Die Digitalisierung ist zweifellos einer der bedeutendsten Veränderungsprozesse unserer Zeit. Sie hat die Art, wie Menschen kommunizieren und Informationen teilen, grundlegend verändert und wirkt sich dabei auch auf gesellschaftliche Strukturen, politische Systeme und persönliche Lebensbereiche aus. Zentrale Werte wie Freiheit und Autonomie, die über Jahrhunderte hinweg immer wieder philosophisch und politisch diskutiert wurden, sehen sich heute durch neue Technologien wie künstliche Intelligenz, Algorithmen und soziale Netzwerke vor ganz neuen Herausforderungen gestellt.
Diese Seminararbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie digitale Technologien unsere bisherigen Vorstellungen von Freiheit und Autonomie verändern. Im Fokus stehen dabei die Auswirkungen der Digitalisierung auf gesellschaftliche Strukturen, die Bedeutung von ethischen und rechtlichen Rahmenbedingungen sowie Ansätze, die eine Balance zwischen technologischen Fortschritten und den Bedürfnissen des Einzelnen schaffen können. Ziel ist es, sowohl die Chancen als auch die Risiken dieser Entwicklungen aufzuzeigen und damit einen Beitrag zur Diskussion über die Gestaltung einer digitalen Gesellschaft zu leisten, die zentrale Werte wie Freiheit und Autonomie auch in Zukunft bewahren kann.
2. Digitale Technologien und ihre Definition
2.1. Begriffserklärung ‚digitale Technologien‘
2.1.1. Beispiele für digitale Technologien
2.2. Einfluss von digitalen Technologien auf die Gesellschaft
2.2.1. Veränderung in der Kommunikation
2.2.2. Auswirkungen auf das tägliche Leben
3 Vorstellungen von Freiheit und Autonomie
3.1. Definition von Freiheit und Autonomie
3.1.1. Philosophische Perspektiven & Soziale und kulturelle Dimensionen
3.2. Traditionelle Vorstellungen von Freiheit und Autonomie
3.2.1. Historische Entwicklung
3.2.2. Einfluss von politischen Systemen
4. Veränderungen der Vorstellungen durch digitale Technologien
4.1. Zugang zu Informationen
4.1.1. Demokratisierung von Wissen
4.1.2. Informationsüberflutung und ihre Folgen
4.2. Soziale Netzwerke und ihre Auswirkungen
4.2.1. Vernetzung und Gemeinschaftsbildung
4.2.2. Verlust von Privatsphäre und Einfluss auf das persönliche Leben
4.3. Überwachung und Kontrolle
4.3.1. Staatliche Überwachung
5. Zukünftige Perspektiven
6. Literaturverzeichnis
1. Einleitung
Die Digitalisierung ist zweifellos einer der bedeutendsten Veränderungsprozesse unserer Zeit. Sie hat die Art, wie Menschen kommunizieren und Informationen teilen, grundlegend verändert und wirkt sich dabei auch auf gesellschaftliche Strukturen, politische Systeme und persönliche Lebensbereiche aus. Zentrale Werte wie Freiheit und Autonomie, die über Jahrhunderte hinweg immer wieder philosophisch und politisch diskutiert wurden, sehen sich heute durch neue Technologien wie künstliche Intelligenz, Algorithmen und soziale Netzwerke vor ganz neuen Herausforderungen gestellt.
Diese Seminararbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie digitale Technologien unsere bisherigen Vorstellungen von Freiheit und Autonomie verändern. Im Fokus stehen dabei die Auswirkungen der Digitalisierung auf gesellschaftliche Strukturen, die Bedeutung von ethischen und rechtlichen Rahmenbedingungen sowie Ansätze, die eine Balance zwischen technologischen Fortschritten und den Bedürfnissen des Einzelnen schaffen können. Ziel ist es, sowohl die Chancen als auch die Risiken dieser Entwicklungen aufzuzeigen und damit einen Beitrag zur Diskussion über die Gestaltung einer digitalen Gesellschaft zu leisten, die zentrale Werte wie Freiheit und Autonomie auch in Zukunft bewahren kann.
2. Digitale Technologien und ihre Definition
2.1. Begriffserklärung ‚digitale Technologien‘
Digitale Technologien bezeichnet die Nutzung von Computern und vernetzten Systemen zur Verarbeitung, Speicherung und Übertragung von Informationen (Thiel 2020: 69). Im Gegensatz zu analogen Technologien werden hier Information in Form von numerischen Codes (0 und 1) dargestellt, was eine flexible und vielfältige Bearbeitung erlaubt (Donges 2022: 212f). Digitale Technologien umfassen sowohl die technischen Geräte und Infrastrukturen als auch die darauf aufbauenden Anwendungen und Dienste.
Wichtige Aspekte der digitalen Technologien umfassen:
• Automatisierung: Durch digitale Technologien wird die Automatisierung vieler Prozesse möglich, was die Effizienz steigern kann, aber auch neue Herausforderungen mit sich bringt.
• Konnektivität: Menschen und Geräten werden über Netzwerke verbunden, was die Kommunikation und den Austausch von Informationen erleichtert (Donges 2022: 217).
• Datengetriebenheit: Viele digitale Technologien basieren auf der Verarbeitung großer Datenmengen, was neue Möglichkeiten für Analysen und Prognosen bietet (Donges 2022: 213).
• Algorithmische Vermittlung: Algorithmen steuern die Auswahl und Darstellung von Informationen und beeinflussen somit die Meinungsbildung und den Zugang zu Wissen (Pöchhacker et al. 2012: 418) (Donges 2022: 209).
2.1.1. Beispiele für digitale Technologien
Da die Vielfalt digitaler Technologien enorm ist, werden nur einige der wichtigsten Beispiele aufgezählt:


2.2. Einfluss von digitalen Technologien auf die Gesellschaft
Die Digitalisierung bewirkte tiefgreifende Veränderungen in der Kommunikation und der Gesellschaft. Digitale Technologien haben nicht nur die Art und Weise verändert, wie wir kommunizieren, sie beeinflussten auch die Strukturen der Meinungsbildung und des sozialen Austausches grundlegend (Donges 2022: 209).
Im Gegensatz zu traditionellen Medien ermöglichen soziale Medien einen direkten, nicht-linearen und interaktiven Austausch zwischen NutzerInnen (Pöchhacker et al. 2012: 417). Diese neuen Formen der Interaktion haben erhebliche Auswirkungen auf die Meinungsbildung und den sozialen Zusammenhalt. Die Rezeptionsgewohnheiten der BürgerInnen wandeln sich, da Informationen immer öfter über das Internet bezogen werden. Dadurch passiert eine Verschiebung des sozialen Aspektes der Organisation des gesellschaftlichen Lebens in digitale Medien (Donges 2022: 219). Digitale Technologien ermöglichen neue Formen der Konnektivität, durch die Verbindungen zwischen Menschen aufgrund von Algorithmen hergestellt werden. Welche zu einer höheren Auflösung von Daten und einer präziseren Ansprache von Zielgruppen führt, aber auch zu Unübersichtlichkeit, da nicht mehr wirklich klar ist „Welche Gruppen, warum, durch wen, mit welchen Argumenten angesprochen werden […]“ (Donges 2022: 218).
2.2.1. Veränderung in der Kommunikation
Die Kommunikation hat sich zunehmend in digitale Räume verschoben, wodurch sowohl die Alltagskommunikation und auch Öffentliche Diskussionen online stattfinden, was eine ständige Erreichbarkeit ermöglicht. Dies veränderte die traditionellen Medienlandschaften und neue Akteure sowie Plattformen in den Vordergrund gerückt. Im Gegensatz zu traditionellen Medien ermöglichen digitale Technologien einen direkten, nicht-linearen und interaktiven Austausch zwischen NutzerInnen. Digitale Plattformen können für den direkten Austausch von Meinungen und Erfahrungen, wodurch neue Gemeinschaften und Netzwerke entstehen. Diese neuen Interaktionsformen beeinflussen die Meinungsbildung und den sozialen Zusammenhalt (Donges 2022: 209). Vor allem Einzelpersonen und marginalisierte Gruppen können ihre Perspektiven öffentlich Teilen und eine größere Reichweite erzielen. Auch Hashtag und andere digitale Symbole können die Bildung neuer Öffentlichkeiten ermöglichen (Koster 2020: 443).
Dies führte zu neuen Formen der Vermittlung, insbesondere der algorithmischen Vermittlung, welche ihrer eigenen Logiken folgt, die wiederum auf der Analyse von Nutzerdaten basieren. Algorithmen vermitteln neue Formen der Konnektivität auf digitalen Plattformen. Diese Konnektivität kann sowohl stärkeres kollektives Handeln unterstützen, aber auch zur Fragmentierung der Öffentlichkeit führen. Da die Popularität von Meinungen und Inhalten wird oft durch quantifizierte Metriken gemessen wird, wird die Wahrnehmung von Relevanz und die Meinungsbildung der RezipientInnen beeinflusst (Donges 2022: 220).
Die Inhalte, die NutzerInnen online sehen werden von Algorithmen kuriert und personalisiert. Diese individuelle Sichtweise führt zu einer radikalen Personalisierung, die den Zugang zu Informationen strukturiert und reguliert (Filipović 2013: 199). Durch diese Personalisierung an Informationen werden die NutzerInnen aber nicht mehr zwangsläufig mit dem gesamten Spektrum an Meinungen und Informationen konfrontiert. Dies kann zur Bildung von Filterblasen und Echokammern führen, in denen sich schnell Meinungen verfestigen. Diese Filterblasen können dazu führen, dass Menschen nur noch Informationen erhalten, die ihren bestehenden Ansichten entsprechen, was die Freiheit der Meinungsbildung beeinträchtigt und die Autonomie in der Informationsbeschaffung einschränkt. Diese Veränderung des Zugangs kann die Freiheit der öffentlichen Kommunikation beeinträchtigen, da die Personalisierung zu einer Begrenzung der Informationsvielfalt führt und somit die Autonomie des Einzelnen einschränkt.
2.2.2. Auswirkungen auf das tägliche Leben
Die Digitalisierung hat tiefgreifende Auswirkungen auf das tägliche Leben, indem sie die Art und Weise verändert, wie wir kommunizieren, uns informieren und unsere sozialen Beziehungen gestalten (Donges 2022: 209) (König 2019: 444). Wie auch schon zuvor erwähnt, hat sich einiges in unseren Kommunikationsstrukturen verändert, was sich auf das tägliche Leben auswirkt.
Es hat sich aber auch einiges in unseren Sozialen Beziehungen und Interaktionen verändert. Digitale Plattformen ermöglichen die Bildung von Communities und Netzwerken, welche auf gemeinsamen Interessen und Zielen basieren. Dies kann es einfacher machen neue Freundschaften zu finden. Die Interaktion in sozialen Medien ist oft mit der Suche nach Sozialer Anerkennung verbunden (Donges 2022: 222) (König 2019: 444). Für die eigene Online-Reputation werden Likes, Follower und Kommentare zu einer wichtigen Metrik. Die ständige Vernetzung und Preisgabe persönlicher Daten können zu einem Verlust der Privatsphäre führen, und Überwachung durch Unternehmen und staatliche Akteure fördern (König 2019: 444).
Es veränderte sich auch die persönliche Lebensführung. Digitale Technologien Versprechen einer Vereinfachung des Alltags durch automatisierte Prozesse, personalisierte Dienste und den Zugang zu Informationen per Knopfdruck (König 2019: 445ff). Durch diese Bequemlichkeit und personalisierten Angeboten wird die eigene Entscheidungsfreiheit oft zugunsten der Bequemlichkeit eingeschränkt. Die Personalisierung von Inhalten kann auch dazu führen, dass NutzerInnen ihre Entscheidungen den Maschinen überlassen und sich von ihnen bevormunden lassen (König 2019: 452). Algorithmen werden aber auch genutzt, um die Entscheidungen der NutzerInnen durch personalisierte Empfehlungen zu beeinflussen, und sie in bestimmte gewünschte Richtungen zu lenken. Was zu einer Abhängigkeit von algorithmischen Systemen und einem Verlust an Autonomie führen. (König 2019: 444ff). Diese Algorithmen sind auch oft darauf ausgerichtet, NutzerInnen durch psychologische Tricks an sich zu binden, was zu exzessivem Konsum aber auch zur Vernachlässigung anderer Lebensbereiche führen kann (König 2019: 446).
Kommunikation: Sie ermöglichen eine schnelle und globale Kommunikation über soziale Medien, E-Mail und Messenger-Dienste (Donges 2022: 217).
Information: Sie erleichtern den Zugang zu einer riesigen Menge an Informationen über das Internet (König 2019: 444).
Arbeit: Sie verändern die Arbeitswelt durch Automatisierung, Remote-Arbeit und neue Arbeitsmodelle (König 2019: 444).
Freizeit: Sie bieten neue Möglichkeiten der Unterhaltung, wie z. B. Streaming-Dienste und Online-Spiele (König 2019: 444ff).
Politik: Sie verändern die politische Kommunikation und Partizipation durch soziale Medien und Online-Plattformen (Djeffal 2019: 255).
Soziale Beziehungen: Sie ermöglichen neue Formen der Interaktion und des sozialen Austauschs, aber bergen auch Risiken für Isolation und Filterblasen (König 2019: 448).
Es gilt auch zu bedenken, dass die Digitalisierung sowohl zu einer Demokratisierung des Wissens als auch zur Verstärkung sozialer Ungleichheiten führen kann, da nicht alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen Zugang zu digitalen Technologien haben (Donges 2022: 211ff).
- Quote paper
- Chiara Schuster (Author), 2025, Wie verändern digitale Technologien unsere Vorstellungen von Freiheit und Autonomie?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1608520