Wert und Schein: Zur Werttheorie in Marx’ Kritik der politischen Ökonomie


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009
29 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

1 Gebrauchswert - Tauschwert - Wert

2 Arbeit - Produktion - Produktivkraft

3 Arbeit - Gesellschaft - Wertform

4 Genesis der Geldform

5 Metaphysik und Fetisch

6 Eine Welt aus Prototypen

Literatur

Abstract

Die erste Absicht dieser Arbeit besteht in einer gründlichen und nachvollziehenden Darstellung und vorsichtigen Interpretation der Werttheorie im ersten Kapitel des Marx’schen Kapitals, insbesondere der Kategorie der Ware als solcher und der Ge­nesis der Geldform. Ziel ist es, die konstitutiv-immanente Widersprüchlichkeit der Ware und aller auf dieser beruhenden .Folgeschäden’ herauszuarbeiten. Die Aus­führlichkeit scheint mir insofern gerechtfertigt, als daß sowohl die zu entwickelnden Kategorien selbst, als auch ihre Zusammenhänge und Mechanismen „vertrackt“ und „verschleiert“ sind. Außerdem scheint mir ein nicht ungewichtiger Teil der Gesamt­problematik darin zu bestehen, daß die von Marx hier rekonstruierten Begriffe gerne und gängigerweise einfach so verwendet und als gegeben angesehen werden und das, obwohl sie eben von vorneherein keineswegs so klar sind, wie es auf den ersten Blick scheinen mag.

Im Anschluß daran möchte ich, ausgehend von Marx’ Analyse und Betrachtung des­sen, was er den „Fetischcharakter der Ware“ nennt, die eher metaphysische, gele­gentlich religiös anmutende Aura beleuchten, die vor allem Geld und Ware zu umge­ben scheint.

Schließlich werde ich versuchen, das sich - aus meiner Sicht - im Zusammenspiel der Ergebnisse der ersten beiden Teile abzeichnende Warendispositiv näher zu ana­lysieren. Meine Grundthese dabei: Unserer an verschiedenen Dispositiven nicht ar­men Gegenwart liegt ein ganz grundlegendes Muster zugrunde, gewissermaßen ein Metadispositiv, das auch den anderen Dispositiven gegenüber als ein solches wirkt. Dieses kann vorläufig mit „Industrialisierung“ beschrieben werden. Ihr wesentlicher Keim findet sich dabei bereits im Eröffnungskapitel des Kapitals, was aus meiner Sicht einen faszinierenden und genuin philosophischen Aspekt der Marx’schen Öko­nomiekritik jenseits ihrer vielbesprochenen Kampfschrifthaftigkeit ausmacht.

1 Gebrauchswert - Tauschwert - Wert

Das Kapital beginnt mit der Analyse der Ware. Sie wird vorläufig beschrieben als „ein äußerer Gegenstand, ein Ding, das durch seine Eigenschaften menschliche Bedürf­nisse irgendeiner Art befriedigt“ (Marx 49). Dies macht ihre Nützlichkeit aus. Diese Nützlichkeit ist direkt und untrennbar verbunden mit dem Ding selbst, dem Waren­körper und seinen Eigenschaften. Denn ihre Realisierung vollzieht sich erst und nur im Gebrauch des Dinges selbst (wobei dieser Gebrauch auch Konsumption sein kann), welches insofern Gebrauchswert ist. Man könnte sagen: Als Ding ist das Ding Gebrauchswert, als Ware hat es Gebrauchswert. Denn die Gebrauchswerte sind - zumal in der zu betrachtenden bürgerlichen Gesellschaft kapitalistischer Produkti­onsweise - darüber hinaus „zugleich die stofflichen Träger des Tauschwerts“ (Marx 50). In seiner simpelsten Form scheint der Tauschwert von Gebrauchswerten - ober­flächlich betrachtet - schlicht in den anderen Gebrauchswerten zu bestehen, die im Tausch dafür zu bekommen sind, als eine nach Zeit, Ort und allerlei sonstigen Um­ständen jeweils verschiedene Austauschproportion. Eher zufällige, auf jeden Fall aber rein relative Quantität. Allerdings werden dabei - gegenständlich - natürlich nicht Quantitäten getauscht, sondern deren stoffliche Träger, die Gebrauchswerte. Dem einzelnen Gebrauchswert kommen dabei allerlei verschiedene Tauschwerte zu. So könnte man beispielsweise für ein Paar Schuhe ein Quantum x an Mehl oder ein Quantum y an Stoff oder ein Quantum z an Nägeln bekommen. Da diese Quanta alle gleichermaßen Tauschwerte für die Schuhe darstellen und insoweit untereinander offensichtlich als voneinander jeweils ersetzbar gelten müssen, scheint ihnen - trotz ihrer offenkundigen Unterschiedenheit als Gebrauchswerte - dieselbe Tauschwertig­keit zuzukommen. In Bezug auf den Moment des Tausches lässt sich für das Ding also zweierlei festhalten: „Die gültigen Tauschwerte derselben Ware drücken ein Gleiches aus“ (sonst wären sie nicht durch einander ersetzbar) und „der Tauschwert kann überhaupt nur die Ausdrucksweise, die .Erscheinungsform’ eines von ihm un­terscheidbaren Gehalts sein“ (Marx 51) (denn 100 Nägel gegen 100 Nägel zu tau­schen ergibt keinen Sinn - außer sie unterschieden sich wiederum als solche signifi­kant voneinander).

Worin besteht aber das Gleiche an oder in x Mehl und y Stoff (von der zirkulären Bemerkung einmal abgesehen, daß sie den Tauschwert ,ein Paar Schuhe’ teilen)? Diese Gleichheit ist offensichtlich nicht in den Dingen an sich (als Gebrauchswerten) zu finden, da sie als solche ja gerade nicht gleich sind. Sie findet sich also weder am Mehl, noch am Stoff, wohl also in einem Dritten, das den beiden Dingen gemeinsam ist, aber in unterschiedlicher Quantität zukommt (da x Ф y). Dabei kann es sich nicht um natürliche Eigenschaften der Waren handeln. Denn diese sind nur von Belang insofern sie das Ding als solches nutzbar, also zu Gebrauchswerten machen. Für das Austauschverhältnis ist ja aber gerade die Abstraktion vom Gebrauchswertas­pekt der Dinge konstitutiv. In ihrer Identität als Tauschwert kommt der Ware eben gerade kein Gebrauchswert zu. Als Tauschwerte ist ihre qualitative Andersheit zu­gunsten einer rein quantitativ bestimmten Unterscheidung eliminiert. Natürlich ist das, was da den Besitzer wechselt nach dem Tausch weiterhin Mehl oder Stoff. Für den Tauschakt als solchen sind sie jedoch ihrer körperlichen Beschaffenheit, über­haupt aller sinnlichen Dimension enthoben. Für den jeweils vor dem Tauschakt Be­sitzenden sind Mehl und Stoff für den und im Tauschakt selbst keine Dinge mehr die als solche noch nützlich wären (streng genommen nicht einmal mehr existent sind). Sie sind nur noch „Erscheinungsformen“. Für den Mehlbesitzer ist sein Mehl in die­sem Moment reine Quantität und insofern z Nägeln vollständig identisch. Die einzige Eigenschaft, die nach dieser völligen Abstraktion noch bleibt und die den Dingen in der Tat gemeinsam ist, ist die, daß sie Arbeitsprodukte darstellen. Das gesuchte den Waren innewohnende Gleiche scheint also mit der menschlichen Arbeit verwoben zu sein.

In den konkreten Gebrauchswerten steckt jeweils konkrete, verschiedene menschli­che Arbeit: Schusterarbeit in den Schuhen, Müllerarbeit im Mehl, Weberarbeit im Stoff, usw. Als Tauschwerte, in der dafür notwendigen Abstraktion, kommt den Din­gen diese konkrete Verschiedenheit der Arbeit aber zwangsläufig abhanden. Das Mehl ist nicht länger Mehl, ergo auch nicht länger das Produkt von Müllerarbeit oder sonst irgendeiner bestimmten produktiven Arbeit: Es ist gewissermaßen reine Ge­genständlichkeit als solche, ohne relevante konkrete Form und Qualität. „Mit dem nützlichen Charakter der Arbeitsprodukte verschwindet der nützliche Charakter der in ihnen dargestellten Arbeiten, es verschwinden also auch die verschiedenen konkre­ten Formen dieser Arbeiten, sie unterscheiden sich nicht länger, sondern sind allzu­samt reduziert auf gleiche menschliche Arbeit, abstrakt menschliche Arbeit“ (Marx 52). Als Tauschwerte sind die Dinge insofern nur noch nicht-verschiedene Repräsen­tation der zu ihrer Produktion verausgabten, abstrakten Arbeitsquantität, der „ge­meinschaftlichen gesellschaftlichen Substanz“. Als „Kristalle“ (Marx 52) dieser sind sie das, was Marx schlicht mit ,Wert’ bezeichnet. Der Wert ist es, was sich als Ge­meinsames im Tauschwert manifestiert. Sein Maß ist das im Ding selbst vergegens­tändlichte Quantum abstrakter menschlicher Arbeit. Nur dieser Materialisierung we­gen hat ein Gebrauchswert einen Wert.

Bei genauerer Betrachtung lässt sich feststellen, daß mit der Kategorie des Wertes (nicht nur morphologisch) bereits eine weitere, zweite Abstraktion verbunden ist. So wie der Gebrauchswert (im Tausch) nur notwendige „Erscheinungsform“ des Tauschwertes ist, so ist dieser wiederum „Erscheinungsform“ des Wertes. Der Wert als solcher ist zwar ontologisch vom Tauschwert zu unterscheiden, manifestiert sich aber nur als dieser (dazu später mehr). Der Wert selbst lässt sich nicht absolut dar­stellen, sondern nur im Verhältnis zweier Dinge, zweier Gebrauchswerte (vgl. Back­haus 44).

2 Arbeit - Produktion - Produktivkraft

Da nun Arbeit als die wertbildende Substanz identifiziert ist, könnte man einwenden, dies bedeute, daß besonders langsames Arbeiten zu besonders wertvollen Waren führen würde. Das konkrete Quantum konkreter Arbeit (in Zeiteinheiten als ihrem Maß) stiege und damit auch der Wert des Produktes. Dies ist natürlich nicht der Fall. Wie gesehen handelt es sich bei der Arbeit „im“ Wert um abstrakte Arbeit, und zwar gleiche abstrakte Arbeit. Mehr noch (Marx 53):

Die gesamte Arbeitskraft der Gesellschaft, die sich in den Werten der Warenwelt darstellt, gilt hier als eine und dieselbe menschliche Arbeitskraft, obgleich sie aus zahllosen individuellen Ar­beitskräften besteht. Jede dieser individuellen Arbeitskräfte ist dieselbe menschliche Arbeitskraft wie die andere, soweit sie den Charakter einer gesellschaftlichen Durchschnitts-Arbeitskraft be­sitzt und als solche gesellschaftliche Durchschnitts-Arbeitskraft wirkt, also in der Produktion ei­ner Ware auch nur die im Durchschnitt notwendige oder gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit braucht. Gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit ist Arbeitszeit, erheischt, um irgendeinen Ge­brauchswert mit den vorhandenen gesellschaftlich-normalen Produktionsbedingungen und dem gesellschaftlichen Durchschnittsgrad von Geschick und Intensität der Arbeit darzustellen.

Das zur Produktion einer Ware tatsächlich aufgewandte Quantum konkreter Arbeit ist also für die Bestimmung ihres Wertes höchstens rudimentär von Bedeutung (als ein Berechnungsglied der gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit). Wieviel mein Mehl der Menge x wert ist wird nicht dadurch bestimmt, wie viel Zeit ich in seine Produkti­on gesteckt habe, sondern hauptsächlich dadurch, wie viel Zeit die anderen in die Produktion ihres Mehls der Menge x gesteckt haben. Dies ist nun auf den ersten Blick nicht weiter aufsehenerregend. Man darf wohl davon ausgehen, daß es zu allen Zeiten und in allen möglichen Gesellschaftsformen die diesen Namen verdienten der Fall war, daß Tauschende eine wenigstens ungefähre Vorstellung davon hatten, wie viel Arbeitszeit sich in etwa, im Normalfall (im Sinne eines näherungsweisen Durch­schnitts), im zu ertauschenden Ding veranschlagen ließ. Sie hätten sicherlich eine davon signifikant zu ihren Ungunsten abweichende Austauschproportionalität als hor­rend und eine Erklärung à la „Ich habe besonders langsam gemahlen, deshalb war dieses Mehl besonders zeitaufwendig und daher verlange ich für x Mehl nun 3z Nä­gel...“ als wenig akzeptabel empfunden. Er hätte schließlich problemlos auch im üb­lichen Tempo arbeiten können. Das Motiv der gesellschaftlich notwendigen Arbeit ist bislang auch dann noch nicht sonderlich brisant, solange sich die Produktionsbedin­gungen der Einzelnen peu à peu entwickeln und ohne dabei allzu riesige Unterschie­de zu produzieren (z.B. im Spielraum menschlicher Fingerfertigkeit o.ä.). Allerdings, und das ist das verheerende Moment dieses Zusammenhangs, befinden wir uns (bei Marx und noch immer) im Zeitalter der Industrialisierung!

Marx führt das Beispiel der Entwicklung und Einführung des Dampfwebstuhls in Eng­land an. Auf einen Schlag war es möglich in halb so langer Zeit x Garn in Gewebe zu verarbeiten wie vorher. Wer noch von Hand webte, brauchte dafür natürlich noch dieselbe Arbeitszeit wie früher, „aber das Produkt seiner individuellen Arbeitsstunde stellte jetzt nur noch eine halbe gesellschaftliche Arbeitsstunde dar und fiel daher auf die Hälfte seines frühem Werts“ (Marx 53). Der Gebrauchswert des Produkts blieb natürlich ebenfalls gleich, sein Wert nicht. Der Zusammenhang von Gebrauchswert und Wert ist zwar allein schon deshalb elementar, weil in nutzlosen Dingen enthalte­ne Arbeit ebenfalls als nutzlos und insoweit nicht als wertbildend betrachtet wird. Doch „als Werte sind alle Waren nur bestimmte Maße festgeronnener Arbeitszeit“ (Marx 54). Die Konstanz der Wertgröße einer Ware wäre Ausdruck des Umstandes, dass die zu ihrer Produktion gesellschaftlich notwendige Arbeit und damit die Pro­duktivkraft der Arbeit ebenfalls konstant blieben.

Die Produktivkraft und ihr Steigen oder Fallen hängen dabei zwar nicht nur von der Durchschlagskraft der Produktionsmittel ab - Marx nennt noch einige andere, darun­ter Geschick des Arbeiters oder Naturverhältnisse - aber mit Einsetzen der Industria­lisierung gewinnt dieser Faktor schlagartig ein ungeheures Gewicht. Bemerkenswer­terweise führt der Zusammenhang von Produktivkraft und Wert dazu, daß das Ans­teigen des einen zum Verfall des anderen führt und umgekehrt das Ansteigen des anderen Ausdruck eines Sinkflugs des ersteren ist: „Je größer die Produktivkraft der Arbeit, desto kleiner die zur Herstellung eines Artikels erheischte Arbeitszeit, desto kleiner die in ihm kristallisierte Arbeitsmasse, desto kleiner sein Wert“ (Marx 55). Am Aspekt wechselnder Produktivkraft wird das widersprüchliche Verhältnis von Ge­brauchswert und Wert besonders offenbar. Das Perfide besteht gerade in der sich immer wieder aktualisierenden Möglichkeit der Nicht-Parallelität ihrer Entwicklungen. Denn „ein größres Quantum Gebrauchswert bildet an und für sich größren stofflichen Reichtum, zwei Röcke mehr als einer. [...] Dennoch kann der steigenden Masse des stofflichen Reichtums ein gleichzeitiger Fall seiner Wertgröße entsprechen“ (Marx 60).

3 Arbeit - Gesellschaft - Wertform

Zu Beginn habe ich formuliert: „Als Ding ist das Ding Gebrauchswert, als Ware hat es Gebrauchswert.“ Differenzierenderweise muss man in Bezug auf das Ding als Ware hinzufügen: „...aber nicht für den Produzenten.“ Selbstverständlich kann je­mand ein Ding produzieren, das für ihn selbst Gebrauchswert ist. Wer in seinem Gar­ten Gurken anbaut um sie anschließend selbst zu essen, tut genau dies. Allerdings sind diese Gurken dann keine Ware. Die Produktion von Ware bedeutet die Produk­tion von Gebrauchswert für andere (nicht für sich selbst) zum Zwecke des Aus- tauschs. Es handelt sich also um gesellschaftlichen Gebrauchswert.

Wie man sieht, hat nicht nur die Ware einen Doppelcharakter (als Gebrauchs- und als Tauschwert), sondern auch die Arbeit. Gebrauchswerterzeugend ist sie konkrete, individuelle, qualitativ bestimmte Arbeit - so wie der produzierte Gebrauchswert konkret, individuell und qualitativ bestimmt ist. Werterzeugend ist sie dagegen ab- strakte und gesellschaftliche (und insofern gleiche), quantitativ bestimmte Arbeit - denn genau diese, im Gegenstand materialisiert, macht ihren Wert aus. Die, wie Marx es nennt, „Zwieschlächtigkeit“ der Arbeit ist also eine notwendige Folge der „zwieschlächtigen“ Natur der Ware.

Waren sind für den Austausch bestimmt, im Zentrum des Interesses steht also inso­fern ihr Tauschwert. Diesen Tauschwert haben sie allerdings nur dann, wenn sie für andere, sozusagen den sie-sich-Ertauschenden, potentiellen Gebrauchswert darstel­len. Der Tausch als solcher findet auch nur dann statt, wenn sich dabei zwei Dinge gegenüberstehen, die sowohl verschieden als auch gleich sind. Verschieden muss ihr jeweiliger Gebrauchswert sein, „Rock tauscht sich nicht gegen Rock“ (Marx 56). Wo keine qualitative Verschiedenheit, da kein Tausch, da keine Waren. Das Zustan­dekommen von Tauschakten beweist aber - wie gesehen - notwendigerweise das Vorhandensein einer Gleichheit ihrer Tauschwerte und vermittels Abstraktion auch ihres Wertes (Die Tauschwerte sind im einzelnen, konkreten Tausch genau genom­men zwei verschiedene - die jeweils andere Ware nämlich. Ihr Wert indes ist der gleiche, oder präziser gesagt: sogar derselbe). Wo also keine quantitative Gleichheit, da auch kein Tausch und auch keine Waren. Diese Widersprüchlichkeit von Ver­schiedenheit und Gleichheit ist mehr als nur eine Frage der Perspektive zweier Tau­schender oder der Betrachtung bestimmter Zeitpunkte, wie etwa des Tauschaugenb­licks. Sie beschreibt vielmehr das eigentümliche Wesen der Ware und ist für die Warenform als solche konstitutiv. Nur als dieses Doppelte ist sie überhaupt ,Ware’.

Da Gebrauchswert und Wert aber eben auch Repräsentanten verschiedener Arten von Arbeit sind, ist dem Warenhandel auch diese Widersprüchlichkeit immanent. „Nur Produkte selbständiger und voneinander unabhängiger Privatarbeiten treten einander als Waren gegenüber“ (Marx 57). Konkrete, verschiedene Formen der Ver­ausgabung menschlicher Arbeitskraft. „Der Wert der Ware aber stellt menschliche Arbeit schlechthin dar, Verausgabung menschlicher Arbeit überhaupt“ (Marx 59). „Wie also in den Werten Rock und Leinwand von dem Unterschied ihrer Gebrauchs­werte abstrahiert ist, so in den Arbeiten, die sich in diesen Werten darstellen, von dem Unterschied ihrer nützlichen Formen, der Schneiderei und Weberei“ (Marx 59). Und damit ist eben auch vom Maß der konkreten Arbeit abstrahiert. Diese ist aber eigentlicher ,Ort’ der individuellen Produktivkraft. Sobald Arbeit allerdings als abstrak­te besteht, also auf der Ebene des Wertes, ist diese individuelle Produktivkraft sozu­sagen auswirkungslos. Sie kann (Marx 61) ...

[...]

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Wert und Schein: Zur Werttheorie in Marx’ Kritik der politischen Ökonomie
Hochschule
Universität Stuttgart  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Seminar: „Die Industrialisierung des Glücks“
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
29
Katalognummer
V161446
ISBN (eBook)
9783640746286
ISBN (Buch)
9783640746873
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Marx, Wert, Werttheorie
Arbeit zitieren
Tobias Kaiser (Autor), 2009, Wert und Schein: Zur Werttheorie in Marx’ Kritik der politischen Ökonomie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161446

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