Die Peer-Group als "Subkultur"?


Hausarbeit, 2007

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Peer-group
2.1. Erläuterungen zum Begriff „Subkultur“
2.2. Peer-group – eine „Subkultur“?
2.3. Probleme der Peer-groups
2.3.1. Konformität
2.3.2. Die Beziehung zwischen Elternhaus, Peer-groups und Jugendlichen

3. Schluss

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Verschriftlichung meines Vortrages über das Thema „Peer-group“ ist eine Anknüpfung an den ersten, von meinem Vortragspartner Thomas Heller gehaltenen Teil. Dieser Vortrag wurde im Rahmen eines erziehungswissenschaftlichen Seminars mit dem Titel „Die Schulklasse als Gruppe“ an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald im Sommersemester 2007 gehalten. Der Titel des Seminars signalisiert den thematischen Schwerpunkt der Gruppenpsychologie und des Rollenverhaltens von Kindern und Jugendlichen. Insbesondere dieses Verhalten im Rahmen des Schulunterrichts war der Gesprächsstoff und die Arbeitsgrundlage dieses Seminars.

Die Peer-group, oder auch „Gleichaltrigengruppe“ genannt, übernimmt einen großen Anteil am Sozialisationsprozess eines Jugendlichen. Deshalb war es unverzichtbar in diesem Themenkomplex über die Bedeutung, den Einfluss und die Probleme von Peer-groups zu diskutieren.

Meinen Vortrag hielt ich, wie schon erwähnt, zusammen mit Thomas Heller. Dieser beschäftigte sich vorwiegend mit Begriffsdefinitionen und -erklärungen, welche unabdingbar sind für eventuelle weiterführende Diskussionen. Weiterhin schilderte er u. a. die Entwicklungsaufgaben im Jugendalter nach Havighurst und die Aufgaben der Peer-groups.

Mein Teil knüpfte nun mit einer Klärung des Begriffs „Subkultur“ an, gefolgt von der Diskussion, ob die Peer-group sich in diesen Begriff einordnen ließe mit anschließender Begründung. Weiterhin ging ich auf verschiedene Probleme dieser Gruppe ein, wie z.B. der Konformitätsdruck der Jugendlichen innerhalb einer Gruppe und das Verhältnis zwischen ihnen und Elternhaus.

Der Vortrag war ein Beitrag zur Vergegenwärtigung der Theorie, einschließlich Klärung der Fachtermini, sowie des Forschungsstandes in der Erziehungswissenschaft. Er bildete die unverzichtbare Basis für ein Gruppengespräch, bzw. für eine praktische Übung, welche an meinen Teil anknüpfte. So wurde im Anschluss soziales Rollenverhalten anhand der Geschichte „Die Welle“, einer Erzählung von Morton Rhue, analysiert und verdeutlicht. Die Moderation übernahm Jenny Teerling, eine Kommilitonin.

Der Hauptteil dieser Arbeit wird die Verschriftlichung meiner Vortragspunkte sein. Im Anschluss folgt eine kurze persönliche Reflektion und Einschätzung der Veranstaltung allgemein, sowie über den eigens geleisteten Beitrag.

2. Die Peer-group

2.1. Erläuterungen zum Begriff „Subkultur“

Zu Beginn gilt es, den Begriff „Subkultur“ zu erklären bzw. vielmehr einen Einblick in die unterschiedlichen Definitionen zu geben. Relevant ist dieser Ansatz insofern, um zu analysieren, ob die Peer-group eine solche ist und wie man sich überhaupt diese Gruppe vorstellen muss und sie einordnen kann.

Die Jugendkultur- oder Subkulturdiskussion ist sehr kompliziert und umfangreich. Es würde hier den Rahmen sprengen, eine umfassende Erläuterung der Problematik zu verfassen, genauso wie es vom Hauptthema ablenken könnte.

Der Begriff Subkultur ist sehr schwer zu definieren bzw. ist allein mit Definitionen kaum annähernd beschreibbar. Hinzu kommt, dass viele Erziehungswissenschaftler ihn unterschiedlich interpretieren. Aus der Fülle dieser unterschiedlichen Deutungen und Erklärungsansätze formuliert Baacke eine akzeptable Definition:

„Subkultur – oder in ebenfalls identischer Bedeutung: Youth Culture’ Peer-Groups – ist nach den Materialien, die Definitionen dieser Art auffüllen, nichts als ein funktionaler Bestandteil unserer Gesellschaft, eine Art Selbsthilfeaktion der Jugend, die temporären Charakter hat und in der Reife und den Rollen des Erwachsenen schließlich aufgeht.“ (BAACKE 1999, S. 128)

Diese Definition fasst die wesentlichen Merkmale gut zusammen. Wichtig wäre der Verweis auf den „temporären Charakter“, welcher eindeutig signalisiert, dass ein Jugendlicher subkulturelle Strömungen in einer Art Übergangsphase wahrnimmt. Wie lang diese Phase sein soll, ist individuell und daher schwer festzulegen.

Auch nimmt Baacke uns die Frage vorweg, ob die Gleichaltrigengruppe eine Subkultur sei oder nicht. Er setzt die Begriffe „Peer-group“ und „Subkultur“ gleich und schreibt ihnen eine „identische Bedeutung“ zu. Ob dies eine berechtigte Zuordnung ist, wird in einem späteren Abschnitt geklärt.

Mit „Selbsthilfeaktion“ meint Baacke sicherlich eine Folge von Anpassungsschwierigkeiten, die Jugendliche haben können, wenn sie sich an gewisse gesellschaftliche, familiäre oder andere Normen gewöhnen und anpassen müssen. Gerade in der Pubertät und später ist diese Art Widerstandshaltung besonders ausgeprägt. Nicht schwer nachzuvollziehen ist, dass sich die Jugendlichen Gleichgesinnte suchen, mit denen sie darüber reden können. Die Peer-group fungiert daher als eine Art Ventil für angestaute Ängste, Sorgen oder andere Probleme.

Viel eindeutiger und nachvollziehbarer als definitorische Formulierungen erscheinen vielleicht die allgemeinen Einschätzungen und Assoziationen über den Begriff Jugend oder Subkultur.

Sie werden angesehen als eine „besondere Form von abweichendem Verhalten“, das bis zu Widerstands-, Absetzbewegungen oder jugendlichen Selbstausbürgerungen gipfeln kann. Jugend kann eine Art „Katalysator gesamtgesellschaftlicher Probleme“ sein, auf der anderen Seite kann sie Potenzial zur Veränderung der Gesellschaft beinhalten. Während des Sozialisationsprozesses eines Heranwachsenden gibt es gewisse Bedürfnisse oder Orientierungsschwierigkeiten, die sowohl staatliche Institutionen, wie die Schule, oder aber auch die Familie nicht befriedigen oder behandeln können. Die Subkultur, speziell die eigene Peer-group, bietet in der Hinsicht eine Angebot zur Problemlösung. (BAACKE 1999, S. 148)

Der Begriff „Subkultur“ war in den 60er und 70er Jahren geläufiger und häufiger benutzt, heute spricht man eher von „Jugendkulturen“. Baacke liefert verschiedene Begründungen für die Vermeidung des Begriffs „Subkultur“, wovon hier nur wenige ausgewählt sind.

Allein schon die Vorsilbe „Sub-“ signalisiert eine gewisse Unterordnung in einem imaginär abstrahierten Schema von Kulturensphären. Dies würde voraussetzen, dass es eine „akzeptierte, elitäre Kultur“ gäbe, wo sich diese Subkultur im „unteren Bereich“ der Hierarchie anordnen müsse. Dieses Bild „entspricht nicht den Tatsachen“ und deshalb sollte eine derartige Beschreibung vermieden werden. (BAACKE 1999, S. 133)

Eine Vorraussetzung dieser Deutung wäre, „Subkultur“ als „Teilsegment“ der Gesellschaft anzusehen, was sich als sehr schwierig gestaltet, da sich kaum „Grenzen“ ziehen lassen. Man kann also Subkultur kaum präzise lokalisieren bzw. in den komplexen modernen Gesellschaften, regional wie international, schwer genauer zuordnen. Gewisse äußerliche Erscheinungen, Verhaltensweisen oder Sprachgewohnheiten von Jugendlichen lassen sich zwar auf verschiedenen Ebenen vergleichen, jedoch ist auch dies keine Rechtfertigung, sie einem bestimmten Raster zuzufügen. Ein kurzes verdeutlichendes Beispiel liefert Baa>

Der ‚Freizeitpunk’ lebt ganz anders als jemand, der die Punk-Existenz zum Mittelpunkt des Daseins gemacht hat […].“ (BAACKE 1999, S. 134)

Im Folgenden wird es sich trotzdem nicht vermeiden lassen, den Begriff weiterhin zu verwenden, da die Termini mit denen aus der Fachliteratur identisch sein müssen und somit keine Verwechslungen oder Unverständlichkeiten auftreten können.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Peer-Group als "Subkultur"?
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Institut für Bildungswissenschaften)
Veranstaltung
Die Schulklasse als Gruppe
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
14
Katalognummer
V161278
ISBN (eBook)
9783640763603
ISBN (Buch)
9783640763580
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Peer-Group
Arbeit zitieren
Erik Kurzke (Autor), 2007, Die Peer-Group als "Subkultur"?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161278

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