Macht Arbeit frei?

Ein Versuch über den Wert der Erwerbsarbeit


Seminararbeit, 2001

39 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Mono- und polyzentrische Herrschaft im Altertum und der Wert der Arbeit

2. Arbeitsmoral – die Religion des Kapitalismus?

3. Das „Dogma der Arbeit“ als ideologisches Instrument der antikapitalistischen Bewegungen gegen den Fortschritt bewusster Aufklärung

4. Das „Recht auf Arbeit“ in der Planwirtschaft der DDR

5. Zu John Maynard Keynes` „General theory“

6. Die Offensive der reaktionären Konter-Reformen

7. „Beschäftigungsförderung“ in Leipzig

8. Nur die Macht der Arbeit macht von Arbeit frei Medienliste

2001 [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] http://www.otium-bremen.de/texte/kloss.pdf

Macht Arbeit frei?

Ein Versuch über den Wert der Erwerbsarbeit

„Die Lobredner der Arbeit. — Bei der Verherrlichung der ‚Arbeit’, bei dem unermüdlichen Reden vom ‚Segen der Arbeit’ sehe ich denselben Hintergedanken, wie bei dem Lobe der gemeinnützigen unpersönlichen Handlungen: den der Furcht vor dem Individuellen. Im Grunde fühlt man jetzt, beim Anblick der Arbeit – man meint immer dabei jene harte Arbeit von früh bis spät –, dass eine solche Arbeit die beste Polizei ist, dass sie Jeden im Zaume hält und die Entwicklung der Vernunft, der Begehrlichkeit, des Unabhängigkeitsgelüstes kräftig zu hindern versteht. [...] So wird eine Gesellschaft, in welcher fortwährend hart gearbeitet wird, mehr Sicherheit haben: und die Sicherheit betet man jetzt als oberste Gottheit an. – Und nun! Entsetzen! Gerade der ‚Arbeiter’ ist gefährlich geworden! Es wimmelt von ‚gefährlichen Individuen’! Und hinter ihnen die Gefahr der Gefahren – das individuum!”[1] Friedrich Nietzsche – 1881

„Die Arbeit zum Oberbegriff menschlicher Betätigung zu machen, ist eine asketische Ideologie […]”[2] Max Horkheimer – 1934

Bedrohlich erheben sich klagende Stimmen und künden apokalyptisch: Der Gesellschaft geht die Arbeit aus! – Aber es kommt keine helle Freude auf. Was ist geschehen?

Die Menschen spielten nicht Lotterie, wenn allein in der Erwerbsarbeit sie Erfüllung fänden. Wo sind sie, die das Dolcefarniente und das Dolce vita zu schätzen verstehen? – Jahrtausende galt die Arbeit[3] als von der Not erzwungene Mühsal. In der Bibel ist die Arbeit der Fluch Gottes, der quälend auf den aus dem Paradiese Vertriebenen lastet. Im griechischen Mythos sandte Zeus, um die Menschen für den von Prometheus begangenen Raub des Feuers zu strafen, die reizvolle Pandora. Aus ihrer Büchse kamen alle Übel außer der Hoffnung über die Menschen, darunter die Krankheiten und die beschwerliche Arbeit.

Gewiss kannte das Altertum auch Tätigkeiten, die sich nicht der Not und dem Zwang schuldeten, doch galten diese weder als Sklaven- noch als Lohnarbeit. Der Muße und Feier gewogen, wurde solches Tun in der Antike klar von der Arbeit getrennt.

1. Mono- und polyzentrische Herrschaft im Altertum und der Wert der Arbeit

Mit machtvollen Monumentalbauten, deren Bau sie staatlich organisierten[4], schmücken sich monozentrische Despotien. Wo Gottkönige wie Cheops und Chephren sich eine Totenstätte errichteten, galt das Leben der Fronarbeiter und Sklaven wenig. Sklaven drohte die Kürzung der Wasserration, Meuterer wurden gepfählt. Etwa fünf Millionen Menschen sollen in der zweiten Hälfte des dritten Jahrtausends v. u. Z. ihr Leben bei der Bauarbeit an den beiden Pyramiden verloren haben. „Nicht von ungefähr bedeutet die Hieroglyphe für ‚ Pyramide ‘ gleichzeitig auch ‚ Leichenberg ‘ .”[5]

Wo jedoch die aristokratischen und demokratischen Kräfte es dem Staate versagten, unkontrollierte Macht über die Gesellschaft auszuüben, wie z. B. in Griechenland und Rom vor den Eroberungen Alexanders[6], vermochte sogar das Sklavendasein Freuden zu bieten.

Zu keiner Zeit wurde so viel gefeiert, war der Müßiggang so ausschweifend, wie in Rom um die Zeitenwende vor 2000 Jahren.

„In der Tat verfügte der Römer, gleichgültig welchen Standes, über sehr viel Freizeit, in der Regel nämlich 17 oder 18 Stunden pro Tag. Da es zusätzlich eine schier unglaubliche Anzahl Festtage in Rom gab, lag die durchschnittliche Arbeitszeit in der Woche deutlich unter 30 Stunden, also weit unter dem, was heute in den Industriestaaten gearbeitet und als nicht zu unterschreitendes Mindestmaß angenommen wird.”[7]

Fast 200 Tage pro Jahr waren auch für Sklaven arbeitsfrei und dienten dem Vergnügen.

„Trotz dieser ‚Freizeitmöglichkeiten’ gedieh die römische Wirtschaft gerade in dieser Epoche kurz vor und nach dem Jahre 0. Das ‚Bruttosozialprodukt’ lag respektabel hoch. Immer wieder überraschend und willkürlich wurden Feiertage eingeschoben, an denen man Volksbelustigungen veranstaltete.”[8]

In allen Zeiten gab es jedoch eine Minderheit, die ihr Einkommen dem dankte, was sie ohnehin mit Vergnügen erfüllte. Sie war „fast ausschließlich in den freien Berufen, bei Gelehrten oder in der Politik zu finden […] So mochte sich Plinius der Ältere kaum in seiner Schreib- und Gedankenarbeit einschränken.”[9]

2. Arbeitsmoral – die Religion des Kapitalismus?

Erst in der Reformation wurde die Not der Arbeit allgemein zur Tugend gewendet, die Arbeit mit einer religiösen Gloriole umwölbt.[10] Kaum waren die Gläubigen dem katholischen Kontrollsystem der individuellen Gewissensbeichte entronnen, sollte die Arbeit den Kontrollverlust kompensieren.

Der Adel enthielt sich der Tugenden der Bürger und Bauern. Die Edlen wussten ihr Otium weiterhin zu schätzen.

Mit dem Siege des Kapitalismus und der repräsentativen Demokratie büßte die religiöse Moral ihre Bindekraft ein. Karl Marx fasste den Prozess des Wertewandels 1848 im „Kommunistischen Manifest”, die Permanenz bürgerlicher Revolution preisend, emphatisch in die Worte:

„Die Bourgeoisie kann nicht existieren, ohne die Produktionsinstrumente, also die Produktionsverhältnisse, also sämtliche gesellschaftlichen Verhältnisse fortwährend zu revolutionieren. […] Alles Ständische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht, und die Menschen sind endlich gezwungen, ihre Lebensstellung, ihre gegenseitigen Beziehungen mit nüchternen Augen anzusehen."[11]

Nüchternen Auges blickte Marx auf die Arbeit und sah sie als Notdurft, als Existenzbedingung des Menschen im Prozess zwischen Mensch und Natur. Die Arbeitsmittel galten ihm als Gradmesser der Entwicklung menschlicher Arbeitskraft zum Zwecke der Naturbeherrschung. Der Kampf der Arbeiter um Verkürzung der Arbeitszeit findet ausführliche Würdigung im „Kapital”[12]. Nach revolutionärer Überwindung des Kapitalismus glaubte Marx unter der Herrschaft der Produzenten ein Ende der Lohnarbeit vollbracht:

„Einmal die Arbeit emanzipiert, so wird jeder Mensch ein Arbeiter, und produktive Arbeit hört auf, eine Klasseneigenschaft zu sein.”[13]

Ernüchterten Auges blickte Marx` Schwiegersohn, der französische Sozialist Paul Lafargue, auf die zurückgewandte Forderung der Pariser Februar-Revolution von 1848. Die Arbeiter hatten ein „Recht auf Arbeit” proklamiert. Lafargue setzte diesem 1880 sein „Recht auf Faulheit” als humorvolle Widerlegung entgegen.

Ihm ging es nicht um die „Emanzipation der Arbeit”, sondern um die weitgehende Befreiung aller Menschen von der Arbeit. Das Werk hebt mit den Worten an:

„Eine seltsame Sucht beherrscht die Arbeiterklasse aller Länder, in denen die kapitalistische Zivilisation herrscht. Diese Sucht, die Einzel- und Massenelend zur Folge hat, quält die traurige Menschheit seit zwei Jahrhunderten. Diese Sucht ist die Liebe zur Arbeit […]. Statt gegen diese geistige Verirrung anzukämpfen, haben die Priester, die Ökonomen und die Moralisten die Arbeit heilig gesprochen. […] schwache und unwürdige Geschöpfe, haben das, was ihr Gott verflucht hat, wiederum zu Ehren zu bringen gesucht.”[14]

Lafargue stellt Fragen anhaltender Aktualität:

„Und zur selben Zeit, wo […] die Produktivität der Maschine von Tag zu Tag wächst, wollen uns die Ökonomen […] die Religion der Enthaltsamkeit und das Dogma der Arbeit predigen?”[15]

Das „Dogma der Arbeit”, flankiert von der „Religion der Enthaltsamkeit” für die unteren Klassen, wird angesichts steigender Produktivität als die Ideologie eines konservativen Bürgertums entlarvt. Es hat seine revolutionäre Phase hinter sich gelassen und verteidigt nun seinerseits mittels Religion seinen Status in der strategischen Situation der Gesellschaft. Die Verinnerlichung des „Rechtes auf Arbeit” führt die Arbeiter in die Sklavenmoral[16], die vom Ressentiment getrieben auf Rache sinnt:

„Das Proletariat proklamierte die Parole: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.” „Die Proletarier haben sich in den Kopf gesetzt, den Kapitalisten zehn Stunden Schmiede oder Raffinerie aufzuerlegen – das ist der große Fehler, die Ursache der sozialen Gegensätze und der Bürgerkriege. Nicht auferlegen, verbieten muss man die Arbeit.”[17]

Lafargues großmütige Alternative:

„Einmal überzeugt, dass man ihnen durchaus nichts Übles antun, sondern sie nur von der Arbeit, Überkonsumenten und Verschleuderer sein zu müssen, befreien will, werden die Kapitalisten und Rentiers die ersten sein, die sich zur Partei des Volkes schlagen.”[18]

In bemerkenswerter Nähe zu Friedrich Nietzsche unterzieht Lafargue die Arbeit, die das gute Gewissen auf ihrer Seite hat[19], der Moralkritik. Beide Denker verhöhnen den naiven Fortschrittsglauben[20], verlachen jede naiv-gläubige Geschichtsteleologie, halten jedoch den bewussten Fortschritt und die bewusste Aufklärung für möglich. Wenn die Menschen sich mit nüchternen Augen in der strategischen Situation der Gesellschaft zu betrachten und ihre Macht klug einzusetzen lernen, können sie „mit Bewusstsein beschließen, sich zu einer neuen Cultur fortzuentwickeln”, die „Erde als Ganzes ökonomisch verwalten, die Kräfte der Menschen überhaupt gegen einander abwägen und einsetzen".[21] Lafargue schätzt die Faulheit als „Mutter der Künste und der edlen Tugenden”, seine Forderung zielt auf die gesetzliche Herabsetzung der Arbeit für alle auf drei Stunden pro Tag. Vorbild ist ihm England, das erste Industrieland der Welt, wo eine aristokratische Regierung immerhin wenigstens den Zehnstundentag gesetzlich eingeführt hatte[22].

Gemeinsam ist Nietzsche und Lafargue, dass sie das Otium der Edlen[23] als erstrebenswert erachten und erkennen, dass Arbeitsmoral[24], welche die Not der Arbeit zur Tugend löge, im Kampfe um die Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiter nie mehr als hinderlich sein könne. Im Lobe der Arbeit von seiten der Herrschenden sehen sie das ordnungspolitische Motiv, das sich aus der Furcht vor individualistischem Wertewandel speist.

Der marxistische Ansatz wird durch Lafargue radikal von hegelschen und rousseauschen Implikationen befreit, mithin der entschlossene Weg in bewussten Reformismus eröffnet, der die Chancen der Gegenwart nicht hinterschreitet: Die Fixierung auf eine eskalierende Verschärfung des Klassenkampfes und die historische Notwendigkeit einer Revolution entfällt. Undramatisch zeichnet Lafargue den Weg in eine „kommunistische Gesellschaft”: „wenn es geht friedlich, wenn nicht, mit Gewalt” ![25]

Die Umwertung der Werte: Billiger Fleiß in der Erwerbsarbeit schafft Überproduktionskrisen, also verschulden jene ihre Not, die ihre Arbeit nicht teuer verkaufen:

„Solange die Arbeitskräfte ihre Dienste billig anbieten, wendet man sie im Übermaße an; werden sie teurer, so sucht man sie zu sparen.”[26]

Um effektiv auf die Preisbildung ihrer Arbeit Einfluss nehmen zu können, müssen sich Arbeiter organisieren, um ihre Macht zu bündeln. Bar des Glaubens an das Dogma der Arbeit und der Enthaltsamkeit gelänge es den Arbeitern, den Preis der Arbeit zu steigern, Innovationen der Arbeitsmittel zu stimulieren:

„Um die Kapitalisten zu zwingen, ihre Maschinen von Holz und Eisen zu vervollkommnen, muss man die Löhne der Maschinen von Fleisch und Bein erhöhen und die Arbeitszeit derselben verringern.”[27]

Die Steigerung des allgemeinen Wohlstandes und die Verhinderung von Krisen liegt für Lafargue in der Verantwortung der Arbeiter. Arbeitslosigkeit wird als Verteilungsproblem erkannt:

„Was die Arbeiter, verdummt durch ihr Laster, nicht einsehen wollen: man muss, um Arbeit für alle zu haben, sie rationieren wie Wasser auf einem Schiff in Not.”[28]

Eduard Bernstein gab 1884 die deutsche Ausgabe „Des Rechtes auf Faulheit” ohne eine Nennung seines Namens als Übersetzer in Zürich heraus. 1890 brachte Bernstein in seinen Artikeln in „Der Neuen Zeit” empirische Einwände gegen die marxistische Prognose einer zunehmenden proletarischen Verelendung vor. Seither war die Frage, ob der Kapitalismus notwendig seinen eigenen Zusammenbruch bewirke, ins Zentrum der Sozialismus-Diskussion gerückt.[29] Der marxistische Anspruch objektiver ökonomischer Prognostik mit dem „Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate”[30] und damit die Notwendigkeit der Revolution gerieten in Zweifel.

Wenn Gewerkschaften den Wert der Arbeit in marktförmiger Wirtschaft zu steigern vermögen und dieses Streben sich der Hebung des allgemeinen Wohlstandes innerhalb des Kapitalismus dienlich erweist, gelangt Marx` analytischer Irrtum in den Blick, Demokratie nur als juristisch-politische Form kapitalistischer Ausbeutung zu verstehen. Bernstein bemerkt 1902:

„In dem Masse, wie die Arbeiterclasse heranreift, wird die Demokratie aus einem blossen Mittel ihrer Vorbereitung für die sociale Revolution, als welches Kautsky sie anerkennt, zum machtvollen Faktor ununterbrochenen socialen Fortschritts.”[31]

Zur Frage, ob die Arbeitsmoral die Religion des Kapitalismus sei, ließe sich sagen: Die Arbeitsmoral, die zur Tugend gelogene Not der Arbeitenden, kann nur unter Bedingungen annähernder Vollbeschäftigung überwunden werden. In dem Maße, wie die abhängig Beschäftigten sich des Funktionsmechanismus von Kapitalismus bewusst werden, wird auch die Arbeit ihres ideologischen Schleiers entkleidet.

Entgegen der Befürchtung Lafargues ist Arbeitsmoral nicht notwendig die Religion des Kapitalismus, denn in einem funktionierenden Kapitalismus mit zunehmender Arbeitszeitverkürzung verlöre auch dieser Glaube seine Glaubwürdigkeit.

3. Das „Dogma der Arbeit“ als ideologisches Instrument der antikapitalistischen Bewegungen gegen den Fortschritt bewusster Aufklärung

Mit der Russischen Oktoberrevolution 1917 trat ein nicht nur erklärungsbedürftiges, sondern für Marxisten, die auf Weltrevolution setzten, überaus theoriewidriges Faktum in die Weltgeschichte. Ein jeglicher, wie auch immer akzentuierter Marxismus kam fortan nicht umhin, sich wertend auf diese „sozialistische Revolution” in einem ökonomisch rückständigen Lande beziehen zu müssen. Durch die kommunistischen Parteien wurde nach der Machtübernahme in der Sowjetunion die westliche Arbeiterbewegung nachhaltig geschwächt, denn das gewaltbejahende Modell spaltete die Arbeiterbewegung und einte ihre Gegner.

Die deutsche Revolution 1918/19 ist von Anbeginn vom Problem Sowjetunion überschattet. Anfang 1919 vereinigt „Das Ziel” u. a. Beträge von Alfons Goldschmidt und Walther Rilla zu Lenins „Staat und Revolution”: Während Goldschmidt bekennt: „Hier ist das Ziel”[32]. – „Es muß, als Voraussetzung, vorerst festgestellt werden: nicht der vollkommene Staat, der vollkommene Mensch ist Endziel.”[33], erklärt hingegen Rilla, „der Staat hat dem Menschen nur die ungehemmte Möglichkeit zu solcher Entwicklung zu geben – ihre Verwirklichung muß der Initiative, der seelischen Vehemenz des einzelnen überlassen bleiben.”[34]

Bezüglich Lenins bemerkt Rilla: „Man argumentiert verbrecherisch – denn für die Gewißheit tatsächlicher Verruchtheit tauscht man nichts als die Gewißheit einer ebensolchen Verruchtheit ein mit dem vagen, völlig bedeutungslosen Plus eines ‚Vielleicht – aber wissen kann ich es nicht ' .”[35]

[...]


Die erste Fassung dieses Textes erschien unter gleichem Titel in:

Bernd Gehrke/ Wolfgang Rüddenklau (Hrsg.): Das war doch nicht unsere Alternative. Verlag Westfälisches Dampfboot, Münster, 1999, ISBN 3-89691-466-9, S. 362–383.

Vorliegende Textfassung steht seit Anfang 2001 im Internet unter:

http://www.otium-bremen.de/texte/kloss.pdf.

Für die Aufnahme in die Autorenliste zwischen Kleist und Knigge danke ich dem Bremer Verein

Otium e. V. – Initiative zur Rehabilitierung von Muße und Müßiggang.

Einerseits hat der Text eine erfreuliche Resonanz erfahren, andererseits hat die politische Gefährdung des Kapitalismus durch die Konter-Reformen und deren weitere Entwertung von Arbeit zugenommen.

Inzwischen ist der Text auch Zeitdokument: Er ist Jahre älter als jene für die SPD und ihre einst größte Errungenschaft, den bundesdeutschen Sozialstaat, katastrophale Rede von Bundeskanzler Gerhard Schröder zur „Agenda 2010“ (14. März 2003). Das Ziel, einen wachsenden Niedriglohn-Sektor mit Massenverarmung zu schaffen, wie es heute durch die Hartz-Gesetze verwirklicht ist, war dereinst von rechten Sozialdemokraten noch nicht offen ausgesprochen worden. Der allgemeine Arbeitszwang ohne Zumutbarkeitsgrenzen für Erwerbslose war noch nicht zu befürchten, weder waren die Enteignung abhängig Beschäftigter von Versicherungsrechten oder die Senkung der Arbeitslosenhilfe unter Sozialhilfe-Niveau noch die folgenden massiven Mitglieder- und Stimmenverluste für die SPD absehbar.

– Das hat mich nun im Jahre 2010 bewogen, den Text nur bezüglich der einzigen Reform, die zumindest für die Kinder seither eine Verbesserung gebracht hat, der letzten Rechtschreibreform, zu überarbeiten.

[1] Nietzsche, Friedrich: Sämtliche Werke. Kritische Studienausgabe in 15 Bänden. Hrsg. Giorgio Colli/ Mazzino Montinari, dtv/ de Gruyter, München/ Berlin/ New York, 1988, [Fortan: KSA – Aus Texten Nietzsches werden sowohl die Schreibweise aus der Zeit vor der zweiten deutschen Rechtschreibreform von 1901 wie eventuelle Hervorhebungen in die Zitate übernommen.] KSA 3, S. 154 (Morgenröthe. Gedanken über die moralischen Vorurtheile, Drittes Buch, Art. 173).

[2] Regius, Heinrich [Pseudonym von Max Horkheimer]: Dämmerung. Notizen in Deutschland, Oprecht & Helbling, Zürich, 1934, S. 181.

[3] „Arbeit“, mittelhochdeutsch „arebeit“, stand für Not und Mühsal. Im Russischen leitet sich „rabot“ von „rab“, dem Sklaven, her; auch der Begriff „Roboter“ wurde nach dieser Wurzel gebildet.

[4] Vgl. Wittfogel, Karl August: Die Orientalische Despotie. Eine vergleichende Untersuchung totaler Macht. Kiepenheuer & Witsch, Berlin/ Köln, [Erstauflage in den USA 1957] 1962, S. 70–84.

[5] Sträuli, Robert: „Wie teuer waren die Pyramiden?“, in: Museion 2000. Spezial I (1996), Zürich, ABZ, S. 6–15, S. 11.

[6] Vgl. Wittfogel, Karl August: Die orientalische Despotie, a. a. O., S. 268–273.

[7] Altendorf, Wolfgang: „35-Stunden-Woche. Bereits in der Antike ein alter Hut“, in: Das Parlament Nr. 13, 20. März 1992, S. 21.

[8] Ebenda.

[9] Ebenda.

[10] Im Christentum genoss die Arbeit zwar schon vor der Reformation Wertschätzung, doch blieb die moralische Überhöhung mit den asketischen Idealen des Mönchtums verbunden und gewann kaum allgemeine Bedeutung.

[11] Marx, Karl: Kommunistisches Manifest, in: Karl Marx /Friedrich Engels: Ausgewählte Schriften in zwei Bänden, Bd. I, Dietz, Berlin (Ost) 1971, S. 29.

[12] Vgl. Marx, Karl: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie, Dietz, Berlin (Ost), I. Bd., 8. Kapitel, Unterpunkte 8. 6 und 8. 7, S. 294 ff.

[13] Marx, Karl: Der Bürgerkrieg in Frankreich. In: Marx-Engels-Werke (MEW), Dietz, Berlin (Ost), 1956-1989, Bd. 17, S. 342.

[14] Lafargue, Paul: Das Recht auf Faulheit. Widerlegung des „Rechts auf Arbeit” von 1848. In: Das Recht auf Faulheit und andere Satiren. Stattbuch, Berlin, 1991, S. 10.

[15] Ebenda, S. 29.

[16] Vgl. ebenda, S. 15: „Sklaven nur sind einer solchen Erniedrigung fähig.”

[17] Ebenda, S. 43.

[18] Ebenda, S. 44.

[19] Nietzsche, Friedrich: KSA 3, S. 557, FW, IV, 329.

[20] Vgl. Lafargue, Paul: Das Recht auf Faulheit ..., a. a. O., S. 17: „ekelerregende Loblieder auf den Gott Fortschritt, den ältesten Sohn der Arbeit”.

[21] Nietzsche, Friedrich: KSA 2, S. 45, MA I, 24.

[22] Vgl. Lafargue, Paul: Das Recht auf Faulheit ..., a. a. O., S. 39.

[23] Vgl. Nietzsche, Friedrich: KSA 3, S. 408 f., FW 42; KSA 11, S. 224, NF Sommer–Herbst 1884, 26 [281].

[24] Auch Russell galt die Arbeitsmoral ausdrücklich als „Sklavenmoral”, die der neuzeitlichen Welt unangemessen sei. Vgl. Russell, Bertrand: Lob des Müßiggangs. Wien/ Hamburg 1957.

[25] Lafargue, Paul: Das Recht auf Faulheit ..., a. a. O., S. 8.

[26] Ebenda, S. 40.

[27] Ebenda, S. 40.

[28] Ebenda, S. 38.

[29] Vgl. Grossmann, Henryk: Das Akkumulations- und Zusammenbruchsgesetz des kapitalistischen Systems. (Schriften des Instituts für Sozialforschung an der Universität Frankfurt am Main ; Bd. 1) C. L. Hirschfeld, Leipzig, 1929. – Dieser erste Band der Schriften des Frankfurter Instituts für Sozialforschung beginnt mit einer Analyse der zu diesem Problem vorliegenden Literatur.

[30] Siehe Elsenhans, Hartmut: „Lohnerhöhungen. Wachstumschance für den Kapitalismus. Eine Kritik am Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate“, in: Forum DS. Zeitschrift für Theorie und Praxis des demokratischen Sozialismus. 1. Jg., Heft 2 (1976), S. 78–133.

[31] Bernstein, Eduard: „Die neueste Prognose der socialen Revolution“, in: Socialistische Monatshefte. Internationale Revue des Socialismus, Hrsg. J. Bloch, Berlin, VI. Jahrgang No. 8, August 1902, S. 584–598, S. 589.

[32] Goldschmidt, Alfons: „Der Weg“, in: Das Ziel. Jahrbücher für geistige Politik, hrsg. von Kurt Hiller, Jahrbuch III, Kurt Wolff Verlag Leipzig, 1. Halbband 1919, S. 84–89, S. 87.

[33] Rilla, Walther: „Der Irrtum Lenin´s“, in: Das Ziel. Jahrbücher für geistige Politik, hrsg. von Kurt Hiller, Jahrbuch III, Kurt Wolff Verlag Leipzig, 1. Halbband 1919, S. 63–69, S. 63 (Hervorhebung von W. Rilla.).

[34] Ebenda, S. 64.

[35] Ebenda, S. 67.

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten

Details

Titel
Macht Arbeit frei?
Untertitel
Ein Versuch über den Wert der Erwerbsarbeit
Hochschule
Universität Leipzig  (Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Die Arbeitsgesellschaft im Fadenkreuz - Praktische Probleme und theoretische Lösungen
Note
1,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
39
Katalognummer
V161027
ISBN (eBook)
9783640744114
Dateigröße
696 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Vorliegende Textfassung wurde als Seminararbeit zum Hauptseminar von Dr. Georg Quaas im Wintersemester 2000/ 01 referiert und eingereicht. Eine erste titelgleiche Fassung war veröffentlicht worden in: Bernd Gehrke/ Wolfgang Rüddenklau (Hrsg.): Das war doch nicht unsere Alternative. Verlag Westfälisches Dampfboot, Münster, 1999, ISBN 3-89691-466-9, S. 362–383.
Schlagworte
theory, Nietzsche, general, Leipzig, Arbeit, Politik, labour, Schröder, Ökonomie, Wert, Keynes, Lafargue, Neoliberalismus, Neoklassik, Mitte, Elsenhans, Wittfogel, Beschäftigungsförderung, Arbeitsmoral, Sklavenmoral, DDR, Nationalsozialismus, Zukunft, Faschismus, Kapitalismus, Wohlfahrt, Sozialdemokratie, Marx, Zinn, Sättigung, Produktivität
Arbeit zitieren
Oliver Kloss (Autor), 2001, Macht Arbeit frei?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161027

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