Beim Versuch das „Böse“ zu umschreiben, merkt man schnell, dass dieses sich nicht so einfach fassen lässt. Beim Umschreibungsversuch bringt man immer wieder unterschiedlichste Begriffe in Verbindung mit „dem Bösen“: die Freiheit des Menschen und seine Veranlagung zur Sünde, aber ebenso die Liebe Gottes, die scheinbar in absolutem Widerspruch zum Leid in der Welt zu stehen scheint.
In dieser Arbeit möchte ich einen Überblick über das alt- und neutestamentliche Gottesbild schaffen, um das in diesem Zusammenhang stehende Verständnis von Zorn und Strafe Gottes, als Folge von Sünde und Verfehlungen des Menschen gegen Gott, vorzustellen.
Was Sünde ist, tritt erst in trinitarischer Perspektive mit seinem ganzen unheilvollen Gewicht hervor: Sie ist das dunkle „Gegen-Mysterium“ zur Helle des sich verschenkenden dreifaltigen Gottes. Während dieser Communio ist und den Menschen zur Communio einlädt, ist Sünde ihrem Wesen nach ein Sich-auf-sich-selbst-Zentrieren und Sich-selbst-Isolieren, also: Verweigerung von Communio mit Gott und den Mitgeschöpfen.
Menschliche Verfehlungen, auch gegen die Mitmenschen, sind immer zugleich Verfehlungen gegen Gott und eine Absage gegen den von ihm aus Liebe geschenkten Bund. Dieser Communio-Gedanke steht in engem Zusammenhang mit der Gottesvorstellung und dem Bundesgedanken im Alten Testament.
Werden im Neuen Testament seltener und weniger radikal Aussagen über einen strafenden Gott gemacht werden, darf man sich nicht verleiten lassen, generell über einen zornigen, rachsüchtigen, strafenden Gott des Alten Testaments zu sprechen und über einen Gott der Erlösung, Barmherzigkeit und Liebe im Neuen Testament.
Ebenso unmöglich, wie eine radikale Trennung und Abgrenzung des alttestamentlichen vom neutestamentlichen Gottesbild, ist es, in der Betrachtung der neutestamentlichen Verkündigung, die alttestamentliche Botschaft außen vor lassen.
Zwar zeichnet sich bei Jesus ein viel intensiveres und scheinbar neues, so nicht bekanntes Gottesverhältnis ab, jedoch ist das Alte Testament, die Tora, Grundlage seines, des jüdischen Glaubens, an welches er in seiner Verkündigung vom Reich Gottes, in seinem besonderen Sohnschaftsverhältnis zu Gott anknüpft.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundzüge des alttestamentlichen Gottesbildes
3. Neues Gottesbild im Neuen Testament?
4. Zorn und Strafe Gottes im Verständnis des biblischen Kontext
5. Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, einen umfassenden Überblick über das Gottesbild im Alten und Neuen Testament zu geben, um das Verständnis von Gottes Zorn und Strafe als Konsequenz menschlicher Sünde und Verfehlungen kritisch zu beleuchten und theologisch einzuordnen.
- Analyse des alttestamentlichen Monotheismus und des Bundesgedankens
- Gegenüberstellung des Gottesbildes im Alten und Neuen Testament
- Interpretation des „Zorns Gottes“ in Bezug auf den Bundesbruch
- Die christologische Perspektive von Versöhnung und Erlösung
- Die Überwindung der Vorstellung eines strafenden Gottes durch das Kreuzesgeschehen
Auszug aus dem Buch
4. Zorn und Strafe Gottes im Verständnis des biblischen Kontext
Alttestamentlich bedeutsam und über das bloss Formale hinausgehend ist zunächst die statische Beobachtung, dass beinahe ausschließlich der Gottesname Jahwe mit einem Zornterminus vereinigt ist, womit angedeutet ist, dass der Zorngedanke mit dem Bundesglauben verbunden ist.
Der Zorn Gottes ist der eines Wesens, das unter und mit den Menschen ein Ziel verfolgt. Der Zorn ist jedoch nicht Ausdruck des Wesen, sondern der Gerichtsaktion Jahwes, als engagiertes Handeln aus Liebe zu seinem Volk. „Die Zornformel ist typisch für Höhepunkte formelhafter Beschreibungen des Abfalls Israels von JHWH.“ Gott zürnt nicht, wie die antiken Götter, aus dem Bauch heraus, sondern wenn das Volk die zuvor von ihm gegebenen Gesetze übertritt, er reagiert somit auf den menschlichen Bundesbruch: "Israel hat gesündigt. Sie haben sich sogar gegen meinen Bund vergangen, den ich ihnen auferlegt habe."
Jahwe, der Herr, ist ein eifersüchtiger Gott. Er fordert vom Volk seine Alleinverehrung: „denen, die mich lieben und auf meine Gebote achten, erweise ich Tausenden meine Huld.“
Äußert sich Jahwes Zorn einerseits in Fremdherrschaft, Vertreibung, Krankheit, Kriegsniederlagen und Tod, stehen demgegenüber stets die Liebe und das Erbarmen gegenüber seinem Volk: "Mein Volk verharrt in der Treulosigkeit; sie rufen zu Baal, doch er hilft ihnen nicht auf. Wie könnte ich dich preisgeben, Efraim, wie dich aufgeben, Israel? Wie könnte ich dich preisgeben wie Adam, dich behandeln wie Zebojim? Mein Herz wendet sich gegen mich, mein Mitleid lodert auf. Ich will meinen glühenden Zorn nicht vollstrecken und Efraim nicht noch einmal vernichten. Denn ich bin Gott, nicht ein Mensch, der Heilige in deiner Mitte. Darum komme ich nicht in der Hitze des Zorns."
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des Begriffs „Böse“ ein und skizziert das Ziel, das Gottesbild des Alten und Neuen Testaments hinsichtlich Zorn und Strafe trinitarisch zu beleuchten.
2. Grundzüge des alttestamentlichen Gottesbildes: Dieses Kapitel erläutert die Identität Israels durch den Bundesschluss mit Jahwe und beschreibt Gott als welttranszendenten, personalen Schöpfer und Befreier.
3. Neues Gottesbild im Neuen Testament?: Es wird untersucht, wie Jesus die alttestamentliche Botschaft aufgreift, vervollkommnet und durch seine Person als Frohbotschaft der Versöhnung neu definiert.
4. Zorn und Strafe Gottes im Verständnis des biblischen Kontext: Dieses Kapitel analysiert den Zorn Gottes nicht als emotionale Willkür, sondern als Reaktion auf den Bundesbruch, stets eingebettet in Gottes rettendes Handeln.
5. Resümee: Das Resümee schließt mit der Erkenntnis, dass durch das Kreuzesgeschehen der Zorn Gottes besänftigt wurde und die christliche Nachfolge jede Deutung von Leid als göttliche Strafe ausschließt.
Schlüsselwörter
Jahwe, Altes Testament, Neues Testament, Gottesbild, Zorn Gottes, Strafe, Sünde, Bundesgedanke, Versöhnung, Erlösung, Christologie, Monotheismus, Theologie, Bundesschluss, Gnade
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Gottesbild im Alten und Neuen Testament mit einem speziellen Fokus auf die Thematik von Zorn und Strafe Gottes als Antwort auf menschliches Fehlverhalten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind der alttestamentliche Bundesgedanke, die monotheistische Gottesvorstellung, die Interpretation von Zornesäußerungen Gottes und die neutestamentliche Sicht auf Erlösung durch Jesus Christus.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein differenziertes Verständnis darüber zu erlangen, wie der Zorn Gottes theologisch mit dem Bund, der Liebe Gottes und der menschlichen Sünde in Beziehung steht.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Untersuchung verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theologischen Analyse biblischer Schriften unter Einbeziehung relevanter Fachliteratur, um die historische und dogmatische Entwicklung der Gottesvorstellungen nachzuvollziehen.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des alttestamentlichen Gottesbildes, die Einordnung des neutestamentlichen Gottesverständnisses bei Jesus sowie eine detaillierte Auslegung von Zorn und Strafe im biblischen Kontext.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere der Bundesglaube, die trinitarische Perspektive auf die Sünde sowie die Deutung von Jesu Tod als Ende eines strafenden Gottesbildes.
Wie unterscheidet sich die Auffassung von „Zorn“ im Alten und Neuen Testament laut dem Autor?
Während im Alten Testament der Zorn eng mit dem Bundesbruch verknüpft ist, bietet das Neue Testament durch das Ostergeheimnis und das Opfer Christi eine neue Perspektive, die den Gläubigen vor dem Zorn bewahrt.
Warum wird im Dokument betont, dass Naturkatastrophen nicht als reine Strafen zu deuten sind?
Der Autor argumentiert, dass in der Nachfolge Jesu widerfahrenes Leid nicht als göttliche Sanktion gedeutet werden darf, da Gottes Handeln in Kreuz und Auferstehung als endgültige Offenbarung der Liebe begriffen wird.
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- cand. Dipl. Theol. Nicole Kaiser (Author), 2009, Zorn und Strafe Gottes im Alten und Neuen Testament, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160980