Unternehmen müssen sich heutzutage mit stetigen Veränderungen am Markt, infolge der Globalisierung der Märkte, der steigenden Angebotsvielfalt, den kürzeren Produktlebenszyklen als auch mit der wachsenden Konkurrenz, auseinandersetzen. Der Markt verlangt ständig neue Produkte mit zunehmenden Qualitätsanforderungen. Zudem wird die Gesellschaft immer umweltbewusster und verlangt mehr Transparenz und Einblicke in die Unternehmen. Hieraus ergibt sich eine zunehmende Verunsicherung bei den Mitarbeitern und den externern Anspruchsgruppen im Hinblick auf die Rolle, die Absichten und den erforderlichen Kurs für das Unternehmen. Klare Vorstellungen über die „Kursbestimmung“ innerhalb und außerhalb eines Unternehmens zur Grundlage von Einstellungen und Verhaltensweisen werden unzureichend kommuniziert. Dies führt vielerorts zu einer mangelnden Orientierung, welche nicht nur Klarheit, sondern auch Motivation, Konsens und Identifikation bei den Mitarbeitern verhindert. Um als Unternehmen in Zeiten wachsender Komplexität und Dynamik dennoch wirtschaftlich erfolgreich zu sein, ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor, wie gut es gelingt, die eigenen Mitarbeiter, Abteilungen und letztlich das ganze Un-ternehmen zu motivieren und auf die bestimmten Ziele auszurichten. Dies stellt eine Herausforderung für jede Führungskraft dar.
Unternehmensleitbilder werden somit als Führungsinstrument zunehmend wichtiger. Sie bilden die Grundlage eines Konsenses über Ziele und die dabei grundlegend zu verfolgenden Verhaltensweisen. Außerdem schaffen sie im komplexen Wirtschaftsalltag intern Orientierung und Identität. Nach Außen vermitteln sie Transparenz und signalisieren die Bereitschaft zur Übernahme nach gesellschaftlicher Verantwortung.
Die Mehrzahl der deutschen Großunternehmen verfügen über ihr eigenes Unterneh-mensleitbild. Fast alle Dax-30-Unternehmen besitzen Leitbilder und haben diese in den letzten Jahren neu erstellt oder überarbeitet. Auch über die Hälfte der mittelständischen Unternehmen (57 Prozent) besaß in 2006 ein Leitbild. Von den 43 Pro-zent der Unternehmen, die kein Leitbild besaßen, planten 42 Prozent noch im gleichen Jahr ein Leitbild zu entwickeln.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise der Arbeit
2 Theoretische Grundlagen zum Thema Leitbild
2.1 Definition
2.2 Elemente eines Leitbildes
2.3 Abgrenzung zu verwandten Begriffen
2.3.1 Unternehmenskultur
2.3.2 Corporate Identity
2.4 Adressaten von Unternehmensleitbildern
3 Ziele und Funktionen von Leitbildern
3.1 Ziele von Leitbildern
3.2 Zentrale Leitbildfunktionen
3.3 Zielgruppen von Leitbildern in der Praxis
3.4 Kritik an Leitbildern
4 Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und praktischen Funktionen von Unternehmensleitbildern. Das zentrale Ziel ist es, ein Verständnis für die Bedeutung von Leitbildern als Führungsinstrument zu schaffen und zu erläutern, warum Unternehmen ein solches Instrument für ihre strategische Ausrichtung benötigen.
- Definition und konzeptionelle Elemente von Unternehmensleitbildern
- Abgrenzung zu verwandten Begriffen wie Unternehmenskultur und Corporate Identity
- Analyse der Ziele und zentralen Funktionen im unternehmerischen Alltag
- Praxisbeispiel der Deutschen Post DHL zur Implementierung von Leitbildern
- Kritische Betrachtung von Leitbildern und deren Umsetzungshürden
Auszug aus dem Buch
2.1 Definition
Kirsch und Knyphausen definieren Leitbilder als einen Ausdruck formierter Rahmenkonzepte, welches auf die Entwicklung und Festigung eines Gesamteindruckes eines Unternehmens zielt. Ein Unternehmer hat bei der Gründung seines Unternehmens bestimmte Vorstellungen z. B. bezüglich des Geschäftszwecks, der Geschäftstätigkeit und der Beziehung zu relevanten Anspruchsgruppen. Diese Vorstellungen möchte er im Aufbau und in der Entwicklung der Unternehmenstätigkeit mit einbringen. Ein Leitbild wird hier als eine Art Rahmenkonzept bezeichnet, welche explizite Formulierungen enthält, die es einem Unternehmen ermöglichen, ihre Vorstellungen nach innen und außen zu kommunizieren.
Die Definition von Ulrich besagt, dass das Unternehmensleitbild eine Zusammenstellung von Charakteristika der zukünftigen Unternehmung darstellt und somit die wesentlichsten Merkmale eines Unternehmens beinhaltet. Er bezeichnet das Leitbild auch als die allgemeinste Fassung der Unternehmenspolitik. Es soll als eine Art Zukunftsvorstellung („realistisches Idealbild“) dienen, welche ein Unternehmen auch von anderen Unternehmen abgrenzen soll.
Auch Hinterhuber bringt das Leitbild mit der Unternehmenspolitik in Verbindung. Er bezeichnet die Unternehmenspolitik als die Gesamtheit von Unternehmensgrundsätzen oder Leitmaximen, welche teilweise im Leitbild dokumentiert sind und teilweise mündlich vermittelt werden. Sie beinhalten Werte, Normen sowie Ideale und bestimmen somit das Verhalten innerhalb eines Unternehmens.
Göbel ist der Auffassung, dass sich ein Unternehmen mit einem Unternehmensleitbild freiwillig auf bestimmte moralische Werte und Verhaltensweisen verpflichtet. Dabei wird die Entscheidungsfreiheit begrenzt, jedoch werden auch gleichzeitig mehr Freiheiten geschaffen, die eine situationsgerechte und schnelle Lösung ermöglichen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Marktdynamik ein und stellt das Leitbild als notwendiges Führungsinstrument zur Orientierung und Identitätsbildung vor.
2 Theoretische Grundlagen zum Thema Leitbild: Hier werden Begriffsdefinitionen erarbeitet und das Leitbild von verwandten Konzepten wie der Unternehmenskultur und Corporate Identity abgegrenzt.
3 Ziele und Funktionen von Leitbildern: Das Kapitel analysiert die verschiedenen Dimensionen und Wirkungsweisen von Leitbildern sowie deren praktische Anwendung und Kritikpunkte.
4 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Leitbilder zwar keine Erfolgsgarantie bieten, aber maßgeblich zur strategischen Steuerung und zur Stärkung immaterieller Unternehmenswerte beitragen.
Schlüsselwörter
Unternehmensleitbild, Unternehmenspolitik, Führungsinstrument, Unternehmenskultur, Corporate Identity, Mission, Vision, Leitidee, Stakeholder, Mitarbeiteridentifikation, Unternehmenszweck, Werte, Führungskräfte, Strategie, Nachhaltigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Bedeutung, Definition und die Funktionen von Unternehmensleitbildern als strategisches Instrument zur Führung und Kommunikation in modernen Unternehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die theoretische Einordnung des Leitbildes, die Abgrenzung zur Unternehmenskultur und Corporate Identity sowie die Analyse der Ziele und Funktionen in der Praxis.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, einen Überblick über den Begriff zu geben und die Frage zu beantworten, warum ein Unternehmen ein Leitbild benötigt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der Aufarbeitung theoretischer Ansätze, ergänzt durch Fallbeispiele aus der Unternehmenspraxis.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen vertieft, die Elemente eines Leitbildes erläutert, Stakeholder-Interessen beleuchtet und die Funktionen sowie Kritik an Leitbildern diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Unternehmensleitbild, Vision, Mission, Unternehmenskultur, Corporate Identity, strategische Ausrichtung und Anspruchsgruppen geprägt.
Wie unterscheidet sich die Auffassung von Häusel von der von Herbst?
Häusel gliedert das Leitbild in Vision, Mission und Kodex, während Herbst das Leitbild in Leitidee, Leitsätze und Motto unterteilt.
Welche Rolle spielt die Deutsche Post DHL im Praxisbeispiel?
Die Deutsche Post DHL dient als Beispiel dafür, wie ein Leitbild (hier: „First Choice“) genutzt wird, um Serviceorientierung, Mitarbeiterengagement und Nachhaltigkeit zielgerichtet zu steuern.
Warum wird Kritik an Leitbildern geäußert?
Kritik entsteht oft, wenn Leitbilder nur als PR-Zweck dienen, zu allgemein formuliert sind oder von Führungskräften im Alltag nicht durch vorbildliches Verhalten gelebt werden.
Was bedeutet das „Roadmap to value“-Programm?
Es ist ein Kapitalmarktprogramm der Deutschen Post DHL, das darauf abzielt, den Konzern an Wertschaffungskriterien für Kunden, Mitarbeiter und Investoren auszurichten.
- Quote paper
- B.A. Miriam Schön (Author), 2010, Unternehmes-Leitbilder, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160703