In der Thesis werden die gesundheitsökonomischen Konsequenzen der Finanzierung der Ausbildung der Medizinischen Technolog:innen (MT) über das Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG) analysiert. Gesundheits- und Wirtschaftspolitik lassen sich dabei nicht voneinander trennen. Untersucht werden die Auswirkungen der demografischen Entwicklung sowie die Finanzierung der Ausbildung der MT über das KHG. Hinzu kommt die Betrachtung der Finanzierungslücke im ambulanten Sektor. Darüber hinaus wird der Personalbedarf im Gesundheitsberuf der MT berücksichtigt. Ebenso werden mögliche Auswirkungen eines Fachkräftemangels auf die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung analysiert. Damit verbunden sind auch mögliche Folgen für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Deutschlands. Beachtung finden zudem weitergehende Folgen der Finanzierungslücke des ambulanten Sektors für die Fachkräftesicherung in Einrichtungen der ambulanten Gesundheitsversorgung.
Die Novellierung des Berufsgesetzes und Ihrer Ausbildungs- und Prüfungsverordnung der Berufe der Medizinisch-technischen Assistent:innen (MTA) beinhaltet nicht nur eine moderne und angemessene Berufsbezeichnung als MT, sondern beispielsweise auch eine Modernisierung der Ausbildung, die Zahlung einer Ausbildungsvergütung sowie eine Regelung der Ausbildungsfinanzierung.
Die Ausbildung und Berufsausübung der Medizinischen Technolog:innen für Laboratoriumsanalytik (MTL), Medizinischen Technolog:innen für Radiologie (MTR), Medizinischen Technolog:innen für Funktionsdiagnostik (MTF) und Medizinischen Technolog:innen für Veterinärmedizin (MTV) wird seit dem 01.Januar 2023 im Gesetz über die Berufe in der medizinischen Technologie (MT-Berufe-Gesetz - MTBG) und der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für MT (MT-Ausbildungs- und Prüfungsverordnung - MTAPrV) gesetzlich geregelt. Die Regelungen nach §76 MTBG beinhalten die Finanzierung der Ausbildung über das Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG). Diese Regelungen umfassen jedoch nicht die Finanzierung in Fällen in denen die praktischen Ausbildung im ambulanten Sektor (z.B. Facharztpraxis, MVZ, o.ä.) erfolgt oder den Fall, dass der Träger der praktischen Ausbildung gemäß §21 MTBG eine ambulante Einrichtung ist (Ausbildungsvertragsabschluss mit ambulanter Einrichtung). [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Bedeutung der Gesundheitsfachberufe und Ziele der Reformen ihrer Berufsgesetze
2.2. Grundlagen der Finanzierung von Gesundheitsausgaben
2.2.1 Finanzierung der Ausgaben zur Gesundheitsversorgung der Bevölkerung
2.2.2. Ausbildungsfinanzierung als Teil der Gesundheitsausgaben
2.3 Ausbildungsfinanzierung der Medizinischen Technologinnen und Technologen
2.4 Ausbildungsfinanzierung der Pflegeberufe
3 Methodisches Vorgehen
4 Ergebnisse
4.1 Kosten der Ausbildung der Medizinischen Technologinnen und Technologen und der Pflegeberufe
4.1.1 Ausbildungskosten der Medizinischen Technologinnen und Technologen
4.1.2 Ausbildungskosten der Pflegeberufe
4.2 Vergleich der gesetzlichen Ausbildungsfinanzierungsregelungen der Medizinischen Technologinnen und Technologen und der Pflegeberufe
4.2.1 Regelungen zur Ausbildungsfinanzierung der Medizinischen Technologinnen und Technologen
4.2.2 Regelungen zur Ausbildungsfinanzierung der Pflegeberufe
4.3 Analyse der Regelungen zur Ausbildungsfinanzierung der Medizinischen Technologinnen und Technologen
4.3.1 Folgen der Finanzierung über das Krankenhausfinanzierungsgesetz
4.3.2 Folgen der Finanzierungslücke für den ambulanten Sektor auf die Ausbildung der Medizinischen Technologinnen und Technologen
5 Diskussion
5.1 Zusammenfassung der Ergebnisse zur Ausbildungsfinanzierung
5.2 Interpretation der Ergebnisse zu den Folgen für den Gesundheits(fach)beruf der Medizinischen Technologinnen und Technologen
5.3 Mögliche Folgen des Ausbildungsfinanzierungsmodells des Gesundheits(fach)berufs der Medizinischen Technologinnen und Technologen zur Sicherung der Gesundheitsversorgung mit Fachkräften
5.4 Mögliche gesundheitsökonomische Konsequenzen
5.5 Weitergehende Möglichkeiten der Ausbildungsfinanzierung des Gesundheitsfachberufs der Medizinischen Technologinnen und Technologen
6 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorthesis analysiert die gesundheitsökonomischen Konsequenzen der Ausbildungsfinanzierung von Medizinischen Technologinnen und Technologen im Vergleich zu den Pflegeberufen. Dabei wird insbesondere untersucht, welche Auswirkungen die Finanzierungslücke des Krankenhausfinanzierungsgesetzes (KHG) für den ambulanten Sektor auf die Ausbildung sowie die Fachkräftegewinnung hat und welche Lösungsansätze zur Sicherung der Gesundheitsversorgung bestehen.
- Vergleich der Finanzierungsmodelle von MT-Berufen und Pflegeberufen
- Analyse der Finanzierungslücke im ambulanten Sektor
- Gesundheitsökonomische Folgen des Fachkräftemangels
- Auswirkungen der beruflichen Sozialisation in ambulanten Einrichtungen
- Entwicklung von Lösungsansätzen zur gesicherten Ausbildungsfinanzierung
Auszug aus dem Buch
4.3.2 Folgen der Finanzierungslücke für den ambulanten Sektor auf die Ausbildung der Medizinischen Technologinnen und Technologen
Die in Kapitel 4.3.1 beschrieben Finanzierunglücke der fehlenden Regelungen zur Finanzierung der Schulgeldfreiheit und der Ausbildungsvergütung für Privatschulen (ohne Kooperationsvereinbarung mit einem Krankenhaus) sowie die fehlende Finanzierung der praktischen Ausbildung im ambulanten Sektor führt zu folgenden Fragen: Stehen Privatschulen ohne Kooperationsvereinbarungen ab 01.01.2023 weiterhin für die Ausbildung von Medizinischen Technologinnen und Technologen (MT) zur Verfügung? Was bedeutet die fehlende Finanzierung der Kosten der praktischen Ausbildung des ambulanten Sektors für die Ausbildung von MT? Welche Folgen ergeben sich insgesamt unter Beachtung der vorhergehenden Fragen für die MT - Ausbildung?
Die fehlende direkte Finanzierungsmöglichkeit über § 17a KHG der Ausbildungskosten von Privatschulen, erfordert den Abschluss einer Kooperationsvereinbarung der Privatschule mit einem Krankenhaus gemäß den Vorgaben nach § 76 MTBG, um die Kosten der Ausbildung der Schule zu finanzieren. Gelingt es einer Privatschule nicht einen Kooperationsvertrag zu schließen, sind folglich die entstehenden Kosten nicht finanziert, da die Schulgelderhebung nach § 41 Abs. 3 Nr.1 MTBG ausgeschlossen ist. Es müssen somit entweder anderweitige gesetzeskonforme Finanzierungskonzepte gefunden werden, um die Ausbildungskosten der Privatschule zu decken, oder der Ausbildungsbetrieb für die MT muss eingestellt werden. Dies führt zu der Frage, was eine Einstellung des Ausbildungsbetriebs für MT einer Privatschule und der damit verbundenen Minderung der Gesamtausbildungskapazität für den entsprechenden MT - Beruf für Auswirkungen auf den Fachkräftemangel, die angestrebten Ziele der Gesetzesreform des MTA - Berufs (zukünftigen MT - Beruf) und letztlich auf die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Problematik des Fachkräftemangels in Gesundheitsfachberufen und Einführung in die Thematik der Ausbildungsfinanzierung.
2 Theoretischer Hintergrund: Erläuterung der Bedeutung der Gesundheitsfachberufe, der gesetzlichen Rahmenbedingungen und der Grundlagen der Finanzierung im Gesundheitswesen.
3 Methodisches Vorgehen: Beschreibung der systematischen Literaturrecherche und der methodischen Vorgehensweise bei der Analyse der Finanzierungskonzepte.
4 Ergebnisse: Detaillierte Darstellung der Kostenstrukturen der Ausbildung, Vergleich der Finanzierungsregelungen und Analyse der Finanzierungslücken für MT-Berufe.
5 Diskussion: Synthese der Ergebnisse zur Finanzierungssituation, Interpretation der Folgen für den Gesundheitsfachberuf und Aufzeigen weitergehender Finanzierungsmöglichkeiten.
6 Zusammenfassung: Abschließender Überblick über die Kernergebnisse der Arbeit und die Notwendigkeit eines schlüssigen Finanzierungskonzepts.
Schlüsselwörter
Ausbildungsfinanzierung, Medizinische Technologinnen und Technologen, Pflegeberufe, Krankenhausfinanzierungsgesetz, Fachkräftemangel, Gesundheitsfachberufe, ambulante Gesundheitsversorgung, Praxisanleitung, MT-Reformgesetz, Sozialisation, Investitionsförderung, Gesundheitsökonomie, Ausgleichsfonds, Ausbildungskosten, Personalgewinnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die aktuelle Situation der Ausbildungsfinanzierung für Medizinische Technologinnen und Technologen (MT) im Vergleich zu den Pflegeberufen und untersucht die daraus resultierenden gesundheitsökonomischen Folgen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die gesetzlichen Regelungen der Ausbildungsfinanzierung, insbesondere im Hinblick auf das Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG), der Fachkräftemangel und die spezifischen Finanzierungslücken im ambulanten Sektor.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich unterschiedliche Finanzierungsmodelle auf die Ausbildungseinrichtungen der MT auswirken und inwieweit eine Unterfinanzierung die Sicherung der Gesundheitsversorgung gefährdet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer systematischen Literaturrecherche nationaler Studien, der Analyse gesetzlicher Vorgaben und dem Vergleich von Finanzierungsdaten der MT-Berufe und Pflegeberufe.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Kostenkalkulation der MT-Ausbildung, dem Vergleich gesetzlicher Finanzierungsregeln und der Analyse der Folgen der Finanzierungslücke für den ambulanten Sektor.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Ausbildungsfinanzierung, Medizinische Technologinnen und Technologen, Krankenhausfinanzierungsgesetz, Fachkräftemangel und ambulante Gesundheitsversorgung.
Wie wirkt sich die Reform des MTA-Gesetzes konkret auf die Finanzierung aus?
Durch die Abschaffung des Schulgeldes entfällt eine Finanzierungsquelle, während die Neuregelung über das KHG Lücken bei Privatschulen und im ambulanten Sektor lässt, was eine Finanzierungsunsicherheit schafft.
Warum ist die praktische Ausbildung im ambulanten Sektor ein Problem?
Da der ambulante Sektor nach den aktuellen Regelungen oft nicht über den Ausgleichsfonds des KHG refinanziert wird, müssen ambulante Betriebe die Kosten der Ausbildung eigenständig tragen, was zu einem Wegfall von Ausbildungsplätzen führen kann.
Welche Folgen hat die fehlende berufliche Sozialisation im ambulanten Sektor?
Wenn MT-Auszubildende in ambulanten Einrichtungen nicht praktisch ausgebildet werden, lernen sie die Strukturen und Arbeitgeber dieses Sektors nicht kennen, was die Fachkräfteakquise für ambulante Praxen und Labore erschwert.
Was schlägt die Autorin als Lösung für die Finanzierungsproblematik vor?
Als Lösungsmöglichkeit wird die Übertragung des Finanzierungskonzepts der Pflegeberufe auf die MT-Berufe diskutiert, beispielsweise durch einen übergreifenden Ausbildungsfonds, in den alle beschäftigenden Einrichtungen einzahlen.
- Quote paper
- Claudia Rössing (Author), 2020, Ausbildungsfinanzierung der Gesundheitsfachberufe in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1612917