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Macht Arbeit frei?

Ein Versuch über den Wert der Erwerbsarbeit

Title: Macht Arbeit frei?

Seminar Paper , 2001 , 39 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Oliver Kloss (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Summary Excerpt Details

Während in griechisch-römischer Antike Arbeit und Freiheit einander ausschlossen, gilt heute den Nicht-Wohlhabenden der Ausschluss aus der Erwerbsarbeit als Verlust von Selbstbestimmung. Funktion und Wert von Arbeit sind abhängig von der Machtstreuung vs. -konzentration jeweiligenr Gesellschaften.
Nicht-kapitalistische Machtstrukturen erzwingen Arbeit durch materielle Not bzw. außerökonomisch zum Zwecke der Sozialdisziplinierung.
Kapitalismus ist zum Siege gelangt, wo Arbeit knapp und daher teuer – für die Armen zum Modus der Teilhabe am Wohlstand – werden konnte.
Zuerst erkannten Nietzsche und Lafargue, dass die aus Not zur Tugend gelogene „Arbeitsmoral“ die Arbeitenden in ihrem Kampfe um die Preissteigerung für Arbeit nie mehr als hindern kann.

Seit Keynes ist die Funktionsweise des Kapitalismus bekannt: Vollbeschäftigung ist Bedingung der Möglichkeit, damit Arbeit im Konflikt mit dem Kapital zu Verhandlungsmacht gelangen kann. Die von Marxisten ersehnten Krisen des Kapitalismus sind durch staatliche Maßnahmen und wohlfahrtsstaatliche Umverteilung prinzipiell politisch regulierbar.

Aber wer öffentlich der politökonomischen Aufklärung dient, befähigt auch deren Widersacher dazu, sich an ihr zu bilden, die Konter-Strategie entlang ihrer Erkenntnisse gegenläufig auszurichten.

Neoliberalismus lässt sich als politischer Anti-Liberalismus verstehen, offensiv gegen den Sozialstaat wie den gesamten Kulturbereich gerichtet, der mehr als nur boulevardeske Unterhaltung ist.
Ob Schrumpfung des öffentlichen Dienstes, Privatisierung kollektiver Güter oder Steuersenkungen für Vermögende, letztlich geht es um die Steigerung ungleicher Verteilung finanzieller Verfügungsrechte. Dem korrespondiert die Zersetzung demokratischer Steuerung durch Entpolitisierung: Wenn es gelingt vermeintliche Sachzwänge politisch glaubwürdig zu inszenieren, erscheint gleichgültig, welche Regierung angeblich nichts mehr zu entscheiden hat, weil sie den Haushalt konsolidieren müsse etc. etc.
Hohe Arbeitslosigkeit ist für den Erfolg neoliberaler Strategie entscheidend. Sie spaltet die abhängig Beschäftigten in realiter machtlose Arbeitslose (sie können nicht einmal streiken) und angesichts der Arbeitslosigkeit verängstigte Arbeitende (die sich aller Forderungen enthalten).
Arbeit und Lohn bleiben Verteilungsprobleme. Die Zukunft bietet die Alternativen, hinter den bewussten kapitalistischen Fortschritt zurückzufallen oder auf dessen Grundlage das Otium der Edlen für alle zu erkämpfen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Mono- und polyzentrische Herrschaft im Altertum und der Wert der Arbeit

2. Arbeitsmoral – die Religion des Kapitalismus?

3. Das „Dogma der Arbeit“ als ideologisches Instrument der antikapitalistischen Bewegungen gegen den Fortschritt bewusster Aufklärung

4. Das „Recht auf Arbeit“ in der Planwirtschaft der DDR

5. Zu John Maynard Keynes` „General theory“

6. Die Offensive der reaktionären Konter-Reformen

7. „Beschäftigungsförderung“ in Leipzig

8. Nur die Macht der Arbeit macht von Arbeit frei

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch den gesellschaftlichen Wert der Erwerbsarbeit, hinterfragt das ideologische Konstrukt der Arbeitsmoral und analysiert, wie politische Instrumente wie das „Recht auf Arbeit“ in verschiedenen Systemen als Mittel zur Kontrolle und Disziplinierung eingesetzt werden.

  • Die historische Genese der Arbeitsmoral als "Religion des Kapitalismus"
  • Die Rolle der Arbeit im antiken Herrschaftsverständnis vs. moderne Lohnarbeit
  • Kritik an neoliberalen "Sachzwängen" und der Entwertung menschlicher Arbeit
  • Das Potenzial von Arbeitszeitverkürzung als Weg zu einer emanzipierten Gesellschaft
  • Die Analyse konkreter Fallbeispiele (DDR, Leipzig) zur Disziplinierung durch Arbeit

Auszug aus dem Buch

2. Arbeitsmoral – die Religion des Kapitalismus?

Erst in der Reformation wurde die Not der Arbeit allgemein zur Tugend gewendet, die Arbeit mit einer religiösen Gloriole umwölbt. Kaum waren die Gläubigen dem katholischen Kontrollsystem der individuellen Gewissensbeichte entronnen, sollte die Arbeit den Kontrollverlust kompensieren.

Der Adel enthielt sich der Tugenden der Bürger und Bauern. Die Edlen wussten ihr Otium weiterhin zu schätzen.

Mit dem Siege des Kapitalismus und der repräsentativen Demokratie büßte die religiöse Moral ihre Bindekraft ein. Karl Marx fasste den Prozess des Wertewandels 1848 im „Kommunistischen Manifest”, die Permanenz bürgerlicher Revolution preisend, emphatisch in die Worte:

„Die Bourgeoisie kann nicht existieren, ohne die Produktionsinstrumente, also die Produktionsverhältnisse, also sämtliche gesellschaftlichen Verhältnisse fortwährend zu revolutionieren. […] Alles Ständische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht, und die Menschen sind endlich gezwungen, ihre Lebensstellung, ihre gegenseitigen Beziehungen mit nüchternen Augen anzusehn."

Zusammenfassung der Kapitel

1. Mono- und polyzentrische Herrschaft im Altertum und der Wert der Arbeit: Untersucht die historischen Ursprünge von Arbeit als Mühsal und die Trennung von Muße und Fronarbeit in antiken Gesellschaften.

2. Arbeitsmoral – die Religion des Kapitalismus?: Analysiert den historischen Wandel der Arbeit zur moralischen Tugend und die marxistische Sicht auf Arbeit als Notdurft.

3. Das „Dogma der Arbeit“ als ideologisches Instrument der antikapitalistischen Bewegungen gegen den Fortschritt bewusster Aufklärung: Beleuchtet, wie Arbeit nach der Oktoberrevolution 1917 als Instrument der ideologischen Festigung und Herrschaftssicherung instrumentalisiert wurde.

4. Das „Recht auf Arbeit“ in der Planwirtschaft der DDR: Beschreibt das System der Arbeitspflicht in der DDR und wie soziale Sicherheit politisch als Beiwerk zur Entrechtung diente.

5. Zu John Maynard Keynes` „General theory“: Diskutiert Keynes' ökonomische Ansätze zur Krisenprävention und die Bedeutung der Nachfragesteuerung für das Wirtschaftswachstum.

6. Die Offensive der reaktionären Konter-Reformen: Beschreibt den Aufstieg des Neoliberalismus und die ideologische Stilisierung der Krise zur Schwächung des Sozialstaates.

7. „Beschäftigungsförderung“ in Leipzig: Analysiert das Beispiel des Leipziger "Betriebs für Beschäftigungsförderung" als Instrument der erzwungenen Arbeit.

8. Nur die Macht der Arbeit macht von Arbeit frei: Plädiert für die Stärkung der Verhandlungsmacht der Arbeitenden und eine Abkehr vom Dogma der Arbeit zugunsten von Arbeitszeitverkürzung.

Schlüsselwörter

Erwerbsarbeit, Arbeitsmoral, Kapitalismus, Neoliberalismus, Sozialstaat, Arbeitspflicht, Keynesianismus, Arbeitszeitverkürzung, Ideologiekritik, DDR, Beschäftigungsförderung, Klassenkampf, Emanzipation, Macht, Markt.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert kritisch den Stellenwert der Erwerbsarbeit in der modernen Gesellschaft und hinterfragt die ideologischen Grundlagen, die Arbeit zur höchsten gesellschaftlichen Tugend erheben.

Welches sind die zentralen Themenfelder?

Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung der Arbeitsmoral, der Kritik am Kapitalismus und Neoliberalismus sowie der Analyse von Arbeit als Disziplinierungsinstrument.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den ideologischen Charakter des "Dogmas der Arbeit" aufzudecken und aufzuzeigen, wie durch Arbeitszeitverkürzung und bewusste Umverteilung ein höheres Maß an Freiheit erreicht werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor bedient sich einer interdisziplinären Analyse, die ökonomische Theorien (insbesondere Keynes und Marx) mit historischer Analyse und ideologiekritischen Ansätzen verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden der Wandel des Arbeitsbegriffs, die Auswirkungen von Herrschaftssystemen auf die Arbeitspflicht (Beispiel DDR) und der Übergang zu neoliberalen Strukturen im modernen Kapitalismus untersucht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind Erwerbsarbeit, Arbeitsmoral, Neoliberalismus, Sozialstaat und Emanzipation.

Was kritisiert der Autor konkret am Beispiel Leipzig?

Kritisiert wird die Einrichtung des kommunalen "Betriebs für Beschäftigungsförderung" (bfb), der als Instrument dient, um Arbeitslose unter Druck zu setzen und untertarifliche Arbeit als Zwangsmittel einzuführen.

Wie bewertet der Autor die Rolle von Gewerkschaften?

Der Autor fordert eine Stärkung der Verhandlungsmacht der Gewerkschaften, warnt jedoch vor "Bündnissen für Arbeit", die lediglich als defensive, unternehmerfreundliche Instrumente fungieren und die eigentlichen Ziele (wie Arbeitszeitverkürzung) untergraben.

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Details

Title
Macht Arbeit frei?
Subtitle
Ein Versuch über den Wert der Erwerbsarbeit
College
University of Leipzig  (Politikwissenschaft)
Course
Die Arbeitsgesellschaft im Fadenkreuz - Praktische Probleme und theoretische Lösungen
Grade
1,0
Author
Oliver Kloss (Author)
Publication Year
2001
Pages
39
Catalog Number
V161027
ISBN (eBook)
9783640744114
Language
German
Tags
theory Nietzsche general Leipzig Arbeit Politik labour Schröder Ökonomie Wert Keynes Lafargue Neoliberalismus Neoklassik Mitte Elsenhans Wittfogel Beschäftigungsförderung Arbeitsmoral Sklavenmoral DDR Nationalsozialismus Zukunft Faschismus Kapitalismus Wohlfahrt Sozialdemokratie Marx Zinn Sättigung Produktivität
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Oliver Kloss (Author), 2001, Macht Arbeit frei?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161027
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