Der Schauerroman (frz. roman noir, engl. Gothic novel), eine unheimliche und oft als trivial charakterisierte literarische Erscheinung der Frühromantik, griff als eines seiner wichtigsten Motive den Vampir aus dem Volksglauben auf. Die Vampirromane erfuhren eine weite Verbreitung. Das Genre, welches sich durch seine gruseligen Schauplätze (alte Schlösser, Friedhöfe, verwahrloste Einzelbauten etc.) und unheimlichen Requisiten (Waffen, Kerzen, ausgestopfte Tiere etc.) auszeichnet und übersinnliche Phänomene thematisiert, ist seitdem durch eine beeindruckende Zahl an Neuinterpretationen in weitere "künstlerische" Unternehmen, wie Theater und Kino, bis in die Gegenwart bereichert worden bzw. verarmt dort, wo sich die Handlung auf die Schreckensszenen beschränkt.
Im Mittelpunkt der Beobachtung steht die Frage, was diese Figur des Vampirs für die Literatur so interessant macht.
Inhaltsverzeichnis
1 Zielsetzung
2 Definition, Etymologie und Geschichte des Vampirs
3 Die fiktive Vampirliteratur des neunzehnten Jahrhunderts
3.1 Die ersten Schauerromane
4 Psychoanalytische Interpretationsansätze
4.1 Das „Vampirprinzip“
4.2 Die Motive:
4.2.1 Religion, Blut
4.2.2 Unersättlichkeit
4.2.3 Unsterblichkeit
4.2.4 Sexualität
5 Ergebnisse hinsichtlich der Wirkung des Vampirs innerhalb der Literatur
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Figur des Vampirs in Literatur und Geschichte, um zu ergründen, warum diese Gestalt für die Literatur von so dauerhaftem Interesse ist. Dabei wird der Mythos von seinen volkskundlichen und historischen Wurzeln bis hin zur psychologischen und soziologischen Bedeutung im 19. Jahrhundert analysiert.
- Historische Entwicklung des Vampirglaubens und seine Verbreitung.
- Die Rolle des Vampirs im Schauerroman und bei Bram Stoker.
- Psychoanalytische Deutungsmuster: Das „Vampirprinzip“ und menschliche Ursehnsüchte.
- Thematische Schwerpunkte: Religion, Blutgier, Machtstreben, Unsterblichkeit und unterdrückte Sexualität.
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Religion, Blut
Der Name Dracula, wurde von Stoker bewusst übernommen, weil er eng mit Dämonismus verbunden ist. Der Name selber ist als Titel auf die historische Person Vlad III. übergangen, stand aber wegen der seine Träger nachgesagten brutalen Herrschaft bald nicht mehr für die ursprüngliche Bedeutung (,Drache’), sondern wurde als rumänische Bezeichnung für ,Teufel’ verstanden. Der Ausdruck dieses Charakterzuges in der Namengebung ist intendiert, weil der Autor seinem Monster während seines Aufenthaltes in London das französische Pseudonym de Ville gibt, welches wie das englische Wort für Teufel, ,devil’, klingt. Die Wahl Vlad III. ,als historisches Vorbild des Grafen Dracula ist wie gesagt nicht zufällig von Stoker getroffen worden. Schon vor dem an dem realen Adligen begangenen totalen Rufmord, welcher mit Stokers Roman seinen Höhepunkt erreichte, galt der Aristokrat als ein äußerst grausamer Herrscher. Wie sein literarischer Erbe hatte Vlad III. ein problematisches Verhältnis zur Kirche, und wurde zwischenzeitlich mittels päpstlicher Legitimation festgenommen.
Das die Religion ein wichtiger Gegenstand im Umgang mit Vampiren ist (sowohl in der Literatur als auch in der Geschichte), hat sie sich selbst zu verdanken. Sie erklärte den Vampir zum Verbündeten des Teufels und schürte die Ängste in der Bevölkerung, um für die eigenen Vorstellungen zu werben. Selbst der damals fortschrittliche Papst Benedikt XIV. konnte sich innerhalb der Kirche nicht durchsetzen den Aberglauben zu bekämpfen. Dieser Gegensatz wurde derart propagiert, dass das Kreuz sowie Weihwasser als wirksame Instrumente zur Bekämpfung von Vampiren galten. Die Herzpfählung geht auf einen vorchristlichen Glauben zurück. Trotzdem, so die Kirche, sollte der Pflock aus der Holzart sein, aus der auch Jesu Kreuz war.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Zielsetzung: Einführung in die literarische Erscheinung des Schauerromans und Darlegung der Fragestellung zur Faszination der Vampirfigur.
2 Definition, Etymologie und Geschichte des Vampirs: Betrachtung der historischen Wurzeln des Vampirmythos in verschiedenen Kulturen und medizinische Erklärungsversuche für den Glauben an Wiedergänger.
3 Die fiktive Vampirliteratur des neunzehnten Jahrhunderts: Historischer Abriss über die Entstehung der Vampirliteratur ausgehend von den Treffen in der Villa Diodati bis hin zur Zensur nach 1848.
4 Psychoanalytische Interpretationsansätze: Tiefenpsychologische Untersuchung des Vampirs als Identifikationsfigur für menschliche Triebe und Sehnsüchte.
5 Ergebnisse hinsichtlich der Wirkung des Vampirs innerhalb der Literatur: Diskussion über die unterschiedlichen Rezeptionsweisen und die Wirkung des Vampirmythos auf den Leser.
6 Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Betrachtung der psychoanalytischen Bedeutung des Vampirs und kritische Würdigung der historischen Quellen zu Vlad III.
Schlüsselwörter
Vampir, Schauerroman, Dracula, Psychoanalyse, Aberglauben, Blut, Unsterblichkeit, Sexualität, Nekrophilie, Vlad III., Bram Stoker, Gothic Novel, Interpretation, Triebstruktur, Mythos.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die literarische und geschichtliche Figur des Vampirs und untersucht, warum diese Figur in der Literatur des 19. Jahrhunderts eine so bedeutende Rolle einnahm und welche psychologischen Hintergründe diese Faszination erklären.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die Verbindung zwischen volkskundlichem Aberglauben, historischen Dokumenten und der psychoanalytischen Deutung des Vampirs als Repräsentant menschlicher Ursehnsüchte.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Vampir nicht lediglich als triviales Monster zu betrachten, sondern als eine vielschichtige Identifikationsfigur zu entschlüsseln, die gesellschaftliche Tabus und psychische Zustände reflektiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor verwendet eine literaturwissenschaftliche und komparatistische Herangehensweise, ergänzt durch psychoanalytische Ansätze, insbesondere unter Bezugnahme auf Freud und Fromm.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung der Vampirliteratur, eine Analyse des „Vampirprinzips“ sowie eine detaillierte Untersuchung der Motive Religion, Unersättlichkeit, Unsterblichkeit und Sexualität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Vampirismus, Gothic Novel, Dracula, psychoanalytische Deutung, Nekrophilie und die kulturelle Symbolik von Blut.
Inwieweit spielt die historische Person Vlad III. eine Rolle?
Vlad III. dient als historisches Vorbild für Stokers Romanfigur Dracula; der Autor hinterfragt jedoch die einseitige historische Verurteilung und beleuchtet die unterschiedliche Wahrnehmung in verschiedenen kulturellen Traditionen.
Wie wird das Motiv der Sexualität im Kontext des Vampirs interpretiert?
Der Autor interpretiert das Blutsaugen im viktorianischen Kontext als eine codierte Darstellung von unterdrückter Sexualität, wobei Körperteile wie Zähne und Lippen mit erotischer Symbolik belegt werden.
- Citation du texte
- Miklós Sirokay (Auteur), 2003, Der Vampir in Literatur und Geschichte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16096