Popular Caesar - Anwendung, Zielsetzung und Motive popularer Politik bei Caesar

Von den Anfängen bis zum Consulat


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

22 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Populare Politik - Politik gegen den Senat
1.1 Populare Methode, populare Ideologie, populare Inhalte
1.2 Strukturprobleme

2. Caesars populare Opposition
2.1 Der Aufstieg
2.2 Das Consulat

Schlussbetrachtung

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Gracchen veränderten das politische Leben der römischen Republik. Einzelne Poli- tiker, in der Regel Volkstribunen, die mit einer neuen Überzeugung und eigenen Vor- stellungen den Senat herausforderten, und über die Volksversammlung Anträge durch- zusetzen versuchten, die dort keine Chance gehabt hätten: die Popularen. Sie sind ein Phänomen der späten römischen Republik. Die politischen Spannungen zwischen Po- pularen und der Senatsmehrheit, die vor 133 v.Chr. praktisch nicht existierten, sind der zentrale Konflikt dieser Zeit und bestimmen die politischen Debatten und das gesell- schaftliche Miteinander.

Caesar war wiederum DAS Gesicht der späten Republik und wusste die politischen Instrumentarien und Möglichkeiten zu bedienen und zu nutzen wie kein anderer seiner Zeit. Diese Arbeit will weder eine Zusammenfassung popularer Politik von den Grac- chen bis Caesar, noch eine Biografie über Caesar liefern, sondern beleuchten, welche Mittel und Wege Caesar benutzte, um seinen politischen Anspruch durchzusetzen. Dass Caesar dabei popular agierte, wird in der Forschung eigentlich nicht mehr ange- zweifelt. Caesar unterstützte populare Aktionen und setzte gelegentlich auch eigene um, zumindest in der Phase seines politischen Aufstiegs. Doch was passierte, als er in der obersten Magistratur angekommen war? Die Fragestellung ist daher weniger, ob, sondern wie und vor allem wie lange Caesar die populare Methode umsetzte und wel- che Zielvorstellungen er damit zu verfolgen suchte. Gab es die überhaupt? Oder teilten sogar alle Popularen die gleichen Motive? Und inwieweit begünstigte ein grundsätzli- ches Strukturproblem der späten Republik populare Politik, bzw. die Politik Caesars? In den letzten Jahrzehnten gab es einige wichtige Beiträge in der deutschen For- schung, die populare Politik völlig neu bewerteten. Eine bedeutende Rolle nimmt dabei Hermann Strasburger ein, der klarstellte, dass mit Popularen, wie auch mit ihren Anta- gonisten Optimaten[1], keine organisierten Parteien im modernen Sinn gemeint sind, die sich an bestimmten Programmen orientieren. Er revidierte damit die ältere Forschung, vor allem die Auffassung Mommsens und seinen Nachfolgern, die von fest gefügten Parteiungen und einer organisierten Bürgerschaft ausgingen. Dabei stützte sich Strasburger auf Matthias Gelzer, der nachwies, dass persönliche Bindungen oder fami- liäre Zusammenschlüsse sowie kurzfristige Interessen, die politische Gruppenbildung bestimmten. Von parteienähnlichen Organisationen konnte also keine Rede sein. Zu- dem hat die wissenschaftliche Auseinandersetzung beider zur Bewertung des Diktators einen maßgeblichen Einfluss auf das moderne Caesarbild. Die neuen Erkenntnisse wurden dann vor allem durch Jochen Martin und Christian Meier weiter entwickelt und verfeinert und deren Ergebnisse in diese Arbeit maßgeblich eingeflossen sind. Unter dem Termini popularis versteht man somit heute vor allem eine Methode, auf ganz bestimmte Art und Weise Politik zu machen - gegen die Senatsmehrheit. Dabei gab es zwar auch politische Inhalte, die immer wieder aufgegriffen wurden, von einer pro- grammatischen Kontinuität waren die Popularen allerdings weit entfernt. Was genau nun unter popularis ratio zu verstehen ist, und welche Strukturprobleme ihre Anwen- dung förderten, soll Gegenstand des ersten allgemeinen Teils der Arbeit sein. Im zwei- ten Teil werden Caesars populare Aktionen bis zum Consulat und sein Handeln wäh- rend des Consulatsjahrs beleuchtet. Die Zeit darüber hinaus ist nicht Gegenstand die- ser Arbeit, weil sie für die Analyse einer popularen Politik Caesars keine Rolle mehr spielt.

Es gibt keine Selbstzeugnisse von Caesar über seine Aufstiegsjahre.[2] Dafür liefern uns seine literarischen Zeitgenossen Sallust und Cicero sehr unterschiedliche Einblicke in diese Zeit. Während Sallust ein eher analytisches Verhältnis bewahrte, versuchte Cice- ro mit seinen literarischen Tätigkeiten auf die Tagespolitik Einfluss zu nehmen. Von ihm stammt das meiste und detaillierteste Material zum wenn auch etwas schwammi- gen Gegensatz der Popularen zu den Optimaten und zur Einordnung Caesars als po- pularis. Die Forschung übernahm dabei seine Terminologie. Bei der Bewertung muss natürlich die einseitig gefärbte Perspektive des senatstreuen Cicero bedacht werden. Für Caesars politischen Aufstieg liefern sowohl Sueton als auch der griechische Schriftsteller Plutarch, sehr umfassende Angaben. Beide lebten allerdings über ein Jahrhundert später.

Da der zu bearbeitende Zeitraum der Arbeit nur in der vorchristlichen Zeit liegt, werde ich im Folgenden auf die Angabe v.Chr. verzichten.

1. Populare Politik - Politik gegen den Senat

1.1 Populare Methode, populare Ideologie, populare Inhalte

Der Begriff popularis findet sich erstmals bei einer Rede Ciceros aus dem Jahre 70.[3] In dieser Zeit begannen die ersten Bestrebungen einzelner Tribunen zu einer Revision sullanischer Gesetze.[4] Es war keine grundsätzliche Opposition, sondern die Forderun- gen von Einzelpersonen, die unter dem Gesichtspunkt der Demagogie und Popularität vorgebracht wurden.[5] Dabei wurde versucht, das Volk mit großen Reden zu verführen, aufzuwiegeln, zu involvieren. Aber es war nicht Ausgangspunkt dieser Ansprüche. Wie das geklungen haben könnte, zeigt die Rede des Volkstribunen C. Licinius Macer in den Historien von Sallust[6]. Macer fordert darin das Volk auf, die Rechte des Volkstribu- nats zurück zu gewinnen, seine Untätigkeit abzulegen und als Ganzes zu agieren. Er beklagt den Hochmut der führenden Clique, die dem Volk ihre Rechte beschnitten. Behauptet, nur der Tribun als ihre Interessenvertretung könne die Freiheit wiederher- stellen. Natürlich hat die Rede wenig mit der römischen Wirklichkeit dieser Jahre zu tun, denn weder war das Volk eine homogene, in die Politik integrierte Schicht, noch wurde es von der Senatsaristokratie beherrscht. Doch es war Teil der popularen Ideo- logie, einen politischen Gegensatz zwischen Volk und der Nobilität zu konstruieren, der eigentlich nicht da war. Denn das Volkstribunat war ebenso ein Instrument der Nobili- tät, wie andere Magistraturen.[7] Aber sie zeigt, wie versucht wurde mit propagandisti- schen Mitteln, das Volk mitzunehmen, zu politisieren, um es für die eigenen Ziele zu gewinnen und Druck von Seiten des Volkes aufzubauen. Cicero verwendet popularis als eindeutig abwertende Bezeichnung für diese Tribunen, die sich gegen die Senats- mehrheit stellen und beim Volk nur populär machen wollen.[8] Er vergleicht die politi- schen Verhältnisse mit der Zeit der Gracchen und verwendet den Begriff von den Gracchen bis zum Ende der Republik. [9] Die Forschung ist ihm darin gefolgt.

Die Gracchen hatten versucht, gegen den Willen des Senats eine große Reform durchzusetzen. Als Pompeius während seines Konsulats im Jahre 70 die sullanische Ordnung endgültig zerschlagen hatte und dem Volkstribunat seine alten Rechte zurück gab, wurde dieses Handeln in der späten Republik systematisch zu einer politischen Methode ausgebaut und der „Aufstieg der großen Einzelnen“ [10] begann. Meier fasst diese Art der Politik unter populariter agere zusammen, und meint damit zum einen die Zusammenarbeit mit der Volksversammlung gegen den Willen der Se- natsmehrheit, um Anträge zu beschließen, die im Senat abgelehnt wurden, oder dort keine Aussicht auf Erfolg hätten.[11] Zum anderen aber auch das Bemühen um Populari- tät, durch vielerlei Gefälligkeiten und Versprechungen, letztlich unerlässlich, um erfolg- reich Wirken zu können, und die populare Agitation, beginnend mit Macer, um gleich- zeitig einen Gegensatz zwischen Volk und Senat aufzubauen.[12]

Als ebenso popular galt die Durchsetzung politischer Entscheidungen mit Hilfe organi- sierter Banden[13] oder den Veteranen[14] der mit ihnen zusammenarbeitenden Feldher- ren. Man setzte sie als Claqueure, Zwischenrufer oder Unruhestifter ein und konnte so die Contionen, aber auch andere Ereignisse, nach dem eigenen Willen manipulieren.[15] Obwohl popularis nur begrenzt mit politischen Inhalten gleichzusetzen ist, hat es ge- wisse Themen gegeben, die populare Politiker gerne aufgegriffen haben. Es gab natür- lich kein Parteiprogramm, auf das man sich berief, aber es gab gewisse Anliegen, die als popular galten. Herzstück waren meist die Angebote an die plebs durch Landvertei- lungen[16] und Getreidegesetze[17].[18]

[...]


[1] Ganz allgemein der Senatsadel, der die Vorherrschaft des Senats zu verteidigen sucht.

[2] De Bello Gallico und De Bello Civile lassen keine Rückschlüsse auf Caesars Wirken der Jahre 70-59 zu.

[3] Vgl. J. Martin, Die Popularen in der späten Geschichte der Republik, 1965, S. 7.

[4] In den Jahren 82-79 Diktator Roms. Seine Verfassungsreformen zielten auf eine Restauration der Senatsherrschaft. Beispielsweise ersetzte er bei Gericht die ritterlichen Geschworenen durch senatori- sche. Doch vor allem die Entmachtung des Volkstribunats löste eine Menge Unmut aus. Sullas restau- rative Ordnung verbot den Tribunen jede eigenständige gesetzgeberische Initiative und schloss sie von der Bekleidung höherer Ämter aus.

[5] Vgl. Martin, S. 20.

[6] Sall. Hist. V. Auch wenn die Forschung davon ausgeht, dass die Rede von Sallust fingiert ist, glaubt man aber doch, dass sie zumindest inhaltlich die tatsächlichen Auffassungen des Macer wiedergibt. Martin, S. 15.

[7] Martin, S. 12f. Mommsen ging im Konflikt zwischen Optimaten und Popularen noch von einer sozialen Komponente aus. Der einer Adelspartei gegen die Volkspartei. Dabei hat die jüngere Forschung fest- gestellt, dass auch die Popularen zum größten Teil dem Adel angehörten. Der Konflikt war also ein in- nerer. L.A. Burckhardt, Politische Strategien der Optimaten in der späten römischen Republik, 1988, S. 10.

[8] Diejenigen, die in Worten und Taten der Menge willfahren suchten, wurden als Volksfreunde angese- hen, […]. Cic. Sest. 96; vgl. Martin, S. 8.

[9] Vgl. Martin, S. 5. Diskutiert wird, aus welchen Gründen die Popularen zu den verschiedenen Zeiten agierten. Dabei wird vor allem den Gracchen zugesprochen, noch vornehmlich das Wohle der städti- schen Masse im Blick gehabt zu haben, während die Popularen nach 70 vor allem eigenen Interessen folgten. Vgl. C. Meier, Art. Populares, in: RE, Suppl. 10, 1965, Sp. 587. (künftig zitiert: Meier, RE)

[10] Meier, RE, Sp. 587.

[11] Vgl. Meier, Res, S. 116; vgl. ders., RE Sp. 549,569.

[12] Vgl. ders., RE, Sp. 591.

[13] Die Banden entstanden wahrscheinlich in der ersten Hälfte der 60er Jahre. Sie waren ein Hauptmerk- mal von Clodius, Volkstribun 58, der die populare Politik maßgeblich bestimmte.

[14] Seit der Zeit von Marius bildete sich eine Heeresklientel heraus, die sich völlig mit ihrem Befehlshaber identifizierte und für ihn kämpfte.

[15] […], zum Teil suchten sie Bandenführer auf, die gegen Bezahlung berufsmäßig das Gemeinwesen terrorisierten. Sall, Cat. 50,1; vgl. Meier, RE, Sp. 588.

[16] Ackergesetze wurden vor allem zur Versorgung der Veteranen aufgelegt. Deren Ansprüche waren im Volk allerdings nicht sonderlich populär. Daher versuchten die Popularen stets, das Volk dabei zu be- rücksichtigen. Meier, RE, Sp. 609.

[17] Getreidegesetze sind das klassische populare Thema. Bis C. Gracchus war die Getreideversorgung weitgehend dem Markt überlassen. Die Preise unterlagen großen Schwankungen. Bei Mangellagen wegen Missernten, Piraterie oder erhöhtem Getreidebedarf der Armee kam es zu Versorgungskrisen. Die Lex Frumentaria 123 v.Chr. war eine Antwort auf solch eine Getreidekrise. Sie stellte sicher, dass Familien zu erschwinglichen und stabilen Preisen Getreide kaufen konnten. Burckhardt, S. 242.

[18] Vgl. Meier, RE, Sp. 609; Martin, S. 215; Burckhardt, S. 238f.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Popular Caesar - Anwendung, Zielsetzung und Motive popularer Politik bei Caesar
Untertitel
Von den Anfängen bis zum Consulat
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V160783
ISBN (eBook)
9783640747528
ISBN (Buch)
9783640747696
Dateigröße
716 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Popular, Caesar, Anwendung, Zielsetzung, Motive, Politik, Anfängen, Consulat
Arbeit zitieren
Jenny Glockemann (Autor), 2010, Popular Caesar - Anwendung, Zielsetzung und Motive popularer Politik bei Caesar, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160783

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Popular Caesar - Anwendung, Zielsetzung und Motive popularer Politik bei Caesar



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden