Zwischen Anspruch und Wirklichkeit - Das Peacebuilding der Vereinten Nationen

Ein Vergleich der Theorie und Praxis des Peacebuilding am Beispiel von UNAMSIL


Hausarbeit, 2010

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theorien des Peacebuilding
2.1 Konfliktmanagement
2.2 Konfliktresolution
2.3 Konflikttransformation

3. Praxis des Peacebuilding
3.1 Agenda für den Frieden
3.2 UNAMSIL

4. Theorie und Praxis
4.1 Übereinstimmungen
4.2 Differenzen

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

I. Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

Die Schaffung von Frieden gilt als eine der wichtigsten, wenn nicht sogar die wichtigste Aufgabe der Menschheit. Zu diesem Zweck und aus der Erfahrung zahlreicher Kriege heraus gründeten sich 1945 die Vereinten Nationen, um für den globalen Austausch und Versuch zum Weltfrieden einzustehen.1 Dass der Weltfrieden jedoch fern ist und jedes Jahrzehnt seine ganz eigenen Konflikte hervorbringt zeigt sich mit Blick auf die Gegenwart. Innerstaatliche Auseinandersetzungen, Guerillakriege und asymmetrische Konflikte erfordern neue Mittel um Kriege nicht nur zu gewinnen, sondern auch einen nachhaltigen Frieden zu ermöglichen.

Die zentralen Dimensionen zur Lösung der Konflikte des 21. Jahrhunderts lauten gemäß der Vereinten Nationen vorbeugende Diplomatie, Friedensschaffung, Friedenssicherung und Friedenskonsolidierung. Die Schlüsselkonzepte Boutros Boutros-Ghalis, vorgelegt in der Agenda für den Frieden von 1992, beschäftigen sich in erster Linie mit der Problematik, dass Krisenherde meist dauerhaft sind und dem Ausbruch eines Konflikts vorgebeugt werden sollte.2 Den weitreichendsten Ansatz in diesem Zusammenhang stellt das Peacebuilding, also die Friedenskonsolidierung3, dar.

In dieser Hausarbeit soll es zentral um die Frage gehen, inwiefern das Peacebuilding der Vereinten Nationen den Ansprüchen der Theorie des Peacebuilding gerecht wird. Es soll die Diskrepanz von Anspruch und Wirklichkeit der Friedenskonsolidierung untersucht werden. Ausgegangen wird hierbei von den Ansätzen des Konfliktmanagement , der Konfliktresolution und der Konflikttransformation als zentrale Theoriezweige des Peacebuilding. Dieser Theorie wird vergleichend das Fallbeispiel UNAMSIL als reale Mission der Vereinten Nationen4 gegenübergestellt. Der Peacebuilding-Einsatz in Sierra Leone bietet sich vor allem aufgrund seiner fast ausschließlichen Friedenskonsolidierungstätigkeit an, was heißt es wurde weniger Peacekeeping im klassischen Sinne durchgeführt. Weiterhin wird der Einsatz zumeist als eine erfolgreich abgeschlossene Friedensmission der VN eingestuft, was im Ergebnis der Hausarbeit bedeuten kann, dass gezeigt wurde wie sehr ein erfolgreicher Einsatz den Ansprüchen der Theorie genügt, was wiederum Rückschlüsse auf weniger erfolgreiche Einsätze zulässt.

Abschließend soll überprüft werden inwieweit die Theorie Anwendung bei der VN-Mission gefunden hat und ob die Praxis der Theorie des Peacebuilding entspricht.

2. Theorien des Peacebuilding

Die Theorie des Peacebuilding ist ein äußerst heterogenes Feld, welches sich nicht einig hinsichtlich der Verwendung des Begriffs Peacebuilding und seiner Bedeutung ist.5 Von diesen verschiedensten Kategorisierungen sei an dieser Stelle Thania Paffenholzs Typisierung wegweisend. Ihre Theorieordnung orientiert sich an den großen Schulen der Internationalen Beziehungen, dem Realismus und Idealismus sowie den resultierenden Strömungen. Von den Großtheorien ausgehend identifiziert Paffenholz fünf Zweige der Peacebuilding-Theorie.6 Dabei muss beachtet werden, dass die Alternative Diskursschule keinen geschlossenen und praktisch anwendbaren Ansatz darstellt, sondern eher der kritischen Überprüfung dient und der Verbindende Ansatz, wie der Name schon sagt, lediglich verschiedene Ansätze kombiniert.7

Da für diese Arbeit relevant ist, welche Grundansätze in der Praxis gewählt werden und wie die Peacebuilder ihnen gerecht werden können, sollen ausschließlich die drei Ansätze Paffenholzs ausführliche Erwähnung finden, die klar voneinander abzugrenzen sind und eine umfassende, praktisch anwendbare Vorgehensweise beinhalten, die zur Bearbeitung des Konflikts dienen soll. Im Folgenden werden also die Ansätze des Konfliktmanagement , der Konfliktresolution und der Konflikttransformation hinsichtlich ihrer Herangehensweise, den Akteuren und ihren Zielen kurz beschrieben.

2.1 Konfliktmanagement

Der Ansatz des Konfliktmanagement versucht Konflikte zu beheben oder zu verhindern, indem externe Akteure, insbesondere Diplomaten anderer Länder oder Organisationen, Verhandlungen mit den konfliktrelevanten Machtinhabern aller Seiten führen. An dem Verhandlungstisch sollen gemäß dem Ansatz ausschließlich die einflussreichsten Personen sitzen, die in der Lage wären Gewalt zu beenden oder dessen Ausbruch zu verhindern. Mithilfe der Mediation durch einen externen Akteur soll eine Einigung zwischen den Partnern stattfinden, um weitere Konflikte zu verhindern. Ziel ist es an dieser Stelle die unmittelbare Eskalation zu verhindern beziehungsweise zu beenden. Langfristige und tiefgreifende Konfliktlösung auf allen Ebenen ist nicht Bestandteil des Ansatzes.8

Eine weiterentwickelte Version des Konfliktmanagement Ansatzes sieht das Abkommen, das zwischen den Konfliktparteien geschlossen wird, zusätzlich auch als eine Grundlage, von der aus tiefgründiges Peacebuilding betrieben werden kann. Es werden in dem Friedensvertrag also nicht lediglich die augenscheinlichen Symptome eines Konflikts behoben, sondern zudem auch ein Grundstein für die weitere Friedenskonsolidierung gelegt.9

2.2 Konfliktresolution

Dieser Ansatz kann gewissermaßen als Gegensatz zum Konfliktmanagement betrachtet werden. Ein Konflikt soll hier durch langfristige Arbeit mit verschiedenen Bevölkerungsteilen im Konfliktgebiet beigelegt werden. Externe Akteure in Form von Nicht-Regierungs-Organisationen, kurz NROs, und wissenschaftliche Institute kooperieren mit lokalen Organisationen vor Ort.10

Ziel dabei ist es gemeinsam mit der Bevölkerung die grundlegenden Konfliktursachen zu finden und zu lösen. Der Konfliktresolutionsansatz geht davon aus, dass Konflikte immer auch einen tieferliegenden soziologischen Ursprung in der Bevölkerung haben, den es aufzudecken und zu beheben gilt. Frühe Ansätze sahen dazu eine Zusammenarbeit mit der oberen gesellschaftlichen Schicht eines Landes vor. Heute soll eher die breite Masse der Bevölkerung angesprochen werden, um sämtliche Motive für einen Konflikt zu erfassen und aufzuklären. Zu diesem Zweck sollen Workshops mit den Betroffenen durchgeführt werden, die der Versöhnung und Wahrheitsfindung dienen. Das Augenmerk des Ansatzes liegt auf der mittel- bis langfristigen Konfliktlösung mithilfe von Workshops von externen und internen Akteuren für die Bevölkerung.11

[...]


1 Vgl. Artikel 1, Charta der Vereinten Nationen, UNO (Hrsg.), 1945, <www.un.org/Depts/german/un_charta/charta.pdf> am 28.08.2010. Vgl. Gareis, Sven Berhard, Der Wandel der Friedenssicherung durch die Vereinten Nationen, in: APuZ, B27-28/2002, S. 20.

2 Vgl. Boutros-Ghali, Boutros/ UNO (Hrsg.), Agenda for Peace, <http://www.un.org/Depts/german/friesi/afried/afried-1.htm> am 28.08.2010.

3 Die Begriffe Friedenskonsolidierung und Peacebuilding werden in dieser Hausarbeit synonym verwandt.

4 Der Begriff Vereinte Nationen wird nachfolgend mit VN abgekürzt.

5 Vgl. Schirch, Lisa, Strategic Peacebuilding: State of the Field, in: Peace Prints. South Asian Journal of Peacebuilding, 1. Jg. (2008), Nr. 1, S. 2.

6 Vgl. Paffenholz, Thania, Civil Society & Peacebuilding: A Critical Assessment, Boulder 2010, S. 50-51.

7 Vgl. ebd., S. 53-56.

8 Vgl. Paffenholz, Thania, Understanding Peacebuilding Theory: Management, Resolution and Transformation, in: New Routes. A Journal of Peace Research and Action, 14. Jahrgang (2009), Nr. 2, S. 3.

9 Vgl. Paffenholz, Civil Society, S. 51.

10 Vgl. ebd. S. 52.

11 Vgl. ebd, S. 52.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Zwischen Anspruch und Wirklichkeit - Das Peacebuilding der Vereinten Nationen
Untertitel
Ein Vergleich der Theorie und Praxis des Peacebuilding am Beispiel von UNAMSIL
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Friedensschaffung (peacebuilding) in Afrika
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V160684
ISBN (eBook)
9783640739943
ISBN (Buch)
9783640740390
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Peacebuilding, Friedenskonsolidierung, UN, UNO, Vereinte Nationen, UNAMSIL, Sierra Leone, Afrika, Blauhelme, Peacekeeping, post-conflict peacebuilding, UN-Mission
Arbeit zitieren
Johannes Wander (Autor), 2010, Zwischen Anspruch und Wirklichkeit - Das Peacebuilding der Vereinten Nationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160684

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