Die spanische Sprache in Kolumbien.
Es ist kein pures Castellano / Kastillisch, was man in Kolumbien spricht - nein, es ist eine sehr spannende Variation, die von der Geographie, der sozialen Herkunft und teilweise auch von dem Alter des Sprechers abhängt.
Obwohl sich die geschriebene Sprache an das Kastilische der iberischen Halbinsel annähert, was sich auch in den Medien und in der Literatur bemerkbar macht, gibt es in der gesprochenen Sprache Kolumbiens einige Besonderheiten. Die Untersuchung der spanischen Sprache hat in Kolumbien schon eine lange Tradition, so wurde der erste Sprachatlas (der ALEC) eines lateinamerikanischen Landes in Kolumbien herausgegeben.
Die schnellsten Veränderungen zeigen sich bei der gesprochenen Sprache, weshalb diese auch besonders analysiert wird in der vorliegenden Arbeit. Teilweise gehen die Besonderheiten der gesprochenen Sprache später in die Schriftsprache über.
Die Arbeit zeigt Besonderheiten des Spanischen in Kolumbien auf. Dabei werden einige Beispiele aus der Lexik angeführt und auf die Phonetik eingegangen. Vor der eigentlichen Analyse der Phonetik wurden der kolumbianische Text „La noche de los feos“ und drei Witze von einer Kolumbianerin gesprochen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Lexik
2. Phonetik
2.1. Seseo /Ceceo
2.2. Lleísmo/ Yeísmo
2.3. Vokale: Lautliche Umgestaltung und Wegfall
2.4. Aussprache des Diphthongs /ei/
2.5. Aussprache des Phonems /x/
2.6. Ausfall und Schwächung des Phonems /d/
2.7. Entfall des /r/
3. Morphosyntax
3.1. Numerus
3.2. Genus
3.3. Diminutiv
3.4. Pronomen (Anredeformen): tú / usted/ sumercé
3.5. Tempus (Futur)
3.6. Diathese (Reflexiver Verbgebrauch)
4. Status des Spanischen in Kolumbien
5. Schule
6. Sprachgeographie und individuelle Sprecherin
Zusammenfassung
Quellenverzeichnis
Anhang (Abkürzungen/ Karte Kolumbiens /Tonaufnahmen/)
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Besonderheiten des Spanischen in Kolumbien im Vergleich zur kastilischen Norm, wobei insbesondere die gesprochene Sprache anhand eigener Tonaufnahmen und wissenschaftlicher Literatur analysiert wird. Ziel ist es, sprachliche Phänomene aufzuzeigen, die von der Standardsprache abweichen.
- Analyse regionaler und sozialer Besonderheiten der kolumbianischen Lexik.
- Untersuchung phonetischer Abweichungen, wie Seseo, Ceceo, Yeísmo und Konsonantenschwächungen.
- Morphosyntaktische Analyse von Numerus, Genus, Anredeformen und Zeitformen.
- Darstellung des soziolinguistischen Status des Spanischen in Kolumbien unter Berücksichtigung von Bildung und Sprachgeographie.
Auszug aus dem Buch
2.1 Seseo und Ceceo
Die Annahme, das Lateinamerika ein einheitliches Seseogebiet sei, ist Kubarth (1987: 123) nach zu urteilen, falsch. In Kolumbien existiert auch der Ceceo in vielen Landesteilen.
Der Seseo ist in vielen spanischsprachigen Ländern Lateinamerikas zu finden und bezeichnet den lautlichen Zusammenfall der Phoneme /s/ und /O/. Beim Ceceo wird das kastilische Phonem /O/ nicht rein artikuliert, sondern eher interdental ausgesprochen. Der Gebrauch des Ceceo ist geographisch nicht eingrenzbar. Er ist in der Alltagssprache fast nicht anzutreffen. Er wird in vereinzelten, ländlichen Orten verwendet. Die häufiger benutzte Variante ist, auch auf dem Land, der Seseo. Nach Scholpps Befragungen unter Sprechern aus Bogotá ist der Ceceo ein sprachlicher Archaismus. Er wird verwendet, um bestimmte Situationen (feierlich, affektiert) auszudrücken. (vgl. SCHOLPP 2000:23 ff.)
Bei meinen Tonaufnahmen war feststellbar, dass manche Wörter mit dem Phonem /s/ sehr weich ausgesprochen wurden, wie z.b. bei exacta, manchmal auch wie ein deutsches
„Tal vez unido no sea la palabra más e(O)acta.”
„De repente me di cuenta de que tanto ella como yo estábamos hablando tan clara y duramente que ya no estábamos e(s)actamente descubriendo nue(tsch)tros corazones.”
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die darin besteht, Besonderheiten des kolumbianischen Spanisch aufzuzeigen, und stellt die methodische Grundlage durch die Auswertung von Tonaufnahmen und Fachliteratur vor.
Lexik: Dieses Kapitel behandelt das Vokabular in Kolumbien, wobei auf Neuschöpfungen, Anglizismen, Archaismen sowie auf die Besonderheiten bei Diminutiven und regionalen Begriffen eingegangen wird.
Phonetik: Hier werden lautliche Phänomene wie Seseo, Ceceo, Yeísmo, Vokalveränderungen sowie die Aussprache spezifischer Konsonanten und Diphthonge in der kolumbianischen Aussprache detailliert untersucht.
Morphosyntax: Dieses Kapitel analysiert grammatikalische Besonderheiten, darunter Numerus- und Genusschwankungen, die Verwendung von Anredeformen (tú, usted, sumercé) sowie den Gebrauch von Tempora und reflexiven Verben.
Status des Spanischen in Kolumbien: Das Kapitel beleuchtet die soziolinguistische Situation in Kolumbien, einschließlich der Rolle des Spanischen als offizielle Sprache im Kontrast zu indigenen Sprachen und Kreolsprachen.
Schule: Hier wird der Zustand des kolumbianischen Bildungswesens und dessen Einfluss auf die sprachliche Entwicklung und Sprachkompetenz der Bevölkerung thematisiert.
Sprachgeographie und individuelle Sprecherin: Dieses Kapitel untersucht regionale Differenzierungen des Spanischen sowie den Einfluss individueller Faktoren wie Herkunft und Bildung einer spezifischen Sprecherin auf die Sprachpraxis.
Schlüsselwörter
Spanisch in Kolumbien, Lexik, Phonetik, Morphosyntax, Seseo, Ceceo, Yeísmo, Diminutiv, Anredeformen, Sprachstatus, Diglossie, regionale Variation, Sprachgeographie, Dialektologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht das Spanische in Kolumbien, insbesondere die Abweichungen der gesprochenen Sprache von der kastilischen Norm in den Bereichen Lexik, Phonetik und Morphosyntax.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind sprachliche Besonderheiten in Kolumbien, der soziolinguistische Status des Spanischen, die Rolle der Sprecherherkunft und der Einfluss des Bildungswesens.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, eine „Zwischenbilanz“ zu ziehen und anhand von Literatur und eigenen Tonaufnahmen aufzuzeigen, wie weit sich das gesprochene Spanisch in Kolumbien vom Standard-Spanisch entfernt hat.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin kombiniert die Analyse wissenschaftlicher Fachliteratur mit einer empirischen Auswertung von Tonaufnahmen einer kolumbianischen Sprecherin.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine lexikalische, phonetische und morphosyntaktische Untersuchung sowie eine Analyse des sprachlichen Status und des Bildungswesens in Kolumbien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Spanisch in Kolumbien, Phonetik, Lexik, Morphosyntax, Seseo, Yeísmo und regionale Variation.
Was zeichnet die phonetischen Besonderheiten in Kolumbien aus?
Besonders sind lautliche Phänomene wie das Vorkommen von Seseo und Ceceo, der Yeísmo sowie die Schwächung oder der Ausfall von Konsonanten wie /d/ und /r/ in bestimmten Kontexten.
Wie unterscheiden sich die Anredeformen in Kolumbien?
Kolumbien nutzt die drei Grundformen tú, usted und sumercé, deren Verwendung stark von sozialen Faktoren, dem Alter der Sprecher und dem Grad der Vertrautheit abhängt.
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- Sarah Lindner (Author), 2002, Spanisch in Kolumbien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16126