Bildungsstandards und Kompetenzorientierung im Religionsunterricht


Seminararbeit, 2008

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Auseinandersetzung
2.1 Allgemeine Vor- und Nachteile von Bildungsstandards
2.2 Vor- und Nachteile eines kompetenzorientierten RU
2.3 Eigene Stellungnahme zur Kompetenzorientierung im RU

3 Didaktische Überlegungen und Intentionen einer Unterrichtsreihe zum Thema Judentum

4 Feinplanung der Auswahlstunde

5 Resümee

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Im Oktober 1997 hat die Kultusministerkonferenz beschlossen, das deutsche Schulsystem im Rahmen wissenschaftlicher Untersuchungen international vergleichen zu lassen (Konstanzer Beschluss). Ziel ist es, gesicherte Befunde über Stärken und Schwächen der Schülerinnen und Schüler in den zentralen Kompetenzbereichen zu erhalten. Durch die Ergebnisse von TIMSS, PISA und IGLU ist deutlich geworden, dass die in Deutschland vorrangige Inputsteuerung allein nicht zu den erwünschten Ergebnissen im Bildungssystem führt.“[1]

Die Einführung von Bildungsstandards soll hierbei ein (Fort-) Schritt in die richtige Richtung sein. Den Kultusministern zufolge kann sowohl die Durchlässigkeit des Bildungssystems als auch die Qualität schulischer Bildung durch Bildungsstandards gesichert werden. So wurden in den letzten fünf Jahren für Schulfächer wie Deutsch und Mathematik, aber auch für Physik oder Biologie bundesweit geltende Bildungsstandards beschlossen, welche sich unter anderem auf die Grundprinzipien des jeweiligen Unterrichtsfaches beziehen.

Diese Standards beschreiben die fachbezogenen Kompetenzen, welche Schülerinnen und Schüler bis zu einem gewissen Zeitpunkt ihres Bildungsweges erreicht haben sollen und zielen insbesondere auf systematisches und vernetztes Lernen ab.[2]

Es stellt sich mir als zukünftige Religionslehrerin nun beinahe automatisch die Frage, ob ein derartiges Kompetenzmodell auch für den Religionsunterricht von adäquatem Nutzen wäre. Im Folgenden wird dieses Modell deshalb auf seine Stärken und Schwächen hin analysiert und anschließend kritisch diskutiert. Nach dieser theoretischen Auseinandersetzung mit Bildungsstandards wird die Thematik praktisch ausgearbeitet, indem – anhand des Kompetenzmodells der EPA[3] – zunächst eine didaktische Planung zu einer Unterrichtsreihe für den evangelischen Religionsunterricht zum Thema Judentum angefertigt wird. Daraufhin soll eine der geplanten Unterrichtsstunden detailliert vorbereitet und ausführlich darlegt werden. Den Schluss der Seminararbeit stellt ein kurzes Resümee dar, in welchem eine Reflektion über etwaige Schwierigkeiten bei der Gesamtplanung ausgearbeitet werden soll.

2 Theoretische Auseinandersetzung

Will man sich den Themen Bildungsstandards und Kompetenzorientierung im Religionsunterricht nähern, muss man sich zunächst einmal kritisch mit den verschiedenen Deutungsansätzen hierzu auseinandersetzen. Keineswegs gibt es eine allgemeingültige Meinung, wie man den (Religions-) Unterricht sinnvoll standardisieren oder die zu erlernenden Kompetenzen in den Unterricht einbinden und letztendlich auch überprüfbar machen kann. Deswegen soll in diesem Teil der vorliegenden Arbeit an exemplarischen Texten gezeigt werden, was sich unter dem Begriff Bildungsstandards respektive Kompetenzorientierung verstehen lässt und inwiefern diese Schule und Unterricht im Allgemeinen und speziell im Bezug auf den Religionsunterricht beeinflussen.[4]

Aufgekommen sind diese Themen, da sich die deutsche Bildungspolitik nach den schlechten PISA-Ergebnissen dazu herausgefordert sieht, das Schulsystem grundlegend zu reformieren. Die allgemein anerkannten Zielsetzungen sehen dabei wie folgt aus:

- „Die Qualität schulischer Bildung soll verbessert werden.
- Es sollen nationale ‚Bildungsstandards’ entwickelt werden, um die Leistungsfähigkeit des Systems überprüfbar zu machen.
- Die Verbesserung der Lehrerbildung stellt sich als längerfristige Aufgabe.“[5]

Ob dies tatsächlich zu einer Verbesserung der Schulleistungen an deutschen Schulen führen wird und ob damit eine Gleichstellung für alle Schüler, das heißt auch für diese, die aus sozial schwächeren Verhältnissen stammen oder einen Migrationshintergrund haben, gewährleistet werden kann, muss an dieser Stelle offen bleiben. Deutlich wird allerdings, dass es einen Richtungswechsel gibt. Die Einflüsse des Staates gehen mit Einführung der Bildungsstandards auf seine Steuerungsfunktion zurück. Ihm obliegt es nur noch Rahmenbedingungen zu schaffen und Bildungsziele zu formulieren. Wie die Bildungsstandards umgesetzt werden, wird nicht reglementiert, dies wird den Schulen überlassen. Denn die „Bildungsstandards definieren normative Erwartungen, auf die hin die Schulen bilden und erziehen sollen.“[6] Allerdings lassen sich die Ergebnisse dieser Umsetzung dann leicht an den Lernergebnissen der Schüler, dem so genannten Output, ablesen.[7]

2.1 Allgemeine Vor- und Nachteile von Bildungsstandards

Bevor die Stärken und Schwächen eines kompetenzorientierten (Religions-)Unterrichts genauer analysiert werden, sei zunächst der Kompetenzbegriff an sich kurz erläutert. Unter dem Terminus wird – nach Klieme im Zusammenhang mit der Bildungsstandardthematik – unter anderem die Gegebenheit verstanden, wenn Schülerinnen und Schüler verfügbare Fähigkeiten anwenden und auf bereits existentes Wissen zurückgreifen können. Des Weiteren ist von Kompetenzen die Rede, wenn Zusammenhänge verstanden und „angemessene Handlungsentscheidungen getroffen“[8] werden. Zudem soll bei den entsprechenden Handlungen dann auf vorhandene Fertigkeiten zurückgegriffen und insgesamt Erfahrungen gesammelt werden. Letztlich wird bei Klieme von Kompetenzen gesprochen, wenn „aufgrund entsprechender handlungsbegleitender Kognitionen genügend Motivation zu angemessenem Handeln gegeben ist“[9].

In der Praxis werden Bildungsstandards über Kompetenzmodellen umgesetzt. „Bildungsstandards konkretisieren die Ziele in Form von Kompetenzanforderungen. Sie legen fest, über welche Kompetenzen ein Schüler, eine Schülerin verfügen muss […].“[10] Damit haben Lehrkräfte für ihren Unterricht einen Bezugspunkt, an dem sie sich orientieren müssen, aber auch können. Denn die Kompetenzorientierung kann auch als Chance betrachtet werden, die Schüler an dem Punkt „abholen“ zu können, an dem sie stehen. So besteht viel besser die Möglichkeit, den Unterricht auf die individuellen Bedürfnisse der Schüler zuzuschneiden, da es nun lediglich externe Anforderungen zum bereits erwähnten Output gibt. Die Bestimmung des Inputs liegt in der Autonomie des Lehrers.[11] Fraglich bleibt hier jedoch, ob das Plus an Gestaltungsfreiraum zwangsläufig zu mehr Verantwortungsübernahme und damit gleichsam auch zu verbesserter Schulqualität führen kann und wird.[12] Aber die Qualität einzelner Schulen wird so erstmalig prüf- und vergleichbar. Es ist unlängst bekannt, dass Lehrer ganz verschiedene Bewertungsmaßstäbe ansetzen. Über die Kompetenzmodelle ließe sich so sehr schnell prüfen, inwiefern die Schüler die tatsächlichen Lernziele erreicht haben. Das Beispiel England zeigt hier jedoch, dass dies nicht nur Vorteile mit sich bringt. Die so genannten Schulrankings führen dazu, dass sich die Schulen unter Druck gesetzt sehen, möglichst gut in den standardisierten Test abzuschneiden um weiterhin „konkurrenzfähig“ bleiben zu können. Das führt dazu, dass auch der Unterricht immer wieder darauf ausgelegt wird, nach Möglichkeit so zu unterrichten, dass die Testresultate positiv ausfallen (Teaching to the test).[13] Das wiederum legt die Vermutung nahe, dass hier nicht mehr nur die Qualität von Unterricht im Vordergrund steht.

Eine positive Seite der Bildungsstandards ist wiederum, dass die kompetenzorientierten Anforderungen über mehr als ein Schuljahr hinweg in Schulphasen eingeteilt werden und im Bildungsverlauf aufeinander aufbauen. Somit wird ein nachhaltiges Lernen gefördert, das es den Schülern erleichtern kann, den zu erlernenden Stoff langfristig zu speichern, weil somit Lernzusammenhänge hergestellt werden. Dies kann dazu beitragen, dass Unterrichtsinhalte nicht nur für die nächste Arbeit auswendig gelernt, sondern wirklich verstanden werden.[14]

2.2 Vor- und Nachteile eines kompetenzorientierten RU

Im Folgenden sollen zunächst einige Nachteile respektive Schwächen eines kompetenzorientierten Religions unterrichts erläutert werden, welche von Kritikern dieses Modells immer wieder angebracht werden. Schnell stell sich hier nämlich die Frage, ob es für Religion Standards geben sollte und kann, was religiöse Kompetenzen inhaltlich überhaupt sind und wie sich religiöse Kompetenzen überprüfen lassen sollen[15]. Auch wenn das Christentum in seiner Geschichte immer wieder standardisiert wurde[16], wurden diese Standards aber nie auf ihre Überprüfbarkeit im Unterricht hin untersucht oder festgelegt. Viel eher stand hier der eigene Glaube und die damit verbundene Urteilsfähigkeit im Vordergrund. „[…] Sowohl Bildung als auch Religion gründen auf einem ästhetischen Weltverhältnis, d.h. auf der Wahrnehmung und Deutung von Wirklichkeit. Von beiden Seiten her ergeben sich demzufolge dicke Fragezeichen, ob Bildungsstandards für religiöse Bildung möglich oder sinnvoll sind.“[17] Auch ist beispielsweise die Rede von einer trivialen „Reduktion der Religion auf Kompetenzen“[18], was nach allgemeiner Auffassung nicht den eigentlichen Sinn des Religionsunterrichts darstellen kann. Zudem wird das Kompetenzmodell zum Teil als überflüssiger Modernismus und bloße Projektion von Möglichkeiten abgetan. Weiterhin ist problematisch, wie bereits erwähnt, dass man sich noch überhaupt nicht einig darüber ist, welche Kompetenzen und Bildungsstandards im Fach Evangelische Religion eigentlich angebracht wären. Teilweise wird sogar davon ausgegangen, religiöse Kompetenzen entziehen sich „aufgrund ihrer Allgemeinheit der Standardisierung und der Kontrolle“[19]. Eine große Problematik stellt ferner die Tatsache dar, dass die Kompetenzorientierung ein enormes Maß an Freiheiten zulässt, was die inhaltliche Akzentuierung und Gestaltung des Unterrichts anbetrifft.[20] Denn dadurch ist es zwingend von Nöten, im Kollegium kooperativ zusammenzuarbeiten und wenn hierbei jedoch keine verbindlichen Absprachen zustande kommen, kann für die Schülerinnen und Schüler kein effektives Lernen stattfinden. Ebenso muss bei den Fachkonferenzen eine enorme Entwicklungsarbeit geleistet werden, um den Anforderungen des Kompetenzmodells gerecht werden zu können.[21] Zudem ist es auch nicht von der Hand zu weisen, dass auch die spezifische Vorbereitung und genaue Planung der Unterrichtsstunden für die einzelne Lehrkraft mehr Zeitaufwand bedeuten würde. Eine letzte Schwierigkeit stellt das Vorhandensein von Schwerpunkt- und Teilkompetenzen dar, zwischen welchen selektiert und differenziert werden muss, damit ein sinnvolles und einheitliches Ganzes entstehen kann.[22]

[...]


[1] Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.): Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz. Erläuterungen zur Konzeption und Entwicklung. München 2005, S. 5.

[2] Vgl. ebd., 6.

[3] Einheitliche Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung Evangelische Religion.

[4] Die Punkte 2 – bis einschließlich 2.2 wurden in Zusammenarbeit mit S. M. angefertigt.

[5] Elsenbast, Volker / Fischer, Dietlind / Schreiner, Peter: Zur Entwicklung von Bildungsstandards. Link: ci- muenster.de/pdfs/themen/Bildungsstandards-030204.pdf – Download Januar 2008, S. 4.

[6] Ebd., 8.

[7] Vgl. ebd., 4.

[8] Ebd., 12.

[9] Ebd.

[10] Ebd., 7.

[11] Vgl. Pirner, Manfred: Inwieweit lassen sich religiöse Bildungsprozesse standardisieren und evaluieren? In: Bizer, Chr., Degen, R. et al (Hrsg.): Was ist guter Religionsunterricht? Jahrbuch der Religionspädagogik Band 22. Neukirchen-Vluyn 2006, S. 93-109, hier: 94.

[12] Vgl. Elsenbast, Volker et al: Zur Entwicklung von Bildungsstandards, S.9.

[13] Vgl. ebd., 26.

[14] Vgl. Pirner, Manfred: Inwieweit lassen sich religiöse Bildungsprozesse standardisieren und evaluieren?, S. 94.

[15] Vgl. Elsenbast, Volker et al: Zur Entwicklung von Bildungsstandards, S. 17.

[16] Vgl. Pirner, Manfred: Inwieweit lassen sich religiöse Bildungsprozesse standardisieren und evaluieren?, S. 96.

[17] Ebd.

[18] Lenhard, Hartmut: Kompetenzorientierung – Neuer Wein in alten Schläuchen? In: rpi Loccum der Ev.- luth. Landeskirche Hannover (Hrsg.) Loccumer Pelikan. Religionspädagogisches Magazin für Schule und Gemeinde 3/07, S. 6.

[19] Hanisch, Helmut: Kompetenzorientierte Unterrichtsplanung. In: Ders.: Unterrichtsplanung im Fach Religion, S. 186-214, hier: 214.

[20] Vgl. ebd.

[21] Vgl. Lenhard, Hartmut: Kompetenzorientierung – Neuer Wein in alten Schläuchen?, S. 8.

[22] Vgl. Hanisch, Helmut: Kompetenzorientierte Unterrichtsplanung, S. 214.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Bildungsstandards und Kompetenzorientierung im Religionsunterricht
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V160987
ISBN (eBook)
9783640742615
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildungsstandards, Kompetenzorientierung, Religionsunterricht, Judentum, Unterrichtsvorbereitung, Unterrichtsplanung
Arbeit zitieren
Katharina B. (Autor), 2008, Bildungsstandards und Kompetenzorientierung im Religionsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160987

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