Fußball in Afrika als Mittel der Entwicklungspolitik


Hausarbeit, 2010

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichte des Fußballs in Afrika
2.1 Die Anfänge des Fußballs
2.2 Fußball in Afrika seit 1945
2.3 Fußball in Afrika nach Ende derApartheid

3. Die Theorie des Nation-Building
3.1 Was ist eine Nation?
3.2 Was versteht man unter Nation-Building? 6
3.3 Nation-Building in Afrika

4. Fußball als Mittel der Entwicklungspolitik
4.1 Streetfootballworld- Fußball als Werkzeug für soziale Entwicklung 8
4.2 Footballfor Hope Bewegung
4.3 Grassrootsoccer- Fußball als Mittel zur HIV/AIDS Prävention 11

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Forschungsfeld Entwicklung durch Fußball ist noch relativ jung. Insbesondere das Thema Fußball und Entwicklung in Afrika wurde erst in den letzten Jahrzenten verstärkt aufgegriffen. Zuvor stand vielmehr Südamerika im Mittelpunkt der empirischen Untersuchungen und so gibt es nur wenige fundierte Forschungen und Studien, die sich auf das Land Afrika spezialisiert haben. Das liegt zum einen daran, dass das Thema erst in den letzten Jahren stärker in den Fokus der Öffentlichkeit geriet und zum anderen, wurde das Thema Entwicklung durch Sport jahrelang von Akademikern als zu banal angesehen um wissenschaftliche Forschung darüber zu betreiben (vgl. Alegi 2010, 4). Auch ich greife also in meiner Arbeit auf die wenigen Veröffentlichungen zu dem Thema zurück. Dabei ist zu beachten, dass viele dieser Informationen von den verantwortlichen Organisationen selbst stammen. Aus diesem Grund bleibt fraglich, inwieweit die vorliegenden Daten als empirisch fundiert angesehen werden können. Das Potential, das der Fußball für das Land Afrika bieten kann geht weit über den sportlichen Aspekt hinaus. In meiner Arbeit versuche ich dieses Potential herauszustellen, indem ich verschiedene erfolgreiche Projekte vorstelle, die sich dem Themenfeld Fußball und Entwicklung verschrieben haben. Um diese Projekte einzuleiten, beginne ich mit einem geschichtlichen Überblick, der die Verbreitung des Fußballs in Afrika chronologisch darstellt. Darauffolgend gehe ich kurz auf die Theorie des Nation-Building ein und versuche einen möglichen positiven Zusammenhang zwischen Sport und der Entwicklung des Zusammengehörigkeitsgefühls einer Nation aufzuzeigen. Dieser Teil leitet im Folgenden zum eigentlichen Hauptaugenmerk meiner Arbeit über, dem Fußball als Mittel der Entwicklungspolitik.

2. Geschichte des Fußballs in Afrika

2.1 Die Anfänge des Fußballs

Fußball wurde im 19. Jahrhundert durch englische Siedler, Soldaten und Matrosen nach Afrika gebracht. 1882 wurde der erste Fußballverband in der Geschichte des afrikanischen Kontinents gegründet, die Natal Football Association. Mitglieder waren zu diesem Zeitpunkt ausschließlich weiße Fußballclubs. Die ersten schwarzen Clubs entstanden 1890 in Ladysmith, Pietermaritzburg und Durban (vgl. Wachter 2005, 118f). Bald schon wurde von den Kolonialherren das Potenzial erkannt, das der Fußball ihnen bot. Der Sport verbreitete sich schnell und wurde zunehmend populärer. Im Gegensatz zu den unter der weißen Bevölkerung weit verbreiteten Sportarten, wie Cricket oder Rugby, brauchte man für den Fußball weder teure Ausrüstung, noch einen speziell ausgestatteten Platz, um spielen zu können. Alles was man benötigte war ein Ball, der zur Not aus alten Kleidungsstücken oder Müll selbst gebastelt werden konnte, und ein Spielfeld.

Dem Erfolg des Fußballs kam der Umstand zu Gute, dass er anders als Rugby und Kricket keine typisch englische Sportart war.[1]

Schnell jedoch stand nicht mehr der Sport als solcher im Mittelpunkt. Die Kolonialherren sahen im Fußball ein probates Mittel das der Disziplinierung der schwarzen Bevölkerung dienlich sein konnte. Ziel war es, durch den Sport ein regelkonformes, diszipliniertes Verhalten zu erreichen, das sich an den Normen und Moralvorstellungen der weißen Kolonialherren orientierte. Sport wurde fortan als Erziehungsmittel eingesetzt, um die sogenannten kolonialen Subjekte zu zivilisieren, sie an Regeln zu gewöhnen und zu guter Letzt, eine Gemeinsamkeit zwischen den Schichten zu formen. Die Stiftung einer vermeintlichen Gemeinsamkeit diente jedoch nur den Kolonialherren selbst. Fußball stellte fortan das Bindeglied zwischen den Klassen dar, so dass infolge der Stiftung der gemeinsamen Identität, die Kolonialmacht ihre Herrschaftslegitimation von den Kolonisierten selbst erhielt. Doch nicht nur die Kolonialisten, sondern auch die Missionare entdeckten bald die Möglichkeiten, die sich ihnen durch den Mannschaftssport boten. Sport als Mittel der Kontrolle und als Medium zur Verbreitung des christlichen Glaubens fand auch in den Missionsschulen immer mehr Anklang. (vgl. Wachter 2005, 120f).

2.2 Fußball in Afrika seit 1945

Die Periode nach dem 2. Weltkrieg war in Afrikas Fußballgeschichte von dem Versuch der Entmachtung der Europäer über den afrikanischen Fußball geprägt. Das Herrschaftsinstrument Fußball löste sich allmählich von den Einflüssen der britischen Kolonialherren. Die einheimische Bevölkerung gab dem Fußball einen neuen Sinn, er wurde afrikanisiert und damit schnell zu einem Teil der afrikanischen Kultur (vgl.KAS, 82). Immer mehr wurden Sportveranstaltungen als Plattform für offenkundige politische Proteste genutzt. Die durch die Apartheid geprägte Ungleichheit, unter anderem auch in der Entwicklung des Sports, zeigte sich vor allem in der Ausstattung der Schulen. Während Sportgeräte und Angebote in weißen Schulen zahlreich vorhanden waren, beschränkte sich der in schwarzen Schulen angebotene Sport in der Regel auf den Fußball (vgl. Keech 2004, 111f). Seit den 50er Jahren formierten sich erste Anti-Apartheid Bewegungen in Form von politisierten Sportorganisationen. Ziel war es, die vorherrschenden, ausschließlich weißen Sportorganisationen zu einer Zusammenarbeit zu bewegen und so zu einer Veränderung in der Welt des afrikanischen Fußballs beizutragen. Bis dato war es schwarzen Afrikanern nicht gestattet, in einem Team mit weißen Afrikanern zusammen Fußball zu spielen. Es herrschte auch im Sport strikte Rassentrennung. 1951 wurde der südafrikanische Fußballverband (SAFA) offizielles Mitglied der FIFA, doch die Anti-Apartheid Bewegung South African Soccer Federation (SASF) brachte kurz darauf mit seiner Bewerbung bei der FIFA einen Stein ins Rollen. Bei Ihrer Bewerbung gaben sie an, keinerlei Rassenbeschränkungen oder spezielle Regelungen zur Rassentrennung aufzuerlegen, sondern sattdessen offen für jede Hautfarbe zu sein. Die FIFA antwortete daraufhin, dass es jeweils nur einem nationalen Verband gestattet sei, Mitglied der FIFA zu sein. Ein Zusammenschluss beider Verbände wurde durch SAFA verhindert, die den SAFS Verband nur unter Ausschluss seines Wahlrechtes und unter Beibehaltung der strikten Rassentrennung aufgenommen hätte (vgl. Bolsmann 2010, 35f). Dieses Schreiben war der Startschuss zu einer Reihe von Ereignissen und Debatten, die letztlich dazu führten, dass die Rassenpolitik mehr und mehr in die Kritik der Öffentlichkeit geriet.[2] Der größte Rückschlag in der vorherrschenden Apartheid Politik ereignete sich 1968. Südafrika wurde zu den damals stattfindenden Olympischen Spielen in Mexico aufgrund der Rassengesetze, nicht eingeladen und so immer mehr aus der Liga des Weltsports verbannt.

2.3 Fußball in Afrika nach Ende derApartheid

Nach Ende der Apartheid musste Afrikas Fußball zuallererst um die Erlangung internationaler Aufmerksamkeit kämpfen. Durch die Rassenpolitik und der damit verbundenen erschwerten Etablierung des nationalen schwarzen Fußallteams auf globaler Ebene, lag Afrika in puncto Entwicklung des Fußballsports stark zurück und so ist es bis heute geblieben. Zwar ist Afrika mittlerweile Mitglied des globalen Fußballmarktes, jedoch sind die Sponsoring Ausgaben in Afrika, gemessen an der Zahl der existierenden Fußballclubs, im internationalen Vergleich verschwindend gering.[3] Nun werden immer mehr Mittel und Wege gesucht Afrikas Fußball weitestgehend zu kommerzialisieren, um größtmögliche Gewinne einzufahren. Fußball ist nun zu einem Marketingprodukt geworden. Für viele Klubs stellte ein Verkauf der besten Spieler ins europäische Ausland die einzige Möglichkeit einer Einnahmequelle dar.

Nun heißt das neue Zauberwort Sponsoring (vgl. Wachter 2005, 27ff). Der Boom des Sports und die damit verbundenen neuen finanziellen Möglichkeiten können den Klubs helfen, ihren Fußballern angemessene Löhne zu zahlen und sie damit im Land zu halten. Auch ein Verkauf der Top-Spieler ist somit nicht mehr von Nöten. Diese Entwicklungen könnten eine Chance für die afrikanischen Mannschaften darstellen, sich nach und nach in der Weltliga zu qualifizieren. Die WM 2010 in Südafrika hat bereits gezeigt, wie viel Potential in einigen Mannschaften steckt. Es bleibt also zu hoffen, dass dieses Potential weiter gefördert und ausgebaut wird.

3. Die Theorie des Nation-Building

Nation-Building ist ein, seit den frühen 90er Jahren zur Debatte stehendes politisches Konzept, was ich im Folgenden zu erläutern versuche (vgl. Hippler 2003). Zuallererst stellt sich die Frage:

3.1 Was ist eine Nation?

Der französische Historiker und Schriftsteller Ernest Renen hielt 1882 an der Sorbonne Universität in Paris eine Rede, in der er sich mit dem Nationsbegriff auseinandersetzte. Aus dieser Rede ging eine Definition hervor, die bis heute als eine der aussagekräftigsten gilt.

Die Nation ist eine große Solidargemeinschaft, die durch das Gefühl für die Opfer gebildet wird, die erbracht wurden und die man noch zu erbringen bereit ist. Sie setzt eine Vergangenheit voraus und lässt sich dennoch in der Gegenwart durch ein greifbares Faktum zusammenfassen: die Zufriedenheit und den klar ausgedrückten Willen, das gemeinsame Leben fortzusetzen. Die Existenz einer Nation ist (man verzeihe mir diese Metapher) ein tägliches Plebiszit, wie die Existenz des Individuums eine ständige Bekräftigung des Lebens ist. ... Die Nationen sind nichts Ewiges. Sie haben einmal angefangen, sie werden enden. Die europäische Konföderation wird sie wahrscheinlich ablösen.[4]

3.2 Was versteht man unter Nation-Building?

Ganz allgemein umfasst der Begriff des Nation-Building einen Entwicklungsprozess. Die Entwicklungen, die zur Bildung des Zusammengehörigkeitsgefühls einer Nation notwendig sind erweisen sich als sehr vielfältig. Nation-Building umschreibt einen Prozess, der in der Regel von innen heraus stattfindet und von außen nur schwer erreicht werden kann (vgl. Hippler 2003). Nur wenn eine Gesellschaft einheitlich die Funktionalität des Staates als Urheber eines Rechtssystems und die damit verbundene Sicherung der zivilen Bevölkerung anerkennt, kann Nation-Building überhaupt erst funktionieren. Unterstützend bedarf es zudem einer funktionierenden Infrastruktur, die es jedem Mitglied der Gesellschaft ermöglicht, gleichermaßen an den vorhandenen Gütern und Dienstleistungen teilzuhaben. Auch ein hohes Maß an sozialer Mobilität kann in einer Gesellschaft Chancengleichheit gewähren und dadurch die Partizipation des Einzelnen fördern. Das wichtigste Merkmal jedoch sind gemeinsame Ansichten, Werte und Ziele der potentiellen Gemeinschaft. Erst dadurch kann sich ein Wir-Gefühl entwickeln und Solidarität, das Miteinander und Verantwortlichkeit überhaupt erst geschaffen werden. Dieser Prozess geschieht nicht über

Nacht, er vollzieht sich über Jahre hinweg und entwickelt sich dabei stets weiter. Fortwährende Bestätigung von außen ist genauso auschlaggebend, wie die gemeinsame Sinnfindung. Integration des Einzelnen in eine Gesellschaft sowie Legitimation des umgebenden politischen Konstrukts und eine gemeinsame Basis sind somit die Schlüssel zu einem funktionierenden Nation-Building (vgl. Hopp 2004, 3f).

3.3 Nation-Building in Afrika

Afrika ist seit der beginnenden Kolonialisierung im 18. Jahrhundert eine gespaltene Nation. Durch die von Frankreich, Belgien, Deutschland, Großbritannien, Italien, Spanien und Portugal gebildeten Kolonien, wurde die afrikanische Bevölkerung mit verschiedensten Weltanschauungen und Regelapparaten konfrontiert. So heißt es häufig, afrikanische Staaten seien künstlich geschaffen worden. Ihnen wurden die neuen Gesetze und Organisationsformen praktisch von außen vorgegeben. Dieses aufzwängen führte zu einer Enttraditionalisierung der einheimischen Bevölkerung und damit zum Verlust der nationalen Identität. Vielmehr definieren sich einzelne Bevölkerungsgruppen über die Stammes- und Familienzugehörigkeit oder über eine gemeinsame Sprache oder Religion, als über das Gefühl, einer gemeinsamen, großen Nation anzugehören (vgl. Bierschenk 2003, 3). So bildeten sich seit Beginn der Kolonialzeit in Afrika zwei gespaltene Bevölkerungsgruppen: Die weißen Eroberer auf der einen, die schwarze afrikanische Bevölkerung auf der anderen Seite. Aber auch innerhalb der verschiedenen Volksgruppen kam es immer wieder zu Spannungen und Konflikten. Vor allem aber, die noch bis 1994 in Afrika allgegenwärtige Apartheid, hat einen nicht unerheblichen Teil zum Gefühl der Ungleichheit beigetragen, an dessen Folgen Afrika noch bis heute zu kämpfen hat. Ziel der aktuellen Politik muss es also sein, auf einen gemeinsamen Nationalstaat[5] hinzuarbeiten. Dabei darf keinesfalls außer Acht gelassen werden, dass es sich bei Afrika um einen Kontinent mit verschiedensten Kulturen, Sprachen und Lebensweisen handelt (vgl. Mawere 2009). Die konfliktfreie Zusammenführung dieser vielen Verschiedenartigkeiten stellt nun nicht nur für die Entwicklungspolitik die größte Herausforderung dar.

[...]


[1] KAS 2010, 82

[2] Da ich an dieser Stelle nicht ausführlich auf den gesamten historischen Ablauf eingehen kann, möchte ich zur weitergehenden Recherche auf Bolsmann 2010, 36ff verweisen.

[3] Laut Sponsorship Research International (SRI) belaufen sich die weltweiten Sponsoring Ausgaben auf 15 Milliarden Dollar, in Afrika jedoch nur auf ca. 60 Millionen Dollar (vgl. Wachter 2005,128)

[4] Renen 2007

[5] Definition des Nationalstaats laut Bundeszentrale für politische Bildung: Nationalstaat bezeichnet(...)die idealistische Vorstellung einer (weitgehenden) Übereinstimmung von ethnischer Gemeinschaft (Nation, Volk) und territorial-rechtlicher Herrschaft (Staat). Obwohl auf dem Selbstbestimmungsrecht der Völker beruhend, ist der BegriffNationalstaat politisch-historisch durch Absolutheitsansprüche (einer Nation gegenüber anderen Nationen) und Intoleranz gegenüber Minderheiten stark belastet. Zugriff am 13. August 2010 unter http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=J3YPHB

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Fußball in Afrika als Mittel der Entwicklungspolitik
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V161468
ISBN (eBook)
9783640749003
ISBN (Buch)
9783640749478
Dateigröße
605 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fußball, Enwticklungshilfe, Entwicklungspolitik, Grassrootsoccer, Football for Hope, Streetfootballworld, Fußballgeschichte, Nation Building
Arbeit zitieren
Nathalie Meyer (Autor), 2010, Fußball in Afrika als Mittel der Entwicklungspolitik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161468

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