Die ethnographische Forschung in transnationalen Feldern


Hausarbeit, 2010

16 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Begriffliche Erklärungen
1.1 Teilnehmende Beobachtung
1.2 Ethnographie

2. Die transnationale Feldforschung in der Praxis
2.1 Die Herausforderungen des transnationalen Forschens
2.1.1 Forschungsfeld
2.1.2 Zugang zum Feld
2.1.3 Methode
2.2 Das Phänomen der Heiratsmigration im philippinischen Kontext
2.2.1 Fragestellung
2.2.2 Forschungsfeld
2.2.3 Feldeinstieg
2.2.4 Ergebnisse
2.3 Das Internetforum Cibervalle im paraguayischen Kontext
2.3.1 Fragestellung
2.3.2 Forschungsfeld
2.3.3 Feldeinstieg
2.3.4 Ergebnisse

3. Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Im alltäglichen Leben begegnen uns immer wieder Situationen, in denen die Herkunft der Menschen eine zentrale Rolle spielt. Dadurch hat die Kategorisierung „fremder“ Menschen als „Ausländer“ in einer Gesellschaft an Relevanz gewonnen. Da allerdings auch Identitäten und Lebensräume über nationalstaatliche und gesellschaftliche Grenzen hinaus bestehen können, konstituiert sich die Lebenspraxis der sogenannten Transmigranten zwischen unterschiedlichen Wohnorten und verschiedenen sozialen und geographischen Räumen.

Durch die anhaltenden Prozesse der Globalisierung fühlen sich Menschen nicht mehr nur einer lokalen und nationalen, sondern auch einer transnationalen Einheit oder gar der „Weltgesellschaft“ zugehörig. Immer mehr Menschen richten ihre Selbstverortung und Lebensstile an sehr komplexe Kombinationen unterschiedlicher räumlicher Referenzrahmen (vgl. Pries 2008, S.42).

Vor dem Hintergrund einer hochgradig ausdifferenzierten und pluralisierten Gesellschaft, in der Fremdheitserlebnisse in vielfältiger Form zu alltäglichen Erfahrung gehören, wächst das Interesse an anderen Existenzformen. Diese Existenzformen werden in ethnographischen Studien der qualitativen Sozialforschung analysiert. Dabei sind von Erkenntnisinteresse vor allem die Perspektiven der Teilnehmer, ihre Wissensbestände, Interaktionen, Praktiken und Diskurse (vgl. Lüders 2000, S.390).

„Der Ethnograph nimmt, verdeckt oder offen, am Alltagsleben der Menschen für längere Zeit teil, beobachtet, was geschieht, hört zu, was gesagt wird, stellt Fragen und sammelt alle irgendwie verfügbaren Daten, die für sein Thema von Bedeutung sein könnten“ (Hammersley und Atkinson zit. nach Lüders 2000, S.391).

Das Thema der folgenden Arbeit ist daher das Erforschen des menschlichen Handelns, in der Alltagspraxis und den Lebenswelten, in verschiedenen nationalen Kontexten. Diesen Gegenstandsbereich kann auf zwei Arten empirisch untersuchen werden. Erstens kann man mit den betroffenen Personen Gespräche über ihr Handeln führen und entsprechende Dokumente sammeln. Zweitens kann man, in dieser Arbeit thematisiert, an dieser Alltagspraxis möglichst längerfristig teilnehmen, um mit ihr vertraut zu werden und so die alltäglichen Vollzüge der handelnden Personen beobachten (vgl. ebd., S.384f.).

Zur Einführung in das Thema werden im ersten Kapitel die zentralen Begriffe der „Teilnehmenden Beobachtung“ und „Ethnographie“ definiert.

Im Hauptteil der Arbeit werden die durch die Besonderheiten des Forschungsprozesses in einem transnationalen Raum für die Forscher entstehenden unterschiedliche Herausforderungen erläutert. Kapitel 2 greift daher die essentiellen Punkte der Abgrenzung eines Forschungsfeldes, des Feldzugangs und die Methode der Feldforschung auf.

Anschließend werden diese Herausforderungen anhand zweier Praxisbeispiele aus der transnationalen Feldforschung konkretisiert.

Gegenstand der Studie von Andrea Lauser ist das Phänomen der Heiratsmigration im philippinischen Kontext. Interessant ist dieses Thema in Bezug auf die ethnographische Feldforschung, da Zensusdaten belegen, dass 7 bis 10 Millionen Filipinos sich nicht auf den Philippinen, sondern in über 130 Ländern der Welt aufhalten (vgl. Lauser 2005, Abs.4). Für diese Ethnographie dienten die Alltagsgeschichten lebensgeschichtlicher Erzählungen philippinischer Gesprächspartnerinnen, in Deutschland, sowie auf den Philippinen, als Datenquelle.

Komplementär dazu wird eine Studie von Heike Monika Greschke zur ethnographischen Forschung in einem computervermittelten Feld, nämlich dem Internetforum Cibervalle, welches für Paraguayer entwickelt wurde, herangezogen. Durch die andauernde Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation des südamerikanischen Landes ist Paraguay von anhaltenden Migrationsbewegungen betroffen (vgl. Greschke 2007, Abs.1) und das Internetforum bietet eine Möglichkeit zur elektrischen Kommunikation und zum Austausch von Informationen für die Migranten (vgl. ebd., Abs.7). Zur Zeit der Studie hatte das Forum eintausend registrierte, mehr oder weniger aktive Mitglieder aus unterschiedlichen Zeitzonen (vgl. ebd., Abs.34). Als Datenquelle der Studie dienten einerseits die Tätigkeiten im Internetforum, sowie persönliche Face-to-face-Begegnungen mit den Akteuren in unterschiedlichen Forschungsorten.

Beide Studien werden hinsichtlich ihrer Fragestellungen, ihres Forschungsfeldes, dem Feldeinstieg und ihrer Ergebnisse eruiert.

Durch die Illustration der beiden Studien soll konkretisiert werden, wie fallspezifisch und praktisch mit den Herausforderungen des transnationalen Forschens umgegangen wird.

In einem abschließenden Kapitel werden durch die beschriebenen Herausforderungen notwendige zentrale Kriterien für eine erfolgreiche ethnographische Forschung in transnationalen Sozialräumen zusammenfassend dargestellt.

1. Begriffliche Erklärungen

1.1 Teilnehmende Beobachtung

Die Methode der teilnehmenden Beobachtung bietet einen wichtigen Zugang, um in der sozialwissenschaftlichen Forschung eine Wirklichkeit zu beschreiben (vgl. Lüders 2000, S.385).

Zentrale Aspekte sind dabei einerseits ist die Beziehung des teilnehmenden Beobachters in und zum Feld, da dieser am Leben der Menschen in Face-to-face-Beziehungen teilnimmt. Die Rolle des teilnehmenden Beobachters sollte Unvoreingenommenheit, sowie persönliche Beteiligung in den jeweiligen Situationen beinhalten (vgl. ebd., S.386).

Andererseits haben die verschiedenen Phasen des Forschungsprozesses einer teilnehmenden Beobachtung eine zentrale Bedeutung. Nach der Definierung der Fragestellung folgen die Kontaktaufnahme und der Feldeinstieg. Dabei sind die Etablierung einer Feldrolle und ihre Aufrechterhaltung besonders wichtig. Im Feld werden schließlich die Daten erhoben und protokolliert. Nach dem Feldausstieg folgt die Datenauswertung, inklusive der theoretische Verarbeitung und die Publizierung der Ergebnisse (vgl. ebd., S.386f.).

Auch die Beobachtung der interessierenden Individuen erfolgt in unterschiedlichen Abschnitten. Der Forscher beginnt mit einer breit ausgelegten beschreibenden Phase. Durch eine fokussierte Beobachtung des Forschungsgegenstandes wird dieser genauer in den Blick genommen. Ausgewählte Aspekte werden abschließend in der selektiven Beobachtung präzise analysiert (vgl. ebd., S.387).

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die ethnographische Forschung in transnationalen Feldern
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Internationalität
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V161141
ISBN (eBook)
9783640744817
ISBN (Buch)
9783640745302
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Forschung, Feldern
Arbeit zitieren
Stephanie Engel (Autor:in), 2010, Die ethnographische Forschung in transnationalen Feldern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161141

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die ethnographische Forschung in transnationalen Feldern



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden