Das Vereinigte Königreich im Europäischen Integrationsprozess


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
18 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

Einleitende Betrachtung

Großbritannien und Europa - A Special Relationship

Herausforderungen des 21. Jahrhunderts und Chancen durch die europäische Integration

Großbritannien und die Europäische Union - Ein Ausblick

Abschließende Betrachtung

Literatur und Quellen

Einleitende Betrachtung

Betrachtet man das Vereinigte Königreich und die Einstellung der Menschen und der Regierung dort, so kann man leicht den Eindruck erhalten, dass Großbritannien in weiten Bereichen durchaus eher „euroskeptisch“ eingestellt ist - ein Vorurteil, dass viele Kontinentaleuropäer von Großbritannien im Allgemeinen haben. Diesem Vorurteil haben verschiedenste Regierungen in Großbritannien in der Vergangenheit wie in der Gegenwart auch teilweise durchaus Rechnung getragen, so zum Beispiel Großbritanniens opt-out aus dem Schengen Abkommen oder die Verweigerung des Vereinigten Königreichs gegenüber der Einführung der gemeinsamen Währung (Centre for European Reform, 2010). Europa stellt bereits seit vielen Jahren ein Problemthema für die britische Politik dar. Dieses „Europäische Problem“ ist jedoch nicht auf nur eine Partei oder eine gesellschaftliche Gruppe beschränkt. Vielmehr ist es wissenschaftlicher Konsens, dass sich jeder britische Premierminister in der britischen Nachkriegsgeschichte in einer ähnlichen Situation mit ähnlichen Problemen befand was Europa betrifft (Watts, 2005). Umso erstaunlicher ist es, dass trotz des doch gering scheinenden Enthusiasmus des Vereinigten Königreichs in Bezug auf die Europäische Integration das Land doch zu den wohl einflussreichsten in Bezug auf eben diese Integration zu zählen ist. So half Großbritannien, zusammen mit Frankreich, bei der Entstehung der European Security and Defence Policy, war ausschlaggebend bei der Ausarbeitung der Wirtschaftsreformen im Zuge der Lissabon-Verhandlungen und ist und bleibt ein starker Befürworter der Erweiterung der Europäischen Union (EU) in Zentral- und Osteuropa sowie der Aufnahme der Türkei als Vollmitglied in die Union (Centre for European Reform, 2010). Es wäre also falsch, Großbritannien einfach als „euroskeptisch“ abzutun, ohne die Vielschichtigkeit im Verhältnis des Vereinigten Königreichs zu der Europäischen Union zu erkennen. In dieser Hausarbeit werde ich versuchen, eben diese Vielschichtigkeit im Verhältnis des Vereinigten Königreichs zu der Europäischen Union darzulegen und zu analysieren. Im ersten Teil dieser Hausarbeit werde ich auf die spezielle und einzigartige Rolle Großbritanniens im Kontext einer Nation, die zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Europa zu sehen ist, und das nicht nur geographisch, eingehen. Darauf folgend werde ich die grundlegenden Herausforderungen für Großbritannien darlegen und auf die Chancen zum Umgang mit eben diesen Herausforderungen durch Mittel der Europäischen Integration eingehen. Ein besonderes Augenmerk werde ich hierbei auf den Bereich der Außen- und Sicherheitspolitik sowie Aspekte der Erweiterung der Europäischen Union und der Wirtschaftspolitik legen. Des Weiteren werde ich versuchen einen Ausblick auf die zukünftige Rolle des Vereinigten Königreichs im Europäischen Integrationsprozess zu geben, vor allem in Hinblick auf die im Jahr 2010 neu gewählte Regierung unter dem konservativen Premierminister David Cameron. Letztendlich schließt diese Hausarbeit dann mit einer abschließenden Betrachtung und einer Zusammenfassung der erarbeiteten Ergebnisse.

Es ist Ziel dieser Hausarbeit, sich mit der grundlegenden Frage zu beschäftigen, inwieweit eine starke, sich weiterentwickelnde Europäische Union im Interesse des Vereinigten Königreichs ist, oder wie der ehemalige britische Außenminister David Miliband es formulierte, „a strong Britain in a strong Europe is the best way to preserve and advance our values and interests in the modern world.“ (Milliband, 2009)

Großbritannien und Europa - A Special Relationship

Mehr als 50 Jahre sind vergangen, seitdem die Union in Europa durch die Römischen Verträge gegründet wurde, und es scheint mehr und mehr, dass Europa von der Idee des Europäischen Superstaates, wie sie einst sogar von einem Briten geprägt wurde (vgl. Churchill, 1946), abgekommen ist und seine Stärke in der Kombination aus Supranationalität und Intergouvernementalismus erkannt hat (Royal Institute of Foreign Affairs, 2008). „There is a remedy which...would in a few years make all of Europe...free and...happy. It is to re-create the European family, or as much of it as we can, and to provide it with a structure under which it can dwell in peace, in safety and in freedom,“ so sprach einst Sir Winston Churchill in seiner „Speech to the Academic Youth“ (Churchill, 1946). Auch wenn Churchill im Folgesatz von der Notwendigkeit der Gründung einer Art von „United States of Europe“ (Churchill, 1946) sprach, so scheint es heute, dass die Europäische Union die Strukturen, von denen Churchill vor mehr als 60 Jahren sprach, in dem für die Europäische Union einzigartigen Kontext geschaffen hat. Um Großbritanniens Stellung innerhalb der Union und die einzigartige Einstellung des Vereinigten Königreichs zu eben dieser verstehen zu können, bietet sich ein weiterer Blick auf Sir Winston Churchills „Speech to the Academic Youth“ aus dem Jahr 1946 an. Obwohl die Rede aus einer weit entfernt scheinenden Zeit stammt, so bietet sie doch zahlreiche Anhaltspunkte für grundlegende britische Einstellungen, gerade gegenüber dem europäischen Kontinent und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA), und gerade hier ist bereits die geographische Lage Großbritanniens eine Art Abbild der politischen und kulturellen Lage des Landes. Großbritannien ist ein Sonderfall im internationalen Kontext, gelegen zwischen Europa und den USA, eingebunden in dem Commonwealth of Nations mit engen diplomatischen Beziehungen zu einer äußerst diversen Gruppe von Staaten (Miliband, 2009). Gerade in den vergangenen Wochen, als der neue britische Premierminister David Cameron seinen Amtsantrittsbesuch in Washington bei US- Präsident Barack Obama absolvierte, wurde von beiden immer wieder die „Special Relationship“ der beiden Nationen betont. Auf dem europäischen Kontinent spricht man in Bezug auf diese besonderen Beziehungen des Vereinigten Königreichs zu den Vereinigten Staaten und Europa gerne von einer Art „Inselmentalität“ (Royal Institute of Foreign Affairs, 2008). Und in der Vergangenheit wie heute liegt die Wurzel der britischen Zurückhaltung in Bezug Quelle: www.telegraph.co.uk auf die Zusammenarbeit mit Kontinentaleuropa, vor allem im Bereich der Außen- und Sicherheitspolitik, gerade in dieser besonderen Beziehung Großbritanniens zu den USA als bevorzugter Partner insbesondere in den oben genannten Bereichen (Royal Institute of Foreign Affairs, 2008/Miliband, 2009). Diese besondere Beziehung hat sich vor allem während des Kalten Krieges stark ausgeprägt. Dieser ist nun aber bereits seit gut zwei Jahrzehnten vorüber und die Welt im einundzwanzigsten Jahrhundert hat sich stark verändert und verändert sich noch immer stark weiter. Auch die strategische Position der Vereinigten Staaten befindet sich seit dem Ende des Kalten Krieges im ständigen Wandel, was ohne Zweifel auch Auswirkungen auf das besondere Verhältnis der USA mit dem Vereinigten Königreich hat. Mehr und mehr agieren die Vereinigten Staaten in der globalen Politik eher defensiv, während Europa sich mehr und mehr als neuer Akteur auf der internationalen Bühne etabliert (Royal Institute of Foreign Affairs, 2008).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: D. Cameron und B. Obama in Washington.

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Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Das Vereinigte Königreich im Europäischen Integrationsprozess
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie)
Veranstaltung
Etappen des europäischen Integrationsprozesses
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V160760
ISBN (eBook)
9783640755202
ISBN (Buch)
9783640755172
Dateigröße
640 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Großbritannien, Europa, Europäische Integration
Arbeit zitieren
Daniel Charwath (Autor), 2010, Das Vereinigte Königreich im Europäischen Integrationsprozess, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160760

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