Der Vater-Sohn Konflikt in Hoffmannsthals "Knabengeschichte"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

18 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entstehung

3. Die Figuren
3.1 Euseb
3.2 Der Vater
3.3 Die Mutter

4. Der Vater-Sohn Konflikt

5. Doppeldeutigkeit der Vaterfigur

6. Darstellung der Natur und ihre Bedeutung

7. Schluß

8. Bibliographie

1. Einleitung

Knabengeschichte ist eine kurze Erzählung, in der Hoffmannsthal ein bestimmtes Moment im Leben eines jungen Menschen festhält. Dieser wichtige Zeitpunkt markiert eine Wende in seinem Leben, der Schritt vom Kind zum Erwachsenen. Es ist der Moment der Suche nach eigener Identität, und implizit nach den eigenen Wurzeln. Um Erwachsen zu werden, braucht der Jugendliche die Figur des Vaters, den er nie gekannt hat. Hoffmannsthal analysiert das Leben seiner Figur nicht, sondern er reduziert sich zum Beobachter und gibt detailliert seine Beobachtungen wieder. Auf diese Weise fühlt man sich sehr nah am Geschen, so nah, dass man die innere Unruhe der Figur miterlebt und sein Schicksaal sehr nah verfolgt. Diese Metaphorische Suche nach dem Vater und nach den eigenen Wurzeln steht im Mittelpunkt der Erzählung. Der Erzähler lässt dem Leser die Freiheit der Analyse. Diese Arbeit wird sich mit dem Konflikt Vater-Sohn beschäftigen, und auch mit der Umwandlung des Jungens und die Entdeckung der Erwachsen Welt.

2. Entstehung

Die ersten Notizen zu dieser Erzählung datieren auf den 11. September 1906. Danach folgen mehrere und längere Unterbrechungen und erst 1912 - 1913 entstehen neue Notizen zu diesem Thema.

Das Thema ist nicht eine Premiere in Hoffmannsthals Werk; im Gegenteil, es scheint ein wichtiges Thema zu sein, das den Autor viel beschäftigt hat. Es wurde schon in „Age of Innocence“ und im „Andreas“-Roman behandelt.

Der Titel "Knabengeschichte" weißt deshalb auf zwei andere Erzählungen hin: "Reitergeschichte", und "Soldatengeschichte" und lässt den Leser vermuten, dass Hoffmannsthal die Absicht hatte, einen Zyklus von "Geschichten" zu schreiben, der aber nicht realisiert wurde.

Es bleibt aber unbekannt, wo die Erzählung zuerst veröffentlicht wurde.

3. Die Figuren

Der Text stellt mehrere Figuren dar, die meistens nur als Hinweis oder Analogie zu einem ähnlichen Schicksal dienen, und keine wichtige Rolle in der Entwicklung der Erzählung spielen. Die einzige dargestellte Figur ist Euseb und implizit sein Vater und vielleicht noch seine Mutter, deren Bild im Bild anderer weiblicher Figuren widergespiegelt wird.

3.1 Euseb

Die Hauptfigur ist ein pubertierender Junge auf der Suche nach sich selber. Sein biblische Name, Euseb, weist auf eine symbolische Analogie zu Jesus hin; auf griechisch bedeutet es “der Fromme” und war auch der Name eines Heiligen. Diese christliche Symbolik ist nicht bedeutungslos, sondern sie liefert wichtige Hinweise über die Struktur der Figur.

Das erste was man über Euseb in dem Text erfährt ist seine Grausamkeit gegen Sperber, gleich am Anfang des Textes, und danach gegen Tiere generell:

Euseb, der älteste von denen, die es getan hatten, stand in der Dämmerung und starrte auf den Vogel, aus dessen leuchtenden Augen die Raserei hervorschoss, indess er sich an der eidernen Nägeln, die seine Flügel durchdrangen, zu Tode zuckte.[1]

Diese erste Szene verrät noch etwas anderes über die Figur, nämlich seine innere Unruhe, suggeriert durch die Metapher der Dämmerung, und seine Faszination gegenüber der Agonie der Sperber vor dem Tod, die er fast wie eine sexuelle Erfahrung, wie eine Initiation erlebt. Das wird auch durch die Assoziation mit der nächsten Szene betont, in der er die Junge Frau beim Ausziehen beobachtet. Wollust wird in dieser Hinsicht mit Grausamkeit verbunden.

Durch die Aggressivität den Tieren gegenüber wird auf einer symbolischen Ebene die Suche nach dem Vater suggeriert. Sein Frust, die Einsamkeit und das Gefühl verlassen zu sein, versucht er durch Aggressivität zu verdrängen. Der Sperber soll symbolisch der Vater sein, der für seine Fehler zahlen muss. Der Vater wird also verurteilt und muss in diesem Moment für seine Sünden büßen.

Das Alter spielt auch eine große Rolle, denn es ist die Grenze zwischen Kindheit und Erwachsensein:

Am Ende der Adoleszenz tritt der heranwachsende Sohn in ein neues Stadium ein. Nun wird die Bestätigung des Vaters, daß der Sohn zum Mann geworden ist, zum dringenden Gebot. Er wird dem ungeduldigen Pochen des Jugendlichen auf Privilegien und Rechte Erwachsener sozusagen seinen Segen erteilen.[2]

Das ist genau, was der junge Euseb sucht: Bestätigung, um in die Erwachsenenwelt einzutreten. Aus diesem Grund beginnt er die dringende Suche nach dem Vater. Es ist die Zeit der Veränderung und der Junge spürt es nicht nur Körperlich sondern auch psychisch.

Das wird auch in dem Text angedeutet:

Der Knabe Euseb hielt sich kaum auf den Beinen und das Grausen fasste ihn im Genick, dass er nicht den Augenapfel zu drehen wagte. Dennoch ergriff er nochmals dem Hammer um seinen Vater zu finden.[3]

Sein Status in der Gesellschaft wurde durch die Abwesenheit des Vaters stigmatisiert. Er ist ein uneheliches Kind, das seinen Vater nie kennen gelernt hat (“er ist ein uneheliches Kind und kennt seinen Vater nicht”)[4], und deswegen fühlt er sich von ihm verstoßen. Aus diesem Grund wird er auch in der Gesellschaft der damaligen Zeit an den Rand geschoben. Er hasst nicht nur seine gesellschaftliche Situation und die Abwesenheit des Vaters, er hasst den Vater selbst.

Auch hier könnte man die Analogien zu Jesus Christus ziehen. Er ist Vaterlos, genau sowie Jesus. Die Ermordung des Sperbers ist auch eine symbolische Selbstkreuzigung des Knaben, könnte aber auch als Kreuzigung des Vaters interpretiert werden. Und in diesem Fall findet ein Rollenwechsel statt. Der Junge wird zum Allmächtigen und kann über seinem Vater entscheiden. Für einige Momente hat er die Kontrolle, der Vater soll seinen ganzen Schmerz, sein ganzes Leiden symbolisch spüren. In der Wirklichkeit könnte er das mit seinem Vater nicht tun, aber er benutzt den Sperber als Ersatz für die Vaterfigur, damit er sich an ihm rächen kann.

Auf einer anderen Ebene - mit dem Sperber - findet eine Selbstkreuzigung statt; er fühlt sich schuldig, dass sein Vater ihn verlassen hat. Aus christlicher Hinsicht, als uneheliches Kind, ist er das Resultat einer Sünde, deswegen fühlt er sich auch unwürdig und wertlos. Aus diesem Grund will er sich selbst durch die Kreuzigung des Sperbers bestrafen.

[...]


[1] Hoffmannsthal, Hugo von:179.

[2] Bloß, Peter:23-24.

[3] Hoffmannsthal, Hugo von:179.

[4] Hoffmannsthal, Hugo von:183.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Der Vater-Sohn Konflikt in Hoffmannsthals "Knabengeschichte"
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (SDF)
Veranstaltung
Wiener Moderne
Autor
Jahr
2008
Seiten
18
Katalognummer
V160948
ISBN (eBook)
9783640740321
ISBN (Buch)
9783640740727
Dateigröße
766 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vater-, Sohn, Konflikt, Hoffmannsthals, Knabengeschichte
Arbeit zitieren
Alina Prade (Autor), 2008, Der Vater-Sohn Konflikt in Hoffmannsthals "Knabengeschichte", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160948

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