Nachfolgen in Managementpositionen sind aufgrund hoher Fluktuation alltäglich. In aller Regel werden dabei schlicht die Führungsaufgaben an einen Nachfolger übergeben. Bei Nachfolgen in inhabergeführten Unternehmen geht die Aufgabe über eine Neubesetzung der Führungsposition hinaus, denn neben der Führung des Unternehmens müssen auch die Eigentumsverhältnisse neu gestaltet und emotionale Aspekte berücksichtigt werden. Es entsteht ein komplexer Prozess der Übergabe von Eigentum und Führung, der als Unternehmensnachfolge bezeichnet wird. Dieser Prozess hat mit dem Unternehmen, dessen Familie und weiteren beteiligten Personen wie dem Nachfolger, den Mitarbeitern, Geschäftspartnern und eventuellen Beratern viele unterschiedliche Bezugsgruppen.
In dieser Arbeit wird der Prozess der Unternehmensnachfolge unter dem besonderen Fokus der Unternehmerperson betrachtet. Es werden dessen Einflussfaktoren auf eine erfolgreiche Übergabe des Unternehmens herausgestellt. Dazu werden Typen von Unternehmern Charakterisiert und ihr jeweiliges Verhalten innerhalb der Nachfolge analysiert.
Der Einfluss der Unternehmerperson wird zunächst in einem Literaturüberblick dargestellt und anschleißend anhand einer Fallstudie verdeutlicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Unternehmerpersönlichkeiten und der Nachfolgeprozess
2.1 Unternehmerpersönlichkeiten
2.1.1 Der Owner-Manager
2.1.2 Typen von Unternehmern
2.1.3 Einflussfaktoren auf die Persönlichkeit
2.2 Unternehmensnachfolge
2.2.1 Begriffsbestimmung
2.2.2 Nachfolgeoptionen des Unternehmers
2.2.3 Beteiligte Personen an der Unternehmensnachfolge
2.2.4 Ökonomische und individuelle Zielsetzungen
2.3 Nachfolgeproblematik durch Unternehmerpersönlichkeiten
2.3.1 Probleme im Ablaufprozess der Nachfolge
2.3.1.1 Vorbereitungsphase – Rücktrittsbereitschaft des Unternehmers
2.3.1.2 Umsetzungsphase – Übergabe der Führung
2.3.2 Lösungsansätze
2.3.2.1 Förderung der Rücktrittsbereitschaft von Unternehmern
2.3.2.2 Kooperation zwischen Unternehmer und Nachfolger
2.3.3 Ganzheitliche Betrachtung des Prozesses
3. Fallstudie
3.1 Methodik der Fallstudie
3.2 Das Unternehmen
3.3 Der ausgeschiedene Unternehmensleiter
3.4 Übergabe des Unternehmens
3.5 Analyse der Unternehmensnachfolge
4. Erkenntnisse der Fallstudie
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der Unternehmerpersönlichkeit auf die Gestaltung des Unternehmensnachfolgeprozesses. Zentral ist dabei die Forschungsfrage, inwieweit spezifische Charakteristika und Verhaltensweisen des Unternehmers als Inhaber und Geschäftsführer den Erfolg und den Verlauf der Nachfolgeregelung in inhabergeführten Unternehmen bestimmen.
- Einfluss der Persönlichkeit von Owner-Managern auf Nachfolgestrukturen.
- Unterscheidung von Unternehmertypen und deren Auswirkung auf die Rücktrittsbereitschaft.
- Herausforderungen in den Phasen der Vorbereitung und Umsetzung der Nachfolge.
- Lösungsansätze zur Förderung einer erfolgreichen Übergabe durch Kooperation und Delegation.
- Fallstudienbasierte Analyse der Übergabe von der zweiten auf die dritte Generation.
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Typen von Unternehmern
In den bisherigen Ausführungen wurde stets von dem Unternehmer gesprochen. Es gibt jedoch nicht den einen, stereotypen Unternehmer, sondern verschiedene Ausprägungen des unternehmerischen Denkens und Handelns. Zum einen können Unterscheidungen nach der Position gemacht werden, so ist zum Beispiel der Owner-Manager in seinem Verhalten und Wesen vom angestellten Manager zu differenzieren. Aber auch über verschiedene Generationen können sich Unternehmertypen unterscheiden.
Deutlich abgrenzen lässt sich der Unternehmer von einem angestellten Manager. Während ein Owner-Manager mit seinen eigenen Ressourcen arbeitet, muss ein angestellter Manager mit den Ressourcen haushalten, die ihm zur Verfügung gestellt werden. Wottawa sieht aufgrund dieser Gegebenheiten Nachteile beim Unternehmer. So führt bei Owner-Managern die Angst um das eigene Kapital dazu, dass Risiken gescheut werden und Unternehmer zu Stagnation neigen. Des Weiteren fehlt bei Owner-Managern nach Wottawa eine Kontrollinstanz, wie sie vergleichsweise bei angestellten Managern durch die Kapitalgeber vorhanden ist, wodurch es zu unkontrolliertem Verhalten kommen kann. Demgegenüber stehen Untersuchungen von Stevenson, der den Unternehmer vom angestellten Manager in sechs Verhaltenseigenschaften unterscheidet, die hier nur in Ansätzen angesprochen werden. Er kommt zu dem Schluss, dass der Unternehmer, aufgrund des Eigentums an seinen Ressourcen, mit diesen effizienter umgeht, als der angestellte Manager, der die Ressourcen, die ihm bereitgestellt werden, komplett ausnutzt. Zudem hängt beim Unternehmer die Entlohnung vom Erfolg des Unternehmens ab, wodurch wiederum eine effizientere Arbeitsweise gefördert wird.
In beiden Ansichten wird eine Differenzierung zwischen dem angestellten Manager und dem Owner-Manager deutlich, jedoch führen die aufgezeigten Auswirkungen beim Unternehmer in verschiedene Richtungen. Dies lässt die Vermutung zu, dass sich auch die Owner-Manager in ihren Eigenschaften voneinander unterscheiden. Deeks differenziert grundlegend zwei Stereotypen von Unternehmern, den „classical economic type“, den er als kapitalorientieren Entrepreneur beschreibt, und den „literary medieval type“, der als Handwerker oder Facharbeiter zu verstehen ist. Sie stellen Unterscheidungen zwischen Unternehmern dar, die sich aus der beruflichen Orientierung ergeben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Komplexität der Unternehmensnachfolge ein und begründet den Fokus auf die sozial-psychologischen Aspekte der Unternehmerpersönlichkeit in inhabergeführten Unternehmen.
2. Unternehmerpersönlichkeiten und der Nachfolgeprozess: Dieses Kapitel liefert den theoretischen Rahmen, indem es Unternehmertypen definiert, Nachfolgeoptionen darstellt und die spezifischen Herausforderungen im Ablaufprozess sowie Lösungsansätze für Unternehmer diskutiert.
3. Fallstudie: Hier wird der Einfluss der Unternehmerpersönlichkeit anhand eines praktischen Beispiels eines inhabergeführten Großhandelsunternehmens bei der Übergabe an die dritte Generation detailliert untersucht und reflektiert.
4. Erkenntnisse der Fallstudie: Dieses Kapitel ordnet die Ergebnisse der Fallstudie in den theoretischen Kontext ein und validiert die zuvor abgeleiteten Erfolgsfaktoren für eine gelungene Nachfolge.
5. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die Individualität des Nachfolgeprozesses sowie die Bedeutung einer aktiven Vorbereitung durch den abtretenden Unternehmer.
Schlüsselwörter
Unternehmensnachfolge, Unternehmerpersönlichkeit, Owner-Manager, Nachfolgeplanung, Rücktrittsbereitschaft, Generationswechsel, Führungsübergabe, Familienunternehmen, Fallstudie, Managementstrukturen, Delegationsaufgabe, Unternehmertypen, Unternehmensführung, Nachfolgeprozess, Strategische Planung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie die Persönlichkeit und das Verhalten eines Unternehmers den komplexen Prozess der Unternehmensnachfolge in inhabergeführten Betrieben maßgeblich beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Typologisierung von Unternehmern, die Herausforderungen der Rollenanpassung zwischen Vorgänger und Nachfolger, die psychologischen Hürden bei der Rücktrittsbereitschaft sowie strategische Ansätze zur erfolgreichen Übergabe.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, an welchen Stellen die Person des Unternehmers als förderlich oder hemmend auf den Nachfolgeprozess wirkt und wie eine gelungene Übergabe aktiv gestaltet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus einer theoretischen Literaturanalyse und einer idiographischen Fallstudie, die auf Interviews und Datenrecherchen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen zu Unternehmerpersönlichkeiten und Nachfolgeproblematiken erarbeitet. Danach erfolgt eine praktische Anwendung dieser Theorie durch eine Fallstudie eines Großhandelsunternehmens.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem mit den Begriffen Unternehmensnachfolge, Unternehmerpersönlichkeit, Owner-Manager, Nachfolgeplanung und Generationswechsel beschreiben.
Welche Rolle spielt die Rücktrittsbereitschaft für das Gelingen der Nachfolge?
Eine mangelnde Rücktrittsbereitschaft ist laut Arbeit ein Hauptproblem, da sie zu fehlender oder kurzfristiger Planung führt, was den Fortbestand des Unternehmens gefährden kann.
Was bedeutet der Begriff „back-seat-driving“ im Kontext der Nachfolge?
Damit ist das Verhalten eines ausgeschiedenen Unternehmers gemeint, der weiterhin versucht, Entscheidungen aus dem Hintergrund zu beeinflussen, was die Autorität und Kompetenz des Nachfolgers schwächen kann.
Welchen Einfluss hatte der externe Berater in der Fallstudie?
Der Berater half dabei, den Nachfolgeprozess von der emotionalen auf eine neutrale Ebene zu heben und unterstützte den Aufbau des neuen Führungsteams, wodurch die Übergabe konfliktfreier verlief.
Warum konnte die Nachfolge in der Fallstudie als erfolgreich bezeichnet werden?
Die Nachfolge war erfolgreich, weil der Unternehmer frühzeitig einen Fahrplan erstellte, Aufgaben delegierte, die Nachfolgerin aktiv einbezog und sich nach dem Rückzug als Berater zurückhaltend verhielt.
- Arbeit zitieren
- Johannes Elspaß (Autor:in), 2010, Einfluss der Unternehmerpersönlichkeit auf die Gestaltung des Unternehmensnachfolgeprozesses, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161038