Soziale Arbeit bewegt sich stets im Spannungsfeld zwischen fachlichem Wissen, institutionellen Rahmenbedingungen und den individuellen Lebenslagen der Klient*innen. Dabei entstehen vielfältige Situationen, in denen Fachkräfte nicht nur methodisch, sondern auch ethisch gefordert sind. Gerade im Kontext gesetzlich geregelter Hilfen wie der Assistenzleistung nach dem SGB IX rückt die Frage nach verantwortlichem Handeln in den Fokus. Die folgenden Abschnitte skizzieren die Relevanz ethischer Fragestellungen für die Soziale Arbeit und führen zur zentralen Fragestellung dieser Arbeit hin.
Inhaltsverzeichnis
- Abkürzungsverzeichnis
- 1. Einleitung.
- 1.1 Relevanz ethischer Fragestellungen in der Sozialen Arbeit.
- 1.2 Zielsetzung, Forschungsfrage und Aufbau der Arbeit.
- 2. Ethik als Bezugsdisziplin der Sozialen Arbeit.
- 2.1 Grundlagen der Ethik in der praktischen Philosophie.
- 2.2 Relevante ethische Theorien für professionelles Handeln.
- 3. Berufsethik in der Sozialen Arbeit.
- 3.1 Internationale und nationale Kodizes.
- 3.2 Ethische Prinzipien in der Praxis Sozialer Arbeit.
- 4. Ethische Urteilskraft im Kontext professionellen Handelns.
- 4.1 Begriff und Merkmale ethischer Urteilskraft.
- 4.2 Bedeutung ethischer Urteilskraft in professionellen Entscheidungssituationen.
- 5. Ethische Herausforderungen in der Assistenzleistung nach dem SGB IX.
- 5.1 Mandatskonflikte und Dilemmata im ambulanten Unterstützungsalltag.
- 5.2 Reflexion und Umgang mit ethischen Spannungsfeldern – eine praxisbezogene Einordnung.
- 6. Fazit und Ausblick.
- 6.1 Zusammenfassung zentraler Erkenntnisse.
- 6.2 Perspektiven für ethische Kompetenzentwicklung und Professionalisierung.
- Literaturverzeichnis.
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Bedeutung ethischer Urteilskraft im professionellen Handeln von Fachkräften in der Assistenzleistung nach dem SGB IX theoretisch fundiert zu analysieren. Die zentrale Forschungsfrage lautet: „Welche Bedeutung kommt ethischer Urteilskraft im professionellen Handeln von Fachkräften in der Assistenzleistung nach dem SGB IX zu und wie lässt sie sich theoretisch fundieren?“
- Ethische Urteilskraft und ihre Merkmale
- Professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit
- Assistenzleistung nach dem Neunten Sozialgesetzbuch (SGB IX)
- Moralische Dilemmata und Mandatskonflikte
- Grundlagen der Ethik und Berufsethik
- Ethische Reflexionskompetenz und Professionalisierung
Auszug aus dem Buch
4.1 Begriff und Merkmale ethischer Urteilskraft
Ethische Urteilskraft bezeichnet die Fähigkeit von Fachkräften der Sozialen Arbeit, in komplexen, oft widersprüchlichen Entscheidungssituationen wohlbegründete Urteile zu fällen, die sich an berufsethischen Prinzipien wie Menschenwürde, Gerechtigkeit und Selbstbestimmung orientieren (Schmid Noerr, 2018, S. 7–8). Sie ist ein zentraler Bestandteil professionellen Handelns und verweist auf mehr als bloße Regelanwendung oder rechtliche Konformität – vielmehr geht es um die reflektierte Auseinandersetzung mit Werten, Normen und konkreten Handlungskontexten (Schmid Noerr, 2018, S. 7). In diesem Kontext hebt der Autor hervor:
Wenn wir uns über moralische Fragen Klarheit verschaffen, Situationen erklären, Handlungen verstehen und bewerten, betreiben wir Ethik. In diesem Sinn ist Ethik die Reflexion der Moral. Ethische Fragen haben es einerseits mit dem zu tun, was mit guten Gründen erstrebenswert ist, andererseits mit dem normativ Verpflichtenden (Schmid Noerr, 2018, S. 7).
Im Unterschied zu technischer Entscheidungsrationalität basiert ethische Urteilskraft daraus folgend auf der Fähigkeit, unterschiedliche Perspektiven zu integrieren, eigene Haltungen zu hinterfragen und moralisch begründbare Handlungsoptionen abzuwägen. Ergänzend beschreibt Lob-Hüdepohl (2022, S. 259–260) ethische Urteilskraft als unverzichtbare Fähigkeit professionellen Handelns in der Sozialen Arbeit, die dazu dient, in komplexen Situationen moralisch fundierte Entscheidungen im Spannungsfeld zwischen institutionellen Vorgaben und individuellen Bedürfnissen zu treffen.
Staub-Bernasconi (2018, S. 432–433) betont zudem, dass professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit immer auch ein Umgang mit normativen Spannungsverhältnissen ist. Die Urteilskraft ermöglicht es, in solchen Situationen nicht vorschnell zu bewerten, sondern Alternativen zu entwickeln, die mit den zentralen Werten der Profession vereinbar sind. Zudem ist ethische Urteilskraft nicht nur individuell verortet, sondern auch sozial und strukturell eingebettet. Reamer (1993, S. 46–48) hebt hervor, dass ethische Entscheidungsfindung im sozialen Feld stets unter dem Einfluss institutioneller Rahmenbedingungen, rechtlicher Vorgaben und gesellschaftlicher Machtverhältnisse steht. Umso bedeutsamer ist die Fähigkeit von Fachkräften, diese Einflüsse zu reflektieren und dennoch verantwortbare, ethisch tragfähige Entscheidungen zu treffen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Relevanz ethischer Fragestellungen in der Sozialen Arbeit ein, skizziert die Zielsetzung und Forschungsfrage der Arbeit und beschreibt ihren systematischen Aufbau.
2. Ethik als Bezugsdisziplin der Sozialen Arbeit: Hier wird Ethik als eine zentrale Bezugsdisziplin für die Soziale Arbeit dargestellt, indem die Grundlagen der Ethik in der praktischen Philosophie sowie relevante ethische Theorien für professionelles Handeln erläutert werden.
3. Berufsethik in der Sozialen Arbeit: Dieses Kapitel behandelt die Berufsethik in der Sozialen Arbeit, stellt internationale und nationale Kodizes vor und geht auf zentrale ethische Prinzipien wie Menschenwürde, Gerechtigkeit und Selbstbestimmung ein.
4. Ethische Urteilskraft im Kontext professionellen Handelns: Der vierte Hauptteil widmet sich dem Begriff der ethischen Urteilskraft, ihren Merkmalen und ihrer Bedeutung in professionellen Entscheidungssituationen der Sozialen Arbeit.
5. Ethische Herausforderungen in der Assistenzleistung nach dem SGB IX: Das Kapitel analysiert typische Mandatskonflikte und moralische Dilemmata im ambulanten Unterstützungsalltag und ordnet den Umgang mit diesen ethischen Spannungsfeldern praxisbezogen ein.
6. Fazit und Ausblick: Abschließend fasst dieses Kapitel die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen, ordnet sie in den Gesamtzusammenhang ein und gibt Perspektiven für die Weiterentwicklung ethischer Kompetenz und Professionalisierung.
Schlüsselwörter
Ethische Urteilskraft, Soziale Arbeit, Professionelles Handeln, Assistenzleistung, SGB IX, Ethik, Moralische Dilemmata, Reflexionskompetenz, Selbstbestimmung, Menschenwürde, Gerechtigkeit, Berufsethik, Mandatskonflikte, Fürsorge, Institutionelle Rahmenbedingungen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der ethischen Urteilskraft im professionellen Handeln von Fachkräften in der Sozialen Arbeit, insbesondere am Beispiel der Assistenzleistung nach dem SGB IX, und analysiert deren theoretische Fundierung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind Ethik als Bezugsdisziplin, Berufsethik, die Bedeutung ethischer Urteilskraft im professionellen Kontext sowie ethische Herausforderungen und Dilemmata in der Assistenzleistung nach dem SGB IX.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Bedeutung ethischer Urteilskraft im professionellen Handeln von Fachkräften in der Assistenzleistung nach dem SGB IX theoretisch fundiert zu analysieren. Die Forschungsfrage lautet: „Welche Bedeutung kommt ethischer Urteilskraft im professionellen Handeln von Fachkräften in der Assistenzleistung nach dem SGB IX zu und wie lässt sie sich theoretisch fundieren?“
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und einer systematischen Literaturrecherche, um ethische Konzepte und ihre Anwendung in der Praxis zu fundieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Grundlagen der Ethik und der Berufsethik in der Sozialen Arbeit, das Konzept der ethischen Urteilskraft und ihre Bedeutung, sowie die konkreten ethischen Herausforderungen und Mandatskonflikte in der Assistenzleistung nach dem SGB IX.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Ethische Urteilskraft, Soziale Arbeit, Professionelles Handeln, Assistenzleistung, SGB IX, Ethik, Moralische Dilemmata, Reflexionskompetenz, Selbstbestimmung, Menschenwürde, Gerechtigkeit, Berufsethik, Mandatskonflikte und Fürsorge.
Wie unterscheidet sich die Berufsethik von allgemeinen moralphilosophischen Theorien in der Sozialen Arbeit?
Während allgemeine moralphilosophische Theorien grundlegende Begründungsmuster moralischen Handelns bieten, konkretisiert die Berufsethik diese Prinzipien zu normativen Leitlinien, die auf die spezifischen Anforderungen der sozialarbeiterischen Praxis zugeschnitten sind und als verbindlicher Orientierungsrahmen dienen.
Welche Rolle spielen internationale und nationale Kodizes in der Berufsethik der Sozialen Arbeit?
Internationale und nationale Kodizes, wie der der IFSW und des DBSH, formulieren zentrale Werte und ethische Prinzipien, die Fachkräften eine verbindliche Orientierung bieten, zur Reflexion anregen und als Grundlage für Qualitätssicherung und berufspolitische Positionierung dienen.
Warum sind Mandatskonflikte und Dilemmata im Kontext der Assistenzleistung nach SGB IX besonders relevant?
In der Assistenzleistung nach SGB IX agieren Fachkräfte im Spannungsfeld zwischen den Interessen der Klient*innen, institutionellen Vorgaben und ethischen Prinzipien der Profession. Dies führt zu häufigen Mandatskonflikten und moralischen Dilemmata, da grundlegende Werte wie Selbstbestimmung und Fürsorge in Spannung zueinanderstehen können.
Welche Bedeutung haben strukturierte Reflexionsräume für die Entwicklung ethischer Urteilskraft in der Sozialen Arbeit?
Strukturierte Reflexionsräume wie Supervision oder Ethikberatung sind entscheidend, da ethische Fragen im Berufsalltag oft informell oder intuitiv behandelt werden. Sie ermöglichen eine systematische Auseinandersetzung mit ethischen Spannungen, fördern die ethische Sensibilität und sichern so professionelles, verantwortungsvolles Handeln.
- Arbeit zitieren
- Saskia Bauer (Autor:in), 2025, Ethische Urteilskraft im Spannungsfeld professionellen Handelns. Eine theoretisch fundierte Analyse am Beispiel der Assistenzleistung nach dem neunten Sozialgesetzbuch (SGB IX), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1610963