Die Hausarbeit beschäftigt sich damit, inwiefern die Entstehung und der Fortbestand aus neorealistischer Perspektive erklärt werden kann.
Der Neorealismus ist eine politikwissenschaftliche Theorie der internationalen Beziehungen und entstand Mitte des 21. Jahrhunderts aus der Theorie des Realismus. Damit hatte sie ihren Entstehungszeitpunkt in etwa zur selben Zeit, als der Ost- Westkonflikt sein Maximum erreicht hatte. Kenneth Waltz ist der wohl wichtigste, als auch der bekannteste Vertreter des Neorealismus. Bei der Ausführung der neorealistischen Theorie rücken insbesondere seine Aussagen in den Vordergrund, da er mit seinem strukturellen Neorealismus entscheidend zu der (Weiter-) Entwicklung der Theorie beigetragen hat. Das Fundament seiner Theorie besteht darin, in Anlehnung an den Naturzustand nach Hobbes, mögliche Gründe als Auslöser für Krieg zwischen Staaten herauszustellen. Waltz selbst liefert hierfür in seinen Werken einen Erklärungsansatz: Er geht von einem dauerhaften Kriegszustand zwischen den Staaten aus, ausgelöst durch ihr Bestreben nach Macht zur Maximierung der eigenen Sicherheit. Dadurch entsteht Unsicherheit im internationalen Gefüge und es kommt zu einem Sicherheitsdilemma. Der Neorealismus versucht Antworten auf die Frage zu finden, wie dieses Sicherheitsproblem überwunden werden kann und über welche Handlungsmöglichkeiten Staaten verfügen, um ihre Position im internationalen System sichern und festigen zu können. Kooperation zwischen den einzelnen Staaten findet in der Regel nicht statt – stattdessen drohen sich die Staaten viel mehr gegenseitig, um ihre Macht zu demonstrieren und sich dadurch selbst zu schützen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definition Neorealismus nach Kenneth Waltz
3 Ein Blick auf die Entstehung und Entwicklung der Europäischen Union
4 Analyse: Erklärungsansatz zur Entstehung der EU auf Basis der neorealistischen Theorie
5 Die EU als Gegenbeispiel zu den Idealen des Neorealismus?
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Europäische Union (EU) kritisch aus der Perspektive des neorealistischen Theorieansatzes nach Kenneth Waltz. Ziel ist es zu erörtern, inwieweit die Entstehung und der Fortbestand der EU mit dem neorealistischen Paradigma, welches primär von einzelstaatlichem Machtstreben und Unsicherheit ausgeht, vereinbar ist oder inwiefern die EU ein Gegenmodell zu diesen Annahmen darstellt.
- Grundlagen des neorealistischen Theorieansatzes nach Kenneth Waltz
- Historischer Abriss der Entstehung und Integration der Europäischen Union
- Analyse der EU-Integration durch die neorealistische Brille
- Konfrontation theoretischer Neorealismus-Ideale mit der politischen Realität der EU
- Diskussion über Souveränitätsverlust und Kooperationsformen
Auszug aus dem Buch
Definition Neorealismus nach Kenneth Waltz
Zuerst einmal soll definiert werden, was unter der neorealistischen Theorie nach Kenneth N. Waltz verstanden wird. Die Grundlage hierfür bilden seine beiden Werke „Theory of International Politics“ und „Man, the State and War“, in denen er das Fundament für den Neorealismus legt. Waltz begann schon im Jahr 1959 zu den Auslösern von Kriegen und möglichen Maßnahmen zur Herstellung von Frieden zu forschen. Er stellte verschiedenste Untersuchungen an, anhand derer er drei Analyseebenen erstellte, die er „images“ nannte. Das erste Image beschäftigt sich mit den Zusammenhängen zwischen internationalen Konflikten und dem menschlichen Handeln. Im zweiten Image wird die Wirkung der gesellschaftlichen Ordnung auf zwischenstaatliche Konflikte untersucht. Image Nummer drei befasst sich mit der Frage, inwiefern eine Verbindung zwischen internationalen Konflikten und der internationalen Anarchie besteht.
In den darauffolgenden zwanzig Jahren überarbeitete Kenneth Waltz seine Theorie und entwickelte sie stetig weiter. Die drei Analyseebenen wandelte er um in die Theorie der internationalen Beziehungen, die heute unter dem Namen „neorealistische Theorie“ oder auch kurz „Neorealismus“ bekannt ist. Der Grundgedanke des Neorealismus basiert auf der Annahme, dass das internationale System in sogenannten „units“ organisiert ist, die untereinander und miteinander agieren. Mit „units“ sind hierbei die Staaten gemeint. Es wird davon ausgegangen, dass die politische Struktur des internationalen Systems geprägt ist durch das Ordnungsprinzip der Anarchie. Damit einher geht, dass es weder übergeordnete Schieds- und Regelungsmächte, noch eine Art „Weltregierung“ gibt. Es existieren lediglich internationale Organisationen, die jedoch handlungsunfähig sind, da ihnen die entsprechenden Mittel zur Machtdurchsetzung und damit auch eine systemweite Autorität fehlen. Stattdessen verfolgt jeder Staat im internationalen System primär das Befriedigen der eigenen Bedürfnisse. Das Hauptinteresse eines Staates besteht dabei darin, stets zuerst die eigene Sicherheit und das eigene Überleben zu sichern. Angepasst an die vorherrschenden Prinzipien, die im anarchischen System bestehen, basiert die
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die neorealistische Theorie ein und stellt die zentrale Forschungsfrage, inwieweit sich die Europäische Union aus neorealistischer Perspektive erklären lässt.
2 Definition Neorealismus nach Kenneth Waltz: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des Neorealismus nach Kenneth N. Waltz, insbesondere das Konzept der Anarchie und das primäre Ziel der staatlichen Sicherheit.
3 Ein Blick auf die Entstehung und Entwicklung der Europäischen Union: Hier wird der historische Prozess der europäischen Integration von der Montanunion bis hin zum Brexit nachgezeichnet.
4 Analyse: Erklärungsansatz zur Entstehung der EU auf Basis der neorealistischen Theorie: Dieses Kapitel untersucht, wie machtpolitische Interessen der Staaten zur Gründung der EU beigetragen haben könnten.
5 Die EU als Gegenbeispiel zu den Idealen des Neorealismus?: Hier wird kritisch hinterfragt, ob die EU tatsächlich im Widerspruch zu neorealistischen Annahmen steht, da Kooperationen oft nur kurzfristig angelegt sind.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die EU nur schwer vollständig durch den klassischen Neorealismus erklärt werden kann.
Schlüsselwörter
Neorealismus, Kenneth Waltz, Europäische Union, Internationale Beziehungen, Anarchie, Sicherheitsdilemma, Machtstreben, Staatenintegration, Souveränität, Balance of Power, Internationale Organisationen, Montanunion, Politische Theorie, Machtgleichgewicht, Integrationsprozess
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Europäische Union vor dem Hintergrund der neorealistischen Theorie der internationalen Beziehungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die Definition des Neorealismus nach Waltz, die historische Entwicklung der EU und die theoretische Untersuchung, ob diese Integration mit dem staatlichen Sicherheitsstreben vereinbar ist.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, inwieweit die Entstehung und Existenz der EU mit den neorealistischen Annahmen erklärt werden kann oder ob sie ein Gegenbeispiel darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse sowie einem historischen Überblick der EU-Integration, die gegen die Thesen des Neorealismus geprüft werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Definition, einen historischen Abriss der EU-Integration sowie eine analytische Gegenüberstellung von neorealistischer Theorie und der Realität der EU.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Neorealismus, Kenneth Waltz, Europäische Union, Anarchie, Sicherheitsdilemma und Integration.
Wie erklärt der Neorealismus das Handeln von Staaten?
Laut Waltz agieren Staaten im internationalen System als souveräne Einheiten (units) unter der Bedingung der Anarchie, wobei ihr primäres Ziel die Sicherung der eigenen Existenz und Sicherheit ist.
Warum wird die EU im Kontext des Neorealismus als problematisch angesehen?
Der Neorealismus geht davon aus, dass Staaten aufgrund von Misstrauen und dem Sicherheitsdilemma nur begrenzt kooperieren; die tiefe Integration der EU steht in einem scheinbaren Kontrast dazu.
Welche Rolle spielt der Brexit in dieser Analyse?
Der Brexit dient als Beispiel für ein Ereignis, das die Schwierigkeiten dauerhafter zwischenstaatlicher Kooperation unterstreicht und Tendenzen weg von der Integration zurück zu nationalen Interessen aufzeigen kann.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2021, Inwiefern lässt sich die EU aus neorealistischer Perspektive erklären?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1612587