle Vorteile und Begünstigungen zu erhalten oder um Verpflichtungen zu vermeiden
10. häufiges Beginnen von körperlichen Auseinandersetzungen (außer Geschwisterauseinandersetzungen)
11. Gebrauch von möglicherweise gefährlichen Waffen (z. B. Schlagholz, Ziegelstein, zerbrochene Flasche, Messer, Gewehr)
12. häufiges Draußenbleiben in der Dunkelheit, entgegen dem Verbot der Eltern (beginnend vor dem 13. Lebensjahr)
13. körperliche Grausamkeiten gegenüber anderen Menschen (z. B. Fesseln, ein Opfer mit einem Messer oder mit Feuer verletzen)
14. Tierquälerei
15. absichtliche Zerstörung des Eigentums anderer [sic] (außer Brandstiftung)
16. absichtliches Feuerlegen mit dem Risiko oder der Absicht, ernsthaften Schaden anzurichten
17. Stehlen von Wertgegenständen ohne Konfrontation mit dem Opfer, entweder Zuhause oder außerhalb (z. B. Ladendiebstahl, Einbruch, Unterschriftenfälschung)
18. häufiges Schule schwänzen, beginnend vor dem 13. Lebensjahr
19. Weglaufen von den Eltern oder elterlichen Ersatzpersonen, mindestens zweimal oder länger als eine Nacht (außer dies geschieht zur Vermeidung körperlicher oder sexueller Misshandlung)
20. eine kriminelle Handlung, bei der das Opfer direkt angegriffen wird, (einschließlich Handtaschenraub, Erpressung, Straßenraub)
21. Zwingen einer anderen Person zu sexuellen Aktivitäten
22. häufiges Tyrannisieren anderer [sic] (z. B. absichtliches Zufügen von Schmerzen oder Verletzungen – einschließlich andauernder Einschüchterung, Quälen oder Belästigung)
23. Einbruch in Häuser, Gebäude oder Autos“

(Dilling & Schulte-Markwort 2010 S. 190f.).

Zusammenfassend nennt die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie (2007), neun wesentliche Leitsymptome der Störung des Sozialverhaltens:

„- deutliches Maß an Ungehorsam, Streiten oder Tyrannisieren
- ungewöhnlich häufige oder Schwere Wutausbrüche
- Grausamkeiten gegenüber anderen Menschen oder gegenüber Tieren
- erhebliche Destruktivität gegen Eigentum
- Zündeln
- Stehlen
- häufiges Lügen
- Schule schwänzen
- Weglaufen von zu Hause“

(Dt. Ges. für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie 2007 S. 265).

Jedes der oben aufgeführten Leitsymptome rechtfertigt bei schwerer Ausprägung über den Zeitraum von einem halben Jahr (nicht bei einmaligem Auftreten), die Diagnose einer Störung des Sozialverhaltens (Baving 2006 S. 7; Blanz 2002 S. 198; Boumann 2008 S. 12; Dilling & Schulte-Markwort 2010 S. 190; Dt. Ges. für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie 2007 S. 265).

Bei der Diagnosestellung können zusätzliche Differenzierungen vorgenommen werden. Man unterscheidet den Zeitpunkt des ersten Auftretens in der Kindheit oder Adoleszenz vor oder nach dem 10. Lebensjahr (Dilling & Schulte-Markwort 2010 S. 191). Darüber hinaus gibt es eine Unterscheidung in Untergruppen nach Schweregrad: leicht, mittelgradig oder schwer (Dilling & Schulte-Markwort 2010 S. 192; Baving 2006 S. 7).

In der Beurteilung der Diagnosestellung sollte ebenfalls das Geschlecht, das Lebensalter sowie der jeweilige Entwicklungsstand berücksichtigt werden (Baving 2006 S. 34).

Im Wesentlichen wird eine Einteilung in die folgenden vier Untergruppen vorgenommen:

- Auf den familiären Rahmen beschränkte Störung des Sozialverhaltens (F91.0): Hier wird auf die Beschränkung hingewiesen, die sich fast ausschließlich auf den häuslichen Rahmen und die Interaktion zwischen den Familienmitgliedern bezieht. Die Bindungen, die außerhalb der Familie bestehen, bewegen sich meistens im normalen Rahmen.
- Störung des Sozialverhaltens bei fehlenden sozialen Bindungen (F91.1): Diese Untergruppe beschreibt das Fehlen einer Peergroup, d. h. die Betroffenen sind unbeliebt und leben isoliert. Auch die Beziehungen zu Erwachsenen gestalten sich oftmals schwierig.
- Störung des Sozialverhaltens bei vorhandenen sozialen Bindungen (F91.2): Die Betroffenen verfügen über angemessene und auch andauernde Freundschaften (unter Ausschluss anderer dissozialer Gleichaltriger).
- Störung des Sozialverhaltens mit oppositionellem, aufsässigen Verhalten (F91.3): Hierbei handelt es sich um eine leichte Form der Störung des Sozialverhaltens, die sich überwiegend bei jüngeren Kindern bemerkbar macht. Dabei werden die Gesetze und Grundrechte Anderer nicht verletzt.

(Baving 2006 S. 8; Boumann 2008 S. 12-17; Dilling & Schulte-Markwort 2010 S. 191-193; Steinhausen 2002 S. 215f.)

Des Weiteren sind im ICD-10 die Untergruppen Sonstige Störung des Sozialverhaltens (F91.8) und Nicht näher bezeichnete Störung des Sozialverhaltens (F91.9) aufgeführt. Hierzu finden sich jedoch keine näheren Erläuterungen (Baving 2006 S. 8).

Als eine weitere Ausprägungsform kann sich die sogenannte hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens (F90.1) zeigen. Hier liegen neben den Kriterien einer Störung des Sozialverhaltens ebenso Kriterien der Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung vor (Dilling & Schulte-Markwort 2010 S. 189).

Die Kodierung F92 beinhaltet zusätzlich die Kombination eines gestörten Sozialverhaltens bei gleichzeitig gestörten Emotionen. F92.0 beschreibt die Störung des Sozialverhaltens mit depressiver Störung, F92.8 sonstige kombinierte Störung des Sozialverhaltens und der Emotionen und F92.9 nicht näher bezeichnete kombinierte Störung des Sozialverhaltens und der Emotionen (Dilling & Schulte-Markwort 2010 S. 194).

Die diagnostische Kategorie Störung des Sozialverhaltens im DSM-IV (Amerikan Psychiatric Association 1994) wird mit dem Oberbegriff „engl. disruptive behavior disorder “ beschrieben. Das DSM-IV unterscheidet im Wesentlichen zwei Formen: die Störung des Sozialverhaltens „engl. conduct disorder “ und die weniger schwerwiegende Störung mit oppositionellem Trotzverhalten „engl. oppositional-defiant disorder “ (Saß 2003 S. 123-133). Das DSM-IV kategorisiert die Störung des Sozialverhaltens in vier Symptomgruppen:

- Aggressives Verhalten gegenüber Menschen und Tieren
- Zerstörung von Eigentum
- Betrug und Diebstahl
- Schwere Regelverstöße

(Saß 2003 S. 123f.).

Hinsichtlich der diagnostischen Kriterien zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den beiden Klassifizierungssystemen. Müssen für die Diagnose einer „engl. conduct disorder “ laut DSM-IV insgesamt 3 Symptome vorhanden sein, so ist nach dem ICD-10 das Vorliegen eines einzigen Symptomes in außerordentlicher Ausprägung und für die Dauer von 6 Monaten zur Diagnosestellung ausreichend (Baving 2006 S. 13). Des Weiteren kann im DSM-IV eine Differenzierung (ebenso wie im ICD-10) bezüglich des Auftretensbeginns vor oder nach dem 10. Lebensjahr sowie die Intensitätsgrade „gering“, „moderat“ oder „hoch“ in die Kodierung mit aufgenommen werden (Boumann 2008 S. 19).

Steinhausen (2002) stellt in seiner Orientierung an Frick (1993) ein zweidimensionales Modell für eine Störung des Sozialverhaltens auf.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Zweidimensonales Modell für Störungen des Sozialverhaltens

(Quelle: Steinhausen 2002 S. 211 in Orientierung an Frick et al. 1993)

Das Modell auf Abbildung 1 berücksichtigt die Dimensionen des offen versus verdeckten Verhaltens sowie des destruktiven versus nicht destruktiven Verhaltens. Es beinhaltet sowohl die empirisch relevanten Merkmale der Störung des Sozialverhaltens, als auch die Merkmale, die für die Praxis wichtig sind (Steinhausen 2002 S. 211f.).

Gegenstand dieser Bachelorarbeit sind alle Störungen des Sozialverhaltens nach ICD-10 (die entsprechenden diagnostischen Kategorien F90.1, F91 mit den genannten Untergruppen und F92) und auch die zwei Formen „engl. conduct disorder “ und „engl. oppositional-defiant disorder “ nach dem DSM-IV. In Bezug auf den Präventionskontext sind auch diejenigen Merkmale der Störung des Sozialverhaltens zu berücksichtigen, die noch nicht den entsprechenden Diagnosekriterien gerecht werden, aber Verhaltensrichtungen aufzeigen, wie sie aus Abbildung 1 ersichtlich werden.

2.2 Komorbiditäten

Häufig stehen psychische Probleme im Kindes- und Jugendalter mit anderen Schwierigkeiten im Zusammenhang. Bei Betroffenen mit einer Störung des Sozialverhaltens sind durchschnittlich zwei bis drei diagnostizierbare psychische Störungen vorhanden. (Diese Aussage bezieht sich auf Betroffene, die in eine psychiatrische Behandlung kommen) (Klicpera & Gasteiger-Klicpera 2007 S. 143 zit. n. Essau 2003). Komorbiditäten bei der Störung des Sozialverhaltens sind bei 50% der Betroffenen Formen der hyperkinetischen Störung (F90.1). Weiter können im Jugendalter bei 20% der Fälle jegliche Arten von Substanzmissbrauch (F1) auftreten. In manchen Fällen zeigen sich auch depressive Störungen (F92) (Boumann 2008 S. 23-27). Darüber hinaus können Phobische oder Angststörungen (F92) komorbid auftreten (Dt. Ges. für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie 2007 S. 269). Bei 40% der Betroffenen wird beim Übergang ins Erwachsenenalter eine dissoziale Persönlichkeitsstörung (F.60.2) beschrieben (Boumann 2008 S. 25).

Neben den eben beschriebenen Komorbiditäten gibt es noch viele weitere kritische Begleitphänomene. Dazu gehören z. B. Probleme im Bereich der Schule bspw. Leistungsprobleme, Klassenwiederholung, Ausgrenzung aus der Klassengemeinschaft, Schulabbruch. Ferner treten Strafanfälligkeiten, die Tendenz zum Risikoverhalten, die Neigung zu Unfällen und frühe sexuelle Aktivitäten mit promisken Zügen auf (Boumann 2008 S. 27f.). Auch zeigen sich erhebliche Entwicklungsverzögerungen und ein Somatisierungsverhalten als Vermeidungsverhalten bei sozialen Anforderungen (Boumann 2008 S. 28 zit. n. Fend 2001).

2.3 Diagnostik

Im Rahmen der Diagnostik werden die oben (s. Kapitel 2.1) angesprochene Problembereiche sorgfältig eruiert (Schmidt 1999 S. 215). Die Symptomatik wird mittels Interviews mit dem Kind/Jugendlichen und den Eltern erfragt. Darüber hinaus wird die Qualität der Familien- und der Peerbeziehungen ergründet. Beim Betroffenen wird auch das Freizeitverhalten, insbesondere gewaltbezogene Computerspiele, die bestraften Delinquenzen und Dunkelfelddelinquenzen, der Alkohol-, Nikotin- und Drogenkonsum, die sexuelle Entwicklung und das Selbstbild erfragt. Bei den Eltern wird der Umgang mit Problemen, die familiären Ressourcen (Stress, sozioökonomischer Status, soziale Integration/Isolation), die elterlichen Erziehungsmethoden (Inkonsistenz, Gewährenlassen, Vernachlässigung, Grenzsetzung, Strenge), der Umgang mit Aggression von Seiten des Kindes/Jugendlichen sowie Konfliktlösestrategien ermittelt (Dt. Ges. für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie 2007 S. 267f.).

Einen weiteren zentralen Teilbereich stellt die Erfragung der Entwicklungsgeschichte dar (Steinhausen 2002 S. 216). Hier werden möglicherweise relevante Aspekte, wie z. B. die pränatale Geburtsanamnese (insbesondere der mütterliche Alkohol- und Drogenmissbrauch), oder auch mütterliche Infektionserkrankungen erfasst. Weiter gilt es, die Einnahme von Medikamenten, die medizinische Vorgeschichte (insbesondere ZNS- Beeinträchtigungen), bereits erlebte Erfahrungen bezüglich körperlichem und/oder sexuellem Missbrauch, die Familiengeschichte in Bezug auf den Stieffamilienstatus, Adoption, Unterbringung in Pflegeheimen oder Heimen zu erfragen. Darüber hinaus ist es notwendig die Ausbildung von Gewissen und Schuldgefühl zu ermitteln sowie die Schullaufbahn und die Entwicklung etwaiger schulischer Leistungsschwierigkeiten zu betrachten (Dt. Ges. für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie 2007 S. 267f.).

2.3.1 Differenzialdiagnostik

Eine differenzialdiagnostische Abgrenzung der Symptome der Störung des Sozialverhaltens ist v. a. hinsichtlich folgenden klinisch-psychiatrischer Störungsbilder erforderlich, da diese in mehreren Symptombereichen Parallelen aufweisen:

- Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (F90.0)
- Dissoziale Persönlichkeitsstörung (F60.2)
- Schizophrenie (F20)
- Manische Episode (F30)
- Intelligenzminderung (F7)
- Autistisches Syndrom (F84)
- Hirnorganische Psychosyndrome (F07)
- Impulskontrollstörung (F63)
- Posttraumatische Belastungsstörung ((F43.1)
- Anpassungsstörung (F43.2)
- Substanzmissbrauch (F1)
- Bulimia nervosa (F50.2)

(Blanz 2002 S. 200).

2.4 Epidemiologie

Je nach AutorInnen und in Abhängigkeit zu den jeweiligen regionalen Unterschieden, den unterschiedlichen Terminologien, den verschiedenen Erhebungsmethoden (Klicpera & Gasteiger-Klicpera 2007 S. 145) sowie der Altersgruppe und der Stichprobenbeziehung, variieren die Angaben zur Prävalenz (Lösel 2008 S. 2; Fröhlich-Gildhoff & Abler 2006 S. 21).

Durch die BELLA- Studie (2007) im Kindes- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland wurden zum ersten Mal verlässliche Zahlen zur Häufigkeit der Störung des Sozialverhaltens in der Allgemeinbevölkerung benannt (Boumann 2008 S. 28). Dabei zeigen 7,6% der Kinder und Jugendlichen Kennzeichen einer Störung des Sozialverhaltens. Die Zahlen basieren auf einer Untersuchung zwischen Mai 2003 und Mai 2006 mit einer repräsentativen Stichprobe von 17641 Probanden im Alter von 0 bzw. 3 bis 17 Jahren (Revens-Sieberer, Wille N. & Bettge 2007 S. 873).

Erhebliche Varianzen der Prävalenzrate bestehen bei den Angaben der Geschlechtsunterschiede. In der oben zitierten BELLA- Studie sind 7,9% der Jungen und 7,2% der Mädchen betroffen (Revens-Sieberer, Wille N. & Bettge 2007 S. 875). Andere AutorInnen nennen ein bis zu viermal häufigeres Auftreten bei Jungen (Klicpera & Gasteiger-Klicpera 2007 S. 145 zit. n. Moffitt, Caspi, Rutter & Silva 2001).

Folgend werden verschiedene Angaben zur Prävalenzrate der Störung des Sozialverhaltens dargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Prävalenz der Störung des Sozialverhaltens

(Quelle: Fröhlich-Gildhoff & Abler 2006 S. 21)

Diese Zusammenstellung der Prävalenzraten der Störung des Sozialverhaltens bzw. aggressiv- dissozialen Verhaltens macht deutlich, wie verschieden die Einschätzungen sind.

Das DSM-IV nennt die Störung des Sozialverhaltens als eine der „am häufigsten diagnostizierten Zustände in stationären und nicht-stationären therapeutischen Einrichtungen für Kinder“ (Saß 2003 S. 127).

Schlussfolgernd kann die übereinstimmende Aussage gemacht werden, dass die Störung des Sozialverhaltens zu den zahlreichsten ermittelten Störungsformen zählt (so auch Fröhlich-Gildhoff & Abler 2006 S. 21).

In der Literatur finden sich viele unterschiedliche Aussagen darüber, ob aggressives Verhalten in den letzten Jahren zugenommen hat. Laut Aussagen von Boumann (2008) zeigte sich mehr als eine Verdoppelung der Häufigkeit des Auftretens bei Störungen des Sozialverhaltens während des Untersuchungszeitraums von 1993 und 2003 (sie basieren auf Aussagen der Krankheitsdiagnostik zw. den genannten Jahren) (Boumann 2008 S. 30ff.). Bei einer Langzeituntersuchung über 20 Jahre, von Kleiber und Meixner (2000) konnte ein Anstieg der Delinquenzrate im Jugendalter an Hauptschulen festgestellt werden (S. 192). Nach Angaben der polizeilichen Kriminalstatistik ist eine deutliche Zunahme an Gewaltdelikten zu beobachten. Die Angaben zur Verurteilungsstatistik zeigen dem gegenüber nur einen geringen Anstieg (Ostendorf 2002 S. 22).

Schlussfolgernd, kann festgehalten werden, dass sich durch die Prävalenzrate die Wichtigkeit von Präventionsmaßnahmen der Störung des Sozialverhaltens begründen lässt (so auch Beelmann 2004 S. 113).

2.5 Verlauf und Prognose

Steinhausen (2002) stellt in Orientierung an Loeber (1990) ein Entwicklungsmodell der Störungen des Sozialverhaltens auf.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Entwicklungsmodell der Störung des Sozialverhaltens

(Quelle: Steinhausen 2002 S. 212 in Orientierung an Loeber 1990)

Abbildung 2 zeigt mögliche Tendenzen des Verlaufs einer Störung des Sozialverhaltens. Dabei kann die individuelle Variation sehr unterschiedlich ausfallen (Boumann 2008 S. 33f.).

Unter den Symptomen der Störung des Sozialverhaltens zeigt die Aggressivität die geringste Neigung zu einer Rückbildung. Ein ausgeprägtes, aggressives und gewalttätiges Verhalten zeigt sich schon ab dem 5. Lebensjahr (Steinhausen 2000 S. 232). Wenn sich ein Problemverhalten einmal verfestigt hat, zeigt es sich stabil und lässt sich nur noch schwer beeinflussen (Fröhlich-Gildhoff & Abler 2006 S. 215).

Die Betrachtung der Geschlechter, zeigen sich deutliche Unterschiede auf (s. Tabelle 1). Nicht nur in Bezug auf die Auftretenshäufigkeit finden sich Varianzen, sondern auch darin, wie sich das Verhalten äußert. Mädchen zeigen mehr oppositionelles Trotzverhalten, Jungen hingegen mehr aggressive und dissoziale Verhaltensweisen (Boumann 2008 S. 33f.). Dies steht in einem Zusammenhang mit dem Auftretensbeginn. Entwickelt sich die Störung im Jugendalter, zeigt sie sich oftmals weniger schwerwiegend, als wenn sie schon in der frühen Kindheit auftritt. Ein früher Beginn der Störung des Sozialverhaltens betrifft häufiger Jungen (Klicpera & Gasteiger-Klicpera 2007 S. 142).

Bei den „engl. early starters“ zeigt sich die Störung bei etwa der Hälfte der Fälle relativ stabil (Lösel et al. 2006 S. 127 zit. n. Frick & Lonely 1999, Lipsey & Derzon 1998 Moffitt 1993). Es handelt sich oftmals um Intensivtäter. Später sind diese Jugendlichen für einen Großteil der „klassischen Kriminalität“ verantwortlich (Lösel 2008 S. 3 zit. n. Loeber, Farrington & Waschbusch 1998). Ein früher Störungsbeginn lässt hier in der Regel auch für die anderen psychosozialen Probleme im Erwachsenenalter schlechte Prognosen erwarten (Lösel 2008 S. 3 zit. n. Robins & Price 1991).

Bei ungünstigem Störungsverlauf kommt es zu einem Auftreten weiterer Komorbiditäten und erhöht die Wahrscheinlichkeit im Erwachsenenalter eine dissoziale Persönlichkeitsstörung zu entwickeln steigt (Blanz 2002 S. 202; Boumann 2008 S. 34). Ebenso ist eine hohe Anzahl sowie eine schwere Ausprägung der Symptome als ungünstig zu beurteilen (Blanz 2002 S. 202; Boumann 2008 S. 34).

Ein negativer Störungsverlauf ist mit einem hohen Behandlungsbedarf verbunden, der sich schwierig und auch langwierig gestaltet (Blanz 2002 S. 208). Ferner bringt die Behandlung der Störung des Sozialverhaltens erhebliche Kosten mit sich, besonders bei der Unterbringung der Betroffenen in stationären Einrichtungen, Heimen, Gefängnissen oder auch Kliniken (Lösel et al. 2006 S. 128). Dies kann pro Fall durchaus Kosten in Millionenhöhe verursachen (Lösel et al. 2010a S. 39 zit. n. Muñoz, Hutchings, Edwards, Hounsome, O´Céilleachair 2004, Forster, Prinz, Sander, Shapiro 2008). Daher ist eine wirksame Prävention unter dem Aspekt des Kosten-/Nutzen-Gesichtspunktes wichtig (Lösel et al. 2010a S. 40).

Die Verhaltensauffälligkeiten verändern sich nicht, wenn nicht frühzeitig professionelle Interventionen stattfinden (Rönnau-Böse & Fröhlich-Gildhoff 2010 S. 26 zit. n. Krahè 2001, Essau & Conradt 2004). „Alles spricht dafür, frühzeitig die Risiken für Fehlentwicklungen zu vermindern“ (Lösel et al. 2006 S. 128).

2.6 Ätiologie

Die Prävalenzrate und der Verlauf bzw. die Stabilität der Störung des Sozialverhaltens führen zu der Frage, welche Ursachen und Wirkmechanismen den Entstehungsbedingungen zu Grunde liegen. Diese Ursachen genauer zu untersuchen ist nicht nur für eine Klärung ihrer Entstehungsgeschichte von Bedeutung, sondern vor allem im Hinblick auf die Gestaltung von Präventions- und Interventionsmaßnahmen. Eine Kenntnis der Ursachen-Wirkungs-Zusammenhänge ist somit eine Voraussetzung für fundierte Entscheidungen über den Einsatz von Präventionsmaßnahmen. Des Weiteren sind die Maßnahmen umso wirksamer, je mehr theoretisches Hintergrundwissen über die Einflussfaktoren der erwünschten und unerwünschten Verhaltensweisen in die Konzeption von Präventionsmaßnahmen mit einfließen (Beelmann & Raabe 2007 S. 47). In der Literatur finden sich verschiedene theoretische, empirische und konzeptionelle Veröffentlichungen, welche sich mit der Identifikation von Risiko- und Schutzfaktoren beschäftigen (Beelmann & Raabe 2007 S. 48 zit. n. Ciccetti & Cohen 2006a, Petermann & Scheithauer 1998, Oerter, von Hagen, Röper & Noam 1999, Sameroff, Lewis & Miller 2000, Silbereisen & Pinquart 2006).

Ein sehr wichtiger Aspekt ist die Betrachtung von verschiedenen Einflussfaktoren (Baierl 2010 S.334). Damit ist eine interdisziplinäre Ausrichtung – psychologisch, biologisch, medizinisch, sozialwissenschaftlich, sowie eine Betrachtung von unterschiedlichen Ebenen der Funktion; von neurologischer Aktivität über individuelle Regulation bis hin zu gesellschaftlichen Prozessen gemeint. Weiter ist eine differenzierte Betrachtung des Funktionsbereichs des Individuums erforderlich (neurologisch, psychologisch, kognitiv emotional, behavioural). Über dynamische Anpassungs- und Entwicklungsprozesse ist ferner die Person selbst als aktiver Mitgestalter ihrer Umwelt zu betrachten (Beelmann & Raabe 2007 S. 48 zit. n. Ciccetti 2006).

Vor diesem Hintergrund ist die Betrachtung von einzelnen Einflussfaktoren nur aus der theoretischen Perspektive sinnvoll. Ein komplexes Zusammenspiel bleibt jedoch stets übergeordnet (Beelmann & Raabe 2007 S. 48).

2.6.1 Risiko- und Schutzfaktoren

Dieses Kapitel beginnt mit dem Hinweis, dass in der später vertieften Resilienzforschung viele Komponenten des Risiko- und Schutzfaktorenkonzepts detailliert dargestellt werden (s. Kapitel 3.5). Im Folgenden werden vor allem Risiko- und Schutzfaktoren, welche einer Störung des Sozialverhaltens zu Grunde liegen beleuchtet.

Tabelle 2 benennt Faktoren, die das Risiko an einer Störung des Sozialverhaltens zu erkranken erhöhen und Schutzfaktoren, die davor schützen. In Interaktion mit anderen Risikofaktoren schwächen sie den Einfluss der Schutzfaktoren ab oder sie verhindern bereits das Auftreten von Risikofaktoren. Die Faktoren beeinflussen sich gegenseitig und sind daher nicht unabhängig voneinander zu betrachten. Sie unterliegen verschiedenen Wirkmechanismen (Baierl 2010 S. 334) (s. auch Kapitel 3.5.3).

Folgende Tabelle von Steinhausen (2002) nimmt eine Gegenüberstellung von Risiko- und Schutzfaktoren vor, die in einem Zusammenhang mit der Entstehung der Störung des Sozialverhaltens stehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Risiko- und Schutzfaktoren

(Quelle: Steinhausen 2002 S. 214)

Steinhausen (2002) benennt hier im Wesentlichen diejenigen Faktoren, die empirisch gut erforscht worden sind. Auch andere AutorInnen behandeln die Risiko- und Schutzfaktoren (z. B. Baierl 2010; Boumann 2008; Beelmann & Raabe 2007). Sie ergänzen sich im Wesentlichen mit den eben aufgeführten (s. Tabelle 2).

Bei der Prävention geht es in erster Linie darum, die kausal wirksamen Risikofaktoren zu reduzieren und die Schutzfaktoren zu stärken (Lösel 2008 S. 3 zit. n. D`Farringrton & Welsh 2007).

2.6.2 Auslösende und aufrechterhaltende Faktoren

Die auslösenden Bedingungen spielen besonders in der Entstehungsgeschichte der Störung des Sozialverhalten eine wichtige Rolle (Baving 2006 S. 48). Die aufrechterhaltenden Bedingungen können laut aktuellen Untersuchungen zum Überdauern einer Störung beitragen. Jedoch nur dann, wenn diese für die Ursache auch von Bedeutung waren (Baving 2006 S. 49f.). In Anlehnung an Baving (2006), werden im Folgenden störungsspezifische auslösende und aufrechterhaltende Rahmenbedingungen vertieft. Bei den genannten Faktoren sind kausale und funktionale Zusammenhänge zwischen dem systemischen Kontext und der Störung des Sozialverhaltens entschlüsselt (S. 49f.).

Elterliches Erziehungsverhalten

- Wie zeigen sich die elterlichen Anforderungen? Stimmen die Vorstellungen der elterlichen Erwartungen mit den Eigenschaften des Kindes überein? Wird das Kind über- oder unterfordert?
- Es stellt sich die Frage nach mangelnden Strukturen in der Erziehung. Gewart man dem Kind seine Verhaltensweisen? Zeigen sich ungenügende und inkonsistente Handhabungen bei Absprachen und Regeln?
- Auf welche Art und Weise werden Aufträge erteilt?
- Wie gestaltet sich die Art der Grenzsetzung?
- Kommt es zu willkürlichen Reaktionen und Sanktionen auf Seiten der Eltern, die für das Kind unvorhersehbar sind?
- Wie geht die Familie mit Belohnungen um? Sind sie sozial oder materiell und werden darüber hinaus versprochene Belohnungen auch umgesetzt?
- Wie wird ein Kind bestraft – mild oder direkt in Verbindung mit seinem Fehlverhalten anhand verständlicher und an der Sache orientierter Erklärungen? In vielen Fällen zeigt sich das Verhalten der Eltern oftmals von Ärger geleitet, auch einhergehend mit harten Bestrafungen.
- Ist ein Verständnis über die Verhältnismäßigkeit von Belohnung und Bestrafung ersichtlich? In manchen Fällen ist sogar eine Bestrafung von sozial erwünschtem Verhalten beobachtbar.
- Ist die Interaktion zwischen den Eltern und dem Kind koersiv geprägt, so dass es zu einer Verstärkung der Non-Compliance beim Kind kommt?
- Wie gehen Eltern mit dem aggressiven Verhalten ihrer Kinder um?
- Wie zeigt sich eine positive Beziehungsgestaltung? Bekommen Kinder genügend Aufmerksamkeit, interessieren sich Eltern für ihre Kinder und erfahren diese ihre Unterstützung? Führt eine Familie gemeinsame Aktivitäten durch?
- Wird ein Kind kontrolliert oder betreut? Haben Eltern einen Überblick über die Tagesgestaltung ihrer Kinder? Wissen Eltern welche Aktivitäten ihre Kinder ausüben und welche Beziehungen sie eingehen?
- Ist der Erziehungsstil der Eltern dysfunktional, was sich als Folge von mangelnden Konzepten oder einer Überforderung zeigt?
Intrafamiliäre Beziehungen
- Wie zeigt sich die intrafamiliäre Kommunikation? Inadäquat oder sogar verzerrt? Welche Strategien werden im Umgang mit interpersonellen Konflikten angewendet?
- Ist die Eltern-Kind-Beziehung von einem Mangel an Wärme geprägt?
- Nimmt das Kind eine „Sündenbockposition“ ein? Wird es feindlich abgelehnt und zurückgewiesen?
- Werden Kinder oder auch andere Familienmitglieder körperlich und/oder auch sexuell misshandelt (Lernen am Modell, Viktimisierung)?
- Herrscht bei den erwachsenen Mitgliedern der Familie eine Disharmonie? Oder verändern sich durch neue Familienmitglieder die intrafamiliären Beziehungen negativ?
Psychische Störungen, abweichende Verhalten oder Behinderung in der Familie
- Liegt auf Seiten eines Elternteils, eine psychische Störung, Behinderungen oder andere abweichende Verhaltensweisen vor?
- Entsteht durch die Beeinträchtigung der Eltern ein Nachteil im Erziehungsverhalten oder gibt es auch andere soziale Begrenzungen für das Kind?
- Gebrauchen die Eltern psychotrope Substanzen wie Alkohol, Medikamente oder illegale Drogen? Wie äußert sich die Einstellung der Eltern gegenüber dem Gebrauch von psychotropen Substanzen bei ihrem Kind?
- Zeigen die Eltern ein Risikoverhalten oder ein hohes Ausmaß an Impulsivität?
- Besteht innerhalb der Familie aggressives, dissoziales und delinquentes Verhalten (evt. Verurteilungen)?
- Haben die Geschwister eine Behinderung und ein dadurch abweichendes Verhalten?
Psychosoziale Bedingungen
- Was für eine schulische und berufliche Ausbildung haben die Eltern? Sind sie berufstätig? Über welches Einkommen verfügen sie?
- Wie sind die familiären Belastungen (z. B. Schulden, Arbeitslosigkeit, häufiger Wohnungswechsel, Krankheit)? Über welche Ressourcen verfügt eine Familie (soziale Unterstützung und Entlastung durch Dritte, soziale Integration)?
- Liegt eine abweichende Elternsituation vor, wie z. B. ein allein erziehender Elternteil, oder wechselnde Eltern? Was erfährt man über die Zusammensetzung und Vorgeschichte der Familie?
- Wie gestaltet sich die Erziehung in einer Institution?
- Gehört die Familie einer Randgruppe mit eigenen Wertenormen an?
- Zeigen sich Armut, soziale Verpflanzung, Migration, Diskriminierung, unzureichende Lebensbedingungen, oder psychosozial gefährdete Lebensbedingungen?
Belastende Lebensereignisse
- Kam es zu einem Verlust einer liebevollen Beziehung?
- Sind Ereignisse vorgefallen, die zu einer Herabsetzung der eigenen Selbstachtung führten?
- Wird das Kind durch Gleichaltrige zurückgewiesen und/oder viktimisiert?
- Verfügt das Kind oder der Jugendliche über eine „Sündenbockposition“ (durch LehrerInnen oder AusbilderInnen)?
- Gab es sexuellen Missbrauch außerhalb der Familie?

(Baving 2006 S. 49f.)

Die entsprechenden Problembereiche werden durch die voran gegangene Aufführung ersichtlich. Darüber hinaus geben sie Hinweise für die Planung von Therapiemaßnahmen und die Konzipierung von Präventionsmaßnahmen (Baving 2006 S. 50).

2.6.3 Ätiologiemodelle

Die Klärung der Ursachen und Wirkmechanismen der Entstehungsbedingungen der Störung des Sozialverhaltens wird über eine Darstellung von Ätiologiemodelle gerecht werden (Beelmann & Raabe 2007 S. 48 zit. n. Lerner & Damon 1998).

Vorweg sollen folgende „Kernaussagen“ von Beelmann und Raabe (2007), über Entwicklungsbedingungen von dissozialem Verhalten zusammengefasst werden. Es handelt sich um „stabile“ Aussagen deren Zusammenhänge wissenschaftlich widerlegt wurden:

- Bei den biologischen Risikofaktoren ist erkennbar, dass sich die Basis für dissoziale Entwicklungsprobleme bereits im frühen Lebenslauf (schon während der Schwangerschaft, Geburt oder dem Kleinkindalter) zeigt.
- Die biologischen Merkmale und die psychologischen Prozesse stehen in einem engen Zusammenhang. Sie beeinflussen sich gegenseitig und bestimmen darüber hinaus auch die Art und Weise, wie das Kind seine Umwelt wahrnimmt, wie es handelt und wie es den Bedingungen des sozialen Kontextes begegnet.
- Beziehungen und soziale Interaktionen (besonders im familiären Rahmen), die sich aversiv zeigen, stehen in Interaktion mit biologischen und psychologischen Bedingungen. Ferner tragen sie zu einer Verschlechterung der psychopathologischen Entwicklung bei.
- Das elterliche Erziehungsverhalten ist ein entschiedener Faktor, der entweder unterschiedliche Risikofaktoren abschwächen kann oder sie im schlechtesten Fall verstärkt. Bei Kindern, die Problemverhaltensweisen aufzeigen, sind die Eltern oft überfordert. Auf der einen Seite kann das negative Verhalten der Kinder eine negative Reaktion der Eltern hervorrufen, auf der anderen Seite weisen Eltern von dissozialen Kindern häufig selbst problematische Vergangenheiten auf. Daher sind sie auch eher dazu bereit, aversive Erziehungspraktiken anzuwenden.
- Einen enormen Einfluss auf die Entwicklung von dissozialem Verhalten fördert die Ablehnung von Peers im Jugendalter. Folgen davon sind Kontakte mit devianten Gleichaltrigen, die sich negativ gestalten. Mit zunehmendem Alter vermögen Jugendliche immer selbstständiger, ihre Entwicklung aktiv zu gestalten. Die Wahl des Freundeskreises ist daher nicht unabhängig von den Zielen und Merkmalen des Individuums, die sich aus den genetischen Bedingungen und den sozialen Vorerfahrungen ergeben.
- Ein weiterer Zusammenhang ergibt sich aus dem Freizeitkontext, der Nachbarschaft und der medialen Umgebung, in der ein Kind oder Jugendlicher mit dissozialen Verhaltensweisen aufwächst. In diesem Kontext ergibt sich auch mehr oder weniger die Gelegenheit, dissoziale Verhaltensweisen zu erlernen und auszuführen.

(Beelmann & Raabe 2007 S. 110)

Die aufgeführten Faktoren spielen bei der Ursachenklärung der Entstehungsgeschichte der Störung des Sozialverhaltens eine Rolle. Man begegnet ihnen in Ätiologiemodellen von verschiedenen AutorInnen wieder.

Im Folgenden werden drei Modelle vorgestellt: Das Bio-psycho-soziale Entwicklungsmodell dissozialen Verhaltens, das Entwicklungsmodell von Verhaltensstörungen und Substanzmissbrauch und das Ursachenmodell der Störung des Sozialverhaltens.

„Bio-psycho-soziales Entwicklungsmodell dissozialen Verhaltens“

Im Folgenden wird das Bio-psycho-soziale Entwicklungsmodell dissozialen Verhaltens von Beelmann (2007) aufgezeigt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Bio-psycho-soziales Entwicklungsmodell dissozialen Verhaltens

(Quelle Beelmann & Raabe 2007 S. 111 modifiziert nach Lösel & Bender 2003 und Beelmann 2000)

Das kumulative Entwicklungsmodell dissozialen Verhaltens (s. Abbildung 3) fasst biologische, psychologische und soziale Risikofaktoren unter Berücksichtigung der Entwicklung zusammen. Hier werden komplexe Wirkungszusammenhänge aufgezeigt. Im Sinne der Wechselwirkungsmechanismen findet man „Kettenreaktionsmuster“ (Klicpera & Gasteiger-Klicpera 2007 S. 110). Die zahlreichen Wechselwirkungs-mechanismen zwischen den Faktoren geben gerechtfertigte Erklärungsansätze der Störungsentwicklung wieder.

„Entwicklungsmodell von Verhaltensstörungen und Substanzmissbrauch“

Im Folgenden wird ein Entwicklungsmodell von Verhaltensstörungen und Substanzmissbrauch nach Webster-Stratton & Taylor (2001) dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Entwicklungsmodell von Verhaltensstörungen und Substanzmissbrauch

(Quelle: Mayer, Heim & Scheithauer 2007 S. 3 zit. n. Webster-Stratton & Taylor 2001 S. 166f. aus Scheithauer, Petermann, Meyer & Hayer 2004)

Aus diesem Entwicklungsmodell (s. Abbildung 4), geht hervor, dass sich Risikofaktoren in der Entwicklung schon früh manifestieren können. Nach diesem Modell wird eine Verhaltensstörung oder ein Substanzmissbrauch durch drei Einflussbereiche bedingt: Erziehungsfaktoren, Kindfaktoren und Kontextfaktoren. Wenn einer dieser Bereiche Risikofaktoren aufweist, ist die Wahrscheinlichkeit eine Verhaltensstörung schon früh zu entwickeln, erhöht. Weiter zeigt sich, dass es bei den Kindfaktoren zu Wechselwirkungsprozessen zwischen anderen Kindern im Kindergarten kommen kann. Wenn eine Verhaltensstörung früh auftritt, zeigt sich die weitere Entwicklung erschwert. Dies kann zu weiteren Risikokonstellationen führen. Z. B. ein Anschluss an eine deviante Peergruppe, ineffektives Erziehungsverhalten der Eltern, eine negative Bindungsqualität zu den Eltern und/oder schlechte Erfahrungen im schulischen Kontext. Am Ende der Kette steht Substanzmissbrauch, Delinquenz und/oder Gewalttätigkeit.

„Ursachenmodell der Störung des Sozialverhalten“

Folgende Abbildung zeigt das Ursachenmodell für die Störung des Sozialverhaltens von Steinhausen (2002):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Ursachenmodell für Störungen des Sozialverhaltens

(Quelle: Steinhausen 2002 S. 213)

Abbildung 5 zeigt eine breite Betrachtungsweise der Ursachen der Störung des Sozialverhaltens, da auch die Gesellschaft und die Kultur mit einbezogen werden (Steinhausen 2002 S. 213).

Das Bio-psycho-soziale Entwicklungsmodell dissozialen Verhaltens (Abbildung 3) und das Entwicklungsmodell von Verhaltensstörungen und Substanzmissbrauch (Abbildung 4) thematisieren die Entstehungsbedingungen im Entwicklungsprozess. Das Ursachenmodell der Störung des Sozialverhaltens (Abbildung 5) hingegen legt den Fokus mehr auf die ursächlichen Bedingungen. Alle drei Modelle geben Anregungen für Präventionsmaßnahmen.

Im Ganzen zeigt sich, dass die Störung des Sozialverhaltens multifaktoriell bedingt ist (Lösel et al. 2006 S. 128). Eine Vielzahl von Faktoren konnte aufgezeigt werden, die auf die Entstehung der Störung des Sozialverhaltens einwirken (so auch Lösel 2008 S. 3 zit. n. Lösel & Bender 2003). Ebenso konnten zahlreiche kausale Wirkzusammenhänge entschlüsselt werden. Aus diesem Grund können auch die Maßnahmen zur Prävention an unterschiedlichen Stellen ansetzten. „Z. B. in der Schwangerschaft, an der elterlichen Erziehung, an den sozialen Kompetenzen des Kindes, am Schulklima, in der Freizeitgestaltung, in der Gemeinde, oder multimodal in verschiedenen Bereichen“ (Lösel et al. 2006 S. 128). Konkrete Ansatzpunkte werden im späteren Verlauf der Arbeit thematisiert (s. Kapitel 5.4).

3 Grundlagen der Resilienz

In diesem Kapitel geht es um folgende Grundlagen der Resilienz: Beleuchtung der Terminologie, Exkurs zur Salutogenese, Skizze der Entwicklung des Forschungszweigs und die Charakteristika des Resilienzkonzepts. Anschließend wird das mit der Resilienzforschung zentral verbundene Konzept der Risiko- und Schutzfaktoren dargestellt. Die Resilienzfaktoren – die personalen Ressourcen des Kindes – bilden den Abschluss dieses Kapitels.

[...]

Ende der Leseprobe aus 112 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung von Resilienz für die Prävention von Störungen des Sozialverhaltens im Kindes- und Jugendalter
Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau  (Klinische Gesundheitspsychologie)
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
112
Katalognummer
V160678
ISBN (eBook)
9783640745944
ISBN (Buch)
9783640746590
Dateigröße
6091 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Resilienz, Störung des Sozialverhaltens, Kinder, Jugendliche, Risikofaktoren, Schutzfaktoren, psychische Störung, Salutogenese, Ätiologiemodelle, Resilienzfaktoren, Resilienzkonzept, Prävention, personale Ressourcen, Resilienzförderung, Aggression, Aggressionsprävention
Arbeit zitieren
Angela Schickler (Autor), 2010, Die Bedeutung von Resilienz für die Prävention von Störungen des Sozialverhaltens im Kindes- und Jugendalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160678

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