"Eros" und "philia" in Platons Denken

Ein Vergleich zwischen dem "Symposion" und dem "Lysis"


Bachelorarbeit, 2010

51 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kulturhistorische Hintergründe
2.1 Vorsokratische Mythologie
des Eros
2.2 Bedeutungsvielfalt der philia

3. Liebe und Freundschaft: Der Dialog Lysis
3.1 Eros im Lysis
3.2 philia im Lysis
3.3 Das Verhältnis von Eros und philia im Lysis

4. Eros und Freundschaft: Das Symposion
4.1 Eros im Symposion
4.2 philia im Symposion
4.3 Das Verhältnis von Eros und philia im Symposion

5. Verhältnisbestimmung von Eros und philia im Lysis und Symposion
5.1 Der neue Eros
5.2 Die neue philia
5.3 Das platonische Liebesmodell

6. Schluss

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Mensch ist als bedürftiges Wesen auf Beziehungen zu anderen Menschen angewiesen und damit gehört auch die Liebe intrinsisch zu einem guten menschlichen Leben dazu, wir teilen unser Leben mit anderen in ihrer Besonderheit. Klassische Liebesmodelle finden sich bereits zu Anfang der Philosophie in der Griechischen Antike bei Platon und auch bei Aristoteles. Aktuelle Philosophien der Liebe haben ihren Ursprung in Platons Symposion und Aristoteles Nikomachischer Ethik.[1] Die philosophische Auseinandersetzung mit dem Thema der Liebe und Freundschaft finden ihren historischen Ausgangspunkt, den Beginn einer umfangreichen antiken Diskussion, bereits in Platons Dialog Lysis, der in der aktuellen philosophischen Debatte weitgehend unberücksichtigt bleibt.[2]

Der Begriff der Liebe in der Antike bezieht sich einerseits auf die einheitsstiftenden Beziehungen beseelter oder beseelt gedachter Wesen und steht somit in direkter Verwandtschaft mit der Freundschaft. Andererseits bezieht sich der antike Liebesbegriff auf die Kraft, die empfunden auf solche Vereinigungen hinwirkt. Hier ist eine Verwandtschaft mit dem Begehren und Erstreben gegeben. Der Sprachgebrauch weist eine Vielzahl von Bezeichnungen aus, die durchaus vertauschbar sind. Synonymie ist niemals gegeben. Platons Liebesbegriff unterscheidet diese zwei Formen der Zuneigung: Eros und philia. In seinen philosophisch-erotischen Dialogen Lysis und Symposion werden diese Begriffe herausgearbeitet. In seinem Frühwerk Lysis untersucht Platon das Thema der philia, im später entstandenen Symposion überwiegt der Eros. In der Synthese von Eros und philia, der beiden Bedeutungstendenzen der Liebe, findet Platon hier ihre Einheit.[3]

Die vorliegende B.A.–Abschlussarbeit Eros und philia in Platons Denken: Ein Vergleich zwischen dem Symposion und dem Lysis geht der Frage nach, ob durch den augenscheinlichen Sturz des Gottes Eros in die Mitte zwischen Menschen und Göttern und der Erhöhung der philia durch einen göttlich erotischen Aspekt tatsächlich die einst unterschiedenen Bedeutungen beider Begriffe in vorsokratischer Zeit bei Platon verwischen, sich annähern und in eine Verwandtschaft miteinander eintreten, indem sie ein reziprokes Streben von Oben nach Unten und von Unten nach Oben symbolisieren.[4] Die Liebe wird somit zum Medium, zum „Dämon“[5], zu dem, was zwischen uns steht, was uns verbindet und trennt. Medium und Dämon stehen dabei in einem reziproken Verhältnis, als Initiation und der sich daraus entzündenden dämonischen Kraft, die sich als Beziehung in der Wirklichkeit manifestiert.

So definiert sich das Medium als „Mitte (= lat. medium). Das Wort bezeichnet dasjenige, das zwischen mindestens zwei Äußersten liegt und von ihnen gleich weit entfernt ist; über diese räumliche Vorstellung hinaus bedeutet Mitte von jeher das Vollkommene bzw. das Absolute.“[6]

Der Begriff des Dämons impliziert folgende Definition: „Das griechische Wort daimon, das ursprünglich synonym für deos sein kann [1], jedoch häufiger als einen individuellen Gott die Macht des Göttlichen bezeichnet [2], begegnet in der für die spätere D.-Lehre richtungweisenden Bedeutung eines Mittlerwesens zwischen Gott und Mensch erstmals bei PLATON […] erscheinen die Dämonen bei Platon als Mittler vor allem in der Erklärung des Wesens des Eros im Symposion: Danach sind die Dämonen Dolmetscher zwischen den Göttern an die Menschen […] weil die Götter nicht direkt mit den Menschen verkehren [7].“[7]

Die Auflösung der Deifizierung ist ein erster Schritt zur Entmythologisierung, das zur Entfaltung eines neuen Selbstbewusstseins des Menschen durch das Mediale wird. Der aporetische Lysis kann somit durchaus als „avantgardistisches Werk“ der Antike gesehen werden, das den Weg für ein neues Denken geprägt hat. Der Arbeit liegt die Hauptthese zugrunde, dass die platonischen Dialoge Lysis und Symposion in ihrer Verbindung miteinander, als Totalität, ein neues von den Göttern unabhängiges Selbstbewusstsein in Form einer philosophischen Liebestheorie zur Verfügung stellen, die den Menschen in sich selbst zentriert, als selbstbestimmtes, denkendes und liebendes Wesen, das sich durchaus über sich selbst erheben kann und eine göttliche Stellung einzunehmen vermag.[8]

Kulturhistorisch findet Platon die Begriffe philia und Eros bereits vor. Um den Einfluss des platonischen Denkens auf diese tragenden Begriffe herausstellen zu können, werden in einem ersten Schritt (Kapitel 2) die kulturhistorischen Hintergründe dieser Begriffe dargelegt werden. Einerseits ist die Mythologie des Eros zu klären (2.1) und auf der anderen Seite die Bedeutungsvielfalt des Begriffes philia (2.2) in der griechischen Sprache der Antike.

In einem zweiten Abschnitt (Kapitel 3) wird der Dialog Lysis, der Dialog der Liebe und Freundschaft, auf die Begriffe, deren Bedeutung und Stellung innerhalb des Dialoges, sowie deren Gewichtung untersucht werden. Bei dem Lysis handelt es sich nach einhelliger wissenschaftlicher Meinung um einen Frühdialog, der vor dem Symposion entstand. Die Frühdialoge sind geprägt von der Nähe Platons zu seinem Lehrer Sokrates. Auf Sokrates geht die Dialogform zurück und es ist nach wie vor umstritten, welchen Einfluss das sokratische Denken in den Frühdialogen hat. Gesichert ist hier, dass der Einfluss des Sokrates durchaus vorhanden ist, vermutlich oder gerade auch aufgrund der aporetischen Struktur, doch auch Platons eigenes Denken durchaus zum Ausdruck kommt.[9] Auf eine eingehende Untersuchung dieses Aspektes soll hier verzichtet werden. Nach der Bestimmung von Eros (3.1) und philia (3.2) im Lysis wird ihr Verhältnis zueinander geprüft (3.3).

In einem weiteren Abschnitt (Kapitel 4) wird der Dialog Symposion analog dem Lysis auf seinen Eros (4.1) und seine philia (4.2) implizit und explizit untersucht.

In einem abschließenden Teil (Kapitel 5) sollen zusammenfassend die Begriffe des neuen platonischen Eros (5.1) und der neuen platonischen philia (5.2) beider Dialoge in ihrer Synthese zu einem platonischen Liebesmodell, das sich vom traditionellen Denken der platonischen Zeit durchaus abgrenzt und exponiert, zusammengefasst werden (5.3). Gemeinsamkeiten und Differenzen innerhalb Platons dialogisch verändertem Denken, wie auch innerhalb der Kulturhistorie des antiken Athen werden den Blick eröffnen auf eine philosophisch-erotische Konstruktion, ein platonisches „Kunstwerk“[10], bei dem aus dem Traditionellen das Neue entsteht.

2. Kulturhistorische Hintergründe

Platon (427-347) wird zur Zeit des Peloponnesischen Krieges geboren, der als Beginn der Epoche des Niedergangs Athens angesehen werden kann. Die Einführung der Demokratie, sowie die Blüte der Entwicklung von Wissenschaften und Künsten gehören bereits der Vergangenheit an. Zusätzlich zu den Kriegswirren erschwert die Pest das Leben in Athen und trägt mit zur Schwächung des Staates bei, die sich darin zuspitzt, dass die Demokratie einer Diktatur (411) weichen muss. Die folgenden Jahrzehnte sind geprägt von einem beständigen Wechsel von Kriegen, Bündnissen, Zerwürfnissen und Friedensschlüssen mit katastrophalen Folgen für das einst blühende Athen. Die unaufhörlichen Auseinandersetzungen zermürben die Macht Athens und die Polis als selbständige politische Einheit wird schließlich ersetzt durch das makedonische Reich.[11]

Die griechische Philosophie zeichnet sich durch eine realistische und pragmatische Haltung aus. Der griechischen Weltauffassung liegt die Welt, wie sie ist, zugrunde. Die Frage nach einem Sinn von Geschehen als Existenz hinter der Wirklichkeit existiert für sie weder in Hoffnungen noch in Illusionen. Erst das Philosophieren des Sokrates verweist auf die Frage nach dem Guten und wie gut zu leben ist, als sokratische Frage. Zugänglich wird diese Frage in den Frühdialogen Platons, da Sokrates nichts schriftlich überliefert hat. Platon verbindet diese Frage streng mit der Philosophie und lässt sie für ihn erst damit beginnen. Am Anfang der Philosophie steht für Platon die sokratische Frage in der Auseinandersetzung von Sokrates mit den Sophisten, die zuerst diese Frage aufgeworfen hatten. Nachdem die alten Gesetze und Sitten durch den historischen Niedergang Athens nicht mehr akzeptabel sind, keine neue Ordnung besteht, kann nur eine praktische Weisheit weiterhelfen, die die Gemeinschaft zusammenhält. In Platons Denken steht zuerst die Frage nach dem Gemeinwesen im Vordergrund. Ein Leben außerhalb der Polis ist nicht denkbar, das individuelle Leben ist zuerst und grundlegend eingebunden in die Gemeinschaft und wird so innerhalb der Polis erlebt. Das individuelle Leben kann sich erst aus der Gemeinschaft heraus ergeben. Da dieser Gemeinschaft, wie dem Individuum die Werte verloren gegangen sind, müssen diese durch ein neues praktisches Wissen ersetzt werden. An dieser Stelle setzt Platons Lysis als Frühdialog ein.[12]

2.1 Vorsokratische Mythologie des Eros

„So herrsche denn Eros, der alles begonnen.“[13]

Die Liebe ist als Gedanke eng verbunden mit der Mythologie einer weltschöpferischen Macht.[14] Der Mythos des Eros kennzeichnet ihn als Urgottheit. In einer älteren Überlieferung ist er der Sohn der Nacht, der Nyx. Diese legt in Gestalt eines schwarzen Vogels ein Ei. Dieses Ei wird durch den Wind befruchtet und daraus geht Eros als geflügelter Liebesgott hervor.[15]

In Hesiods Theogonie ist Eros der Erstgeborene der göttlichen Genealogie. Er ist der schönste der unsterblichen Götter, hervorgegangen durch die Urbegattung von Chaos und Erde.[16] Er ist das universale Zeugungsprinzip, das alles Lebendige entstehen lässt. Eros ist verantwortlich für den Fortbestand der Arten und den Bestand der Welt und erhält somit den gesamten Kosmos.

Als ältestes Zeugnis der Griechen gilt die Theologia des Pherekydes von Syros. Überlieferung und Spekulation vermengen sich hier, die Urgewalten Zas (Zeus), Kronos und Chthonie, die Erdtiefe, bestanden schon immer. Zas verwandelt sich in Eros und leitet so die weitere Entwicklung ein. Die Verwandlung symbolisiert den in allem Entstehen wirkenden Eros im höchsten der Götter.[17]

Das Chaos als Anfang findet sich auch bei Akusilaos. Diesem Chaos folgen Erebos, das Dunkel der Erde als männliches Prinzip und die Nacht als weibliches Prinzip. Aus der Verbindung beider Prinzipien entstehen so Aither, Eros, und Metis. Eros zählt auch hier zu den Urgewalten.[18]

Parmenides, wichtiger Denker der Antike, trennt vom absoluten, unveränderlichen nur dem Denken zugänglichen Sein, die Welt der Doxa, des Scheins ab. Wir leben in der Welt des Scheins. In dieser Welt entsteht eine geschlossene Kosmologie an deren Spitze der Götter steht Eros, hervorgebracht von einem alles lenkenden Weltdaimon.[19]

Empedokles, der Naturphilosoph, stellt zwei kosmische Prinzipien gegenüber, die Liebe und den Hass. Die Liebe vereinigt und der Hass löst wieder auf. Die beiden kosmischen Prinzipien bewirken alles Entstehen und Vergehen. Eros kommt hier eine einheitsstiftende Wirkung zu.[20] Durch die Liebe finden die Elemente in eine Einheit, in der ihre Teile so absolut vollkommen sind, so dass sie von anderen nicht mehr getrennt werden können.[21] Empedokles löst so das Rätsel der Welt, die durch die Zeit bewegt wird.[22]

Die Dichterin Sappho beschreibt Eros als Sohn der Ge (Erde) und des Uranos (Himmel). Dadurch wird er zu einem der ältesten Götter und verfügt über eine große schöpferische Potenz.[23]

Zum Topos wird Eros in der griechischen Dichtung und der bildenden Kunst als Sohn der Aphrodite. Homer stellt einen direkten Bezug von Eros und dem Schönen in seinem Aphroditehymnos her. Aphrodite ist Sinnbild für Liebreiz und Schönheit, die sinnlich wahrnehmbar ist und dadurch ein Verlangen erzeugt, das Homer synonym mit Eros setzt. Die Schönheit der Aphrodite bewirkt Eros, das Verlangen nach Liebe. Gleichzeitig verkörpert Eros die Erfüllung dieses Verlangens auf körperlicher Ebene, das Verlangen nach sexueller Vereinigung.[24]

2.2 Bedeutungsvielfalt der philia

Zum Verständnis von Platons philosophischen Ausführungen zu Liebe und Freundschaft ist die antike Vorstellung davon, von unseren heutigen Vorstellungen abzugrenzen. Im Wörterbuch der antiken Philosophie findet sich unter philia „(Freundschaft, Liebe; dazu philos Freund, Geliebter und philein mögen, lieben; lat.: amicitia). Das Begriffsfeld von Freundschaft und Freundschaftsliebe (philia) ist reich an Bezügen. Es überschneidet sich zum Teil mit dem der Strebensliebe (eros), ist im griechischen Denken oft politisch konnotiert, im christlichen Rahmen theozentriert.

1. Den Vorsokratikern galt die ph. als kosmologisches Prinzip, als eine Seins- und Ordnungsweise. Für Pherekydes von Syron hat der sich in Eros verwandelnde Zeus den Kosmos aus entgegengesetzten Elementen zu Eintracht und Freundschaft zusammengeführt (KD 7 B 3). Für Empedokles ist sie Ursache des Guten, Gegenprinzip zum Streit als Ursache des Schlechten[…].“[25]

Ursprünglich ist das Wort philos ein Adjektiv. Das Substantiv ist eine Ableitung in den beiden Formen ho philos, der Freund, bzw. he philia, die Freundschaft.[26]

Homer benutzt das Adjektiv zum einen als reflexives Possessivpronomen oder zweitens als Attribut zum Ausdrücken einer Wertschätzung. Im ersten Fall ist philos einem eigen, es gehört zu einem oder ist einem angehörig. Ein Verständnisproblem entsteht beim attributiven Gebrauch mit Familienangehörigen, so kann der eigene Bruder auch der liebe Bruder sein. Beide Gebrauchsweisen sind nicht streng voneinander abtrennbar. In der deutschen Sprache wird diese Wertschätzung bereits im reflexiven Possessivpronomen mit ausgedrückt. Das Substantiv ho philos verändert zwei Jahrhunderte nach Homer seinen Sprachgebrauch. Bei Homer bedeutet es noch die Angehörigen oder allgemein die Verwandten, wobei für den Freund und Kameraden das Wort hetairos benutzt wird.[27]

Später dann ist der philos nicht mehr der Verwandte, sondern das Mitglied eines Freundeskreises, dessen Mitglieder sozial miteinander verbunden sind, sie zeichnen sich durch dieselben Lebensumstände ebenso aus, wie durch dieselben Moralvorstellungen, den sozialen Stand und gesellschaftliche Anschauungen. Weitere zwei Jahrhunderte später, zur Zeit Platons impliziert das Substantiv eine Fülle verschiedener Bedeutungen, wozu der persönliche Freund ebenso gehört, wie der Ehepartner, der Gefährte, mit dem man ein gemeinsames Ziel verfolgt oder auch ein politischer Bündnispartner. Das Ideal ist jedoch zur Zeit Platons das Freundespaar. Im Vordergrund des Ideals steht die Männerfreundschaft, aber auch die Ehe zwischen Admetos und seiner Frau Alkestis, gilt ebenfalls als Vorbild der Freundschaft.[28]

Dieses Freundschaftsideal zeichnet sich durch vollkommene Zuverlässigkeit, Treue, Loyalität und Verbindlichkeit aus, die bis in den Tod geht und auch den Tod für sich in Anspruch nimmt, indem der eine Freund bereit ist für den anderen Freund zu sterben. Ein emotionales Verhältnis wird durch die jeweiligen Partner festgelegt und erhält dadurch auch eine emotionale Tiefe. Die Wortbedeutung bezieht sich nicht vordergründig auf den emotionalen Aspekt. philia und Eros sind zwei voneinander getrennte Beziehungsarten. Die Liebe der philia ist die Freundschaftsliebe. Die Treue, Zuverlässigkeit und Loyalität ist bei der philia wichtiger und fester Bestandteil, die in einer Ehe oder sexuellen Beziehung ebenso gegeben ist, wie in einer Freundschaft, die die sexuelle Ebene ausschließt. Der Eros enthält die sexuelle Komponente ohne die philia in ihrer Bedeutung zu verändern.[29]

In den Jahrhunderten nach Homer gewinnen soziale Bindungen in der sich ändernden Gesellschaft immer mehr an Gewicht. Der Kreis der Freunde ragt nun also weit über den homerischen Familienzusammenschluss hinaus, bis in die politischen Anhängerschaften. Man unterscheidet nun Freundschaft von Natur und Freundschaft dem Gesetz gegenüber. Die Positionen sind hier strittig. Es gibt Anhänger der Freundschaft von Natur aus, die die Zugehörigkeit innerhalb der Familie der Freundschaft vor dem Gesetz vorziehen und ihr einen größeren Stellenwert einräumen und es gibt Anhänger, die die Freundschaft vor dem Gesetz, der vor der Natur vorziehen und ihr einen höheren Stellenwert einräumen. So ist für Isokrates die Freundschaft eine Art Seelenverwandtschaft, die ihr Fundament in der Natur der Freunde hat. In dieser Abgrenzung steht die Freundschaft nun über der Verbundenheit zur Familie und für die Verwandten werden andere Begriffe gebraucht. Durch die so veränderte soziale Situation wird zur Zeit Platons der Freundschaftsbegriff bereits diskutiert. Erstmals setzen sich die Sprüche der Weisen damit auseinander und werden von anderen Autoren fortgeführt. Im Wesentlichen geht es um das Thema der Loyalität dem Freund und dem Gesetz gegenüber. Der veränderte Rahmen der philia, da der Freund nun nur noch außerhalb der Familie zu finden ist, wirft verschiedene Fragen über den Umgang mit Freunden auf, die Handlungsanweisungen und ethische Reflexionen notwendig hervorbringen. Das Verhältnis von Freundschaft und Ethik rückt in den Vordergrund.[30]

[...]


[1] Krebs, Angelika: „Wie ein Bogenstrich, der aus zwei Saiten eine Stimme zieht“. Eine dialogische Philosophie der Liebe. In: Deutsche Zeitschrift für Philosophie. Heft 5/2009. Berlin 2009, S. 729.

Heitsch, Ernst u. Carl Werner Müller (Hrsg.): Platon Lysis. Übersetzung und Kommentar von Michael Bordt. Göttingen 1998, S. 41.

Ritter, Joachim (Hrsg.): Liebe. In: Ders.: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Darmstadt 1971. Band 5, S. 290–292.

Schoplick, Valentin: Der Platonische Dialog Lysis. Augsburg 1968, S. 71-72. Vgl. Ritter, Joachim: Liebe, S. 292-294.

[5] Platon: Symposion (Das Gastmahl). In: Eigler, Gunther (Hrsg.): Platon. Werke In Acht Bänden Griechisch Und Deutsch. Darmstadt 2005. Band III, 202 d.

[6] Ritter, Joachim (Hrsg.): Mitte. In: Ders.: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Darmstadt 1971, Bd. 5, S. 1421.

Ritter, Joachim (Hrsg.): Dämonen In: Ders.: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Darmstadt 1971. Band 2, S. 1-2.

[8] Dieser Gedanke wird besonders in der Frühromantik wieder aufgenommen. F. Schlegel entwickelt seine „Theorie der Weiblichkeit“ durch geschichtsphilosophische Betrachtungen der Antike, besonders hervorzuheben ist hier der Aufsatz „Über die Diotima“, in dem Schlegel explizit Platons Diotima zu seiner Diotima idealisiert und seinen eigenen Liebesbegriff daran ausrichtet. Menninghaus, W. (Hrsg.): Friedrich Schlegel: Theorie der Weiblichkeit. Frankfurt a. M. 1983. Den Gedanken der Philia als Freundschaft greift Schleiermacher als Geselligkeit auf. Friedrich Schleiermacher: Vgl.: „Anmerkungen zur Nikomachischen Ethik 8-9“, 1788 und „Versuch einer Theorie des geselligen Betragens“. http://www.uni-heidelberg.de/uni/presse/RuCa3_97/welker.htm (letzter Zugriff:13.08.2010). Nach Bordt setzt Aristoteles Nikomachische Ethik unmittelbar an Platons Lysis an. Heitsch, Ernst u. Carl Werner Müller (Hrsg.): Platon Lysis. Übersetzung und Kommentar von Michael Bordt. Göttingen 1998, S. 41.

Heitsch, Ernst: Platon Lysis. Übersetzung und Kommentar, S. 41-47 und 94-102. Vgl. auch: Wolf, Ursula: Die Suche nach dem guten Leben. Platons Frühdialoge. Hamburg, 1996, S. 23-30.

[10] Peters, Horst: Platons Lysis. Untersuchungen zur Problematik des Gedankenganges und zur Gestalt des Kunstwerks. Kiel 1968, S. 90-145: Diese Untersuchung führt Peters im 2. Teil seiner Dissertation anhand der Komposition, der Personen und der Gliederung durch und kommt abschließend zu dem überzeugenden Schluss, der Lysis ist ein Kunstwerk (S. 140). Dieses gilt für das Symposion gleichermaßen (S. 141).

Pleger, Wolfgang, H.: Platon. Darmstadt 2009, S. 13-15.

[12] Wolf, Ursula: Die Suche nach dem guten Leben. Platons Frühdialoge. Hamburg, 1996, S. 15-24. Vgl. auch: Oehler, Klaus: Subjektivität und Selbstbewusstsein in der Antike. Würzburg 1997, S. 15-19.

[13] Lesky, Albin: Vom Eros der Hellenen. Göttingen 1976, S. 17

Ritter, Joachim (Hrsg.): Liebe, S. 291.

Kayling, Vanessa: Die Rezeption und Modifikation des platonischen Erosbegriffs in der französischen Literatur des 16. und 17. Jahrhunderts unter besonderer Berücksichtigung der antiken und italienischen Tradition. Aachen 2009, S. 8.

Ritter, Joachim (Hrsg.): Liebe, S. 291.

[17] Lesky, Albin: Vom Eros der Hellenen, S. 11-12.

[18] Ebd., S. 11-12.

[19] Ebd., S. 12.

Kayling, Vanessa: Die Rezeption und Modifikation des platonischen Erosbegriffs, S. 9.

Wright, M. R.: Empedocles. In: Parkinson, G. H. R. und Shariker, S. G. (Hrsg.): From the Beginning to Plato. Routledge History of Philosophy. Volume I. London 1997, S. 184: „There ist an unceasing alternation of all the elements at one time coming into a unity through Love (where their distinguished from any other) and then […]”.

[22] Ritter, Joachim (Hrsg.): Liebe, S. 291.

[23] Lesky, Albin: Vom Eros der Hellenen, S. 13.

Kayling, Vanessa: Die Rezeption und Modifikation des platonischen Erosbegriffs, S. 9.

[25] Horn, Christoph und Rapp, Christof (Hrsg.): Wörterbuch der antiken Philosophie. München 2002, S. 337.

[26] Heitsch, Ernst: Platon Lysis, S. 50-60.

[27] Ebd., S. 50-60.

[28] Ebd., S. 50-60.

[29] Heitsch, Ernst: Platon Lysis, S. 50-60.

[30] Heitsch, Ernst: Platon Lysis, 50-60.

Ende der Leseprobe aus 51 Seiten

Details

Titel
"Eros" und "philia" in Platons Denken
Untertitel
Ein Vergleich zwischen dem "Symposion" und dem "Lysis"
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Philosophie)
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
51
Katalognummer
V160786
ISBN (eBook)
9783640745951
ISBN (Buch)
9783640746583
Dateigröße
558 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eros, philia, Platon, Symposion, Lysis, Freundschaft, Liebe, Erotische Dialoge, Wissenschaft, Dämon, Philosophie, Wissen, Revolution, Antrieb
Arbeit zitieren
B.A. Silvia Schmitz-Görtler (Autor), 2010, "Eros" und "philia" in Platons Denken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160786

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