Friedrich Karl von Savigny 1779 - 1861

Sein Leben und Wirken


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

23 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

A. Einleitung

B. Die historische Rechtsschule
I. Die historische Rechtsschule als Vermittlungsinstanz
II. Entwicklung zur Begriffsjurisprudenz

C. Biographie
I. Kindheit
II. Jugend
III. Studienzeit
1. Marburg
2. Göttingen
3. Rückkehr nach Marburg
IV. Ende des Studiums und Bekanntschaft mit dem Kreise der Romantik
V. Savignys Wirken als Professor
1. Außerordentlicher Professor der Rechte in Marburg
a. Das Recht des Besitzes“
2. Professor für römische Zivilrecht in Landshut
3. Professor für Römisches Recht in Berlin
a. Kodifikationsstreit
b. „Geschichte des Römischen Rechts im Mittelalter“
c. „Das System des heutigen Römischen Recht“
VI. Mitglied im Staatsrat und seine Tätigkeiten als Staats- und Justizminister
VIII. Rückzug ins Privatleben

D. Methodik Savignys

E. Fazit

Literaturverzeichnis

A. Einleitung

„Dieser Mensch ist ein inhaltreiches, tiefes Buch, das man lange studieren kann, ohne es ganz zu erkennen. (...)u1

Wie Friedrich Creuzer, einem Philologen und Freund Savignys, von dem das oben genannte Zitat stammt, erging es mir, als ich mich mit der Person Friedrich Karl von Savigny auseinandersetzte. Durch die Heranziehung verschiedener literarischer Quellen, war es mir möglich, Savigny aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten und ihn dadurch vielschichtig wahrzunehmen, was sich,, in den folgenden Ausführungen zeigen wird.

Savigny wird in eine Zeit voller Umbrüche und geschichtsträchtiger Ereignisse hineingeboren, Goethe schreibt zu diesem Zeitpunkt „Iphigenie“, Lessing „Nathan den Weisen“, Herder publiziert den zweiten Teil seiner Volkslieder2, der Unabhängigkeitskrieg in Amerika (1775-17833 ) erlebt seinen Höhepunkt und Napoleon tritt der Kriegsschule von Brienne bei4.

Um Savigny, der als der Begründer der historischen Rechtsschule geltende, wohl bedeutendste Rechtsgelehrte der Romantik5, die Romantik gilt als Epoche „(...) in der Geschichte der europäischen Kunst“6 welche „(...) gemeinhin die Jahrzehnte zwischen 1790 und 1840“7 meint, zu verstehen, werde ich mich, im ersten Teil dem Begriff der historischen Rechtsschule annähern und ihre Entwicklung erläutern.

Des weiteren wird ein Hauptteil der Seminararbeit die verschiedenen Lebensstationen Savignys sein.Innerhalb seiner Biographie greife ich seine Werke, den einzelnen Lebensstationen entsprechend auf. Neben den Werken, werde ich ausführlicher auf die Methodik Savignys eingehen.

Am Schluss möchte ich in einem Fazit sein Leben und seine Werke resümieren um darüber hinaus seine Auswirkungen auf die heutige Zeit verdeutlichen.

B. Die historische Rechtsschule

„Warum ist überhaupt die Rede von historischer Schule oder Methode, da doch das historische nur eine von mehreren nothwendigen Bedingungen ist?“8. Friedrich Karl von Savigny beantwortete diese, von ihm selbst gestellte Frage wie folgt: „ (...) daß in der unmittelbar vorhergehenden Zeit die historische Behandlung vorzugsweise vernachlässigt worden, daß die Wiedereinführung dieser Methode das Charakteristische der folgenden Zeit ward“9. Diese Aussage von Savigny zeigt, dass der eigentliche Grund der Einrichtung der historischen Schule bzw. Rechtsschule der Kampf gegen das Naturrecht war10. Die historische Rechtsschule ist eine Auffassung des Rechts und den dazugehörigen Aufgaben der Rechtswissenschaft. Diese Auffassung beschreibt das Recht als einen, dem Staat und der Gesellschaft zugehörigen Teil der Gesamtkultur. Somit steht das Recht, genau wie auch die Gesamtkultur in einem ständigen Wandel. Diesen Wandel kann man auch als so genannte geschichtliche Kontinuität bezeichnen. Daher kann das Recht, in den Augen der Vertreter der historischen Rechtsschule, nur im Kontext einer geschichtlichen Entwicklung verstanden werden, wie es ebenfalls für die Gesamtkultur gilt. Das bedeutet, dass das Recht einerseits auf seine geschichtlichen Erfahrungen und Hintergründe zurückgreifen kann, es sich andererseits aber auch den sich wandelnden Anschauungen und Lebensverhältnissen einer Kultur anpassen muss. Wenn man nun jedoch das Recht als einen geschichtlich und kulturell beeinflussten Prozess versteht, stellt sich die Frage, wer lenkt diesen Prozess und wer erkennt nun die richtigen und falschen Beeinflussungen als Recht an? Bei diesem Prozess spielen die so genannten Fachjuristen die Hauptrolle. Zu ihnen zählen die Gerichte und die allgemeine Rechtswissenschaft11.

I. Die historische Rechtsschule als Vermittlungsinstanz

Die historische Rechtsschule, welche von dem romantischen Historismus beeinflusst war, gilt als Vermittlungsinstanz zwischen der Revolutionskritik des Philosophen und Politikers Edmund Burke und der Politik- und Staatstheorie des Historismus, welche wiederum eine Alternative zur rationalistischen Aufklärungsphilosophie darstellt12.

II. Entwicklung zur Begriffsjurisprudenz

Die historische Schule entwickelte sich nach und nach zur Begriffsjurisprudenz. Hier ist besonders Georg Friedrich Puchta zu erwähnen. Er war der Nachfolger von Friedrich Karl von Savigny am Berliner Lehrstuhl, nachdem dieser ein Ministeramt übernahm, worauf ich später aber noch ausführlicher zu sprechen komme. Dennoch ist es wichtig festzuhalten, dass Savigny den Ursprung der Entwicklung zur Begriffsjurisprudenz einläutete. Puchta unterstellte der Rechtswissenschaft die Fähigkeit, dass sie selbst Rechtssätze erzeugen könne und die Existenz des Rechts nicht alleine auf historische Gegebenheiten zurückgreife13.

C. Biographie

I. Kindheit

Am 21. Februar 1779 wurde Friedrich Karl von Savigny als eines von 12 Geschwisterkindern im Haus „Zur weißen Katze“ in Frankfurt am Main geboren14. Seine Eltern waren Karl Ludwig von Savigny, ein fürstlich Isenburgischer Direktor und späterer geheimer Regierungsrat in Frankfurt am Main und Henriette Philippine Groos, die aus einer Refugiantenfamilie stammte und Tochter eines Pfalz-Zweibrückenschen Geheimrates war15.

Die Familie Savigny, die im 17 Jahrhundert aus Lothringen nach Deutschland kam, konnte sich relativ schnell durch Heirat, Dienstadel und Erbe, ein beträchtliches Vermögen anhäufen. Sie erbte von Karl Ludwig von Savignys kinderlosen Onkel Carl von Crantz, unter anderem auch das Gut Trages im Kurhessischen Freigericht bei Hanau, was noch bis vor einigen Jahren im Besitz der Nachfahren Friedrich Karl von Savigny war16. Dieser Ort, an dem er einen Großteil seiner Jugend verbrachte und den er später immer wieder als Erholungsort aufsuchte, spielte eine zentrale Rolle in seinem Leben.

II. Jugend

Seine Kindheit und die Zeit seiner Jugend verbrachte er jedoch nicht nur an einen Ort, so dass es demnach nur wenige, konstante Bezugspersonen für Savigny gab. Es war vielmehr der Fall, dass er der Einzige, der von den 12 Geschwistern die ersten Lebensjahre überlebte. Bis auf den zwei Jahre älteren Bruder Ernst Ludwig starben alle anderen Kinder während oder kurz nach der Geburt. Inm Jahre 1790 in Savignys 13. Lebensjahr, starb dann auch Ernst Ludwig. Kurz darauf folgte der Tod seines Vaters, der nur ein Jahr später im Jahre 1791 verstarb17. Daraufhin zog Savigny mit seiner Mutter wieder zurück nach Frankfurt, diesmal jedoch in das Crantzsche Familienhaus in die Marktstraße 30.

Auch dieser Ortswechsel hielt nur kurz, da nur ein Jahr später, nach dem Tod des Vaters von Savigny nun auch seine Mutter im Jahre 1792 verstarb, was Friedrich Karl von Savigny zu einem Vollwaisen machte. Aus diesem Grund wurde er im gleichen Jahr von Johann Friedrich Albert Constantin von Neurath, einem Reichskammergerichtsrat, später badischer Hofgerichtspräsident und langjährigem Freund des Vaters, in dessen Haus aufgenommen und zusammen mit seinem Sohn Constantin unterrichtet. In Constantin fand Savigny zudem auch einen Freund und Bruderersatz. Sein Verhältnis zu Constantin veränderte sich jedoch bald nach der Studienzeit, welche ich später noch einmal am anderer Stelle genauer untersuchen möchte, da Savigny ein zu reserviertes und verschlossene Gemüt an den Tag legte, mit dem Constantin nicht umgehen konnte18.

Es lag auf der Hand, dass Savigny durch seinen Vormund bereits sehr früh mit der Rechtswelt in Berührung kommen sollte und wurde daher zusammen mit Constantin durch dessen Vater in die Jurisprudenz eingeführt. Dieser, sowie auch der sonstige Privatunterricht, welcher von Savigny später nicht hoch bewertet wurde, regte ihn mehr zum Denken und zur Ausprägung seiner geistigen Neigungen an, als dass er ihn maßgeblich beeinflusst hätte19.

III. Studienzeit

1. Marburg

Im Jahre 1795 schrieb sich Friedrich Karl von Savigny im Alter von 16 Jahren, zusammen mit Constantin, in Marburg in die Liste der Studenten für die Lehre der Rechtswissenschaft ein. Die familiäre Tradition verpflichtete ihn sich, wie bereits viele seiner Vorfahren, sich auf ein Amt im Staatsdienst vorzubereiten, weshalb die Rechtswissenschaft als der geeignetste Studiengang angesehen wurde20. Im Verlauf seiner ersten beiden Semestern befasst er sich vornehmlich mit den Fächern Pandekten, Privatrecht und Zivilprozess. Die historische Rechtsgeschichte lernte er durch seinen Lehrer Philip Friedrich Weis kennen und merkte schnell, dass ihn dieses Fach ganz besonders interessierte. Philip Friedrich Weis, ein Vertreter der eleganten französischen Jurisprudenz, befasste sich hauptsächlich mit Römischem Recht und der mittelalterlichen Rechtsgeschichte.

2. Göttingen

Die römische Rechtsgeschichte vertiefte Savigny durch seinen Wechsel von der Universität Marburg, an die Göttinger Universität. Dort lehrten zu dem Zeitpunkt der sich an der Kant'schen Naturrechtslehre und römischen Rechtsgeschichte orientierende Rechtswissenschaftler Gustav Hugo, von dem Savigny jedoch nur durch Schriften lernte und von dem er nicht unterrichtet wurde und Spittler, der in Göttingen geschichtliche Vorlesungen abhielt. Gustaf Hugo interpretierte Kants Naturrecht als eine Philosophie des positiven Rechts und übertrug die Schriften auf die vorherrschende Rechstlehre. Dies ergab für Hugo, das alles Rechtens und damit auch Recht ist, was die Erfahrung als wirklich lehrte21. Beide beeinflussten seine spätere historische Betrachtungsweise maßgeblich.

[...]


1 Denneler, Karl Friedrich von Savigny,1985: 7

2 Denneler, Karl Friedrich von Savigny,1985: 15

3 Hübner, Das politische System der USA - Eine Einführung, 2007: 10/11

4 Sieburg, Gespräche mit Napoleon, 1962:311

5 Fröschle, Goethes Verhältnis zur Romantik, 2002: 108

6 Schulz, Romantik - Geschichte und Begriff, 2002: 8

7 Schulz, Romantik - Geschichte und Begriff, 2002: 8

8 Meder, Rechtsgeschichte - Eine Einführung, 2008: 270

9 Meder, Rechtsgeschichte - Eine Einführung, 2008: 270

10 Meder, Rechtsgeschichte - Eine Einführung, 2008: 270

11 Horn, Einführung in die Rechtswissenschaft und Rechtsphilosophie, 2007: 100

12 Jaeger / Rüsen, Geschichte des Historismus, 1992 :29

13 Kroeschell, Deutsche Rechtsgeschichte - Seit 1650,2008: 130

14 Denneler, Karl Friedrich von Savigny,1985: 15/16

15 Wolf, Grosse Rechtsdenker der Deutschen Geistesgeschichte, 1951: 466/467

16 Denneler, Karl Friedrich von Savigny,1985: 16

17 Rosenberg, Friedrich Carl von Savigny (1779-1861) im Urteil seiner Zeit, 2000: 2

18 Denneler, Karl Friedrich von Savigny,1985: 16

19 Wolf, Grosse Rechtsdenker der Deutschen Geistesgeschichte, 1951: 467

20 Rosenberg, Friedrich Carl von Savigny (1779-1861) im Urteil seiner Zeit, 2000: 3

21 Kroeschell, Deutsche Rechtsgeschichte - Seit 1650, 2008: 114

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Friedrich Karl von Savigny 1779 - 1861
Untertitel
Sein Leben und Wirken
Hochschule
Zeppelin University Friedrichshafen
Veranstaltung
Grundlagen des Rechts
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
23
Katalognummer
V161478
ISBN (eBook)
9783640750375
ISBN (Buch)
9783640751082
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Friedrich Karl von Savigny, Rechtsphilosophie
Arbeit zitieren
Max Münz (Autor), 2010, Friedrich Karl von Savigny 1779 - 1861, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161478

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