Der Roman „Dar Laden“ ist 1983 im Aufbau-Verlag erschienen und erzählt die Geschichte des Jungen Esau Matt und seiner Familie. Diese ziehen von Grauschteen nach Bossdom um dort einen Laden mit Bäckerei zu übernehmen. Es werden im Roman zahlreiche Episoden erzählt, nicht nur über die Familie der Zentralfigur, sondern auch über die Bewohner des Dorfes, so dass der Leser einen recht umfassenden Einblick in das Leben dieser Menschen erhält. In dieser Arbeit soll es allerdings speziell um die Analyse der Figur der Mutter – Helene Matt – gehen. Bevor ich mich allerdings der genaueren Darstellung dieser Figur zuwende, soll im ersten Teil zuerst einmal die Struktur des Romans erläutert werden. Dabei werde ich auf die Anlage des Werks eingehen und versuchen, die Einordnung des Romans als Entwicklungsroman zu erläutern. Weiterhin soll anschließend ein Überblick über die Erzählstruktur des Strittmatterschen Werks gegeben werden. Im nächsten Teil dieser Arbeit wird auf die Darstellung der Figur der Mutter durch die
Aufteilung in fünf Unterpunkte erfolgen. Der Abschnitt über die Beziehungen dieser Person zu den einzelnen Familienmitgliedern soll einerseits den liebevollen Umgang der Mutter mit ihren Kindern beschreiben und andererseits die durch den Laden bestimmten Verhältnisse dieser Frau zu allen Familienmitgliedern aufzeigen. Im zweiten Unterpunkt soll es dann um den Geschäftssinn der Mutter gehen, welcher auf der einen Seite durch immer wieder neu auftauchende Ideen geweckt wird, auf der anderen Seite allerdings durch ihre Naivität und Unachtsamkeit im Umgang mit Geld untergraben wird. In den letzten Abschnitten werde ich auf die charakteristischen Eigenschaften dieser Figur eingehen, ihren Sinn für das Moderne beleuchten, welcher vorwiegend durch das Lesen von „Vobachs Modenzeitung“ geprägt ist, und ihre Stellung im Dorf beschreiben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Struktur des Romans „Der Laden“
2.1 Die Charakterisierung des Romans
2.2 Die Erzählstruktur des Romans
3. Die Darstellung der Figur der Mutter
3.1 Beziehungen zu den einzelnen Familienmitgliedern
3.2 Ihr Geschäftssinn
3.3 Ihre persönlichen Eigenschaften
3.4 Ihre Sinn für das Moderne
3.5 Ihre Stellung im Dorf
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die Figur der Helene Matt aus dem ersten Band von Erwin Strittmatters Roman „Der Laden“ eingehend zu analysieren. Dabei steht die Untersuchung ihrer komplexen Persönlichkeit, ihrer geschäftlichen Ambitionen sowie ihrer sozialen Interaktionen im dörflichen Umfeld im Mittelpunkt, um ein differenziertes Bild dieser zentralen Romanfigur zu zeichnen.
- Analyse der familiären Beziehungsstrukturen der Mutter
- Untersuchung des Geschäftssinns und der ökonomischen Naivität
- Betrachtung der charakteristischen Eigenschaften und des Strebens nach Modernität
- Einordnung der Rolle und Stellung der Figur innerhalb der dörflichen Gemeinschaft
- Deutung der ironischen Erzählweise und Distanz des Ich-Erzählers
Auszug aus dem Buch
3.1 Beziehungen zu den einzelnen Familienmitgliedern
Im Vordergrund dieser Beziehung steht die Eifersucht der Mutter auf andere Frauen, von denen sie glaubt, sie würden ihrem Mann schöne Augen machen. Diese Eifersucht äußert sich des Öfteren im Roman, angefangen von der früheren Besitzerin ihres Ladens Frau Tauer, über die Frau des Zigarettenmachers bis hin zu ihrem Dienstmädchen Hanke, welches sie dann auch mit ihrem Heinrich im Heu erwischt. Als sie von dieser Affäre erfährt, setzt sie ihre stärkste Waffe ein und fällt tot um, eine Eigenschaft, auf die ich an anderer Stelle noch genauer eingehen werde. Normalerweise führt der Tod der Mutter nach ihrer „Wiedergeburt“ eine Einigung der Eltern herbei, aber diesmal kommt es auch nach Beendigung des Streits zu keiner „Versöhnung mit dem Vater [...], auch nach Stunden, auch nach Tagen nicht, [...] auch nach [vielen] Wochen nicht.“ (E. Strittmatter, S. 511f). Die Gründe für ihre Eifersucht liegen möglicher Weise in ihrem eigenen Bedürfnis nach Liebe und Zuwendung, welches von Seiten ihres Mannes nicht befriedigt wird. Statt dessen erfüllt sie ihre Seele mit literarischen Liebkosungen aus Büchern, eine Angewohnheit, die ihr Mann ihr später zum Vorwurf macht, als er zu seiner Rechtfertigung behauptet, sie sei „mehr mit ihren Büchern verheiratet ist als mit ihm“ (E. Strittmatter, S. 515). Sie hat Angst, ihren Heinrich unter Umständen an eine andere Frau zu verlieren, ein Grund, weshalb sie versucht seinen Auftritt in Anwesenheit der Frau des Zigarettenmachers zu sabotieren bzw. herunterzuspielen: „Es heeßt nicht ssaußen, verbessert sie, es heeßt sausen“ (E. Strittmatter, S. 193). Sie fürchtet, den Menschen zu verlieren, der ihr bei Probleme zur Seite steht. Es ist für sie einfacher, Hanka wegzuschicken, als ihren Mann (Selbstschutz der Mutter).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt den Roman „Der Laden“ vor, erläutert die Relevanz der Figur Helene Matt und skizziert das methodische Vorgehen der Analyse.
2. Die Struktur des Romans „Der Laden“: Dieses Kapitel ordnet den Roman gattungstheoretisch ein und analysiert die episodische Erzählstruktur sowie die Rolle des Ich-Erzählers.
3. Die Darstellung der Figur der Mutter: Dieser Hauptteil beleuchtet detailliert die Beziehungen der Mutter zu ihrer Familie, ihren ausgeprägten Geschäftssinn, ihre Wesenszüge sowie ihr Streben nach Modernität und ihre Stellung im Dorf.
4. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung bündelt die Ergebnisse der Untersuchung zu einem geschlossenen Bild der Mutterfigur, die zwischen Naivität und familiärer Verantwortungsübernahme changiert.
Schlüsselwörter
Helene Matt, Der Laden, Erwin Strittmatter, Entwicklungsroman, Ich-Erzähler, Familienbeziehungen, Geschäftssinn, Moderne, Kleinbürgertum, Vobachs Modenzeitung, soziale Stellung, Ironie, dörfliche Gemeinschaft, Bossdom, Charakterstudie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Figur der Mutter, Helene Matt, im ersten Band von Erwin Strittmatters Roman „Der Laden“.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentral sind die Dynamik der familiären Beziehungen, die Geschäftstätigkeit der Mutter, ihre persönlichen Eigenschaften und ihr Streben nach gesellschaftlichem Aufstieg und Modernität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein geschlossenes Charakterbild der Mutterfigur zu erstellen und ihre Motivationen sowie ihr Handeln im Kontext des Romans zu deuten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Romantext primär durch Textbelege und die Untersuchung der Erzählstruktur erschließt.
Was umfasst der inhaltliche Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in fünf Unterpunkte: Beziehungen zu Familienmitgliedern, ihr Geschäftssinn, persönliche Charakterzüge, ihr Sinn für das Moderne und ihre soziale Rolle im Dorf.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Helene Matt, Strittmatter, Familienstrukturen, Geschäftssinn, Moderne und der Roman „Der Laden“.
Warum spielt die „Vobachs Modenzeitung“ eine so wichtige Rolle für die Figur?
Sie dient der Mutter als primäre Quelle für ihr Verständnis von Modernität und als Ratgeber für ihren angestrebten Lebensstil, obwohl dieser oft an der Realität vorbeigeht.
Wie lässt sich die Erzählweise bezüglich der Mutterfigur charakterisieren?
Der Autor verwendet eine teilweise ironische Distanzierung, besonders durch die ständige Wiederholung des Attributs „ausgezeichnete Mutter“, was ein ambivalentes Bild der Figur erzeugt.
- Arbeit zitieren
- Sabrina Oertel (Autor:in), 2005, Die Mutterfigur in Strittmatters "Laden Band I", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161103