Die Hausarbeit untersucht die Rolle des Deutschen Museums während des Nationalsozialismus. Nach einem Blick auf die späte Weimarer Republik werden die Veränderungen durch den Regimewechsel analysiert – von Verwaltung und Ausstellungskonzeption über Sonder- und Dauerausstellungen bis hin zu Wanderausstellungen als gezielte Propagandamittel. Auch die Reaktionen der Besucher werden einbezogen.
Darüber hinaus zeigt die Arbeit die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf das Museum und zeichnet nach, wie sich die Institution nach 1945 neu positionierte. Eine prägnante Analyse, die verdeutlicht, wie Wissenschaft, Technik und Propaganda in dieser Zeit eng miteinander verknüpft waren.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Das Museum in der späten Weimarer Republik
- 3. Veränderungen durch den Regimewechsel
- 3.1 Verwaltung
- 3.2 Ausstellungen
- 3.2.1 Allgemeine Ausstellungskonzeption
- 3.2.2 Sonderausstellungen „Werksteinschau“ und „Werkstoffschau"
- 3.2.3 Dauerausstellung „Kraftfahrwesen, Straßenbau und Reichsautobahnen"
- 3.2.4 Wanderausstellungen als Propagandamittel
- 3.3 Reaktionen der Besucher
- 4. Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs
- 5. Das Museum nach dem Krieg
- 6. Fazit
- 7. Quellen- und Literaturverzeichnis
- 7.1 Quellenverzeichnis
- 7.1.1 Ungedruckte Quellen
- 7.1.2 Publizierte Quellen
- 7.2 Literaturverzeichnis
- 7.1 Quellenverzeichnis
- 8. Abbildungsverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Deutsche Museum während der NS-Zeit, um zu klären, inwieweit es vom NS-Staat kontrolliert wurde und ob ein Widerstand vonseiten des Museums zu erkennen war. Es wird analysiert, wie sich die nationalsozialistische Herrschaft auf die Verwaltung, die Ausstellungskonzeption und die externe Darstellung des Museums auswirkte.
- Analyse der administrativen Veränderungen und personellen Anpassungen im Museumsvorstand unter NS-Einfluss.
- Untersuchung der allgemeinen Ausstellungskonzeption und spezifischer Sonderausstellungen wie „Werksteinschau“ und „Werkstoffschau“.
- Beleuchtung der Dauerausstellung zu Kraftfahrwesen, Straßenbau und Reichsautobahnen als Propagandamittel.
- Erfassung der Reaktionen der Museumsbesucher auf die nationalsozialistisch geprägten Inhalte.
- Betrachtung der Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf den Museumsbetrieb und die Sammlungen.
- Analyse der Darstellung und Neuinterpretation der Museumsgeschichte in der Nachkriegszeit.
Auszug aus dem Buch
3.2.3 Dauerausstellung „Kraftfahrwesen, Straßenbau und Reichsautobahnen“
So konnten die Vorbereitungen für die Aktualisierung der Abteilung mit der Unterstützung von Fritz Todt begonnen werden.78 Der Plan, eine Halle für das Kraftfahrwesen zu errichten, konnte nach Hitlers zweitem Besuch aufgrund dessen Interesses an einer solchen Schau und der Beziehungen von Bruckmann und Todt verwirklicht werden. Der Führer versicherte dem Museum bereits kurze Zeit nach seinem Aufenthalt in München eine finanzielle Unterstützung von zwei Millionen Reichsmark, setzte dabei aber voraus, in der neuen Abteilung nur die neuesten Entwicklungen zu zeigen und die Modelle jährlich zu ersetzen, um eine veraltete Ausstellung zu vermeiden.79 Neben dem Bau der Kraftfahrzeughalle wurde dem Museum auch die Unterstützung für Erneuerungen in anderen Abteilungen zugesagt, die politische Themen behandelten. Die Verbindungen zur Spitze der Regierung waren somit endlich hergestellt.
Die Abteilung „Kraftfahrwesen“ konnte so ab 1936 „auf Wunsch des Führers und im Einvernehmen mit dem Reichsverband der Automobilindustrie“80 konzipiert werden, und sollte „die Entwicklung des Kraftfahrwesens an Hand von Originalfahrzeugen, Fahrzeugteilen, Modellen, Bildern, Plänen und belehrenden Texten“81 darstellen. Für den Inhalt der Abteilung war das FKFS82 zuständig, daneben kam Hitlers Autohändler Jakob Werlin in das Gremium des Museums, um die Vorstellungen des Führers in die neue Dauerausstellung mit einzubringen.83 Die neue KFZ-Halle konnte schließlich 1937 feierlich eröffnet werden, wobei Adolf Hitler nicht anwesend war, obwohl seine Wünsche bei der Ausstellungskonzeption berücksichtigt wurden. Auch wenn die Museumsleitung darüber besonders enttäuscht war, wurde die großzügige Spende des Führers zur Verwirklichung der Kraftfahrzeughalle bei der Eröffnungsrede durchgehend betont.84 Ein Jahr später folgte die Eröffnung der Dauerausstellung zusammen mit der Abteilung „Straßenbau.“85 Die neue Halle zeigte durch ihre Gestaltung mit Reichsadlern und Hakenkreuzfahnen deutlich die Zusammenarbeit mit der NS-Regierung.86 An der Wand stand dazu ein Zitat Hitlers: „Ich liebe den Kraftwagen über alles, denn er hat mir Deutschland erschlossen.“87 Die Halle erinnerte stark an einen Ehrensaal, und stellte die gegenwärtige und zukünftige Leistung der deutschen Erfinder in den Mittelpunkt.88 Die Hauptmodelle waren natürlich von deutscher Herkunft. Einen Tropfenwagen suchte man in der Schau aber vergeblich, da dieser vom jüdischen Konstrukteur Rumpler stammte und daher nicht ausgestellt wurde.89 Da hier wiederum die Herkunft über den wissenschaftlichen Wert gestellt wurde, stellt dies einen weiteren Hinweis auf den hohen Einfluss der Nationalsozialisten dar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Das Deutsche Museum, 1906 gegründet und in den 1920ern führend, sah sich ab den 1930ern mit dem Regimewechsel konfrontiert, was zu Veränderungen und der Frage nach Kontrolle und Widerstand durch den NS-Staat führte.
2. Das Museum in der späten Weimarer Republik: Schon vor dem Regimewechsel fungierte das Museum als "Symbol der Zukunftshoffnung" und Vorbild für andere Einrichtungen, wobei trotz der Betonung der Unparteilichkeit bereits erste politische Verbindungen und Konflikte erkennbar waren.
3. Veränderungen durch den Regimewechsel: Der Regimewechsel führte zu tiefgreifenden Veränderungen in der Museumsverwaltung und -konzeption, einschließlich der Anpassung von Ausstellungen an nationalsozialistische Ideologien und dem Rücktritt Oskar von Millers.
4. Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs: Der Museumsbetrieb wurde durch den Krieg stark eingeschränkt, Mitarbeiterzahlen sanken, der Vorstand änderte sich durch Todesfälle, und das Museum erlitt erhebliche Bombenschäden, während es aber weiterhin eine Rolle bei der Formung der nationalen Identität spielte.
5. Das Museum nach dem Krieg: Nach 1945 begann der Wiederaufbau des Museums, dessen Konzept und Sammlungen vollständig neu gestaltet wurden, wobei die Verbindungen zum NS-Staat bewusst verdrängt und teilweise als Widerstand dargestellt wurden.
6. Fazit: Die Arbeit schließt, dass das Deutsche Museum eine aktive Rolle im NS-Staat spielte und nationalsozialistische Ideologien vermittelte, obwohl anfänglich Widerstand erkennbar war, und dass diese Verbindungen nach dem Krieg weitgehend verdrängt wurden.
Schlüsselwörter
Deutsches Museum, Nationalsozialismus, Ausstellungspolitik, Museumsgeschichte, Oskar von Miller, Fritz Todt, Propaganda, Widerstand, Weimarer Republik, Zweiter Weltkrieg, Nachkriegszeit, Wissenschaftsmuseum, Technikmuseum, Volksbildung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Diese Arbeit untersucht die Geschichte des Deutschen Museums während des Nationalsozialismus, analysiert den Einfluss des NS-Staates auf die Museumsarbeit und die Reaktion des Museums darauf.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die Veränderungen in der Museumsverwaltung und Ausstellungskonzeption, die Rolle von Propagandaausstellungen, die Reaktionen der Besucher, die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs und die Darstellung der Museumsgeschichte nach 1945.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, zu klären, inwieweit das Deutsche Museum durch den NS-Staat kontrolliert wurde und ob es Widerstand vonseiten des Museums gab.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Methode umfasst die Analyse von Archivmaterialien, Ausstellungskatalogen, Museumsführern, Presseartikeln und Reiseberichten, um die Veränderungen und Verbindungen zur NS-Herrschaft zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Situation des Museums in der Weimarer Republik, die tiefgreifenden Veränderungen unter dem NS-Regime in Verwaltung und Ausstellungspolitik, spezifische Sonder- und Dauerausstellungen sowie die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf den Museumsbetrieb.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Deutsches Museum, Nationalsozialismus, Ausstellungspolitik, Museumsgeschichte, Propaganda und Widerstand.
Welche Rolle spielte Oskar von Miller im Konflikt mit dem NS-Staat?
Oskar von Miller versuchte, das Museum als politisch neutral darzustellen und Verbindungen zum NS-Staat zu vermeiden, was ihm den Spitznamen „roter Oskar“ einbrachte und schließlich zu seinem Rücktritt führte.
Wie wurde die Dauerausstellung „Kraftfahrwesen, Straßenbau und Reichsautobahnen“ von den Nationalsozialisten genutzt?
Diese Dauerausstellung wurde gezielt im nationalsozialistischen Interesse konzipiert, mit finanzieller Unterstützung des Führers. Sie präsentierte ausschließlich deutsche Erfindungen, enthielt NS-Symbole wie Hakenkreuze und Zitate Hitlers und stellte die Leistungen deutscher Ingenieure in den Mittelpunkt, um nationalsozialistische Ideologien zu vermitteln.
Wie ging das Deutsche Museum nach 1945 mit seiner Vergangenheit um?
Nach 1945 wurde der Wiederaufbau des Museums mit einem völlig neuen Konzept vorangetrieben. Die Verbindungen zu den Nationalsozialisten wurden gezielt verdrängt, Akten vernichtet, und Widerstand gegen den NS-Staat nachträglich überbetont, um eine politisch neutrale Darstellung zu wahren.
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- Carolin Keller (Author), 2014, Das Deutsche Museum im Nationalsozialismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1612301