Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Theologie - Systematische Theologie

Moralentwicklung und Sozialisation

Eine kritische Auseinandersetzung mit der Moralentwicklungstheorie Lawrence Kohlbergs

Titel: Moralentwicklung und Sozialisation

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2010 , 18 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Vera Jäger (Autor:in)

Theologie - Systematische Theologie
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Inwiefern existieren Voraussetzungen und Bedingungen für die Bildung eines moralischen Urteils? Wahlmöglichkeit und Entscheidungsfreiheit stellen zwei Faktoren dar, die sich etwa durch ein gewisses Maß an ökonomischer Freiheit ergeben. Unter dieser Frage soll die Theorie Kohlbergs in dieser Arbeit zu beleuchten und zu kritisieren sein. Hierzu ist die Darstellung der Kohlbergschen Theorie insbesondere hinsichtlich Struktur und Aufbau wichtig, was die Voraussetzung schafft für eine mögliche Erweiterung einer Theorie der Moralentwicklung durch äußere Aspekte, die durch die Sozialisation bedingt werden, wie Bildungsgrad oder ökonomische Stellung.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die besondere Struktur der Moralstufentheorie Kohlbergs

2.1 Zur Struktur des Stufenmodells

2.2 Stufe 6 – der 'moral point of view'

2.3 Kritik des Stufenmodells

3 Einbeziehung sozialisatorischer Gesichtspunkte

3.1 Familie

3.2 Schule

4 Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen der kognitiv orientierten Moralstufentheorie von Lawrence Kohlberg und dem Einfluss externer, sozialisatorischer Faktoren. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit ökonomische Bedingungen, Bildungsgrad und das soziale Milieu die Entwicklung moralischer Urteilsfähigkeit beeinflussen, die Kohlberg primär als kognitive Leistung betrachtet.

  • Kritische Auseinandersetzung mit der Kohlbergschen Theorie der Moralentwicklung
  • Analyse des Einflusses von Sozialisation (Familie und Schule) auf moralische Urteilstypen
  • Bedeutung der ökonomischen Situation für die Moralentwicklung
  • Diskussion des Universalitätspostulats von Moralstufen
  • Bedarf einer multidimensionalen Betrachtung der Moralbildung

Auszug aus dem Buch

2.2 Stufe 6 – der 'moral point of view'

Um sich zunächst das Konzept dieses dritten, postkonventionellen Niveaus zu verdeutlichen, ist es hilfreich, sich ihm von seiner begrifflichen Bezeichnung aus zu nähern. Die jeweiligen Sozialperspektiven der einzelnen Stufen beschreiben eine bestimmte Sichtweise des Individuums auf seine soziale Umwelt. Befindet sich ein Heranwachsender auf dem konventionellen Niveau, so werden die sich in seiner Umwelt vollziehenden Interaktionen als legitim betrachtet, er „[ü]bernimmt den Standpunkt des Systems, das Rollen und Regeln festlegt.“ Diese Legitimität erlangen die Interaktionen durch ihren institutionellen Charakter: Sie stehen mit ihrem Geltungsanspruch im Dienste der Gesellschaft. Sich auf dem konventionellen Niveau zu befinden, heißt dementsprechend, mit allgemeinen Vorstellungen des Zusammenlebens übereinzustimmen. Insofern beschreibt das postkonventionelle Niveau eine Perspektive, die eine rein konventionelle Haltung gegenüber dem Gegebenen überwunden hat. Kohlberg misst moralischen Urteilen der Stufe 5 demgemäß auch eine „[d]er Gesellschaft vorgeordnete Perspektive bei.“ Das heißt, anders formuliert, das postkonventionelle Niveau setzt ein differenzierendes Verständnis von Legalität und Legitimität voraus: Das Legale bzw. das Konventionelle steht stets in der Schuld, sich anhand des Maßstabs des Legitimen zu rechtfertigen.

Die Konzeption eines solchen Niveaus erscheint stimmig, da es für eine Gesellschaft von grundlegender Bedeutung ist, ihre Gesetze und Regularitäten ständig zu hinterfragen und gegebenenfalls neu zu bilden oder zu spezifizieren. So auch Kohlberg/Boyd/Levine:

Aus dieser [postkonventionellen] Perspektive führt der Versuch, Dilemmata zu lösen, zu einer Kritik dieser Werte und Istitutionen; deren Gewicht richtet sich danach, inwieweit sie für das soziale Leben im allgemeinen von grundlegender Bedeutung sind.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt anhand des literarischen Beispiels von Hans Fallada in die Problematik ein, wie ökonomische Not und soziale Benachteiligung die moralische Entscheidungsfreiheit einschränken können.

2 Die besondere Struktur der Moralstufentheorie Kohlbergs: Das Kapitel erläutert Kohlbergs interdisziplinären Ansatz zwischen Philosophie und Empirie und definiert die kognitiven Voraussetzungen für moralisches Denken.

2.1 Zur Struktur des Stufenmodells: Hier werden die sechs Stufen der Moralentwicklung vorgestellt und die Bedeutung des konstruktivistischen Lernens für moralische Normen hervorgehoben.

2.2 Stufe 6 – der 'moral point of view': Dieser Abschnitt analysiert die höchste Stufe des postkonventionellen Niveaus, die sich durch eine der Gesellschaft vorgeordnete, prinzipiengeleitete Perspektive auszeichnet.

2.3 Kritik des Stufenmodells: Hier wird das Universalitätspostulat Kohlbergs hinterfragt, da sich hohe Moralstufen empirisch fast nur in westlichen Kulturen und bei Probanden mit höherer Bildung nachweisen lassen.

3 Einbeziehung sozialisatorischer Gesichtspunkte: Das Kapitel hinterfragt die Vernachlässigung äußerer Faktoren in Kohlbergs Theorie und betont die Rolle der sozialen Umwelt für die Moralentwicklung.

3.1 Familie: Es wird dargelegt, dass das familiale Milieu, die berufliche Situation der Eltern und Erziehungseinstellungen die Ausbildung moralischer Urteilstypen maßgeblich prägen.

3.2 Schule: Anhand des Modells einer demokratischen Schule wird gezeigt, wie ein förderliches schulisches Ethos und Partizipation zur Entwicklung moralischen Handelns beitragen können.

4 Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Moralentwicklung ohne die Berücksichtigung sozioökonomischer Bedingungen und sozialer Voraussetzungen nicht angemessen erfasst werden kann.

Schlüsselwörter

Moralentwicklung, Lawrence Kohlberg, Stufenmodell, Sozialisation, Familie, Schule, Kognition, Gerechtigkeit, Postkonventionelles Niveau, Moralurteil, Bildungsniveau, Ökonomische Freiheit, Konstruktivismus, Soziale Interaktion, Moralphilosophie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit untersucht die moralische Entwicklung von Menschen unter Einbeziehung kritischer Faktoren, die über rein kognitive Prozesse hinausgehen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Arbeit befasst sich mit der Moraltheorie nach Kohlberg, dem Einfluss von Familie und Schule sowie den Auswirkungen sozioökonomischer Bedingungen auf die moralische Urteilsfähigkeit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Kohlbergs Theorie der Moralentwicklung zu kurz greift, wenn sie den kulturellen und sozialen Kontext (Sozialisation) des Subjekts nicht ausreichend berücksichtigt.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Analyse und Literaturkritik, die existierende Studien und empirische Daten zur Moralentwicklung unter einem soziologischen Blickwinkel neu bewertet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit analysiert?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Kohlbergschen Struktur, deren theoretische Kritik sowie die Untersuchung von Familie und Schule als wichtige Sozialisationsinstanzen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die wichtigsten Begriffe sind Moralentwicklung, Kohlberg-Stufenmodell, Sozialisation und sozioökonomische Einflussfaktoren.

Wie unterscheidet sich die Stufe 6 von den anderen Stufen bei Kohlberg?

Stufe 6 beschreibt den 'moral point of view', bei dem das Individuum moralische Normen nicht nur internalisiert, sondern durch allgemeine Prinzipien wie die Achtung vor der Menschenwürde begründet.

Warum kritisiert die Arbeit Kohlbergs Universalitätspostulat?

Die Kritik basiert darauf, dass sich höhere Moralstufen in empirischen Untersuchungen fast nur in westlichen Bildungsschichten zeigen, was gegen die Annahme universeller, kulturunabhängiger Strukturen spricht.

Welchen Stellenwert nimmt die Familie in der Moralentwicklung ein?

Die Familie fungiert als primärer Sozialisationsraum, wobei berufliche Autonomie und Werthaltungen der Eltern die Regelorientierung der Kinder maßgeblich beeinflussen.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Moralentwicklung und Sozialisation
Untertitel
Eine kritische Auseinandersetzung mit der Moralentwicklungstheorie Lawrence Kohlbergs
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Fachbereich kath. Theologie)
Veranstaltung
Ethisches Lernen
Note
1,7
Autor
Vera Jäger (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V160826
ISBN (eBook)
9783640738199
ISBN (Buch)
9783640738502
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Moralentwicklung Sozialisation Eine Auseinandersetzung Moralentwicklungstheorie Lawrence Kohlbergs
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Vera Jäger (Autor:in), 2010, Moralentwicklung und Sozialisation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160826
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  18  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum