Finanzmärkte - finanzintermediäre und systemische Krisen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

26 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

I . Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.Das Modell von Allen & Gale zur Erklärung finanzieller Fragilität auf Finanzmärkten
2.1 Modellannahmen
2.1.1 Konsumenten
2.1.2 Banken
2.1.3 Finanzmarkt
2.2 Modellgleichgewichte
2.2.1 Fundamentales Gleichgewicht ohne aggregierte Unsicherheit
2.2.2 Gleichgewicht bei Existenz aggregierter Unsicherheit
2.2.3 Sunspot Gleichgewicht
2.3 Modellkritik
2.4 Empirische Evidenz des Modells Zusammenfassung und Schlußbetrachtung

II Anhang

III Symbolverzeichnis

IV Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bei Betrachtung des globalen Finanzsystems fällt auf, dass dieses seit Jahrhunderten von immer wiederkehrenden Krisen erschüttert wurde. Insbesondere mit Blick auf die aktuelle im August 2007 ausgebrochene globale Finanzmarktkrise stellt sich die Frage, welche Interdependenz zwischen den global vernetzten Kapitalmärkten, Banken die als Finanzintermediäre (im Folgenden FI) fungieren und systemischen Krisen besteht. Bei der Analyse der Kapitalmärkte wird die Existenz eines vollkommenen Kapitalmarkts, auf dem es keine Friktionen durch Steuern und Transaktionskosten, eine beliebige Teilbarkeit und Handelbarkeit von Gütern und Dienstleistungen, keine Informations-asymmetrien, vollkommenen Wettbewerb unter Marktteilnehmern, sowie die aus-schließlich ihren Erwartungsnutzen maximierenden Marktteilnehmer, unterstellt.[1] Als Erklärungsansatz für die Existenz von FI muss der modelltheoretische Ansatz eines vollkommenen Kapitalmarkts abgeschwächt und um einige in der Praxis vorhandene Friktionen und Unvollkommenheiten erweitert werden. So wird den Banken als FI vor allem eine Rolle zur Reduzierung von Transaktionskosten und einer Überwindung von Informationsasymmetrien und Anreizproblemen zugedacht.[2] Darüber hinaus kommt dem FI die Rolle eines risikoteilenden Vermittlers zu, der die von den Konsumenten in Periode 0 erhalten Spareinlagen bündelt und so aufteilt,dass sie entweder in Periode 1 oder Periode 2 durch die Konsumenten verkonsumiert werden können.[3] In diesem Zusammenhang untersuchen Allen & Gale die Auswirkungen von system-ischen Krisen auf die Funktionsfähigkeit von Banken und umgekehrt. Zentraler Aspekt ihrer Betrachtung sind die auf unvollkommenen Kapitalmärkten durch Bank Runs ver-stärkten Liquiditätsschocks und ihre Auswirkungen auf die Volaitilität von Wertpapier-preisen (im Folgenden WP), die in einer systemischen Krise münden können. Auf Grund der globalen Vernetzung der Finanzmärkte und dem Faktum, dass Banken einen Teil der Kundeneinlagen durch die Fristentransformation nicht fristenkongruent an-legen, können sich selbst kleinste Liquiditätsschocks über die Veränderung der WP-Preise zu einem signifikanten, systemischen Risiko ausweiten. Dieser Zusammenhang wird in dem im Folgenden dargestellten Modellansatz aus dem Artikel „Understanding Financial Crises“ aus dem Jahre 2007, analysiert. In der Literatur gibt es eine große Anzahl theoretischer Erklärungsansätze für systemische Krisen. Im Folgenden werden zwei gegenläufige Erklärungsansätze vorgestellt, sowie das Modell von Allen & Gale in der Untersuchung der empirischen Evidenz einem dieser Erklärunsansätze zugeordnet. Ein Erklärungsansatz geht aus den Arbeiten von Kindleberger aus dem Jahre 1978 und in seiner Weiterentwicklung durch Bryant 1980 und Diamond und Dybvig 1983, von einer auf einem spontanen und auf Massenhysterie basierenden Ereignis aus, welches keine Korrelation zu realen Wirtschaftsereignissen aufweist.[4] Im Gegensatz hierzu gehen Gorton 1988, Calomiris und Gorton 1991, sowie Allen & Gale in ihren Arbeiten aus den Jahren 1998, 2000 und 2004 von einem signifikaten Zusammenhang zwischen Finanzkrisen und aktuell zu beobachtenden makroökono-mischen Größen aus.[5] Zunächst wird eine segregierte Betrachtung der Modellannahmen von Allen & Gale durchgeführt, um dann im Anschluß die drei zentralen Gleichgewichtsmodelle (im Folgenden GG) zu analysieren. Zum Abschluß dieser Arbeit werden die vorgestellten GG kritisch analysiert und auf empirische Evidenz geprüft.

2.Das Modell von Allen & Gale zur Erklärung finanzieller Fragilität auf Kapitalmärkten

2.1 Modellannahmen

Das von Allen & Gale in ihrem Artikel über die finanzielle Fragilität von Finanz-märkten angewandte Modell verbindet Intermediation und Finanzmärkte und basiert auf dem im Jahre 2004 im Journal of European Economic Association veröffentlichten Artikel „Financial Fragility, Liquidity and Asset Prices“[6] Die auf den Seiten 2 - 6 erläu-terten Modellannahmen basieren auf den Modellgedanken von Allen & Gale (2007).

In dem von Allen & Gale konzipierten Modell gibt es zwei Akteure, die sich gegenüberstehen. Auf der einen Seite sind dies Konsumenten, die ihre Ersparnisse den Banken zur Verwahrung anvertrauen, auf der anderen Seite sind dies Banken, die als FI fungieren und den Sparern einen vertraglich fixierten Rückzahlungsbetrag garantieren. Das Modell kennt nur drei Zeitpunkte: t = 0, 1 und 2.

Alle Sparverträge zwischen Konsument und Bank werden annahmegemäß im Zeitpunkt t = 0 abgeschlossen. Der Konsument hat im Zeitpunkt t = 1 die Entscheidung zu treffen, ob er den angelegten Betrag verkonsumieren oder anlegen will. Für den Konsumenten gibt es im Zeitpunkt t = 0 genau zwei Anlagemöglichkeiten. Er kann entweder den ihm zur Verfügung stehenden Betrag d für genau eine Periode bis zum Zeitpunkt t = 1 bei der Bank anlegen und dann entscheiden, ob er den Betrag verkonsumieren oder erneut eine Periode anlegen möchte oder er kann den Betrag d für zwei Perioden, bis Periode t = 2 bei der Bank anlegen. Allen & Gale gehen in Ihrem Modell von einer Trade-Off Beziehung zwischen Rendite und Verfügbarkeit aus und abstrahieren auf der anderen Seite den Trade-Off zwischen Risiko und Rendite, so dass der Konsument für eine Anlage über zwei Perioden eine sichere Rückzahlung von R>d = 1 erhält.

2.1.1 Konsumenten

Sämtliche Konsumenten werden aus Vereinfachungsgründen auf ex ante identische Konsumenten normiert, die eine Faktorausstattung von 1 Einheit des Gutes im Zeit-punkt t = 0 haben, welche sie als Spareinlage bei der Bank deponieren. Allen & Gale modellieren im Zeitpunkt t = 1 zwei verschiedene Konsumtypen, einen Frühkonsumen-ten, der nur im Zeitpunkt t = 1 konsumiert und einen Spätkonsumenten, der nur im Zeit-punkt t = 2 konsumiert. Im Zeitpunkt t = 0 kennt der Konsument seine eigenen Konsumpräferenzen noch nicht, diese Unsicherheit wird erst im Zeitpunkt t = 1 über-wunden. Die Informationen über den Konsumtypen sind indes private Informationen des Konsumenten, so dass es im Zeitpunkt t = 1 eine asymmetrische Informations-verteilung über den Konsumtypen zwischen Konsument und Bank gibt. Ziel des Konsumenten ist es, mit einer gegebenen Faktorausstattung seinen persönlichen Nutzen zu maximieren. Der Erwartungsnutzen aller Konsumenten lässt sich durch die gemeinsame Erwartungsutzenfunktion aller Konsumenten ermitteln:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hierbei stellt U(*) die neoklassische Nutzenfunktion dar, die strikt konkav, ansteigend und zweimal differenzierbar ist. λ gibt die Wahrscheinlichkeit für einen Frühkonsumenten und die Gegenwahrscheinlichkeit (1-λ), die Wahrscheinlichkeit für einen Spätkonsumenten an, [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] steht für die Konsummöglichkeiten im Zeitpunkt t = 1, 2. Eine weitere von Allen & Gale getroffene Annahme ist, dass Konsumenten in t = 1 keinen direkten Zugang zum Kapitalmarkt haben und sich somit für die Veräußerung ihrer Spareinlagen bzw. für das Anlegen von der nicht verkonsumierten Einheit ihres Gutes in t = 1 an die als FI fungierenden Banken wenden müssen. Eine weitere Restriktion stellt die Tatsache dar, dass Konsumenten ihre Spareinlagen nicht diversifizieren können und daher gezwungen sind einen Sparvertrag mit nur einer Bank abzuschließen.

2.1.2 Banken

Banken fungieren in dem Modell als FI, die für einen Ausgleich zwischen Kapitalangebot und Kapitalnachfrage zuständig sind. Da das Modell einen beschränkten Kapitalmarktzugang vorsieht, haben ausschließlich Banken die Möglichkeit, in Periode t = 1 auf dem Kapitalmarkt als Marktteilnehmer aufzutreten. Hierfür bündeln sie die von den Konsumenten in Periode t = 0 erhaltenen Spareinlagen und investieren diese mit einem Anteil y in kurzfristige WP mit einer Laufzeit von 1 Periode und einer garantierten Rückzahlung von Betrag d in Periode t = 1 und mit einem Anteil von (1-y) in langfristige WP mit einer Laufzeit von 2 Perioden und einer garantierten Rückzahlung von R>d=1.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auf Grund der Annahme, dass die Frühkonsumenten für die einjährige Anlage ihrer Spareinlagen d von Periode t = 0 bis Periode t = 1 genau d = 1 Einheit des Konsumgutes erhalten[7], emittelt sich der Wert des Bankportfolios in Periode t =1 wie folgt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Wert des aus kurz- und langfristigen WP bestehenden Bankportfolios [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] ist im Unterschied zum Diamond Dybvig Modell, bei dem die Bankgläubiger nach dem „first come first serve Prinzip“ ihre Einlagen erhalten und somit jeder Anleger seine Einlage sofort abzieht, wenn er einen Ausfall seiner Bank vermutet[8], auf Grund seiner Markt-preisbewertung unabhängig davon, ob die Bank ausfällt oder nicht. Somit stellt Gleichung (II) auch den Betrag dar, den sämtliche Sparer in Periode 1 bei einer Bank-insolvenz im GG erhalten. Da in Periode 1 sämtliche Konsumenten ihren Konsumenten-typen kennen und die Frühkonsumenten ihre Einlagen zu Konsumzwecken in t = 1 abziehen, besteht für die Bank nur noch eine Unsicherheit hinsichtlich der Spät-konsumenten. Diese haben die Möglichkeit die Frühkonsumenten zu imitieren und ihre Einlagen ebenfalls in t = 1 abzuziehen, um sie dann von Periode t = 1 auf Periode t = 2 erneut für eine Periode zu einem sicheren Ertrag von d anzulegen. Die für die Bank günstigste Variante dieses Szenario zu vermeiden ist, den Spätkonsumenten in Periode 2 glaubhaft eine Auszahlung von mindestens d Einheiten zu versprechen. Unter der Voraussetzung, dass die Bank den Spätkonsumenten in Periode 2 genau d Einheiten des Gutes auszahlt, haben die Ansprüche der Konsumenten gegenüber der Bank in t = 1 folgenden Wert:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus den Gleichungen (II) und (III) ergibt sich die für die Bank zwingend einzuhaltende Anreizverträglichkeitsbedingung (im Folgenden AV Bed.):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Entspricht der Wert des Bankportfolios, also die rechte Seite der AV Bed., mindestens dem Wert der Konsumentenansprüche im Zeitpinkt t = 1, dann ist der mit den Konsumenten abgeschlossene Sparvertrag anreizverträglich. Für die Spätkonsumenten gibt es keinen Anreiz ihre Spareinlagen bereits im Zeitpunkt t =1 abzuziehen. Auf der anderen Seite führt die Verletzung von Bedingung (IV) zwangsläufig zu einem Bank Run und die Bank erleidet Insolvenz. Aus der in Periode t = 0 von der Bank getroffenen Entscheidung hinsichtlich der erwarteten Einlagenabzüge in Periode t = 1 d und der Investitionsentscheidung y lassen sich auf Grundlage der AV Bed. (IV) folgende Konsummöglichkeiten [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten](d,y) für die Konsumenten ableiten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ist Bedingung (IV) erfüllt, erhält der Frühkonsument in Perode 1 genau den versproche-nen Auszahlungsbetrag d, so dass sein Konsumlevel [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] = d entspricht. Der Spätkonsu-ment kann in Periode 2 genau den Residualportfoliowert, also den Portfoliowert nach Auszahlung der Frühkonsumenten [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] *d, verkonsumieren. Da der Spätkonsument an-nahmegemäß erst in Periode 2 konsumiert, dividiert man durch den Preis [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], also den Preis für den Konsum in Periode 2 in Preisen der Periode 1. Da uns der Wert der indivi-duellen Konsummöglichkeit interessiert, wird durch den entsprechenden Anteil der Spätkonsumenten (1-[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]) dividiert. Aus den hier getroffenen Annahmen läßt sich nun das Entscheidungsproblem der Bank wie folgt definieren:

([Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten])

2.1.3 Finanzmarkt

In dem von Allen & Gale skizzierten Modell gibt es in Periode 0 einen unvollkomme-nen Kapitalmarkt, auf dem keine Produkte zur Absicherung gegen aggregierte Un-sicherheit über den Umweltzustand s gehandelt werden können. In Periode 1 existiert der vollkommene Kapitalmarkt, da die Unsicherheit über den Anteil an Frühkonsu-menten annahmegmäß in Periode 1 beseitigt ist. Auf dem Kapitalmarkt können WP ge-handelt werden, die es ermöglichen, Spätkonsum aus Periode 2 in Frühkonsum in Periode 1 zu tauschen. Der Wert eines langfristigen WP, welches den Spätkonsum in Preisen der Periode 1 darstellt, beträgt: [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] = [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]*R. Darüber hinaus definieren Allen & Gale einen beschränkten Kapitalmarktzugang, bei dem ausschließlich die als FI fun-gierenden Banken in Periode 1 Kapitalmarktzugang haben. Diese können sich auf dem Kapitalmarkt mit Liquidität versorgen bzw. überschüssige Liquidität anlegen. Dies geschieht grds. über den Ver- oder Ankauf von langfristigen WP im Zeitpunkt t = 1. Eine Kapitalmarkträumung im Zeitpunkt t = 1 findet nur dann statt, wenn die Markt-räumungsbedingung [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]≤1 für jeden Umweltzustand s erfüllt ist.

[...]


[1] Vgl. FREIXAS und ROCHET (1997), S. 7

[2] Vgl. HARTMANN-WENDELS et al. (2007), S. 111

[3] Vgl. Allen & Gale (2001), S. 8

[4] Vgl. Allen & Gale (2004a), S. 1018-1019

[5] Vgl. Allen & Gale (2004a), S. 1018-1019

[6] Vgl. Allen & Gale (2007a), S. 128

[7] Vgl. Allen & Gale (2007a), S. 128

[8] Vgl. Gorton (1988), S. 224

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Finanzmärkte - finanzintermediäre und systemische Krisen
Hochschule
Universität zu Köln  (Seminar für Bankbetriebslehre)
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
26
Katalognummer
V160808
ISBN (eBook)
9783640744862
ISBN (Buch)
9783640745340
Dateigröße
1239 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Seminararbeit, Finanzmärkte, Finanzintermediäre, Krisen, Sunspot Gleichgewicht, Gleichgewichte unter Unsicherheit, Gleichgewichte ohne Unsicherheit, Modell von Allen & Gale
Arbeit zitieren
Stefan Töns (Autor), 2009, Finanzmärkte - finanzintermediäre und systemische Krisen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160808

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