Hospitationspraktikum an einem Gymnasium. Beobachtungsprotokolle einer 9. Klasse


Praktikumsbericht / -arbeit, 2010

17 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der erste Praktikumstag

3. Der Klassenverband 9 C

4. Beobachtungsprotokolle
4.1. Erstes Beobachtungsprotokoll
4.1.1. Begründung für Auswahl sowie Gespräche
4.2. Zweites Beobachtungsprotokoll
4.2.1. Begründung für Auswahl sowie Gespräche

5. Vergleich und Analyse der beiden Stunden hinsichtlich meiner Beobachtungsschwerpunkte

6. Schlussfolgerungen

7. Anhang

1. Einleitung

Ein Einführungspraktikum bzw. Orientierungspraktikum stellt für mich einen Zeitraum dar, in dem ich mich, meinen zukünftigen Beruf betreffend, orientieren kann. Diese Möglichkeit wurde mir durch ein vierzehntägiges Praktikum am X-Gymnasium in Y geboten. Ich hoffte meine Entscheidung, Lehramt für die Fächer Deutsch und Geschichte zu studieren, verfestigen zu können.

Da ich das Praktikum in meinem zweiten Hochschulsemester absolvierte und meine eigene Schulzeit somit nur knapp ein Jahr zurücklag, hatte ich im Vorfeld die Befürchtung, dass ich es in 14 Tagen nicht schaffen könnte, von der Schüler auf die Lehrerperspektive zu wechseln.

Meine größte Hoffnung bei dem Praktikum lag darin, dass es mich, wie schon gesagt, motivieren sollte, an meiner Berufswahl festzuhalten. Interessiert war ich daran, wie die Lehrkräfte in ihren Unterrichtsstunden eine gute und ruhige Lernatmosphäre schaffen und die Schüler für sich und die Unterrichtsthematik gewinnen können.

Folgende Fragen beschäftigten mich im Vorfeld des Praktikums:

- Wie gestalten die Lehrer ihre Unterrichtseinstiege?
- Wie gehen Lehrer mit Störungen und unmotivierten Schülern um?
- Hat das Schüler-Lehrer-Verhältnis Einfluss auf das Unterrichtsgeschehen?
- Hat das Verhalten der Lehrkraft Folgen für das Unterrichtsgeschehen?

Ich wollte versuchen diese Fragen, welche gleichzeitig auch meine Beobachtungsschwerpunkte darstellen, bei meinen Hospitationen fest im Kopf zu behalten. Durch meine Beobachtungsschwerpunkte versprach ich mir, zu erfahren, wie ich als zukünftige Lehrkraft das Unterrichtsgeschehen, sowohl nonverbal als auch verbal positiv beeinflussen kann.

Aus meiner eigenen Schulzeit wusste ich, dass Referendare und Praktikanten von den Schülern oft nicht besonders ernst genommen werden. Da ich vorhatte, in den Pausen sowohl das Gespräch mit den Schülern als auch mit den Lehrern zu suchen (um auch von Lehrerseite das Unterrichtsgeschehen einschätzen zu lassen), hoffte ich, dass die Schüler schon „studentenerprobt“ seien und uns Studenten respektvoll entgegentreten würden.

Im Folgenden werde ich besonders auf zwei Unterrichtsstunden eingehen, eine Geschichtsstunde und eine Französischstunde. Die Beobachtungen aus diesen beiden Stunden werde ich ausführlich darstellen und anschließend analysieren. Bei dem Vergleich und der Auswertung der beiden Stunden werde ich auf meine Beobachtungsschwerpunkte eingehen, da diese Stunden mir bezüglich meiner Fragen zu Unterrichtsklima, Schüler-Lehrer-Verhältnis und Unterrichtseinstieg sowohl als ein erfolgreiches, als auch als weniger erfolgreiches Beispiel dienten.

2. Der erste Praktikumstag

An unserem ersten Praktikumstag trafen wir uns auf dem Schulhof des X- Gymnasiums. Wir waren eine Gruppe von sieben Stundenten und begaben uns zunächst zum Büro des Direktors. Der stellvertretende Direktor begrüßte uns recht freundlich, aber teilte uns sogleich mit, dass er wenig Erfahrung habe mit hospitierenden Studenten, er uns aber dennoch bei allen Fragen zur Verfügung stehen wolle. Zunächst gab er uns einige geschichtliche Informationen über die Schule und ging dabei auch auf das Gerücht ein, dass das Gymnasium bald geschlossen werden soll. Die Zahl der Schüler, die sich an der Schule bewarben, ging leider aufgrund dieses Gerüchtes von Jahr zu Jahr zurück.

Der stellvertretende Direktor versicherte uns, dass er mit allen Lehrkörpern gesprochen hätte und alle bereit wären, uns in ihren Stunden hospitieren zu lassen. Er bat uns aber trotzdem, jeden Lehrer vor der Stunde persönlich um die Erlaubnis zur Hospitation zu bitten.

Im Lehrerzimmer bekamen wir die Möglichkeit uns die Raum- und Lehrpläne anzugucken. An diesen konnten wir die Klassenstufe, den jeweilig unterrichtenden Lehrer sowie den dazugehörenden Raum ausfindig machen. Unsere Dozentin schlug uns vor, in der ersten Woche zu zweit eine Klasse aufzusuchen. Ich entschied mich mit einem Kommilitonen in der 9 C zu hospitieren.

Die ersten Eindrücke des Gymnasiums waren sehr positiv. Wir bemerkten, dass die Lehrkräfte auf uns vorbereitet waren und wurden überall lächelnd und grüßend aufgenommen. In der ersten großen Hofpause fragten uns einige Schüler, wer wir seien und aus welchem Grund wir da wären. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass wir uns sehr wohl fühlten, das Klima an der Schule als sehr gut empfanden und wir uns alle auf die vierzehn Tage am Gymnasium freuten.

Am ersten Tag des Praktikums hatte ich die Möglichkeit, eine Stunde Geschichte in der Klasse 9 C zu beobachten. Diese Stunde schwächte meinen ersten positiven Eindruck zunächst wieder.

3. Der Klassenverband 9 C

Die erste Stunde meines Beobachtungspraktikums führte mich nach Anraten des stellvertretenden Direktors des X-Gymnasiums in die 9 C.

Die Klasse besteht insgesamt aus 28 Schülerinnen und Schüler. Sie bereitete den Lehrern große Probleme mit undiszipliniertem Verhalten und wenig Arbeitsbereitschaft. Der Direktor äußerte sich sehr negativ über die Schüler und meinte, dass es in dieser Klasse viel zu beobachten gäbe und es für einen angehenden Pädagogen sehr informativ wäre, sich mit dieser Klasse ein wenig zu beschäftigen. Im Voraus erfuhr ich von der Mathe- und Physiklehrerin der Klasse, dass die Klassengemeinschaft zwar sehr eng erscheine, jedoch keine festen außerschulischen Freundschaften bestünden würden. Auch das AG-Angebot der Schule nutzen nur zwei Schüler.

Die ehrgeizigen Schüler trauten sich nicht, ihre guten Leistungen in der Klasse zu präsentieren, weil sie sonst mit boshaften Kommentaren ihrer Mitschüler rechnen müssten.

Außenseiterrollen gibt es in dieser Klasse tatsächlich viele. Auffällig war jedoch, dass die leistungsstarken Schüler diese innehatten. Das verwunderte mich doch sehr, da ich erwartet hatte, an einem Gymnasium Schüler zu finden, die bereit seien zu lernen und die leistungs- sowie notenorientiert sind.

Ich wurde ebenfalls darüber unterrichtet, dass bereits drei Schüler wegen des entsprechend schlechten Unterrichtsklima die Klasse gewechselt hatten und zwei weitere die Klasse im letzten Schuljahr verlassen hatten, da sie die 8. Klasse wiederholen mussten. Bei weiteren zehn Schülern war die Versetzung auch nur sehr knapp gewesen!

In den großen Hofpausen standen die Schülerinnen und Schüler dieser Klasse in zahlreichen kleinen Grüppchen zusammen. Leider musste ich auch feststellen, dass einige Schüler ganz allein ihre Pause verbrachten. Bei Gesprächen mit den Schülern gewann ich den Eindruck, dass die meisten von ihnen nicht gern zur Schule gehen und sich in ihrem Klassenverband auch nicht besonders geborgen fühlen. Seltsam war jedoch, dass fast alle Kinder sich wünschten, schulische Freundschaften aufzubauen.

4. Beobachtungsprotokolle

4.1. Erstes Beobachtungsprotokoll

Montag, 15.09.2003

3. Stunde: Geschichte

Klasse 9C

Es befanden sich insgesamt 26 Schüler in der Geschichtsstunde, welche eine Vertretungsstunde war, da die Lehrerin für Deutsch krank gewesen war.

Die Klasse befand sich in einem Fachraum für Geschichte im Obergeschoss, der sehr kahl auf mich wirkte; die Tafel war alt und ungereinigt. Auf den Fensterbrettern standen vereinzelt ein paar Blumen, an den Wänden hingen weder Poster noch Zeittafeln.

Zu Beginn der Stunde rief die Lehrerin Frau M. die einzelnen Schüler auf, um die Anwesenheit zu kontrollieren. Zwei Schüler fehlten krankheitsbedingt. Es gab keine normale Begrüßung, sondern die Lehrerin begann gleich mit dem Unterricht.

Am Anfang der Stunde sorgte Frau M. nicht für Ruhe. Sie ignorierte die anhaltende Unruhe und rief Alexander auf, der einen Kurzvortrag über das Parteiensystem der Weimarer Republik halten sollte. Dieser Vortrag war eine Hausaufgabe, die eigentlich alle Schüler vorbereiten sollten. Der Schüler sagte, er habe seinen Vortrag zu Hause vergessen. Sieben weitere Schüler, die aufgerufen wurden, nannten den gleichen Grund.

Die Schüler beschwerten sich: „Wir haben keine Lust am Wochenende solche schwierigen und zeitaufwändigen Hausaufgaben zu erledigen, da wir am Wochenende Besseres vorhaben“.

Die Lehrerin fragte schließlich, wer den Vortrag überhaupt vorbereitet habe. Vier Schüler meldeten sich zaghaft. Frau M. fragte laut schimpfend, weshalb nur so wenige die Aufgabe erfüllt hätten.

Nachfolgend forderte sie Daniel auf, seinen Vortrag über eine Thematik aus der Weimarer Republik vorzustellen. Ich zählte sieben Schüler, die mitarbeiteten und sich Notizen machten, der Rest unterhielt sich lautstark, war beschäftigt Briefchen zu schreiben, zu malen oder mit dem Handy zu spielen.

Daniels Stimme wurde leiser und unsicherer, die Körperhaltung wirkte auf mich immer mehr in sich zusammengesackt. Die Lehrerin beschwerte sich, dass man ihn nicht mehr verstünde, schaffte in der Klasse aber immer noch keine Ruhe.

Als der Vortrag zu Ende war, mussten die Mitschüler Daniels Stundenbeitrag bewerten. Es kamen nur negative Äußerungen, sogar von Mitschülern die dem Vortrag gar nicht gefolgt waren. Die Lehrerin nickte bei den Äußerungen, die Bewertung von Daniel fiel sehr schlecht aus.

Der Lärmpegel war nach 20 Minuten immer noch konsequent laut. Die Schüler sollten nun ihre restlichen Hausaufgaben vortragen, es mussten Stichpunkte aus dem Buch herausgeschrieben werden. Auch bei dieser Aufgabe hatten 20 von 26 Schülern die Hausaufgaben nicht gemacht. Die Lehrerin bat darum, die Aufgaben zur nächsten Stunde nachzuholen, notierte sich aber nicht, wer sie nicht gemacht hatte und kontrollierte auch nicht die Richtigkeit der Aufgaben, die gemacht worden sind.

Die zweite Hälfte der Unterrichtsstunde begann. Die Lehrerin ermahnte die Klasse erneut zur Ruhe, da sie ihr eigenes Wort nicht mehr verstehen konnte . Charlotte und Sandra aus der hintersten Reihe diskutierten trotzdem lautstark weiter, die Lehrerin sprach sie nun direkt an. Die Schülerinnen reagierten jedoch nicht darauf. Frau M. fing an laut zu werden und äußerte: „I ch habe noch nie so zwei faule und untalentierte Schüler gesehen wie euch beide und ihr müsst euch nicht wundern, wenn auf euren Zeugnissen nur schlechte Zensuren zu sehen sind. Ihr müsst nicht denken, dass ihr kurz vor Schuljahresende wieder ankommen könnt und ich mich wieder erweichen lasse, eine Zensur besser zu geben, nur damit ihr nicht versetzungsgefährdet seid“. Nach dieser Ansage war die Ruhe vorläufig erst einmal wieder hergestellt.

Die Schüler hatten in dieser Unterrichtstunde eine neue Thematik begonnen, die Außenpolitik in der Weimarer Republik. Die Lehrerin begann Fakten aufzuzählen. Auch nach der Aufforderung von Frau M. begannen nur wenige Schüler sich Notizen zu machen. Während ihren Erläuterungen kam es oft zu Zwischenrufen aus der Klasse. Zehn Minuten vor dem Ende der Stunde wurden Kurzkontrollen zurückgegeben, welche die Schüler vor einem Monat geschrieben hatten. Die Zensuren waren schlecht, es gab nur zweimal die Note gut und der Rest lag zwischen befriedigend und ausreichend bis hin zu ganz leeren Blättern die dementsprechend benotet worden sind.

Fünf Minuten vor dem Ende des Unterrichts fingen die Schüler an ihre Sachen zu packen, obwohl die Lehrerin die Stunde noch nicht beendet hatte. Sie reagierte jedoch nicht auf das Verhalten der Schüler.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Hospitationspraktikum an einem Gymnasium. Beobachtungsprotokolle einer 9. Klasse
Hochschule
Universität Potsdam
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V161314
ISBN (eBook)
9783668244078
ISBN (Buch)
9783668244085
Dateigröße
400 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
hospitationspraktikum, gymnasium, beobachtungsprotokolle, klasse
Arbeit zitieren
Franziska Dedow (Autor), 2010, Hospitationspraktikum an einem Gymnasium. Beobachtungsprotokolle einer 9. Klasse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161314

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