Kokain und seine vielen Gesichter

Darstellung einer so genannten Leistungsdroge


Hausarbeit, 2003

27 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe


Gliederung

3.1 Einleitung

4.1 Koka

5.1 Von der Kokapflanze zum Kokain

6.1 Die Kokablätter in Europa

7.1 Medizinische Verbreitung

8.1 Die so genannten Kokainwellen

9.1 Kokain
9.1.1 Kokain und seine Wirkung
9.1.2 Der Crash
9.1.3 Der Kreislauf der Verstärkung
9.1.4 Medizinische Risiken
9.1.4.1 Kokainpsychosen
9.1.4.2 Kokain während der Schwangerschaft
9.1.4.3 Wechselwirkungen mit Alkohol
9.1.5 Konsumformen von Kokain
9.1.5.1 Oraler Konsum
9.1.5.2 Nasaler Konsum
9.1.5.3 Injektion, i.m. und i.v.

10.1 Crack/Freebase
10.2 Die rauchbaren Formen von Kokain (Pulmonaler Konsum)
10.2.1 Freebase
10.2.2 Crack
10.2.2.1 Die Wirkung von Crack und mögliche Folgeschäden
10.2.2.2 Die Geschichte und Verbreitung von Crack
10.2.2.3 Die Verbreitung von Crack in der BRD

11.1 Schlusswort

12.1 Literaturverzeichnis

13.1 Glossar

3.1 Einleitung

Ich habe mich für das Thema „Kokain und seine vielen Gesichter – Darstellung einer so genannten Leistungsdroge“ entschieden, da ich feststellte, über diese Droge und ihre gesellschaftliche Nutzung und Verbreitung, nur sehr wenig zu wissen.

Dies ist natürlich für mich als Sozialarbeiter in der Ausbildung und auch später im Hinblick auf meine berufliche Tätigkeit, nicht hinnehmbar.

Besonders in den letzten Jahren, kommen ja immer wieder öffentlichkeits-wirksame Berichte, über diese illegale Droge und ihrer meist in der Gesellschaft bekannten und populären „User“ auf.

Ob es da um den umstrittenen Populisten und Hamburger Innensenator Ronald Schill(Schill Partei) geht, der von einem Zeugen in der ARD Sendung Monitor öffentlich des Konsums von Kokain bezichtigt wurde, oder um den in der Zwischenzeit verurteilten Bundesligatrainer Christoph Daum.

Immer wieder fällt auf, dass die Öffentlichkeit zwar empört darüber ist, aber eigentlich gar nicht weiß warum. Diese Leute sind überdurchschnittlich erfolgreich und nach außen hin auch nicht besonders auffällig, geschweige denn ein öffentliches Ärgernis im allgemeinen Sinn.

Genau dieser Umstand ist es, der mich dazu bewegt hat, darüber zu referieren und etwas zur allgemeinen Aufklärung beizutragen.

4.1. Koka

Schon den südamerikanischen Indios waren die stimulierenden Eigenschaften der Kokapflanze und ihrer Blätter bekannt, welche sie schon vor mehr als dreizehn Jahrhunderten kauten.[1]

Die in den Andenregionen Südamerikas beheimateten bis zu drei Meter hoch werdenden Cocasträucher der Sorte Erythroxylum Coca Lamarck (Handelsname „Huarnacasorte“) sowie die Sorte Erythroxylum Coca Novogranatense (Handelsname Trujillo – Koka) sind für die Gewinnung von Kokain maßgebend.

Diese Pflanzen werden in dieser Region schon seit über 3000 Jahren kultiviert, wobei sie aber in der Zwischenzeit auch in anderen Regionen mit ähnlichen klimatischen Bedingungen, wie etwa Java oder dem indischen Subkontinent angebaut werden.[2]

Wie aus der Geschichte hervorgeht, war das Kauen von Koka in der bereits benannten Andenregion sehr verbreitet und innerhalb der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Indios unkontrolliert.

Die Kontrolle des Kokakonsums und die Einschränkung auf Adels- und Priesterschichten begann mit der Gründung des Inkareiches. Religiöse Regeln wurden mit der Kokapflanze in Verbindung gebracht. Allerdings verloren diese auch wieder an Bedeutung, als das Inkareich 1000 vor Christus langsam zerfiel und schließlich auch unterging.

Im Jahre 1530, als die Spanier diese Regionen eroberten, war das Koka kauen in der Inka Gesellschaft wieder weit verbreitet.

Die Indios kauten Ballen von Kokablättern, um Hunger zu unterdrücken, Kälte auszuhalten, aber auch länger und härter arbeiten zu können. Der Gebrauch von Kokablättern hat für die Indios bis heute zwei Hintergründe. Einmal dienen die Kokablätter bis in unsere Gegenwart als Ritual-, Heil-, Lebens- und Genussmittel, und andererseits sind sie ein ganz normaler Bestandteil des alltäglichen Lebens, um dessen Anforderungen standhalten zu können.

Auch heute noch geht man davon aus, dass die Hälfte der ländlichen Indio Bevölkerung von Peru, Kokablätter als Genussmittel nutzten und kauen wie ihre Vorfahren.[3]

„Einige Kokablätter werden in die Backenhöhle gestopft und gekaut bis sich ein durchgefeuchteter runder Ball formt. Dann wird eine schwarze alkalische Substanz in der Größe eines Kieselsteines, genannt „torca“ hinzugefügt, während weiter auf den Kokablättern gekaut wird. Diese ermöglicht die Herauslösung des Kokains aus dem organischen Material der Blätter und hilft dem Körper, die Wirkstoffe aufzunehmen.“[4]

Die Wirkung des Kauens von Kokablättern ist eine subtilere und länger anhaltende als beim Konsum von Kokain.

Es hebt die Stimmung, verringert den Appetit und hebt die körperliche Ausdauer. Sie ist aber mit der intensiven geistigen und körperlichen Erregung, die Kokain auslöst, kaum zu vergleichen. Die Kokablätter wurden schon im frühen 16. Jh. von den Eroberern mit nach Europa gebracht. Sie lösten aber nur geringes botanisches und wissenschaftliches Interesse aus, da durch die lange Transportwege, sich die Wirkung der Kokablätter minimierte.[5]

5.1 Von der Kokapflanze zum Kokain

Das Hauptalkaloid („Alkaloide sind stickstoffhaltige, meist kompliziert gebaute Stoffe, die in vielen tropischen und subtropischen Pflanzen gebildet werden.“[6]) der Kokapflanze isolierte 1860 der Chemiker Albert Niemann (1834 — 1861), der als Doktorrand bei Friedrich Wöhlert (1800 - 1882) an der Göttinger Universität mit seiner Dissertation befasst war, und nannte es Kokain. Sein Kollege Willhelm Lossen (1838- 1906) führte nach Niemanns frühen Tod 1861 die Arbeiten fort und bestimmte in seiner 1862 erschienenen Dissertation die chemische Formel des Kokains.[7]

Das Material, das produziert wurde, war das gleiche weiße, kristalline, geruchslose Pulver Kokainhydro­chlorid, das noch heute in Gebrauch ist. Die wesentlichen technischen Voraussetzungen für die Produktion von Kokain waren somit durch die Forschung geschaffen. Auch die Anbauländer profitierten von diesen Forschungs­ergebnissen.

Der Export von Kokablättern war bis dahin kostspielig und umständlich gewesen, da diese nur eine begrenzte Haltbarkeit haben. In Peru entstanden 1886 die ersten Fabriken zur Kokainproduktion. Kokain wurde im Land schnell zu einem der bedeutendsten Exportartikel.[8]

Die deutsche Firma Merck nahm im Jahre 1862 die kommerzielle Produktion von Kokain auf.[9]

6.1 Die Kokablätter in Europa

Das Interesse an Kokablättern im 15.- 16. Jh. in Europa war, wie gesagt, gering. Koka war eine Droge unter vielen wie Tee, Kaffee, Opium etc., welche damals das Festland erreichten. Es herrschte eine Unsicherheit, ob die Wirkung des Kokablattes nicht reine Illusion sei, denn durch die langen Seereisen von Südamerika bis Europa enthielten die Kokablätter tatsächlich kaum noch Wirkstoff. Aber durch die Veröffentlichungen der Berichte der Südamerikareisenden im 17. und 18. Jahrhundert, in denen Verblüffendes über die Wirkung der Kokablätter beschrieben wurde, wurde die Aufmerksamkeit größer. So reiste 1827 der deutsche Arzt E. Friedrich Pöppig (1789 — 1868) nach Peru, um dort eine ausgedehnte Studie über die sozialen und kulturellen Gebräuche der Indios durchzuführen. Pöppig war als einer der ersten von der abhängig machenden Wirkung des Kokains überzeugt. In seinen Berichten definierte er den Gebrauch als Laster, von dem sich ein Befallender nicht mehr entwöhnen könne.

Seinen Berichten wurde damals wenig Aufmerksamkeit geschenkt.[10]

7.1 Medizinische Verbreitung

In ganz Europa und in den Vereinigten Staaten begannen Mediziner mit Kokain zu experimentieren. Sie injizierten es, lösten es im Wasser auf um es als Getränk zu verabreichen oder puderten es auf die Zungenspitze.[11]

Aufgrund zahlreicher Publikationen, in denen die Droge als schmerzlindernd beschrieben wurde, forschte man weiter im medizinischen Bereich. Aber auch im militärischen, da der Droge eine Belastbarkeit steigernde und die körperliche Befindlichkeit positiv beeinflussende Wirkung zugeschrieben wurde. Der Würzburger Arzt und Pharmakologe Aschenbrant nahm 1883 für Forschungszwecke an den Herbstmanövern eines bayrischen Armeekorps teil und führte Aufsehen erregende therapeutische Kokain- Versuche an Soldaten durch. Aschenbrant verabreichte die Substanz unter verschiedenen Belastungsbedingungen und unterschiedlichen Krankheitszuständen in wässrigen Lösungen von 0,1 — 5 Prozent Kokainkonzentration. Ein Ergebnis dieser Versuche war, dass die von Aschenbrant betreute Gruppe den mit Abstand niedrigsten Krankheitsstand der Diversion hatte. Dies führte er in erster Linie auf die belebenden Eigenschaften des Kokains zurück.[12]

[...]


[1] Vgl. Stone/Fromme/Kagan, Leistungsdroge Kokain, 1990, S. 30

[2] Vgl. Kemper, Kokain in der Musik, 2001, S. 7

[3] Vgl. Stone/Fromme/Kagan, Leistungsdroge Kokain, 1990, S. 30

[4] Zit. Stone/Fromme/Kagan, Leistungsdroge Kokain, 1990, S. 31

[5] Vgl. Stone/Fromme/Kagan, Leistungsdroge Kokain, 1990, S. 31

[6] Vgl. Täschner, Koka und Kokain, 1988, S.28

[7] Zit. Ladewig, Sucht und Suchtkrankheiten, 1998, S. 47

[8] Vgl. http://www.catbull.com/alamut/Lexikon/Mittel/Kokain.htm

[9] Vgl. Täschner, Koka und Kokain, 1988, S.27/28

[10] Vgl. Kemper, Kokain in der Musik, 2001, S. 8

[11] Vgl. Stone/Fromme/Kagan, Leistungsdroge Kokain, 1990, S. 31

[12] Vgl. Täschner, Koka und Kokain, 1988, S.28/29

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Kokain und seine vielen Gesichter
Untertitel
Darstellung einer so genannten Leistungsdroge
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg  (Fachbereich Sozialwesen)
Veranstaltung
Drogen und Medikamente/Hauptstudium
Note
1,5
Autor
Jahr
2003
Seiten
27
Katalognummer
V16118
ISBN (eBook)
9783638210539
ISBN (Buch)
9783638686891
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kokain, Gesichter, Darstellung, Leistungsdroge, Drogen, Medikamente/Hauptstudium
Arbeit zitieren
Bernd Kammermeier (Autor:in), 2003, Kokain und seine vielen Gesichter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16118

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