Sie gilt wohl als eines der bedeutendsten Ereignisse des Frühmittelalters: die Schlacht auf dem Lechfeld im Jahr 955. Die Schlacht, in der König Otto I. die Ungarn besiegte und dadurch ihren Raubzügen nach Westeuropa ein Ende bereitete. Dieser Sieg hatte nicht nur fundamentale Auswirkungen auf das ungarische Volk, auch für Otto bedeutete er einen Wendepunkt seiner Herrschaft. Denn seit seinem Regierungsantritt 936 durch Aufstände, zuerst dem seines Bruders und danach seines Sohnes, mehrmals an den Rand einer Niederlage gebracht, ging Otto I. nun gestärkt und in seiner Position gefestigt aus dieser Auseinandersetzung. Der Erfolg auf dem Lechfeld hat nicht nur sein Ansehen in Europa sehr gesteigert, auch innenpolitisch festigte er damit seine Herrschaft endgültig.
Die vorliegende Arbeit gibt einen Überblick über die damaligen Ereignisse, wie sie uns in zeitgenössischen Quellen geschildert werden. Darüber hinaus soll das Problem der Kaiserakklamation im Werk Widukinds von Corvey erörtert werden
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Quellen- und Forschungslage
3. Die Schlacht auf dem Lechfeld 955
3.1 Die Schlacht im Spiegel zeitgenössischer Quellen
3.2 Die Kaiserakklamation bei Widukind
4. Fazit
5. Quellen- und Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die Darstellung der Lechfeldschlacht im Jahr 955 in zeitgenössischen historiographischen Quellen, mit einem besonderen Fokus auf dem Werk Widukinds von Corvey und der dort geschilderten Kaiserakklamation Ottos I.
- Vergleich zeitgenössischer Berichterstattung über die Lechfeldschlacht (Widukind, Adalbert, Thietmar).
- Kritische Würdigung der Quellenlage und der Zuverlässigkeit historischer Berichte.
- Untersuchung der religiösen Deutungsmuster des Sieges über die Ungarn.
- Analyse der umstrittenen Kaiserakklamation in der "Sachsengeschichte" Widukinds.
- Einordnung des Sieges in den Kontext der ottonischen Herrschaftssicherung.
Auszug aus dem Buch
Die Schlacht auf dem Lechfeld 955
Otto war, nachdem der Aufstand seines Sohnes Liudolf Mitte 954 beendet werden konnte und er zusammen mit seinem Bruder Heinrich erfolgreich dessen Autorität als Herzog von Bayern ein knappes Jahr später wiederhergestellt hatte, zurück nach Sachsen gezogen um dort persönlich die Kämpfe gegen die aufständischen Slawen zu leiten. Dort angekommen erhielt er von seinem Bruder die Botschaft, dass die Ungarn wie schon ein Jahr zuvor in Bayern eingefallen seien. Es blieb ihm also nichts anderes übrig als wieder nach Süden aufzubrechen, um sich den Ungarn entgegenzustellen.
Dieses Reitervolk, das in den vorangegangenen Jahrzehnten immer wieder in den Regionen Westeuropas eingedrungen war, schien den Zeitgenossen durch die ungewohnte Kampfweise sowie anderer Waffentechnik militärisch lange Zeit überlegen. Der Einfall des Jahres 955 schließlich wurde wahrscheinlich durch die unruhige politische Lage im Nachhall des Liudolfaufstandes provoziert. So weiß Widukind zu berichten, dass, nachdem König Otto gerade wieder in Sachsen eingetroffen war, ungarische Gesandte an den Hof kamen, wohl in der Absicht „sich nach dem Ausgang des Bürgerkrieges zu erkundigen“. Die Einschätzung der Lage wird positiv ausgefallen sein, denn kurze Zeit später überbrachte der Bote Herzog Heinrichs die bereits erwähnte Nachricht des Ungarneinfalls.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Bedeutung der Lechfeldschlacht für die Herrschaft Ottos I. und die Zielsetzung der Untersuchung.
2. Quellen- und Forschungslage: Bewertung der Zuverlässigkeit und des historiographischen Wertes der Werke von Widukind, Adalbert und Thietmar.
3. Die Schlacht auf dem Lechfeld 955: Detaillierte Betrachtung des Kriegsverlaufs, der Truppenbewegungen und der religiösen Deutung des Sieges.
3.1 Die Schlacht im Spiegel zeitgenössischer Quellen: Analyse der unterschiedlichen Berichte über den Kampf und die Motivationen der beteiligten Akteure.
3.2 Die Kaiserakklamation bei Widukind: Untersuchung der spezifischen Darstellung der Kaiserakklamation und der Absichten Widukinds bei dieser Schilderung.
4. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Quellen und Einordnung des Sieges als Abwehrschlacht gegen die Heiden.
5. Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Lechfeldschlacht, Otto I., Widukind von Corvey, Ungarn, Sachsen, Kaiserakklamation, Frühmittelalter, Geschichtsschreibung, Imperator, Quellenkritik, Adalbert von Magdeburg, Thietmar von Merseburg, Ottonen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der historischen Aufarbeitung der Lechfeldschlacht des Jahres 955 durch zeitgenössische Chronisten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Ereignisse rund um den Sieg gegen die Ungarn sowie die methodischen Herausforderungen bei der Analyse frühmittelalterlicher Geschichtsschreibung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, einen Überblick über die Quellen zur Lechfeldschlacht zu geben und das umstrittene Thema der Kaiserakklamation im Werk Widukinds von Corvey kritisch zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die historisch-kritische Analyse und den Quellenvergleich, um die Zuverlässigkeit und Intentionen der Autoren Widukind, Adalbert und Thietmar zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich dem Verlauf der Schlacht, der kritischen Prüfung der Quellenberichte und der besonderen Bedeutung der Kaiserakklamation bei Widukind.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Lechfeldschlacht, Widukind, Quellenkritik, ottonische Herrschaft und Kaiserakklamation.
Wie bewertet die Arbeit die Glaubwürdigkeit Widukinds von Corvey?
Die Arbeit weist darauf hin, dass Widukind zwar die wichtigste Quelle darstellt, aber aufgrund erzählerischer Freiheiten und spezifischer politischer Absichten stets kritisch hinterfragt werden muss.
Was ist die zentrale These zur Kaiserakklamation?
Die Arbeit erörtert, ob die Ausrufung Ottos zum Kaiser ein Beleg für eine bewusste Geschichtsverfälschung Widukinds ist oder eher den Ausdruck einer spezifischen zeitgenössischen Ideenwelt darstellt.
- Arbeit zitieren
- Oliver B. (Autor:in), 2010, Die Schilderung der Lechfeldschlacht bei Widukind, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160829