Solidarność und die Rolle der polnischen Frauen im Streik


Hausarbeit, 2010
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung

1 „Solidarität“ - Aufbau und Entwicklung
1.1 Ursprung
1.2 Lech Wałęsa – Der führende Kopf
1.3 Kriegszustand

2 „Die Weiber könnten doch keinen Spaß verstehen“ - Frauenproteste in Polen 1980 /

3 Die Frauen auf der Straße – Łódź, Juli

4 Rebellierende Textilarbeiterinnen: Żyrardów,
Oktober

5 Bibliographie

Einleitung

Diese Arbeit behandelt die Proteste der ArbeiterInnen in Polen in der Zeit zwischen 1980 und 1982. Sie berichtet über die polnische Gewerkschaft „Solidarität“, ihre Führungsperson Lech Wałęsa und ihre Mitwirkung bei den Streiks der Frauen in Łódź und Żyrardów, die sich gegen die menschenunwürdigen Zustände in dieser Zeit auflehnen. Außerdem soll die Ausrufung des Kriegsrechts 1981 in Polen ein Thema sein, da es die Entwicklung der Geschehnisse mit trägt.

Der Hauptteil berichtet über die Streik- und Protestbewegungen der Frauen in den Industriestädten Łódź und Żyrardów, den Mangel, den sie erlitten und die Aktionen und Proteste durch die sie versuchten, wieder menschenwürdige Lebensumstände herbeizuführen.

1 „Solidarität“ - Aufbau und Entwicklung

1.1 Ursprung

Die Gewerkschaft „Solidarität“ (Offizieller Name: NSZZ „Solidarność“ ( poln. Niezależny Samorządny Związek Zawodowy „Solidarność” ; dt. Unabhängige Selbstverwaltete Gewerkschaft „Solidarität“) ist polnischen Ursprungs. Entstanden aus einer Streikbewegung wirkte sie entscheidend an der politischen Wende 1989 in Deutschland mit und stellt damit auch die erfolgreichste unabhängige, damit freie Gewerkschaft des ehemaligen Osteuropas dar.

Im Sommer 1980 streikten Arbeiter in ganz Polen. Der Auslöser für die Streikwellen war die Preiserhöhung für Fleisch am 1. Juli 1980. Zunächst lokal begrenzt, griffen sie schnell auf das ganze Land über. Der bedeutendste dieser Streiks war wohl der Danziger Streik auf der Leninwerft, welcher durch die Entlassung der Kranführerin Anna Walentynowicz, welche auch schon eine Rolle in den Streiks der siebziger Jahre gespielt hatte und damit eine bekannte Figur darstellte.
Unter der Führung von Lech Wałęsa (auf den später noch genauer eingegangen wird) wurde ein so genanntes „Betriebliches Streikkomitee“ gebildet, welches der Betriebsleitung auch gleich Zugeständnisse entlockte und damit nach zwei Tagen wieder aufgelöst werden sollte. Nach einigen Überlegungen entschloss man sich aber in der Nacht zum 16. August dann dazu, es doch aufrecht zu erhalten um die Entwicklung der vorangegangenen Streikbewegungen nicht zu wiederholen, sondern bleibende Ergebnisse zu erreichen.

Folglich gründete sich am 17. August 1980 das „Überbetriebliche Streikkomitee“, welches 21 Forderungen erarbeitete in dem Anspruch, sich auch nach den Streiks nicht aufzulösen, sondern die Einhaltung des Erreichten zu überwachen.

Besagte 21 Forderungen enthielten neben politischen und sozialen Anliegen auch die zentrale Forderung nach der Zulassung von unabhängigen Gewerkschaften – völliges Neuland im kommunistischen Polen.

Doch am 31. August wurde diesen Forderungen nach langen Verhandlungen mit der Regierungsseite im „Danziger Abkommen“ stattgegeben, daraufhin formte sich aus dem „Überbetrieblichen Streikkomitee“ die Gewerkschaft „Solidarität“.

1.2 Lech Wałęsa – Der führende Kopf

Lech Wałęsa, geboren am 29. September 1943 im Dorf Popowo bei Bromberg, ist der Sohn eines Zimmermanns. Nach dem frühen Tod seines Vaters 1946 und der erneuten Heirat seiner Mutter wächst er mit sechs Geschwistern in bitterarmen Verhältnissen auf. Da er nur ein durchschnittlich begabter Schüler ist beginnt er eine Lehre zum Elektriker, heiratet 1969 Miroslawa Danuta und zieht mit ihr acht Kinder auf. Nach seinem zweijährigen Wehrdienst fängt er 1967 auf der Danziger Werft an zu arbeiten und fällt dort Ende 1970 das erste Mal auf, als er sich an Unruhen in Danzig führend beteiligt. Es folgt die Mitorganisation am Streik von 1976 und daraufhin die Entlassung und der Überlebenskampf mit Gelegenheitsjobs. 1987 gründet Wałęsa die „Gewerkschaft der freien Küste“ mit, und sein großer Tag folgt am 14. August 1980: Es ist der Tag der Streiks für die entlassene Werftarbeiterin Anna Walentynowicz. Der Streik breitet sich auf andere Städte auf, stellt er doch einen Höhepunkt der Unzufriedenheit der Arbeiter mit den Verhältnissen dar, und man wählt ein Streikkomitee. Wałęsa wird an die Spitze gewählt, obwohl er nach eigener Aussage nicht weiß, ob er ein „Führer“ ist. Kühnheit und Charisma machen ihn zu einem der wichtigsten Dissidenten im kommunistischen Polen.

Im Sommer 1980 streikt ganz Polen. Die Hauptforderung lautet: Zulassung freier Berufsverbände. Die Regierung gibt nach. Am 31. August 1980 unterzeichnen Regierungsvertreter und die Führer der späteren „Solidarität“ das "Danziger Abkommen", in dem das kommunistische Regime nicht nur die freie Gewerkschaft anerkennt, sondern ihr auch Rechte einräumt. Ein Triumph für Walęsa, der für die sich aus dem Streikkomitee entwickelte Solidarność am Verhandlungstisch saß und das Abkommen unterschreiben darf. Es überrascht nicht, dass er im September 1980 zum Vorsitzenden der Gewerkschaft gewählt wird, die später rund zehn Millionen freiwillige Mitglieder zählen wird.

1981 wird, nach der Ausrufung des Kriegsrechts, auch die „Solidarität“ verboten, Wałęsa wird unter Hausarrest gestellt; er agiert im Untergrund weiter. Als Symbolfigur des Friedens- und Freiheitswillens wird Wałęsa 1983 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Seine Ehefrau Danuta muss die Auszeichnung in Oslo entgegennehmen, da ihm die Ausreise aus Polen verweigert wird.

Die wirkliche Wende kommt im Spätsommer 1988. Erneut ergreifen Streikwellen Polen verbunden mit den Forderungen, die Solidarność zu legalisieren. Jaruszelski erklärt sich bereit, mit der illegalen Opposition über wirtschaftliche und sogar politische Reformen zu verhandeln. Die kommunistische Führung stellt Gespräche mit der Solidarność am runden Tisch in Aussicht, wenn alle Streiks beendet werden. Die Lage in Polen beginnt sich zu entspannen. Die Solidarność wird im Januar 1989 zugelassen. Zuvor trat das "Bürgerkomitee" zusammen, das die Solidarność am Runden Tisch vertreten soll. Zum Vorsitzenden des Bürgerkomitees wird Walęsa gewählt.

Wałęsa führt im Juni 1989 die Solidarność zum Sieg in den ersten (halb-)freien Parlamentswahlen. Im September stellt die Solidarność 12 von 22 Ministern in einer Koalitionsregierung (PZPR und Bürgerkomitee) unter dem ersten nichtkommunistischen Premier Mazowiecki. Nach der politischen Wende in Polen stellt sich auch Wałęsa die Frage, wie es für ihn weitergehen soll. Zwar ist er offiziell immer noch ein Arbeiter der Leninwerft, doch er hat weiterhin politische Ambitionen. Er drängt auf eine Absetzung des Präsidenten Jaruzelski, um selbst dieses Amt zu übernehmen. Wałęsa fühlt sich berufen und beteuert immer wieder: "Ich will nicht Präsident werden, aber ich werde wohl Präsident werden müssen!" Jaruzelski, der die Zeitenwende erkennt, tritt freiwillig zurück. Nachdem Wałęsa im ersten Wahlgang seinen ehemaligen Freund Mazowiecki ausgeschaltet hat, was zu einer Regierungskrise führt, wird er im zweiten Wahlgang mit 75 Prozent der Stimmen gewählt.

Das weitere Wirken des Lech Wałęsa soll hier nicht beschrieben werden, da es für das Thema der Ausarbeitung irrelevant ist.

1.3 Kriegszustand

Am 13. Dezember 1981, am Sonntag um 6.00 morgens gab General Wojciech Jaruzelski in seiner Rede, welche sowohl im Radio als auch im Fernsehen übertragen wurde, die Verhängung des Kriegsrechtes in ganz Polen bekannt. Die Regierung versuchte, die Einführung des Kriegsrechtes damit zu begründen, dass alle vorherigen politischen Vorschläge sich als erfolglos erwiesen hätten. Die Armee sei gekommen, um die handlungsunfähigen Politiker zu ersetzen. Diese Rechtfertigung ging Hand in Hand mit der Erklärung, man bräuchte eine Rückendeckung für die Durchführung der wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Reformen. Die Regierung war sich der Tatsache bewusst, dass es um einiges schwieriger sein Würde, aus dem Kriegszustand wieder herauszukommen als ihn einzuführen und deshalb bemühte sie sich um die Schaffung von Bedingungen die es ermöglichten, die Verantwortung wieder von der Armee an die Politiker zu übergeben.

Dies verunsicherte die breite Bevölkerungsschicht, wobei jedoch die meisten Gewerkschaftsmitglieder der Solidarność die Signale über den Einmarsch von Militär und Miliz ignorierten.

Der Erzbischof Glemp hielt am Abend des 13. Dezembers in der Warschauer Kirche eine selbst erarbeitete Predigt, welche die Umstände zwar subjektiv, aber passend zusammenfasste und wie folgt lautete:

„Der Kriegszustand ist – wie wir erfahren – ein Zustand neuer und scharfer Gesetze, die die bisherigen bürgerlichen Freiheiten außer Kraft setzen. Die Staatsmacht hört grundsätzlich auf, eine Macht des Dialogs mit dem Bürger zu sein, sie wird zu einer Macht, ausgestattet mit Mitteln des standrechtlichen Zwanges, und sie fordert Gehorsam. Wenn man sich den Beschlüssen der Macht im Kriegszustand widersetzt, kann das eine gewaltsame Erzwingung des Gehorsams bewirken, bis zum Blutvergießen, denn die Staatsmacht verfügt über bewaffnete Macht. Wir können uns empören, wir können schreien über die Ungerechtigkeit eines solchen Zustandes, können protestieren wegen der Verletzung von Bürgerrechten, von Menschenrechten u.ä..[..] Die Staatsmacht ist der Meinung, das Außergewöhnliche des Kriegszustandes sei diktiert von höherer Notwendigkeit, sei die Wahl des geringeren Übels gegenüber dem Schlimmen.“[1]

In einem Brief an den Papst vom 6. Januar 1982 gestand Premier Jaruzelski ein, „dass die Einführung des Kriegszustandes für die Gesellschaft einen Schock darstellte“[2], versicherte aber gleichzeitig, dass die Schritte der Regierung humanitären Charakter haben würden. Er sah diesen Schritt scheinbar als Alternative für eine Intervention von außen, denn er argumentierte für seine Entscheidung, dass ohne Einführung des Kriegszustandes die Angelegenheit nicht mehr im innerpolnischen Rahmen geblieben wäre.

[...]


[1] Andrej Micewski, Kirche, „Solidarność“ und Kriegszustand in Polen, S. 56

[2] Ebd, S. 69

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Solidarność und die Rolle der polnischen Frauen im Streik
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
20 Jahre Mauerfall
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V160810
ISBN (eBook)
9783640738434
ISBN (Buch)
9783640738748
Dateigröße
612 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Solidarność, Rolle, Frauen, Streik
Arbeit zitieren
Svenja Strohmeier (Autor), 2010, Solidarność und die Rolle der polnischen Frauen im Streik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160810

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