Der Double Bind

Gregory Batesons Beiträge zur Kommunikationsforschung


Hausarbeit, 2009

27 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

Zusammenfassung

1. Einleitung

2. Gregory BATESON: eine biografische Skizze
2.1 Zur Rezeption BATESONS
2.2 Grundlagen der Forschung

3. Kommunikationsforschung
3.1 Digitale und analoge Kommunikation
3.2 Metakommunikation
3.3 Die Double-Bind -Theorie mit einem Exkurs: Die Theorie der logischen Typen,

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

Zusammenfassung

Unter den zahlreichen Beiträgen, die der englische Wissenschaftler Gregory BATESON (1904 - 1980) zu den Humanwissenschaften leistete, stehen seine Forschungen zu Kommunikationspsychologie und klinischer Psychologie in vorderster Linie. Zu seinen bedeutendsten Arbeiten zählen hierbei die ab 1952 entstandenen Veröffentlichungen zum Double-Bind in der menschlichen und tierischen Kommunikation. Einen Ausgangspunkt bei der Erforschung dieses Phänomens bildeten die im sozialen Spiel von Tieren auftretenden Paradoxien, die BATESON mithilfe der mathematischen Theorie logischer Typen von WHITEHEAD & RUSSELL beschrieb.

Bei den Double-Binds handelt es sich um widersprüchliche und in ihrer Widersprüchlichkeit schwer zu durchschauende Aussagen über die Beziehung zwischen einem Binder und einem Opfer. Für das Opfer ist es schwierig, die verschiedenen Ebenen einer Nachricht des Binders zu unterscheiden. Es muss dazu bestimmte Verhaltensweisen anwenden, die im schlimmsten - dem pathologischen - Fall dem klinischen Erscheinungsbild schizophrener Symptomatik entsprechen. Es gehört zum Wesen des Double-Bind, dass er nicht von den in ihm Befangenen, sondern nur von außen, etwa durch einen Therapeuten, aufgehoben werden kann. Da Double-Binds nicht zwangsläufig zu pathologischem Verhalten führen müssen, können sie gezielt, im Sinne einer paradoxen oder Symptomverschreibung, als therapeutisches Mittel eingesetzt werden. Obwohl sie die Grundlage zu zahlreichen weiterführenden Forschungen bildet, konnte die Double-Bind -Theorie in kontrollierten Studien nicht empirisch bestätigt werden.

1. Einleitung

Vieles vom dem, was Gregory BATESON im Laufe seines Lebens erforschte und formulierte, regt noch heute, 30 Jahre nach seinem Tode, Diskussionen in der Fachwelt an. Von Anfang an war sein Forschungsinteresse erkenntnistheoretischer Natur. Es waren Fragen nach den strukturellen Gemeinsamkeiten der natürlichen und der kulturellen Umwelt, die ihn zu Untersuchungen auf dem Gebiet der Psychologie und anderer, mit ihr verwandter Wissenschaften veranlassten; Fragen, die auf kybernetische Zusammenhänge zielten. Unterschiedlich in ihrem jeweiligen Ansatz, war ihnen der Gegenstand gemeinsam: die Erforschung menschlicher oder tierischer Kommunikation und ihrer bestimmenden Faktoren. Sein wissenschaftliches Werk stellt sich mithin als ein System dar, das im fortwährenden geistigen Austausch mit verschiedenen Nachbardisziplinen entstand und dessen Bestandteile voneinander durchdrungen sind. Gerade dies bringt es mit sich, dass BATESONS Schriften, von denen gleichsam ein Text als „Fußnote“ des anderen gelten darf, sich dem einfachen Nachvollzug verschließen und bis auf den heutigen Tag eine gründliche Erschließung dieses Werkes verhindern.

Die in der vorliegenden Studie untersuchten Texte sind überwiegend zwei in deutschsprachiger Übersetzung erschienenen Sammelbänden mit Artikeln und Vorträgen BATESONS entnommen (BATESON 1994; BATESON 1995). Sie machen verschiedene Basistexte des Autors einer breiten deutschen Leserschaft zugänglich und sind auch philologisch zuverlässig aufbereitet, erschließen jedoch nicht die Inhalte, sodass dem Leser, der sich nicht mit verweisartigem, in ständigem Nachschlagen bemühten Textstudium befassen will, vieles unverständlich bleibt.

Mit der vorliegenden Studie soll der Versuch unternommen werden, die Inhalte einiger Schlüsseltexte im Umkreis der Kommunikationspsychologie kritisch in ihre jeweiligen Bedeutungskontexte einzuordnen. Der verweisartige Charakter dieser Schriften ließ es mitunter notwendig erscheinen, Aussagen aus ihrem jeweiligen Textzusammenhang auszugliedern und in einem gemeinsamen thematischen bzw. inhaltlichen Kontext neu zusammenzuführen. Um die originale Gedankenstruktur und die Argumentationskette des Autors auch in den neuen Kontexten noch durchscheinen zu lassen, wurde versucht, das „Atomisieren“ größerer Texteinheiten zu vermeiden.

Manches aus diesen Schriften erschließt sich leichter, wenn man die biografischen Bedingungen kennt, denen es entstammt. Damit der Mensch Gregory BATESON nicht ganz im Dunkeln bleibt - selbst einschlägige zitierwürdige Personenlexika widmen ihm nur ein paar dürre Zeilen -, ist der Auseinandersetzung mit seinem Werk eine biografische Skizze vorangestellt.

2. Gregory BATESON: eine biografische Skizze

“Ich halte Gregory Bateson für einen der wichtigsten Denker unseres Jahrhunderts... Die familientherapeutische Arbeit unseres Heidelberger Teams wie die vieler anderer Kollegen im Inland und westlichen Ausland wäre undenkbar ohne die Ideen und Anstöße, die Gregory Bateson seit etwa 40 Jahren gegeben hat.“ So schreibt der Heidelberger Psychotherapeut Helm STIERLIN in seiner Einleitung zur deutschen Ausgabe von BATESONS Ökologie des Geistes (BATESON 1994, 7). Paul WATZLAWICK und seine Mitarbeiter bezeichneten BATESON als ihren „Freund und Mentor“ (WATZLAWICK et al. 1985, Widmungsadresse o. S.). - Und der Zukunftsforscher Fritjof CAPRA, der sich zu den Schülern BATESONS zählt, charakterisiert die Bedeutung seines Lehrers folgendermaßen: „Gregory Bateson hat großen Einfluss auf mein Denken ausgeübt. In einem durch Zersplitterung und Überspezialisierung gekennzeichneten Zeitalter stellte er die Grundanschauungen und Methoden mehrerer Wissenschaftsdisziplinen in Frage, indem er nach Mustern hinter Mustern, nach Prozessen unterhalb der Ebene der Strukturen suchte. Wann immer eine Frage auftauchte, die ich mit keiner bestimmten Disziplin oder Denkschule assoziieren konnte, pflegte ich am Rand meines Manuskriptes zu notieren: 'Bateson fragen!'. Ich werde stets für die Auszeichnung dankbar sein, ihn gekannt zu haben.“ (Zit. nach PÁAL 1993, If.)

Wer war dieser Gregory BATESON, der es Zeit seines Lebens verstand, Forschungsprojekte zu initiieren, ihre Ergebnisse den verschiedensten Anwendungsbereichen zuzuführen und international renommierte Forscher aus verschiedenen Wissenschaftsgebieten nachhaltig zu beeinflussen? Seine Person zeichnet sich nur schemenhaft im Hintergrund seiner wissenschaftlichen Arbeiten ab. Folgt man den verstreuten biografischen Angaben, deren glaubwürdigste als Selbst- und Fremdaussagen in seinen eigenen Veröffentlichungen zu finden sind (vgl. u. a. BATESON 1994 und BATESON 1995), so ergibt sich folgendes Lebensbild: Er wurde 1904 als jüngster von drei Söhnen des englischen Genetikers William BATESON in Cambridge geboren. In seiner Heimatstadt absolvierte er ein naturwissenschaftliches Studium mit den Schwerpunkten Biologie und Anthropologie. Auf anthropologischen Forschungsreisen nach Neu-Guinea lernte er 1932 seine spätere Frau, die Anthropologin Margaret MEAD kennen, die er 1935 heiratete. Mit ihr unternahm er in den 30er-Jahren verschiedene Forschungsreisen, auf denen er sich intensiv mit Fragen der Evolutionstheorie und der Verhaltenswissenschaft beschäftigte. Ab 1942 betrieb er ergänzende Studien in Kybernetik und Informationstheorie. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs war BATESON Dozent an mehreren amerikanischen Universitäten. Unter anderem bekleidete er 1947 eine Gast-Professur für Anthropologie an der Harvard-University. Von Margaret MEAD trennte er sich im Jahr 1950.

Etwa zu dieser Zeit nahm er am Langley-Porter Neuropsychiatric Institute in San Francisco seine Forschungen zur Psychologie auf. Im Anschluss daran leitete zehn Jahre lang ein wissenschaftliches Projekt zur Kommunikationsforschung am Palo Alto Veterans-Administration-Hospital. In dieser Zeit entwickelte er die Theorie des Double Bind. Seit Mitte der 60er-Jahre forschte BATESON an der Universität von Hawaii über tierische Kommunikation am Beispiel der Gesänge der Wale und Delfine. Anfang der 70er­Jahre kehrte er nach Kalifornien zurück, wo er an der Universität von Santa Cruz seit 1972 verschiedene Ämter innehatte. Seine späten Lebensjahre waren intensiver Forschung zur Lerntheorie, zur Ökologie und Kybernetik gewidmet, wobei er von seiner Tochter Mary Catherine BATESON, die aus der Ehe mit Margaret MEAD stammte, unterstützt wurde. Nach einigen schweren Krebsoperationen zog sich Gregory BATESON im Jahr 1978 weitgehend von der Öffentlichkeit zurück. Nachdem sein Gesundheitszustand sich abermals deutlich verschlechtert hatte, starb er im Jahr 1980 in San Francisco.

3.1 Zur Rezeption BATESONS

Warum blieb BATESON als Wissenschaftler trotz der weitreichenden Ergebnisse seiner Untersuchungen und trotz der erfolgreichen Arbeit, die er an verschiedenen Forschungsstätten leistete, relativ unbekannt? Auf diese Frage, die bereits in der Einleitung gestreift wurde, findet man im Lichte von BATESONS Biografie exemplarische Antworten, die auf zwei bestimmte Aspekte verweisen: auf die Persönlichkeit des Forschers einerseits und auf die Problematik des fächerübergreifenden wissenschaftlichen Diskurses andererseits. So lässt sich feststellen, dass für ihn offenbar der fachliche Austausch mit anderen Wissenschaftlern im Vordergrund stand, dass er jedoch nur wenig darum bemüht war, seinen persönlichen Anteil an diesen Forschungen in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Er galt als ein Forscher, der am Rande der Gesellschaft lebte und innerhalb der kleinen Gilde von „Eingeweihten“ von Bedeutung war, sich jedoch nicht dem „Mainstream“ der Wissenschaft annäherte (vgl. PÁAL 1993, 1). Der bereits eingangs zitierte Helm STIERLIN ergänzt: „...sein Hang, von einem Wissenschaftsgebiet zum anderen zu gehen, das können viele heute nicht mehr mit vollziehen. Denn die Spezialisierung ist ja enorm vorangeschritten. Und Spezialisierung bedeutet ja unterschiedliche Sprachwelten, Erlebniswelten.“ (A. a. O., 16) In der Tat finden sich in BATESONS Texten zahlreiche erklärende Analogien aus verstreuten Wissensdomänen, die zunächst zwar den Schein des Bekannten tragen, in den von ihm konstruierten Zusammenhängen jedoch neue, unbekannte Dimensionen eröffnen.

3.2 Grundlagen der Forschung

Welches war das zentrale Anliegen, das BATESONS Untersuchungen über Jahrzehnte und über verschiedene Forschungsgebiete hinweg verklammerte? Nach STIERLIN ist es der kybernetische Forschungsansatz: „Erst einmal sehe ich ihn als Begründer einer ökosystematischen Sicht der Lebenszusammenhänge [...l und ich würde sagen, er war derjenige, der die Kybernetik […] auch auf menschliche Prozesse übertrug, also eine Kybernetik der menschlichen Beziehungen. Die hat er entworfen, dazu hat er enorm interessante und wichtige und noch heute gültige Ideen geliefert.“ (A. a. O., 2) Der Psychologe Robert W. RIEBER beschreibt im Vorwort zu seinem Buch The Individual, Communication, and Society..., dass BATESON stets danach gestrebt habe, eine umfassende Erkenntnistheorie der Kommunikationsbedingungen zu entwickeln (vgl. RIEBER 1989, XIII). Damit sprechen beide Autoren im Grunde das Gleiche an: BATESONS zentrales Anliegen war die Erforschung der Voraussetzungen und Bedingungen menschlichen Verhaltens, das er vor allem in seinen Erscheinungsformen der Kommunikation untersuchte.

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Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Der Double Bind
Untertitel
Gregory Batesons Beiträge zur Kommunikationsforschung
Hochschule
Hochschule Fresenius Idstein
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
27
Katalognummer
V161309
ISBN (eBook)
9783640764860
ISBN (Buch)
9783640765218
Dateigröße
571 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Double Bind, Bateson, Watzlawick, Capra, Stierlin, Systemische Therapie, Schizophrenie, Schizophrenieforschung, Kommunikationswissenschaft, Logische Typen, Russell, Whitehead, Psychotherapie, Sprachwissenschaft, Sprechwissenschaft
Arbeit zitieren
Katja Rommel (Autor), 2009, Der Double Bind, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161309

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