Regionalismus versus Multilateralismus


Seminararbeit, 2010
15 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung – Handelspolitische Entscheidungen im Rahmen der Globalisierung

2.1 Das Konzept des Regionalismus
2.2 Das Konzept des Multilateralismus

3. Der Vergleich von Regionalismus und Multilateralismus anhand von Bewertungsindikatoren
3.1. Beispiele regionaler und multilateraler Strukturen und Denkweisen in der Realität
3.2 Mögliche Probleme bei der Verfolgung der Konzepte

5. Fazit

Abkürzungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Einleitung – Handelspolitische Entscheidungen im Rahmen der Globalisierung

In der heutigen Zeit werden die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Staaten immer stärker durch die Globalisierung und die mit ihr einhergehende Entstehung internationaler Organisationsformen beeinflusst. Internationale Zusammenschlüsse und Bündnisse wie beispielsweise die World Trade Organisation (WTO), die Europäische Union (EU) oder das Nordamerikanisches Freihandelsabkommen (North American Free Trade Agreement, NAFTA) stellen im Rahmen der Globalisierung solche Organisationsformen dar, unterscheiden sich allerdings deutlich in ihren Grundsätzen und Zielen voneinander.

Die einzelnen Volkswirtschaften respektive ihre politischen Vertreter sind deshalb vor die Entscheidung gestellt, in welchem Maße sie sich in ordnungsökonomischen Strukturen zusammenschließen und welche außenpolitischen Handelsabkommen sie unterzeichnen sollen. Vor allem Länder, die einen Beitritt in eine bereits bestehende Organisation anstreben, müssen sich mit der Frage nach der für sie richtigen Außenhandelsform auseinandersetzen und Vor- und Nachteile der jeweiligen Formen genau abwägen. Grenzen und Zugehörigkeiten eines Landes zu einer internationalen Handelsorganisation können sowohl die Wohlstandssituation des Landes selbst als auch Entscheidungen und Zielerreichungen anderer Länder und Organisationen und der dahinter stehenden Konzepte nachhaltig beeinflussen.[1]

Hieraus lässt sich die zentrale Fragestellung ableiten, welche organisations-ökonomischen Handelskonzepte unterschiedlich entwickelte Länder verfolgen sollten. Vor allem die richtige Wahl von Entwicklungsländern für bestimmte wohlfahrtssteigernde Konzepte muss vor dem Hintergrund der absoluten Armut in solchen Ländern Teil dieser Fragestellung sein.

In der vorliegenden Seminararbeit werden dazu zwei wesentliche Organisationsformen der Außenwirtschaft, das Konzept des Regionalismus und das des Multilateralismus, analysiert. Dabei erfolgt im zweiten Kapitel zunächst eine kurze, durch Beispiele gestützte Beschreibung der beiden Konzepte sowie eine Erläuterung ihrer Zielsetzungen. Im dritten Kapitel werden beide Strategien bzw. ihre Methoden anhand ausgewählter Indikatoren theoretisch betrachtet und beurteilt. Das vierte Kapitel setzt sich anschließend anhand von Fallbeispielen mit der Frage auseinander, von welchen Länderarten die untersuchten Strukturformen internationaler Handelsordnung in der Realität verfolgt werden. Darüber hinaus werden Probleme aufgezeigt, die bei der Verfolgung der betrachteten Organisationsformen des Außenhandels auftreten können. Abschließend erfolgt eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse, wobei Chancen bestimmter Außenhandelskonzepte für Entwicklungsländer diskutiert werden.

2.1 Das Konzept des Regionalismus

Regionalismus ist eine gegenseitige außenhandelpolitische Vorzugsbehandlung von Ländern einer Region. Regionale Abkommen existieren in verschiedenen Formen und Ausprägungen. So gibt es unter anderem Präferenzabkommen, Zollunionen, Freihandelszonen und andere Formen der regionalen Integration. Auf der monetären Seite können solche Kooperationen ein gemeinsames System des Zahlungsverkehrs bilden, die Kooperation kann somit zu einer Währungsunion führen. Mit solchen regionalen Kooperationen schaffen oder stärken Staaten eine Regelungsebene, mit der sie zusätzliche Handlungsinstrumente bzw. Handlungs-legitimitäten gegenüber bestimmten Handelspartnern erhalten. Für beide Seiten der Abkommenspartner ist eine solche Politik attraktiv, sie kann deshalb auch als eine regionale Kooperation auf Grundlage von Vorteilen, die sich durch die Kooperation einzelner Akteure ergeben, definiert werden.[2]

Die regionalen Handelspartner sichern sich bzw. den inländischen Unternehmern darüber hinaus durch eine regional, wettbewerbsorientierte Kooperation untereinander Absatzquoten und wollen neue Produktions- und Absatzmöglichkeiten im eigenen Land und in benachbarten Ländern erreichen. Die damit verbundene gezielte Öffnung des Marktes hin zu benachbarten Staaten wird hierbei durch eine Vielzahl verschiedener handelspolitischer Maßnahmen (z.B. die Gründung einer Zollunion) gewährleistet oder unterstützt.

Das Ziel des Regionalismus ist es, von einem solchen gezielten Handel zu profitieren: Die Erwartungen an die Formen des Regionalismus sind dabei unter anderem, dass der Konkurrenzdruck durch billiger produzierende Unternehmen des Auslandes eingeschränkt werden kann und die Volkswirtschaften durch niedrige Transaktionskosten des Handels (oft befinden sich die beteiligten Volkswirtschaften in unmittelbarer geographischer Nähe zueinander) profitieren. Daneben spielen auch komparative wie kompetitive Vorteile und Potentiale bzw. das Generieren positiver Skaleneffekte eine Rolle.[3]

Durch Regionalismus wird somit eine Zone gebildet, die dem Wettbewerbsdruck, der durch die Globalisierung entstanden ist, standhalten soll. Ein weiterer erwarteter Vorteil dieser Handelsstruktur ist es, durch effiziente Ressourcennutzung, Unternehmensspezialisierung und vermehrte Arbeitsteilung gemäß dem Modell des komparativen Vorteils höhere Gewinne, z.B. durch bilaterale Außenhandelstätigkeiten, zu erzielen. Der Regionalismus ist außerdem dadurch charakterisiert, dass es nur weniger Partner bedarf, um derartige außenwirtschaftliche Interessensausgleiche und die Koordination einer gemeinsamen Handelspolitik vorzunehmen.

Die Europäische Union (EU) ist ein Beispiel für eine Form des Regionalismus in der Praxis. Sie stellt eine Zollunion dar und ist darüber hinaus durch die regionale und kulturelle Gleichheit bzw. Ähnlichkeit der Mitgliedsstaaten charakterisiert. Die handelspolitischen Ausprägungen der EU basieren auf Verträgen wie dem Vertrag von Maastricht und der in diesem verifizierten gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik.[4] Außerdem sind die Forderungen nach freiem Warenverkehr innerhalb der EU, Dienstleistungsfreiheit und freiem Kapital- und Zahlungsverkehr in den Verträgen der EU verbindlich festgelegt. Im Falle der EU wird der Zahlungsmittelverkehr zusätzlich durch eine gemeinsame Währung bestärkt.

Exemplarisch für die unterschiedlichen Ausprägungen des Regionalismus kann der Organisationsform der EU das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) gegenübergestellt werden. Die NAFTA besteht zwischen USA, Kanada und Mexiko, die einzelnen Mitgliedsstaaten liegen also wie die der EU geographisch nah beieinander. Ziel der NAFTA war seitens Mexiko, einen Zugang auf den nordamerikanischen Markt zu erhalten, seitens der USA stand die politische und ökonomische Stabilität Mexikos im Vordergrund.[5]

Es bildete sich eine Freihandelszone, in der die Güter eines Landes zollfrei vom einen ins andere gebracht werden, was allerdings nur für die in den Ländern produzierten Güter gilt. Zollhöhen gegenüber anderen Staaten sind dagegen der individuellen Politik der einzelnen Mitglieder überlassen, so dass nach außen hin keine gemeinsame Handelspolitik besteht. Häufig verschwimmen solche Grenzen zwischen den unterschiedlichen Abstufungen regionaler Handelskonzepte in der Praxis, weshalb viele verschiedene Formen existieren.

2.2 Das Konzept des Multilateralismus

Unter dem Konzept des Multilateralismus wird in erster Linie die Liberalisierung des Welthandels verstanden. Der Multilateralismus basiert dabei im Wesentlichen auf der Annahme, dass Handel allen beteiligten Ländern von Nutzen ist und die Ausgrenzung bestimmter Volkswirtschaften diese schlechter stellt, da sie dann nur noch eingeschränkt vom Handel profitieren können. Diese These lässt sich anhand einfacher ökonomischer Modelle, wie z.B. anhand des Modells von Ricardo nachvollziehen und beweisen.[6]

Die dem Multilateralismus zugrunde liegende Philosophie kann am Besten anhand einer ordnungsökonomischen Ausprägung in der Realität nachvollzogen werden.

[...]


[1] Vgl. McCallum, J. (1995), S. 615 f.

[2] Vgl. Zürn (1992), S. 15.

[3] Vgl. Mashayekhi, M., et al. (2005), S. 5.

[4] Vgl. Vertrag über die Europäische Union (1992): Artikel 102 A ff.

[5] Vgl. Schirm, S. (o.J.), S. 40.

[6] Vgl. Krugman, P./ Obstfeld, M. (2009), S. 55 ff.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Regionalismus versus Multilateralismus
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltung
Außenhandel, globale Finanzmärkte und Entwicklung: Grundlagen
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V160982
ISBN (eBook)
9783640743223
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
VWL, Regionalismus, Multilateralismus, Außenhandel, Handelspolitik
Arbeit zitieren
B.Sc. Stefan Krusenbaum (Autor), 2010, Regionalismus versus Multilateralismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160982

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