Die Institutionalisierung des Lebenslaufs


Hausarbeit, 2010
9 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Institutionalisierung des Lebenslaufs

2. Struktureller Übergang

3. Praktische Kritik am Konzept des institutionalisierten Lebenslaufs
3.1 Kritik an der Dreiteilung des Lebenslaufs
3.2 Kritik am Erwerbssystem als Strukturgeber

4. Anzeichen eines neuen Strukturwandels
4.1 Veränderung des familialen Verhaltens
4.2 Veränderung des Arbeitsverhaltens

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Jeder Mensch hat einen Lebenslauf, in dem er verschiedene Phasen der Entwicklung von der Geburt bis zum Tod durchläuft. Die Ausgestaltung dieser Lebensphasen hängt von sozialen Konstruktionen ab, da die Gesellschaft das Leben der Individuen durch institutionelle Vorgaben und kulturelle Deutungen strukturiert (vgl. Burkart 2008, S.533). Alle Gesellschaften teilen das Leben in Altersstufen und Lebensphasen ein und organisieren so das Zusammenleben der verschiedenen Generationen. Die Einteilung des individuellen Lebens in Altersphasen und der Bevölkerung in Altersgruppen dient der gesellschaftlichen Integration und Ordnungsbildung, verhilft aber auch gleichzeitig den Individuen zur Strukturierung ihres Lebens (vgl. ebd., S.543).

Aus Durchschnittswerten entwickelten sich Altersnormen, wodurch der „Normallebenslauf“ entstand. Dieser heutige Normallebenslauf ist durch die Priorität der Erwerbsphase und seine Dreiteilung gekennzeichnet (vgl. ebd, S.540).

So prägen drei gesellschaftliche Kerninstitutionen die Phasen des Lebenslaufs: Während der Kindheit und Jugend bereitet das Bildungssystem den Zugang zum Arbeitsmarkt vor. In der mittleren Lebensphase bildet den zentralen Referenzpunkt des gesamten Lebenslaufs der Arbeitsmarkt und im höheren Alter ist der Ruhestand durch die Rentenversicherung abgesichert (vgl. Sackmann 2007, S.20).

Der Normallebenslauf ist ein allgemeines Modell, dass für alle Individuen gelten soll, auch wenn es unterschiedliche Verlaufsmuster in den sozialen Schichtungen und Geschlechtern gibt (vgl. Burkart 2008, S.541).

Der Begriff „Lebenslauf“ gibt im Deutschen einen Eindruck von der Doppeldeutigkeit der Kategorie Lebenslauf. Zum einen handelt es sich um den je individuellen Verlauf einer Person. Zum anderen benennt „Lebenslauf“ auch ein hoch standardisiertes Dokument mit dem man potenziellen Arbeitgebern zeigt, wie sich der individuelle Kompetenzenerwerb vollzogen hat (vgl. Sackmann 2007, S.10).

In der folgenden Arbeit soll das Konzept des institutionalisierten Lebenslaufs nach Martin Kohli dargestellt werden, welcher durch die Entwicklung der typischen Lebensform der vorindustriellen und protoindustriellen westlichen Gesellschaften des 18. und 19. Jahrhunderts zur Hochmoderne der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts entstanden ist (vgl. Kohli 2003, S.526).

Kapitel 1 beschreibt die Institutionalisierung des Lebenslaufs. Dabei geht Kohli davon aus, dass der Lebenslauf für das Individuum selbst eine „Institution“ ist, da er orientierend wirkt, normale Erwartungen weckt und Abweichungen wieder in Bahnen lenkt (vgl. Sackmann 2007, S.21).

Lebenslauf kann zwar als soziale Institution konzeptualisiert werden, darf hierbei aber nicht als Gruppierung von Individuen oder als ein von ihnen generiertes Aggregat verstanden werden, ,,sondern im Sinn eines Regelsystems, das einen zentralen Bereich oder eine zentrale Dimension des Lebens ordnet" (vgl. Kohli 1985, S.1).

Der Lebenslauf hat sich im Laufe der Zeit stark verändert. Im 2.Kapitel soll der strukturelle Übergang dieses Transformationsprozesses verdeutlicht werden.

Das Konzept des institutionalisierten Lebenslaufs hat jedoch nicht nur positive Resonanz erfahren. Kapitel 3 erörtert deshalb Kritikpunkte an der Dreiteilung des Lebenslaufs, sowie am Erwerbssystem als Strukturgeber für den Lebenslauf.

In den letzten Jahrzehnten sind für bestimmte Lebensphasen gewisse Destandardisierungstendenzen durch die Pluralisierung von Lebensformen im Privat- und Erwerbsleben festzustellen (vgl. Burkart 2008, S.547). Diese Anzeichen eines neuen Strukturwandels werden in Kapitel 4 in den Bereichen des familialen Verhaltens und des Arbeitsverhaltens dargestellt.

Ob diese Tendenzen der Deinstitutionalisierung wirklich zu einer Auflösung des „Normallebenslaufs“ führen, soll in einem abschließenden Fazit betrachtet werden.

1. Die Institutionalisierung des Lebenslaufs

Kohli sieht den sozialen Wandel zur Moderne durch eine Chronologisierung des Lebens gekennzeichnet, durch den „Übergang vom Muster der Zufälligkeit der Lebensereignisse zu einem des vorhersehbaren Lebenslaufs“.

Im Zuge dieser Chronologisierung des Lebens seien aus Durchschnittswerten tatsächliche Normen geworden, wodurch sich „normative Lebensereignisse“ und eine „Normalbiographie“ entwickelt haben.

Vorangetrieben worden sei diese Entwicklung durch die Entstehung des Wohlfahrtstaates und die altersgeschichteten Systeme öffentlicher Rechten und Pflichten, wie die allgemeine Schulpflicht, die Wehrpflicht und das Bildungs- und Rentensystem.

[...]

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Die Institutionalisierung des Lebenslaufs
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Erziehungswissenschaften)
Autor
Jahr
2010
Seiten
9
Katalognummer
V161140
ISBN (eBook)
9783640744930
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Institutionalisierung, Lebenslaufs
Arbeit zitieren
Stephanie Engel (Autor), 2010, Die Institutionalisierung des Lebenslaufs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161140

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