Bindungstheorie – Wie kann der Aufbau sicherer Bindungen durch frühe Hilfen gefördert werden?


Hausarbeit, 2010
13 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. John Bowlby und die allgemeine Bindungsentwicklung

3. Grundlagen und Konzept

4. Bindungsaufbau

5. Bindungstypen

5.1 Sichere Bindung (Bindungstyp B)

5.2 Unsicher- vermeidende Bindung (Bindungstyp A)

5.3 Unsicher- ambivalente Bindung (Bindungstyp C)

5.4 Unsicher – desorganisierte Bindung (Bindungstyp D)

6. Frühe Hilfen

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen dieser Hausarbeit, im Modul 2.1 „Arbeiten mit Gruppen und Familien“, möchte ich mich mit der Bindungstheorie nach John Bowlby auseinandersetzen.

Dabei beabsichtige ich die Fragestellung, inwieweit der Aufbau sicherer Bindungen durch frühe Hilfen gefördert werden kann, zu bearbeiten. Meine Fragestellung lautet daher: „Bindungstheorie – Wie kann der Aufbau sicherer Bindungen durch frühe Hilfen gefördert werden?“. Der Begriff „Bindung“ hat in den letzten Jahren, besonders für die Soziale Arbeit, zunehmend an Bedeutung gewonnen. In diesem Berufsfeld ist der Sozialarbeiter vor die Aufgabe gestellt, Menschen dabei zu helfen und zu unterstützen, in schwierigen Lebenssituationen ihre Ressourcen zu erkennen und diese erfolgreich nutzen zu können. Die sogenannte Bindungsqualität ist von Mensch zu Mensch individuell, sowie von verschiedenen Faktoren, wie der adäquaten und altersangemessenen Beantwortung der Bedürfnisse des jeweiligen Kindes, abhängig. Bei der inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Bindungskonzept in folge meiner Arbeit, möchte ich zunächst auf die Theorie und das Konzept der Bindungstheorie eingehen, welche die unterschiedlichen Bindungstypen beinhaltet und sich mit dem Bindungsaufbau auseinandersetzt. Im Anschluss folgt ein Kapitel über mögliche frühe Hilfen, die den Aufbau sicher Bindungen unterstützen können und unter anderem auch präventiv verwendet und eingesetzt werden können. Beispielhaft habe ich ein Modellprojekt vorgestellt, welches in Bremen angeboten wird, um Familien in schwierigen Lebenssituationen eine bestmögliche Unterstützung zu bieten.

2. John Bowlby und die allgemeine Bindungsentwicklung

Der englische Kinderpsychiater und Psychoanalytiker John Bowlby (*1910 – 1993 †) entwickelte in den 1950er Jahren seine Bindungstheorie. Durch einen Auftrag, den er nach dem 2.Weltkrieg von der WHO (Weltgesundheitsorganisation, 1951) bekam, indem es darum ging, die psychische Entwicklung von Kriegswaisen und deren elementare Bedürfnisse zu untersuchen, entstand der Anstoß für seine lebenslangen Forschung hinsichtlich frühkindlicher Bindungsentstehung. Die Ergebnisse seiner Studien veröffentlichte er in seinem Fachbuch „Mütterliche Fürsorge und seelische Gesundheit“ mit. Darin referiert er ausführlich über die Auswirkungen mangelnder mütterlicher Fürsorge und trug dadurch einen wichtigen Anteil für die Entwicklung von Säuglingen und Kleinkindern in Heimen und Kliniken bei. Die Kinder hatten zum Teil schwerwiegende Persönlichkeitsstörungen, welche aufgrund des Elternverlustes, verursacht durch den Weltkrieg, entstanden waren. Auch wenn diese für Bowlby zunächst keine ausschlaggebende Begründung für ihre Probleme war.

Während seiner theoretischen Forschung, lernte er die kanadische Entwicklungspsychologin Mary Ainsworth kennen, mit der er gemeinsam daran arbeitete die Bindungstheorie weiter empirisch zu belegen. Sie kamen zu der Schlussfolgerung, dass Bindung eine Beziehungsfunktion besitzt, welche bei Gefahr Schutz und Sicherheit bietet. Des Weiteren stellten sie fest, dass ein Säugling ein angeborenes Bedürfnis nach Nähe, Zuwendung und Schutz von einer ihm vertrauten Person besitzt. Diese Verhaltensweisen setzen nach der Geburt ein und dienen dazu, dass bei Bedarf die Nähe zur Bindungsperson hergestellt werden kann. (vgl. Brisch, 2008: 44). Ausgehend davon, dass Kinder ab dem ersten Lebensjahr, in neuen und bedrohlichen Situationen ein Verhalten aufzeigen, dass sich besonders beim Suchen nach Bindungspersonen durch weinen, schreien, nachlaufen und klammern aber auch durch Protest, Verzweiflung, Ärger und Trauer ausdrückt. Anhand dieser Erkenntnisse wurden für ihn selber wichtige Funktionen von Bindungspersonen deutlich, die dass Kind vor Bedrohung schützen und ihm emotionale und reale Sicherheit geben. Erst wenn diese Bedürfnisse durch eine sichere emotionale Basis befriedigt werden, kann das Kind explorieren (Es ist in der Lage Erkundungsverhalten zu zeigen).

3. Grundlagen und Konzept

Die Bindungstheorie verbindet die Entwicklungspsychologie und die klinische Psychologie. Die Entwicklungspsychologie ist ein Teilgebiet der Psychologie. Ihre Aufgabe ist die Beschreibung und Erklärung des menschlichen Erlebens und Verhaltens unter dem Aspekt der individuellen biographischen Lebensverläufe.

John Bowlby war Psychoanalytiker, welcher die Bedeutung und Wichtigkeit eines lebenslangen Prozesses in der Entwicklung erkannte. In der frühkindlichen Entwicklung werden bereits Weichen des Kindes gestellt, welche eine bestimmte Richtung vorgeben, jedoch besteht die Möglichkeit durch neue Erfahrungen vom vorgegebenen Weg „abzuweichen“ und eine neue Richtung einzuschlagen.

Die Bindungstheorie beschreibt das Bedürfnis des Menschen eine enge und gefühlvolle Beziehung zu seinen engen Bezugspersonen aufzunehmen. In Bowlbys Theorie wird der Standpunkt deutlich, dass die frühen Beziehungen die ein Mensch eingeht, anhand der Bindung zu seinen ersten Bezugspersonen, in der Regel die Eltern, herausgebildet werden. Zu diesen ersten Bezugspersonen können aber auch Großeltern, Geschwister oder andere Personen zählen, die eine enge frühkindliche Beziehung zu dem Kind aufgebaut haben.

Zahlreiche Male wurden Experimente in der sogenannten „fremden Situation“ („Strange-Situation-Test“) mit Kindern durchgeführt. Ergebnis der Studie war, dass die Hälfte aller beobachteten Kinder sicher gebunden ist. Die Entstehungsbedingungen der Bindungsmuster hängen von der Feinfühligkeit ab, welche von der Bezugsperson ausgeht. Nur wenn die Bindungspersonen mit dem Kind in den ersten Lebensjahren feinfühlig umgeht, kann Bindungssicherheit entstehen. Das Konzept der Feinfühligkeit stammt von Mary Ainsworth. Sie bezeichnet damit die Fähigkeit der Mutter oder der Bindungsperson, aufmerksam gegenüber den Signalen des Säuglings oder Kindes zu sein, diese wahrzunehmen(z.B. Weinen), sie richtig zu deuten und zu interpretieren(z.B. als Suche nach Nähe und Körperkontakt), angemessen und rechtzeitig zu reagieren und agieren und Unterstützung zu bieten. (vgl. Brisch, 2008: 86)

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Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Bindungstheorie – Wie kann der Aufbau sicherer Bindungen durch frühe Hilfen gefördert werden?
Hochschule
Hochschule Bremen
Note
2
Autor
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V160752
ISBN (eBook)
9783640743070
ISBN (Buch)
9783640743452
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bindung, Bowlby, Bedindungspersonen, Bindungsmuster
Arbeit zitieren
Victoria Vogel (Autor), 2010, Bindungstheorie – Wie kann der Aufbau sicherer Bindungen durch frühe Hilfen gefördert werden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160752

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