Reichstage und Reformation

Der Wormser Reichstag 1521


Seminararbeit, 2006
19 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Wormser Reichstag 1521
2.1 Begriffsdefinition und Bedeutung
2.2 Die Wahl über den Ort und die Ausschreibung des Reichstages
2.3 Luther kommt nach Worms.
2.4 Luthers Verhör und Gegenrede
2.5 Das Wormser Edikt

3. Schlussbetrachtungen

4. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Luthers Thesenanschlag am 31. Oktober 1517, der „das arme unverstendig volk [...] Inn beswerlichen Irtumb“[1] führte, entfachte einen Konflikt um die Glaubenspaltung, der viele Jahrezehnte lang anhalten und Forscher der heutigen Zeit noch beschäftigen sollte. Für den Meinungsaustausch über diesen entbrannten Zwiespalt, in dem die Person Martin Luthers als „staatsgefährdender Unruhstifter“[2] bezeichnet wurde, bedurfte es einer „Diskussionsebene“[3], damit die Auseinandersetzungen friedlich ausgetragen und eine Lösung des Konfliktes möglichst schnell herbeigeführt werden konnte. Diese Diskussionsebene bildete der Reichstag, der schließlich zu einer „Regionalisierung der Kirche auf der Grundlage unterschiedlicher Glaubensbekenntnisse“[4] führen sollte.

Bei der Eröffnung des Wormser Reichstages am 27. Januar 1521 durch Kaiser Karl V., die nur nach dreiwöchiger Verzögerung unter einer glanzvollen Zeremonie vollzogen wurde, war noch unklar, ob die Luthersache überhaupt Gegenstand der Verhandlungen sein werde, denn für die meisten weltlichen Fürsten war dies der erste Kontakt mit den theologischen Ursachen des genannten Konfliktes[5]. Die Luthersache wurde nur als einzelner Punkt in die Verhandlung aufgenommen, wurde dann jedoch zum herausragenden Ereignis, bei dem man Martin Luther sogar schon als „politischen Führer einer revolutionären Massenbewegung“[6] darstellte. Daher sollte die theologische Frage der wahren Lehre, die verfassungspolitische Problematik der Kirche im Reich und die juristische Frage nach der Verfügungsgewalt über das Kirchengut noch lange die verschiedenen politischen Lager beschäftigen[7].

Diese Arbeit wird sich im folgenden ausführlichst mit dem religiösen Gegenstand des Wormser Reichstages im Jahre 1521 auseinandersetzen, da er einen wichtigen Grundstein dafür legte, dass lange Zeit keine Lösung und Einigung über den Glaubenszwiespalt stattfinden konnte. Zudem war er die erste Reichsversammlung des jungen Kaisers Karl V., der sich Antworten auf schwerwiegende Fragen der Kirchen- und Reichspolitik erhoffte, welche jedoch alle von der Luthersache überlagert wurden[8]. Hierbei soll vom Allgemeinen zum Besonderen vorgegangen werden. Zu Beginn wird ein allgemeiner, ausführlicher Überblick über den Wormser Reichstag und seine Umstände gegeben, der in der Analyse des Wormser Edikts und einer abschließenden Zusammenfassung enden wird. Genauer werden dabei die Begriffsdefinition und die Bedeutung des Terminus Reichstag (2.1), die Wahl des Ortes und die Ausschreibung des Reichstages (2.2), die Ankunft Luthers in Worms (2.3), das Verhör Luthers und dessen Gegenrede (2.4) und das Wormser Edikt (2.5) analysiert.

Zu den Verhandlungsgegenständen des Reichstages gehörten ebenfalls die Kaiserkrönung und Romzughilfe, die Wiedergewinnung verlorengegangener Reichsgebiete, die Herstellung von Recht und Frieden, Ordnung und Verfassung, sowie die Regelung der Regierung für die Zeit kaiserlicher Abwesenheit[9]. Diese Aspekte werden jedoch weitgehend unberücksichtigt bleiben, da diese Arbeit ausschließlich die religiösen Gegenstände des Wormser Reichstages 1521 untersuchen wird, denn das komplette Reformprogramm, welches die Verhandelnden für die Kirche gefordert hatten, musste hinter die Luthersache, die sich zum Hauptproblem entwickelte, zurücktreten.[10]

Neben der unter 4. im Literaturverzeichnis angegebenen Sekundärliteratur, von welcher hauptsächlich „Der Reichstag zu Worms von 1521“[11] von Fritz Reuter und das Werk „Reichstage und Reformation“[12] von Armin Kohnle herangezogen wurden, dienen die Reichstagsakten[13] und das Wormser Edikt vom 08. Mai 1521, welches von Kaiser Karl V. persönlich unterzeichnet und verhängt wurde, als wichtigste Quellengrundlage dieser Arbeit.

Es stellt sich im Folgenden nun die Frage, in welchem Verhältnis der Kaiser und die politisch unterschiedlichen Lager zu Luther standen und welche Maßnahmen man gegen ihn einleitete. Weiterhin soll von Interesse sein, mit welchen Verfahren gegen Luther vorgegangen wurde und wie diese sich durchsetzen konnten.

2. Hauptteil

2.1 Begriffsdefinition und Bedeutung

Zu Beginn dieser Arbeit soll nun erst einmal der Begriff Reichstag erklärt und seine Bedeutung erläutert werden.

Der Terminus Reichstag war vor dem Reichslandfrieden 1495 nicht zu finden[14]. Dennoch gab es sehr wohl die Funktion eines Reichstags, doch der entsprechende Begriff war noch nicht gefunden worden. Die lateinischen Quellen überliefern uns in den meisten Dokumenten den Terminus curia[15]. Dieser Begriff diente gleichzeitig zur „Bezeichnung der Hofhaltung des deutschen Königs wie zur Benennung der vom König veranstalteten Tage“[16]. Dies bedeutet mitunter auch, dass curia ebenfalls als räumlich und zeitlich abgegrenzte Veranstaltung vom königlichen Hof verstanden wurde, was uns zeigt, dass die Entwicklung zum Reichstag des 16. Jahrhunderts erst im Begriff war, sich zu entfalten.

Mit dem deutschen König Adolf von Nassau[17] setzte der Begriff parlamentum[18] ein, der jedoch mit Kaiser Karl IV. schnell seine Gebräuchlichkeit verlor und sich somit der Terminus curia durchsetzte.

Zum Ende der karolingischen Zeit begann man nun, das lateinische Wort mit dem Äquivalent Hof oder Hoftag zu übersetzen.

Da nun die folgende, detailgetreue Entwicklung des Terminus den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, soll die Entstehung des endgültigen Begriffes Reichstag nur noch kurz zusammengefasst werden: Aus dem karolingischen Hof oder Hoftag entwickelte sich im Laufe der Zeit die Bezeichnung Kaiserlicher Tag. Dieser Terminus entwickelte sich noch zu dem umfangreichen Begriff Dem Kaiserlichen und des Reiches Tag,aus dem schließlich die Abkürzung Reichstag hervorging[19].

Zum Abschluss dieses ersten Unterkapitels soll zur Bedeutung des Reichstages noch erwähnt werden, dass dieser ein Gremium darstellte, in dem Reformmaßnahmen diskutiert und Verfassungsinstanzen und Ausführungsbestimmungen ausgehandelt wurden[20]. Er gab jedem Beschluss die notwendige Gesetzeskraft. Johannes Burkhardt bezeichnet den Wormser Reichstag als „Wegmarken der Religions- und Verfassungsgeschichte“[21]. Da der Reichstag in verschiedenen Reichsstädten stattgefunden hatte und noch keine feste Institution an einem Ort war, so wie wir es heute kennen, hat Burkhardt dem Reichstag die Bezeichnung „Wanderbühne“[22] gegeben. Die Orte für Reichstage mussten zentral im Reich liegen und richteten sich vorwiegend nach den Reisewegen des König- oder Kaisertums.

2.2 Die Wahl über den Ort und die Ausschreibung des Reichstags

Am 01. November 1520 schrieb Kaiser Karl V. einen Reichstag auf den 06. Januar nach Worms mit folgenden Worten aus:

„Karl von gots gnaden erwelter Romischer keiser [...] haben wir mit rat unser und des heiligenreichs churfursten ainen reichstag auf den sechsten tag des monets januarii negstkunftig in unser und des heiligenreichs stat Wurmbs in aigner person furgenomen und beslossen.“[23]

Was zu Beginn nicht vorherzusehen war, war die Tatsache, dass der Reichstag von einem Mönch namens Martin Luther und dessen Lehre, überschattet werden sollte. Von Anfang an war es eindeutig, dass der Kaiser, als Schützer über Kirche und abendländisches Christentum, die alte Kirche gegen Luther vertreten würde, denn nicht umsonst bejahte er am 23. Oktober 1520 bei seiner Krönung in Aachen die folgenden Fragen:

„Willst du den heiligen katholischen, uns überlieferten Glauben halten und fördern? Willst du treuer Beschützer der Kirchen und der Diener der Kirche sein? Willst du das Reich in Gerechtigkeit regieren? Willst du dem heiligsten Vater, dem römischen Papst, und seiner Kirche die schuldige Ergebenheit bewahren?“[24]

[...]


[1] Ruth Kastner (Hrsg.): Quellen zur Reformation. 1517-1555. Darmstadt 1994, Nummer 2, S. 39. (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte der Neuzeit, Band 16.)

[2] Fritz Reuter: Der Reichstag zu Worms von 1521. Reichspolitik und Luthersache. Köln/Wien ²1981, S. 74.

[3] Volker Press: Reformatorische Bewegung und Reichsverfassung. Zum Durchbruch der Reformation – soziale, politische und religiöse Fakten. In: Volker Press, Dieter Stievermann (Hrsg.): Martin Luther. Probleme seiner Zeit. Stuttgart 1986, S. 21.

[4] Vgl.: Rolf Decot: Confessio Augustana und Reichsverfassung. Die Religionsfrage in den Reichstagverhandlungen des 16. Jahrhunderts. In: Herbert Immenkötter (Hrsg.): Im Schatten der Confessio Augustana. Die Religionsverhandlungen des Augsburger Reichstages 1530 im historischen Kontext. Münster 1997, S. 22.

[5] Vgl.: August Franzen und Remigius Bäumer (Hrsg.): Kleine Kirchengeschichte. Freiburg 1988, S. 263.

[6] Reuter: Reichstag, S. 74.

[7] Vgl.: Decot: : Confessio Augustana und Reichsverfassung. Die Religionsfrage in den Reichstagverhandlungen des 16. Jahrhunderts, S. 20f.

[8] Vgl.: Günter Friedrich Kuhfuß: Geleitwort. In: Fritz Reuter: Der Reichstag zu Worms von 1521. Reichspolitik und Luthersache. Köln/Wien ²1981.

[9] Vgl.: Reuter: Reichstag, S. 80.

[10] Vgl.: Ebd., S. 88.

[11] Ebd., S. 74.

[12] Armin Kohnle: Reichstag und Reformation. Kaiserliche und ständische Religionspolitik von den Anfängen der Causa Lutheri bis zum Nürnberger Religionsfrieden. Gütersloh 2001.

[13] Deutsche Reichstagsakten unter Kaiser Karl V. Jüngere Reihe, Band 2.

[14] Vgl.: Peter Moraw: Versuch über die Entstehung des Reichstags. In: Hermann Weber (Hrsg.): Politische und soziale Kräfte im Alten Reich. Wiesbaden 1980, S. 6.

[15] Vgl.: Ebd., S. 6.

[16] Ebd., S. 6.

[17] König Adolf von Nassau regierte von 1292 bis 1298.

[18] Vgl.: Moraw: Versuch über die Entstehung des Reichstags, S. 7.

[19] Vgl.: Ebd., S. 9-11.

[20] Vgl.: Johannes Burkhardt: Das Reformationsjahrhundert. Deutsche Geschichte zwischen Medienrevolution und Institutionenbildung 1517-1617. Stuttgart 2002, S. 189.

[21] Ebd., S. 192.

[22] Ebd., S. 192.

[23] Deutsche Reichstagsakten unter Kaiser Karl V. Jüngere Reihe, Band 2, Nummer 2, S. 137.

[24] Joseph Lortz: Die Reformation in Deutschland Voraussetzungen, Aufbruch, erste Entscheidungen. Freiburg im Breisgau 1939, S. 274.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Reichstage und Reformation
Untertitel
Der Wormser Reichstag 1521
Hochschule
Universität Stuttgart  (Geschichte der Frühen Neuzeit)
Veranstaltung
Die Reformation im frühneuzeitlichen Europa
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V161249
ISBN (eBook)
9783640745005
ISBN (Buch)
9783640745401
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Worms, Reichstag, Luther, Martin Luther, Kaiser, Karl, Religion, Religionsfriede, Thesen, 1521, Edikt, Wormser Edikt, Karl V., Reformation, Reformationszeit
Arbeit zitieren
Melanie Möger (Autor), 2006, Reichstage und Reformation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161249

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