Die Technisierung des Alltags und die damit einhergehende Differenzierung - die Konzepte der Distinktion, des Lebensstils und der Semiotisierung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003
21 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einführung

II. Begriffsklärung von Technik und Technisierung

III. Einige theoretische Implikationen zu den Begriffen Distinktion, Lebensstil und Semiotisierung
3.1. Der Begriff der Distinktion
3.2. Der Begriff des Lebensstils
3.3. Der Begriff der Semiotisierung

IV. Die Stellung der Technik in Gesellschaft und Alltag
4.1. Das Automobil
4.2. Die Mode

V. Zusammenfassung und Schluss

Literaturverzeichnis

I. Einführung

Die Geschichte der modernen Gesellschaft ist notwendig eine Geschichte der konsequenten funktionalen Ausdifferenzierung des Gesellschaftssystems in mehrere Teilsysteme. Derartige Gebilde sind zuständig für jeweils einen gesellschaftlichen Problembereich (z.B. Wirtschaft, Politik, Religion, Recht und Kunst) der innerhalb ihrer Grenzen behandelt und gelöst werden muss bzw. soll - soweit kurz der Anspruch der Systemtheorie.

Kennzeichen für eine moderne Gesellschaft ist nun nicht die Prämisse, das eines der eben beispielhaft genannten „Funktionssysteme“ über den jeweils anderen steht (sozusagen das Leitsystem bildet), sondern jedes System seine eigene Funktion als primär behandelt (vgl. Luhmann 1987, S.34-35). Diese Teilsysteme zeichnen sich wiederum durch eine interne Ausdifferenzierung in verschiedene Subsysteme aus, welche gleichfalls auf die Ausdifferenzierung des gesamten Gesellschaftssystems (über den Austausch mit der Umwelt an der Systemgrenze) zurückschlägt und seine Struktur beeinflusst. Das bedeutet darüber hinaus eine immer weiter ansteigende Komplexität1 des umfassenden Sozialsystems und verlangt durch diese Veränderung(en) eine ständige und erneute Anpassung der gesellschaftlichen Teilsysteme (vgl. Luhmann 1987, S.261).

Bei diesen Prozessen haben wir es mit Interdependenzen und Wechselwirkungen, Strategien und Zielen zu tun. Auch die Sozialstruktur einer modernen Gesellschaft ist notwendigerweise differenziert, z.B. durch die Beschreibung von Klassen, Milieus, Schichten usw. Bei der Bestimmung solcher Begriffe wird unter anderem von (teilweise erheblichen) Differenzen in der Verteilung sozialer Güter ausgegangen. Derartige Gebilde entstehen allerdings nicht einfach so, sondern sind Folgen einer wechselseitigen (sich aufsummierenden) Verstärkung vieler Ungleichheiten (Bildung, Einkommen, sozialer Status, Beruf, Einfluss,…). Luhmann gebraucht für diese Beobachtung den Begriff einer „…Multidimensionalität der Ungleichheit…“ (Luhmann 1985, S.120). Nun interessiert uns an dieser Stelle aber nicht so sehr das Theoriegebäude der Systemtheorie von Luhmann, als vielmehr die Betrachtung von drei sozial entscheidenden Phänomenen (Distinktion, Lebensstil, Semiotisierung), deren Existenz, Wirken und Veränderung ebenfalls durch die Technik dramatisch an Bedeutung zugenommen hat und starken Einfluss auf gesellschaftliche Bewegungen sowie Ereignisse nimmt - damit ist das Stichwort „Technik und Alltag“ gemeint2. Es wird in den nächsten Kapiteln der folgenden These nachgegangen: Die Technik bewirkt die sprunghafte und scheinbar nie enden wollende Differenzierung der kulturellen Möglichkeiten, sich von anderen zu distinguieren, Zeichen zu setzen und einen eigenen Lebensstil zu entwickeln. Dabei ist der stets vorhandene Dualismus von Individuum und Gesellschaft eine der wesentlichen Grundlagen solcher Erscheinungen, welche wiederum zur Reproduktion sozialer Ungleichheit beitragen.

Es ist töricht anzunehmen, dass solche für uns selbstverständlichen Dinge wie Mode, Lebensstil und die Abgrenzung von anderen eine Erfindung der modernen Gesellschaft darstellen - sie finden sich schon viel eher in der Entwicklung der Menschheit in den einzelnen Epochen (vgl. Beck 1986, S.206). Sie treten (so eine weitere Annahme des Autors) nur seit dieser Zeit diffuser auf, d.h. sie gehören nunmehr zur immanenten Struktur moderner differenzierter Gesellschaften. Nichtsdestotrotz sind die sichtbaren Abgrenzungen, auch Statussymbole genannt, weiterhin von größter Wichtigkeit für die Identität von Personen, Gruppen, Schichten, Klassen - auch wenn deren Bedeutung bisweilen heruntergespielt wird.

Diese einleitenden Ausführungen machen schon vor der eigentlichen Argumentation die ungeheuere Komplexität des Themas und die Verschränkung der einzelnen Begriffe untereinander sichtbar. Die Differenzierung (individuelle wie gesellschaftliche) ist dabei der durchgehende rote Faden, wenn hier von Lebensstil(en), Distinktion(en) und Symbol(en) (auch in Bezug auf die Technik) gesprochen wird - der Differenzierungsbegriff ist nach dem Dafürhalten des Autors schon in die anderen Begriffe strukturell mit eingefasst. Deshalb ist es auch nur logisch an dieser Stelle mit der Klärung dessen zu beginnen, was Distinktion, Lebensstil und Semiotisierung sein soll.

Im Folgenden werden nun die Begriffe von Technik und Technisierung geklärt, um eine Orientierung für das Verständnis dieser Arbeit zu liefern. Anschließend geht es im dritten Teil an die Untersuchung und Herausarbeitung der verschiedenen Konzepte von Distinktion, Semiotisierung und Lebensstil sowie die gleichzeitige Unterlegung mit praktischen Beispielen zur eingehenden Erläuterung. Im Anschluss wird es im Teil IV um die Frage gehen, was dabei der Stellenwert der Technik ist und ob sie tatsächlich so etwas wie eine Katalysatorfunktion des Sozialen übernommen hat - dies geschieht anhand zweier ausgewählter alltäglicher und empirischer Beispiele (Mode und Automobil).

II. Begriffsklärung von Technik und Technisierung

Wenn man in der systemtheoretischen Argumentationslinie verbleibt, dann stellt die Technik eine Einflussvariable dar, die auf extrem starke Weise die Entwicklung der modernen Gesellschaft vorangetrieben bzw. wesentlich begünstigt hat. Dies konnte sie nur leisten, indem sie aus der Umwelt heraus die Systeme zu neuen Selektionsleistungen gezwungen hat. Beispielsweise sind Organisationen (welche laut noch folgender Begriffsbestimmung eine Technik des Sozialen darstellen) ein konstitutives Merkmal in funktional differenzierten Gesellschaften, weil sie unter anderem die so immens wichtige Komponente der Kommunikation unter Abwesenden ermöglichen - bedeutender Entstehungsfaktor dafür: Technik bzw. die Technisierung3. Ohne Erfindungen und soziale Integration von Telefon, Fax, Internet u.a. technischen Errungenschaften wären solche organisatorischen Zusammenhänge nicht möglich.

Wir bewegen uns heutzutage in einem Gebilde, das mit vielen verschiedenen Metaphern beschrieben und betitelt wird: Funktionsgesellschaft, Informationsgesellschaft, Erlebnisgesellschaft, Risikogesellschaft und Organisationsgesellschaft… - das sind nur einige Schlagwörter der gegenwärtigen Diskurse vor allem in den Sozialwissenschaften.

Bei all diesen Beschreibungen spielt die Technik schon immer eine entscheidende Rolle, denn sie versorgt die Individuen mit nützlichen und gleichzeitig entlastenden Funktionen (Auto, Flugzeug), mehr oder weniger wichtigen Informationen (CD-Rom, Zeitungen, Internet), mit ablenkenden Erlebnissen (Fernsehen, Freizeitparks), unberechenbaren Risiken (Flugzeug-, Atom- oder Schiffsunglücke) und sichernden Organisationen (Banken, Versicherungen, Polizei). Diese Liste lässt sich ohne weiteres stundenlang weiter fortsetzen, was allerdings nicht der Inhalt dieser Arbeit sein soll.

Technik ist nur zu verstehen, wenn sie als von menschlichen Handlungen beeinflusst begriffen wird, die wiederum gesellschaftlich über- und geformt sind. Somit ist Technik auch ein Bestandteil der Gesellschaft und diese Bedeutung potenziert sich mit dem steigenden technischen Fortschritt erheblich (vgl. Ropohl 1988, S.83). D.h. anders formuliert, „…dass die gesellschaftsbildenden Strukturen zunehmend technische Sachsysteme enthalten, ohne die sie kaum bestehen könnten (…), Gesellschaft sich heute weitgehend technisch konstituiert.“ (ebd., S.84).

Für Rammert umfasst der Begriff der Technik alle Verfahren und Einrichtungen, welche in Handlungszusammenhänge eingelassen sind um deren Wirksamkeit, Wahrnehmung sowie Verlässlichkeit zu steigern. Den Prozess der Entstehung nennt er Technisierung von komplexen Gebilden (Wahrnehmung und Handlungen) mit dem Ziel der Leistungssteigerung. Dabei ist die Technisierung als ein sozialer Prozess aufzufassen, denn Technik ist vom Sozialen durchdrungen, die Technik trägt soziale Praktiken und Muster in sich und stellt sie technisch auf Dauer. Somit ist auch klar, dass die Anwender und Akteure gleichzeitig Technik mit produzieren (vgl. Rammert 2000, S.42-48).

Er präzisiert den Prozess der Technisierung noch genauer in seinem Buch, indem er darunter „…eine besondere Form zweckgerichteter Schematisierung und geregelter Kopplung von Elementen in einem künstlichen und abgeschlossenen System…“ versteht, dass „…im Medium von Handlungen, Symbolen oder Sachen fixiert wird, so daß mit einer angestrebten Wirkung fest gerechnet werden kann.“ (ebd., S.72)4

Somit ist klar, dass die Begriffe der Technik und Technisierung sowohl das Spektrum der Sachtechnik als auch das der Gebrauchstechniken umfasst, welche fest in unseren Handlungsapparat eingelassen sind. Erst eine solche Auffassung von Technik/Technisierung erlaubt über die bloße Sachebene hinaus ihre gesellschaftliche Dimension zu analysieren und, wie in dieser Arbeit, zu versuchen ihren Einfluss darauf zu bestimmen und aufzuzeigen.

III. Einige theoretische Implikationen zu den Begriffen Distinktion, Lebensstil und Semiotisierung

3.1. Der Begriff der Distinktion

Was ist Distinktion?5 Sie bezeichnet nach Pierre Bourdieu die kulturelle Abgrenzung zwischen verschiedenen sozialen Gruppen, macht die von ihm so genannten „feinen Unterschiede“ aus. Er bringt u.a. das Beispiel der ästhetischen Einstellung, die er als „… Produkt einer bestimmten Klasse von Existenzbedingungen …“ bezeichnet und nur diejenigen vereinigt, welche „…aus denselben Bedingungen hervorgegangen sind…“. Damit geht eine Gleichzeitigkeit einher, denn diese Einstellung „…unterscheidet sie aber zugleich von allen anderen…“ (Bourdieu 1999, S.104). Auf den folgenden Seiten beschreibt Bourdieu die Entstehung der Absicht und des Willens zur Distinktion im Kleinbürgertum (oder Mittelschicht) und bekräftigt somit auch die These Simmels, wonach die Abgrenzung auch immer von sozial nahe stehenden Gruppen erfolgt, die gleichzeitig ein Nachahmungseffekt der oberen Schichten sein kann bzw. ist (Simmel 1992, S.106).

Nicht nur die ästhetische Einstellung als Beispiel, sondern die Distinktion im Allgemeinen ist durch relativ stabile Formen im Denken, Handeln und Fühlen der Individuen innerhalb einer Kultur vermittelt. Solche Formen, die Bourdieu auch Praxis nennt, sind unter anderem Bedürfnisse, Geschmack und eben der Lebensstil.

Der Habitus6 bildet für ihn den Rahmen für all diese Formen der Äußerung von Differenz und liegt je klassenspezifisch vor (Bourdieu 1999, S.282-283). Er erzeugt die praktischen Formen (z.B. Geschmack), den distinguierenden Lebensstil usw. Der Habitus bezeichnet daneben auch das Gefüge, in dem sich die „…Umwandlung der für eine bestimmte soziale Lage und Stellung kennzeichnenden Zwänge und Freiheitsräume in einen distinkten und distinktiven Lebensstil…“ vollzieht (ebd., S.214). Er weist diese Distinktionen anhand seiner großen empirischen Studie nach und findet dabei Abgrenzungsbereiche für die Bildung, die Kunst, die Musik den Wohnstil, die Kleidung usw.

Seine These lautet nun, das ab einer gewissen gesellschaftlichen Stufe der Differenzierung automatisch Prozesse der Klassifikation und Distinktion einsetzen7. Dabei ist allerdings zu bedenken, das es sowohl eine Distinktion von oben (durch die herrschende Klasse) als auch von unten (in Differenz zur herrschenden Klasse) geben kann. Hier liegt ein Mangel der Kultur- und Klassentheorie von Bourdieu vor, denn es geht ihm ausschließlich um ersteres! Diese Form der Abgrenzung soll vom Rest der Gesellschaft, der „Masse“ abheben. Eine solche Strategie trifft immer für je spezielle soziale Einheiten - Gruppen, Klassen, Milieus, Subkulturen -, aber auch für ganze Kulturen8 zu. Es geht dabei stets um die Wahrnehmung einer Differenz zum anderen, zum „Fremden“ und Unbekannten („Ich gehöre dazu“, Ich grenze mich ab von…“)9.

Das Ausleben dieser Abgrenzung kann in sehr unterschiedlichen Formen erfolgen, wodurch sich Verhaltensweisen, Denkmuster, Einstellung usw. verfestigen und damit zur Reproduktion gesellschaftlicher Ungleichheit beitragen (in Bezug z.B. auf Bildung, materiellen Reichtum, Machtpositionen usw.). Denn jede gesellschaftliche Gruppierung hält sich stets an ihr eigenes „Muster“ von Verhaltensweisen, Denkmodellen usw., eben den bereits erwähnten Habitus. Die Distinktion lebt von einem zeitlichen Vorsprung gegenüber anderen Individuen und einer Ablehnung für eine nachträgliche Qualifikation. Bourdieu bringt hier unter anderem das Beispiel für die Aneignung von kulturellem Kapital (Wissen, Bildung, Einstellungen) in den oberen Klassen. Dabei macht es seiner Untersuchung zufolge einen erheblichen Unterschied, ob der Erwerb dieses Kapitals schon Schoss des Elternhauses erfolgte oder, wie es vor allem bei sozialen Aufsteigern der Fall ist, ob die Aneignung erst nachträglich geschah. Diese zweite Form führt ein Stück weit zur Ablehnung von Aufsteigern, da es diese auch als solche sozial sichtbar werden lässt.

3.2. Der Begriff des Lebensstils

Wie kann im Zusammenhang mit Differenz der Begriff des Lebensstils bestimmt werden? Max Weber verband damit unter dem Begriff der Lebensweise die für eine soziale Gruppe typischen sowie prägenden Formen des Verhaltens und verbindenden Werte. Dies versuchte er durch die Gegenüberstellung von Protestanten und Katholiken in Bezug auf ihre Lebensführung deutlich zu machen10.

Der Begriff des Lebensstils bezeichnet einerseits die kulturelle Einbindung und andererseits die Selbstpräsentation von Individuen. Somit ist diese Form des sozialen Zusammenlebens ein Ausdruck des Dualismus von Individuum und Gesellschaft, denn er ist darin strukturell eingebaut. Es wird damit nach außen die Zugehörigkeit zu einem sozialen Milieu, einer Gruppe oder Klasse demonstriert - womit wieder der Begriff der Distinktion in diesem Kontext erscheint, denn Lebensstile sind auch Mittel der Ab- und Ausgrenzung von anderen Individuen. Sie sind, trotz aller Gemeinsamkeiten, individuelle Muster der Lebensführung, die nicht starr und somit veränderbar sind (denn ein Auf- und Abstieg ist jederzeit möglich).

Die Bestimmung des Lebensstils ist abhängig von mehreren Faktoren, wie z.B. Einkommen, Vermögen, kulturell geprägten Bedürfnissen (also Bildung, Kunst, Musik,…).Für Bourdieu sind eine symbolische Abgrenzung vollzogen. Auf dieser Folie der staatlichen Reaktion formt sich das Bild von Deutschland im internationalen Maßstab als ein verlässlicher Partner im Kampf für die Demokratie (vgl. dazu Jaschke 2000, S.314ff).

[...]


1 Der Komplexitätsbegriff hat sich vielleicht am stärksten aus der engeren Diskussion der Systemtheorie in den Köpfen als ein wesentliches Merkmal dieser Theorie festgesetzt. Außerdem ist Komplexität auch ein Thema, das die Argumentation der Hausarbeit indirekt betrifft. Luhmann (1987, S,46): „Als komplex wollen wir eine zusammenhängende Menge von Elementen bezeichnen, wenn auf Grund immanenter Beschränkungen der Verknüpfungskapazität der Elemente nicht mehr jedes Element jederzeit mit jedem anderen verknüpft sein kann.“

2 Ein Gedanke, den Bernd Bievert und Kurt Monse in ihrem Aufsatz behandeln. Sie diskutieren hier die unterschiedlichsten Ansätze zur Beschreibung des Verhältnisses von Technik und Alltag und plädieren dabei für eine theoretische Unvoreingenommenheit bei der Untersuchung dieses Sachverhaltes. Letztendlich wollen beide eine Verknüpfung system- und handlungstheoretischer Argumente, um die Systeme Ökonomie und Politik mit dem Alltagshandeln verbinden zu können (Bievert/Monse 1988).

3 Dieser Gedanke der Technik als ein zunehmend wichtiger Faktor bei Entstehung, Stabilisierung und Wandel moderner Gesellschaften wurde u.a. von Ropohl aufgegriffen. Er plädiert für einen Technikbegriff, der sowohl Sachtechnik, deren Verwendung sowie Entstehung vereinigt (vgl. Ropohl 1988).

4 Er thematisiert darüber hinaus eine Paradoxie dieses Prozesses, die er darin sieht, das Technik erst als solche im Bewusstsein der Menschen zu Tage tritt, wenn ihr Funktionieren gefährdet ist bzw. versagt - also „…nicht mehr als selbstverständliches Mittel menschlicher Praxis…“ anerkannt ist (ebd., S.73).

5 Es sei an dieser Stelle auf die Aufsätze von Georg Simmel zum Problem der Mode verwiesen. Er beschäftigt sich dort auch mit dem Problem der Distinktion, indem er von einem im Wesen des Menschen verankerten Dualismus ausgeht - der Differenz zwischen Individuum und Gesellschaft. Die Mode ist für Simmel das Beispiel, an dem sich exemplarisch das soziale Bedürfnis nach Gruppenbildung bei gleichzeitiger Vereinzelung und Abgrenzung zeigen lässt. Sie ist gleichzeitig ein Ausdruck der Abgrenzung, Ausdruck der Differenzierung, Ausdruck für einen bestimmten Lebensstil - sie trägt Symbolcharakter. Weiter unten im Text wird nochmals ausführlich das Thema Mode behandelt.

6 Für Rammert ist Habitualisierung eine zur Handlung schematisierte Routine, welche bestimmte Zwecke verfolgt, nach gewissen Regeln abläuft, mit anderen Routinen gekoppelt ist und praktisch genutzt wird, ohne ständig über die Zusammenhänge nachdenken zu müssen (vgl. Rammert 2000, S.72).

7 Ein Argument, das auch Simmel in den genannten Aufsätzen mit anführt. Ein wesentlicher Faktor bei der Beschreibung moderner Gesellschaften.

8 In diesem Zusammenhang soll kurz auf den Umgang mit der Geschichte des Dritten Reiches in Bezug auf den heutigen Rechtsextremismus eingegangen werden. Dabei erscheint die Repression des Staates in solchen Fällen als eine Distinktion zur eigenen, jüngeren Vergangenheit. Es wird sich auf diese Weise massiv davon distanziert und somit auch

9 Ein Phänomen, das sich auch auf internationaler Ebene wieder erkennen lässt. Das Stichwort ist EU und deren Erweiterung. Es verwundert nicht, das im Zuge der europäischen Integration verstärkt Tendenzen und Bewegungen festzustellen sind, die nationale Selbstbestimmung zu propagieren und mit dem Begriff der „Überfremdung“ auf Stimmenfang gehen.

10 Dieser Vergleich ist nachzulesen in Webers Schrift „Die Protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Technisierung des Alltags und die damit einhergehende Differenzierung - die Konzepte der Distinktion, des Lebensstils und der Semiotisierung
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Technikgeschichte und Technikwissenschaften)
Veranstaltung
HS: Die Technisierung des Alltags
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
21
Katalognummer
V16070
ISBN (eBook)
9783638210195
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit ist eine eher historisch-soziologische Beleuchtung sozialer Distinktionsphänomene
Schlagworte
Technisierung, Alltags, Differenzierung, Konzepte, Distinktion, Lebensstils, Semiotisierung
Arbeit zitieren
Jens Klinkicht (Autor), 2003, Die Technisierung des Alltags und die damit einhergehende Differenzierung - die Konzepte der Distinktion, des Lebensstils und der Semiotisierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16070

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