Tatsächlich verfehlt der Begriff Vergangenheitsbewältigung die eigentliche Ausrichtung der intellektuellen Auseinandersetzung mit den Geschehnissen in Deutschland und dem restlichen Europa von 1933 - 1945. Vielfach gesellt sich dazu die Frage, wie Vergangenes bewältigt werden könne; also etwas, was längst der Vergangenheit angehört und von der eigenen Initiative nicht mehr zu erreichen ist. Und im Grunde hätte es eigentlich auch keiner Diskussion darüber bedurft (schon gar nicht in Deutschland vor und nach 1949), denn es mangelte nicht an Verbrechen - nur eben an den entsprechenden Tätern!
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Begriff Vergangenheitsbewältigung
- Konzeption der Vergangenheitsbewältigung nach König
- Die drei Phasen der Entnazifizierungspolitik in der SBZ
- ,,Diktatur der Tugend\" als Vergangenheitsbewältigung
- Form der Vergangenheitsbewältigung in der SBZ/DDR: Willkür oder Instrumentalisierung
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entnazifizierung in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und analysiert deren Konzeption, Grundlagen und Durchführung. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, ob die ostdeutsche Entnazifizierungspolitik eine eigenständige Ideologie verfolgte oder eher auf Willkür und Instrumentalisierung beruhte.
- Konzeption und Durchführung der Entnazifizierung in der SBZ
- Vergangenheitsbewältigung als Instrument der Machtsicherung
- Die Rolle von „verordnetem Antifaschismus“ in der DDR
- Der Vergleich der ostdeutschen und westdeutschen Entnazifizierungspolitik
- Die Frage nach individueller Verantwortung und Kollektivschuld
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Problematik des Begriffs „Vergangenheitsbewältigung“ und stellt die Frage nach dem Sinn bzw. Unsinn einer solchen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Sie argumentiert, dass eine Konzentration auf individuelle Verantwortung und Handlungsräume notwendig ist, um die Verbrechen des NS-Regimes aufzuarbeiten.
- Begriff Vergangenheitsbewältigung: Dieses Kapitel befasst sich mit der Definition und der Problematik des Begriffs „Vergangenheitsbewältigung“. Es wird argumentiert, dass die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit nicht allein auf politisch-historischer Ebene erfolgen darf, sondern auch die moralische Dimension der Verbrechen berücksichtigen muss.
- Konzeption der Vergangenheitsbewältigung nach König: Hier wird die Konzeption der Vergangenheitsbewältigung nach König vorgestellt. Die Konzeption berücksichtigt die drei Phasen der Entnazifizierung: Entnazifizierung, Demontage und Demokratisierung.
- Die drei Phasen der Entnazifizierungspolitik in der SBZ: Dieses Kapitel beschreibt die drei Phasen der Entnazifizierungspolitik in der SBZ: die Phase der „Säuberung“, die Phase der „Reeducation“ und die Phase der „Integration“.
- ,,Diktatur der Tugend\" als Vergangenheitsbewältigung: Dieses Kapitel analysiert die „Diktatur der Tugend“ als Form der Vergangenheitsbewältigung in der SBZ. Es werden die spezifischen Methoden und Ziele dieser Politik beleuchtet.
- Form der Vergangenheitsbewältigung in der SBZ/DDR: Willkür oder Instrumentalisierung: Dieses Kapitel untersucht die Frage, ob die Entnazifizierung in der SBZ/DDR eher auf Willkür oder auf Instrumentalisierung beruhte. Es werden verschiedene Argumente und Quellen herangezogen, um diese Frage zu beantworten.
Schlüsselwörter
Entnazifizierung, Vergangenheitsbewältigung, Sowjetische Besatzungszone (SBZ), DDR, Antifaschismus, Kollektivschuld, individuelle Verantwortung, Willkür, Instrumentalisierung, „verordneter Antifaschismus“, „Diktatur der Tugend“, König, Herf, Frei, Vollnhals.
Häufig gestellte Fragen
Was waren die drei Phasen der Entnazifizierung in der SBZ?
Die Entnazifizierung in der Sowjetischen Besatzungszone verlief in den Phasen der Säuberung (Entfernung von NS-Funktionären), der Reeducation (Umerziehung) und schließlich der Integration ehemaliger Mitglieder in das neue System.
Was versteht man unter "verordnetem Antifaschismus"?
Dies beschreibt die staatliche Doktrin der DDR, wonach der Staat durch seine Gründung bereits als antifaschistisch galt. Dies diente oft dazu, eine tiefgreifende individuelle Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit durch eine kollektive Ideologie zu ersetzen.
Wie unterschied sich die Entnazifizierung in Ost und West?
Während im Westen (unter den Westalliierten) eher rechtsstaatliche Verfahren und Fragebögen im Vordergrund standen, war die Entnazifizierung in der SBZ stärker von politischer Instrumentalisierung und dem Aufbau sozialistischer Strukturen geprägt.
Was bedeutet der Begriff "Diktatur der Tugend" in diesem Kontext?
Der Begriff bezieht sich auf die moralische Überlegenheit, die die Führung der SBZ/DDR beanspruchte, um politische Gegner unter dem Vorwand der Entnazifizierung auszuschalten oder zu disziplinieren.
War die Entnazifizierung in der SBZ eher Willkür oder System?
Die Arbeit untersucht, dass es eine Mischung war: Einerseits gab es klare ideologische Ziele (System), andererseits wurden die Verfahren oft willkürlich zur Machtsicherung der SED instrumentalisiert.
- Quote paper
- Magister Artium Yves Dubitzky (Author), 2003, Die Entnazifizierung in der Sowjetischen Besatzungszone, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160713