Bei einem international tätigen Unternehmen des Anlagenbaus treten im Zuge des geführten Projektgeschäfts hohe Non-Conformance-Costs (NCC, dt. Nichtkonformitätskosten) auf. Das Unternehmen beziffert den durch NCC verursachten Verlust an Marge mit 16%. Als NCC werden alle Abweichungen zwischen Vor- und Nachkalkulation von Kundenprojekten bezeichnet. Gegenstand dieser vorliegenden Arbeit ist die Durchführung einer NCC-Analyse ausgewählter Investitionsprojekte zur Identifikation organisatorischer Schwächen im Projektmanagement- und Risikomanagementprozess des Unternehmens. Die NCC-Analyse basiert auf dem sogenannten Mixed-Methods-Ansatz, bei dem die qualitative mit der quantitativen Forschung verbunden wird. Die Abweichungsanalyse der NCC-Daten eines Projekts kann quantitativ besser abgebildet werden. Die vertiefende Ursachenanalyse, im Zuge der geführten Experteninterviews, ist in dieser vorliegenden Arbeit jedoch qualitativ orientiert. Ziel ist es, auf Basis der Analyseergebnisse spezifische Handlungsempfehlungen abzuleiten, um Risiken frühzeitiger zu erkennen und um die Non-Conformamce-Costs beherrschbarer zu machen.
This master’s thesis is a documentation, which focuses on the analysis of incurred non-conformance-costs (NCC) of an international plant construction company. In course of its project business the company quantifies the loss of margin with 16% due to costs of poor performance. Non-conformance-costs are the incremental costs incurred by a business when it fails to meet the generating requirements for its products. Consequently, the purpose of this thesis is to carry out a NCC-analysis of selected projects to investigate systematic weaknesses in the current project and risk management process. The analysis is based on the mixed methods research that includes the mixing of qualitative and quantitative data in a research study. The overall data collection consists of a quantitative investigation of specific project data and qualitative in-depths interviews with experts. Finally, the task was, to derive and declare improvement recommendations to the company to identify risks earlier and to make NCC more controllable.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Forschungsfrage
1.4 Vorgangsweise und Aufbau der Arbeit
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Projekt und Projektmanagement
2.1.1 Das Projekt
2.1.2 Zusammenhang zwischen Prozess- und Projektmanagement
2.1.3 Das projektorientierte Unternehmen
2.1.4 Projektmanagement
2.1.5 Gestaltung des Projektmanagementprozesses und seiner Teilprozesse
2.1.6 Projektmanagement-Methoden in der Projektplanung
2.1.7 Projektcontrolling
2.2 Risikomanagement in Projekten
2.2.1 Projektrisiko
2.2.2 Potentielle Risikofelder
2.2.3 Projekt-Risikomanagement
2.3 Qualitätsmanagement in Projekten
2.3.1 Aufgaben des Qualitätsmanagements in der Projektabwicklung
2.3.2 Non-Conformance-Costs
3 Praktischer Hintergrund
3.1 Vorstellung des Unternehmens
3.2 Aktueller Projektmanagementprozess der Firma X
3.3 Grundsätze des Risikomanagements der Firma X
3.3.1 Abgrenzung der Unternehmensrisiken- und Chancen
3.3.2 Rollen und Verantwortungen zum Management von Chancen und Risiken
3.3.3 Management von Chancen und Risiken
3.3.4 Regelkreis für das Management von Chancen und Risiken der Firma X
4 Methodik
4.1 Ausgestaltung des Analysekonzepts
4.2 Definition und Abgrenzung der zu analysierenden Projekte
4.3 Quantitative Analyse und Bewertung der R/C-Listen und NCC-Daten
4.4 Qualitative Analyse mittels Experteninterviews
5 Umsetzung
5.1 Ergebnisse der quantitativen Abweichungsanalyse
5.2 Ergebnisse der qualitativen Ursachenanalyse durch Experteninterviews
5.2.1 Auswahl der Experten und Kontaktaufnahme
5.2.2 Durchführung und Nachbearbeitung
5.2.3 Darstellung und Interpretation der Ergebnisse
6 Diskussion und Handlungsempfehlungen
7 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, die hohen Fehlleistungskosten (Non-Conformance-Costs, NCC) in einem internationalen Anlagenbauunternehmen durch eine Analyse organisatorischer Schwächen im Projekt- und Risikomanagement beherrschbarer zu machen und daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten.
- Analyse des bestehenden Projekt- und Risikomanagementprozesses
- Durchführung einer quantitativen und qualitativen NCC-Analyse ausgewählter Investitionsprojekte
- Identifikation von Prozessschwachstellen und Ursachen für Fehlleistungskosten
- Entwicklung eines Konzepts zur zentralen Risikomanagement-Applikation
- Optimierung der Lessons-Learned-Prozesse durch eine Wissensdatenbank
Auszug aus dem Buch
2.2.3 Projekt-Risikomanagement
Die Projektmanagement-Aufgabe Projektrisikomanagement beinhaltet die Identifikation und die Bewertung von Risiken, die Vermeidung respektive Vorsorge von Risiken durch die Planung sowie Durchführung von Maßnahmen und das Risikocontrolling. Abbildung 14 gibt einen Überblick über die Aufgaben des Projektrisikomanagements.
Ziel des Projekt-Risikomanagements ist die möglichst frühzeitige und vollständige Erfassung potentieller Risiken, die Eindämmung möglicher negativer Abweichungen der Projektziele und die Optimierung positiver Zielabweichungen beziehungsweise Chancen. Diese Ziele werden nicht in Form einzelner voneinander unabhängiger Tätigkeiten erbracht, sondern als Prozesskette in Form eines geschlossenen Regelkreises. Der Projekt-Risikomanagementprozess nach Wanner besteht aus fünf aufeinander folgenden Aktivitäten. Jeder Prozessschritt des Regelkreises generiert Informationen, welche die Basis für den darauffolgenden Schritt bilden. Als Ergebnis entspringt eine Datenbank mit sämtlichen relevanten Informationen über Art und Ausmaß der Risiken, sowie steuernder Mitigationsmaßnahmen zu Reduzierung der Risiken. Im Folgenden werden die einzelnen Schritte des Projekt-Risikomanagement Prozesses beschrieben und die daraus resultierenden Informationen im Einzelnen erläutert. (Romeike & Hager, 2013, S. 418)
Risikomanagement in Projekten muss frühzeitig beginnen und geplant werden. Ausgangsbasis für den Risikoplan ist die Risikopolitik in einem Unternehmen. Diese Planung bestimmt, wie Risikomanagement in der Projektplanung und -abwicklung ausgeführt wird. Des Weiteren wird festgelegt, welche Personen in diesen Prozess miteingebunden werden und auf welche Methoden zurückgegriffen wird. Die Betrachtung von Risiken und Chancen geht über die Projektplanung hinaus und berücksichtigt nicht vorhergesehene Ereignisse, welche wiederum zusätzliche Maßnahmen oder in der Vor- und Mitkalkulation mit sich bringen. (Wanner, 2007, S. 45)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Problematik der hohen Fehlleistungskosten (NCC) in einem Anlagenbauunternehmen dar und definiert das Ziel, durch eine Abweichungsanalyse Schwächen im Risikomanagementprozess zu identifizieren.
2 Theoretischer Hintergrund: Hier werden grundlegende Definitionen zu Projektmanagement, Risikomanagement und Qualitätsmanagement in einem projektorientierten Unternehmensumfeld erläutert.
3 Praktischer Hintergrund: Dieses Kapitel stellt das untersuchte Unternehmen „Firma X“ und dessen aktuellen Projektmanagement- sowie Risikomanagementprozess vor.
4 Methodik: Hier wird der Mixed-Methods-Ansatz der Arbeit beschrieben, inklusive der quantitativen Datenanalyse und der qualitativen Experteninterviews zur Untersuchung der NCC.
5 Umsetzung: In diesem Kapitel werden die Ergebnisse der quantitativen Abweichungsanalyse und der qualitativen Ursachenforschung präsentiert und interpretiert.
6 Diskussion und Handlungsempfehlungen: Hier werden basierend auf den Analyseergebnissen konkrete Verbesserungsvorschläge, insbesondere zur Einführung einer Risikomanagement-Applikation und einer Lessons-Learned-Datenbank, diskutiert.
7 Zusammenfassung: Dieses Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Masterarbeit sowie die entwickelten Lösungsansätze zusammen.
Schlüsselwörter
Projektmanagement, Risikomanagement, Non-Conformance-Costs, NCC, Fehlleistungskosten, Anlagenbau, Mixed-Methods, Experteninterview, Projektcontrolling, Prozessanalyse, Ursachenanalyse, Risikokultur, Maßnahmenplanung, Qualitätssicherung, Lessons Learned.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie ein international tätiges Anlagenbauunternehmen seine Fehlleistungskosten (Non-Conformance-Costs, NCC) durch eine Verbesserung des projektbezogenen Risikomanagements reduzieren kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verknüpft die Bereiche Projektmanagement, Risikomanagement und Qualitätsmanagement in einem projektorientierten Umfeld, um Ursachen für Kostenabweichungen zu identifizieren.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, durch eine fundierte Analyse Schwächen im bestehenden Risikomanagementprozess aufzudecken und daraus spezifische, praxistaugliche Handlungsempfehlungen abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird ein Mixed-Methods-Ansatz verfolgt, der eine quantitative Abweichungsanalyse von Projektdaten mit qualitativen Experteninterviews kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Fundus und einen praktischen Anwendungsteil, der Daten aus drei Investitionsprojekten eines Anlagenbauunternehmens untersucht.
Welche Schlagworte charakterisieren das Dokument?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Non-Conformance-Costs (NCC), Risikomanagement, Projektcontrolling, Prozessoptimierung und Lessons-Learned-Management.
Warum treten im Anlagenbau so viele NCC auf?
Aufgrund der hohen Komplexität, der kundenindividuellen Einzelfertigung und der langen Projektlaufzeiten ist die initiale Risikoabschätzung oft lückenhaft, was zu ungeplanten Mehrkosten im Projektverlauf führt.
Welche Rolle spielt die Trennung von Angebots- und Abwicklungsphase?
Die Analyse zeigt, dass eine personelle und zeitliche Trennung zwischen Angebotserstellung und Projektabwicklung oft zu einem Wissensbruch führt, wodurch Risiken aus der Angebotsphase nicht optimal an das Abwicklungsteam übergeben werden.
Welchen Nutzen bringt die empfohlene Risikomanagement-Applikation?
Sie soll die dezentrale, fehleranfällige Excel-Dokumentation ersetzen, eine durchgängige Datenbasis schaffen und somit eine "End-to-End"-Risikobetrachtung sowie automatisierte Auswertungen ermöglichen.
Was soll durch einen "Lessons Learned"-SharePoint erreicht werden?
Die zentrale Datenbank soll das Erfahrungswissen der Organisation dauerhaft sichern, Fehler in Folgeprojekten verhindern und Synergien zwischen verschiedenen Geschäftsbereichen heben.
- Arbeit zitieren
- Patrick Solea (Autor:in), 2019, Verbesserung des projektbezogenen Risikomanagements eines Anlagenbauunternehmens auf Basis einer Non-Conformance-Costs Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1609798