Sophie von La Roche und ihre Anglophilie


Hausarbeit, 2010
19 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

Sophie von La Roche und „ihre“ Anglophilie

Die Anfänge der „deutschen Anglophilie“

Biographisches zu Sophie von La Roche

Reisebericht

Die Reiseberichte Sophie von La Roches

Tagebuch einer Reise durch Holland und England
Ankunft in London
Kleidung der Frauen
Modetorheiten
St. James´s Park
Das Schicksal der Schwarzen
Sadler´s Wells
Oxford Street
Schaufenster
Bank of England
Bedlam
Foundling Hospital

Sophie von La Roche und „ihre Anglophilie“ – Eine abschließende Betrachtung

Literaturverzeichnis

Sophie von La Roche und „ihre“ Anglophilie

Das 18. Jahrhundert war nicht nur ein Jahrhundert großer politischer Ereignisse wie der Erbfolgekriege[1], der Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika oder der Französischen Revolution. Viel mehr fallen in diese Zeit auch bedeutende gesellschaftliche Strömungen, die wohl größte unter ihnen ist die Zeit der „Aufklärung“, aber auch die so genannte „Anglophilie“[2] fällt darunter. Aus heutiger Sicht manifestiert sich die deutsche Anglophilie vor allem in Reiseberichten deutschsprachiger Englandreisender. Ein Paradebeispiel dieser Schreibkunst soll daher Grundlage dieser Arbeit werden: Sophie von la Roche: Tagebuch einer Reise durch Holland und England, genauer der Teil dieses Werkes, welcher sich mit London beschäftigt. Diese Einschränkung muss einerseits vorgenommen werden, um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen, auf der anderen Seite lässt sich der thematische Schwerpunkt dieser Arbeit sehr gut erarbeiten. Ziel ist es, eine Spielart der Anglophilie aufzuzeigen, interessant ist dabei vor allem die Tatsache, dass Sophie von La Roche als Frau einen anderen Blickwinkel auf das Gesehene hat und deshalb durchaus auch Themen erörtert, welche Männer nicht zum Gegenstand ihrer Arbeit gemacht haben. Andersherum gilt das natürlich genauso, La Roche spart typische „Männerthemen“ aus. Daher sei daran erinnert, dass Anglophilie für jeden Menschen anders gewichtet ist und sich daher anders ausdrückt, diese Arbeit kann unmöglich Anglophile als Ganzes aufzeigen, viel eher soll sie Grundlage für spätere Vergleiche sein, indem sie La Roches Verständnis von Anglophilie aufzeigt, so dass man darauf aufbauend La Roche mit anderen Autoren vergleichen kann.

Die Arbeit gliedert sich daher im Folgenden derart, dass erst kurz aufgezeigt wird, wie sich Anglophilie im deutschsprachigen Raum jener Zeit im Allgemeinen ausgedrückt hat und wie es dazu gekommen ist. Anschließend widmet sich ein Kapitel der Biographie von La Roche, immerhin ist eine Autorin im 18. Jahrhundert durchaus etwas Besonders. Wie es dazu kam und wer Sophie von La Roche war, ist daher eines eigenen Kapitels würdig. Im Weiteren betrachten wir ausgewählte Kapitel ihres oben genannten Werkes, um sie auf für uns relevante Stellen hin zu untersuchen. Im Großen und Ganzen folgen wir dabei der Vorauswahl, welche Michael Maurer in „O Britannien, von deiner Freiheit einen Hut voll“[3] vorgenommen hat. Diese strenge Selektion hat den Vorteil, dass man die Fragestellung innerhalb der engen formalen Grenzen dieser Arbeit beantworten kann, trotzdem hinterlässt sie einen bitteren Beigeschmack, muss man sich doch fragen, ob nicht evtl. wichtige Punkte untergehen[4]. Unter Berücksichtigung des Originaltextes[5] und der breiten Anerkennung, welche Maurer im wissenschaftlichen Themenfeld Anglophilie genießt ist diese Vorauswahl jedoch zu vertreten. All dies geschieht aber nicht, ohne vorher kurz aufgezeigt zu haben, was ein Reisebericht als solcher überhaupt ist und welche Merkmale ihn kennzeichnen. Abschließend definieren wir auf Grundlage des Erarbeiteten, was für Sophie von La Roche Anglophilie bedeutet.

Die Anfänge der „deutschen Anglophilie“

Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begannen die Menschen verstärkt Englisch zu lernen und auch englische Literatur zu lesen und zu beurteilen. Bewundert wurden die „innere Geschlossenheit“[6] und soziale Errungenschaften wie Findlingshäuser und psychiatrische Anstalten. Voltaire[7] hatte die Englandliebe in die Herzen der Deutschen eingepflanzt. Unter dem Vorbild Großbritanniens habe sich das Bürgertum von der vom Adel geprägten Gesellschaft abgelöst, so Michael Maurer[8]. Daher ist es nicht verwunderlich, dass eine ganze Reihe von Autoren jenes gelobte[9] und als „frei“ empfundene Land besuchten, nicht selten auch mit der Intention, darüber zu schreiben, sei es des Schreibens wegen oder aber auch, um so die Reise und den Lebensunterhalt zu verdienen. Denn Reiseberichte verkauften sich gut zu dieser Zeit, lieferten sie doch ein Bild der für die meisten doch so weiten Ferne.

Dabei nahm die „deutsche Anglophilie“ ihren Weg, wie oben bereits angedeutet, über Frankreich und gereichte später dann sogar als Reibungspunkt für das sonst so allgegenwärtige französische Vorbild. Verstärkt wurden die Deutsch-Englischen Beziehungen sowohl durch dynastische Verbindungen als auch über Handel und Religion. Allerdings verlor die Anglophilie in Deutschland mit der Französischen Revolution an Einfluss, plötzlich war es nicht mehr England, was als Inbegriff von Freiheit und Nationalstolz galt, sondern eben Frankreich. La Roches Werk entsteht aber vor 1789 und kann durchaus als eines der anglophilsten Werke jener Zeit verstanden werden.

Biographisches zu Sophie von La Roche

Sophie von La Roche wurde am 6. Dezember 1730 als Sophie Gutermann von Gutershofen in

Kaufbeuren geboren; sie war Tochter eines Arztes, verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Augsburg und in Biberach. Mit 16 Jahren (1746) erfolgte die Verlobung mit dem Arzt Gian Lodovico Bianconi[10], welcher ihre Ausbildung in Klavier, Gesang und Italienisch förderte. Zusätzlich unterrichtete er sie in Kunstgeschichte und klassischem Altertum. Allerdings hatte ihr Vater etwas gegen die geplante Hochzeit und so trennten sich die Wege von Sophie und Lodovico: „So bewirkt der vom Vater erzwungene Bruch mit Bianconi eine erneute Beschränkung der Bildungsmöglichkeiten“[11]. Nur wenige Jahre später (1750) begegnete La Roche Christoph Martin Wieland. Sie wurden das, was man zu jener Zeit „Seelenfreunde“[12] nannte, Wieland ging sogar so weit zu behaupten, er wäre wohl kein Dichter geworden ohne ihren Einfluss auf ihn[13]. Obwohl auch diese Beziehung nicht lange hält, kommt Sophie durch Wieland zum Schreiben. Im Jahre 1753 ehelicht sie den Hofrat Georg Michael Frank La Roche. Er ist ihr ein liebender Ehemann, lässt ihr Zeit zu schreiben und nimmt sie auf viele seiner Reisen mit. Bis 1762 lebten die La Roches vor allem am Mainzer Hof, danach auf Gütern in Bönningheim und Warthausen. In diesen Jahren brachte Sophie acht Kinder zur Welt und kam ihren offiziellen Pflichten als gebildete Dame der Gesellschaft nach. 1771 ging ihr Mann als Geheimer Konferenzrat des Kurfürsten von Trier nach Ehrenbreitstein bei Koblenz. Dort führte sie einen literarischen Salon, zu dessen Gästen u. a. Johann Bernhard Basedow[14], Johann Jakob Wilhelm Heinse[15], Friedrich Heinrich Jacobi[16], Johann Kaspar Lavater[17] und Johann Wolfgang von Goethe zählten. Zu diesem Zeitpunkt war sie als Verfasserin des an Jean-Jacques Rousseau und Samuel Richardson orientierten empfindsam-didaktischen Briefromans „Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim“, der 1771 von Wieland herausgegeben anonym erschien, bereits eine Berühmtheit. Nach der Amtsenthebung ihres Gatten übersiedelte die Familie 1780 nach Speyer. Hier publizierte Sophie La Roche 1783/84 mit „Pomona. Für TeutschLands Töchter“ die erste von einer Frau herausgegebene, überregional verbreitete Frauenzeitschrift Deutschlands. Sie erschien monatlich und verfolgte ein aufgeklärtes Erziehungsprogramm. In der Folge unternahm La Roche – auch hierin eine Pionierin – mehrere ausgedehnte Reisen, worüber sie umfangreiche Reisetagebücher publizierte; hierzu gehören „Tagebuch einer Reise durch die Schweitz“ (1787), „Journal einer Reise durch Frankreich“ (1787) sowie „Tagebuch einer Reise durch Holland und England“ (1788). Die letzten beiden Jahrzehnte ihres Lebens verbrachte La Roche in Offenbach am Main, wo sie am 18. Dezember 1807 verstarb. Zuvor hatte sie noch ihre Lebenserinnerungen „Melusinens Sommerabende“ (1806) publizieren können.

Für diese Arbeit sind aber weniger ihr Wirken als Herausgeberin oder ihr Tun als Gastgeberin im literarischen Salon von großer Bedeutung, gleichwohl diese Tätigkeiten ihren hohen Bildungsstand und ihre soziale Stellung verdeutlichen. Viel wichtiger sind die Beziehungen von Sophie von La Roche nach England und zum britischen Königreich, die sich auf verschiedensten Wegen entfalteten. So folgte ihr Mann seinem Vater, Graf Stadion[18], welcher als politischer Gesandter dort tätig war, an den Hof Georgs II.. Des Weiteren lernte sie die englische Sprache vor allem über die Lektüre von Shakespeare, Swift und Richardson. Dieses Wissen nutzend versetzt La Roche bereits ihren Erstlingsroman nach England. Hier schreibt und schwärmt sie von „ihrem“ Land[19] und Fräulein von Sternheim, die Romanheldin, wird als englisches Mädchen gelobt[20].

Es zeigen sich also bereits zu Beginn ihres Wirkens klare anglophile Züge, welche auf biographischen Tatsachen beruhen und eben nicht nur von dem Lesen anderer Autoren herrühren.

Reisebericht

Als Reisebericht oder Reisebeschreibung bezeichnet man die (literarische) Darstellung der

Beobachtungen und Erlebnisse eines Reisenden. Solche Beschreibungen variieren sehr in Inhalt und Wert, je nach Zweck der jeweiligen Reise. Der Begriff „Reiseliteratur“ bzw. „Reisebericht“ in der Forschung wird als Oberbegriff[21] eingeführt, für Darstellungen “tatsächlicher oder fiktionaler Reisen“[22] definiert. Dabei handelt es sich nach Otto F. Best (1976) um literarische Werke, die „dem Thema Reise gewidmet sind“. Gero von Wilpert versteht unter Reiseliteratur daher "das gesamte dem Stoff nach von tatsächlichen oder fiktiven Reisen berichtende Schrifttum[23] ".

[...]


[1] Beispiel: Spanischer Erbfolgekrieg: 1701-14.

[2] Bei der Anglophilie handelt es sich um die Vorliebe für England, die Engländer und alles Englische.

[3] Maurer, Michael: O Britannien, von deiner Freiheit einen Hut voll. Deutsche Reiseberichte des 18. Jahrhunderts, Frankfurt am Main 1992.

[4] Für Vor- und Nachteile von Textauswahl vgl. Maurer Seite 8ff.

[5] Roche, Sophie von la, Tagebuch einer Reise durch Holland und England. Offenbach 1788.

[6] Langner, Margrit, Sophie von La Roche- die empfindsame Realistin, Heidelberg 1995. Seite 221.

[7] Voltaire, eigentlich François Marie Arouet, (1694-1778), französischer Schriftsteller und Philosoph. Er war einer der führenden Vertreter der Aufklärung.

[8] Maurer, Michael, Aufklärung und Anglophilie in Deutschland, Göttingen 1987.

[9] England galt als Nation von Philosophen und des Fortschritts(Industrielle Revolution)

[10] Langner, Seite 10.

[11] Ebenda.

[12] Ebenda.

[13] Sophie von La Roche an Leonhard Meister. Offenbach 4.10.1787.

[14] Basedow, Johann Bernhard (1724-1790), deutscher Bildungsreformer und führender Vertreter der Pädagogik der Aufklärung.

[15] Heinse, Johann Jakob Wilhelm, eigentlich Johann Jakob Wilhelm Heinze bzw. Heintze, (1746-1803), Schriftsteller.

[16] Jacobi, Friedrich Heinrich (1743-1819), Schriftsteller und Philosoph. Er war eine der zentralen Gestalten des Sturm und Drang.

[17] Lavater, Johann Kaspar (1741-1801), schweizerischer Pfarrer und Schriftsteller.

[18] Stadion, Johann Philipp Graf von (1763-1824), österreichischer Staatsmann.

[19] Becker-Cantarino, Barbara. 1983. “Nachwort”, In: La Roche, Sophie von.,1983 [1771], Geschichte des Fräuleins von Sternheim, Barbara Becker-Cantarino(Hg.), Stuttgart, S. 390.

[20] Langner, Seite 222.

[21] Art. Reisebericht. In: Brunner/ Moritz(Hg.) . Literaturwissenschaftliches Lexikon. Grundbegriffe der Germanistik, Berlin 2006

[22] Ebenda.

[23] von Wilpert, Gero, Sachwörterbuch der Literatur. 8., verb. und erweit. Auflage, Stuttgart 2001

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Sophie von La Roche und ihre Anglophilie
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (VKKG)
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V161183
ISBN (eBook)
9783640747092
ISBN (Buch)
9783640747283
Dateigröße
619 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Bemängelt wurde die einseitige Literaturgrundlage und dass es kein Vergleich ist, deshalb auch nur eine 2,0.
Schlagworte
Sophie, Roche, Anglophilie
Arbeit zitieren
Philipp Berner (Autor), 2010, Sophie von La Roche und ihre Anglophilie , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161183

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