Napoleon III. im Zeichen des heraufziehenden preußisch-italienisch-österreichischen Krieges


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

25 Seiten, Note: 2,1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Person Napoleons

3. Die Unterstützung Italiens
3.1 Die Konvention 1864
3.2 Die päpstliche Enzyklika

4. Napoleons Vorstellungen von einer Neuordnung Europas
4.1. Napoleon auf Seiten Polens
4.2. Die Großmächte stellen sich gegen Napoleon

5. Napoleon und die Preußen
5.1. Das Treffen in Baden-Baden
5.2. Compiégne
5.3. Napoleon und die erste Begegnung mit Bismarck

6. Die Schleswig-Holstein Frage

7. Der Weg in den Deutschen Krieg 1866
7.1 Der preußisch-österreichische Konflikt verschärft sich
7.2 Bismarck wiegt Napoleon in Sicherheit
7.3 Kriegsbeginn
7.4 Friedensverhandlungen

8. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1866 spitzte sich der Konflikt zwischen den beiden führenden Mächten des Deutschen Bundes, Preußen und Österreich, zu. Der Krieg, dessen Schauplätze von Holstein bis an die Adria reichten, führte dazu, dass ein deutscher Nationalstaat entstand, der zwar den Großteil, aber nicht die Gesamtheit des deutschen Sprachraums einschloss. So wurden damalige Mitglieder des Deutschen Bundes, wie Deutschösterreicher, Luxemburger, Liechtensteiner und Deutschschweizer, aus der Lösung der nationalen deutschen Frage ausgeschlossen. Napoleon III. hatte wesentlich dazu beigetragen, dass der Wiener Kongress und mit ihm die europäische Friedensordnung durch die Interessen der Mächte wie die nationalstaatliche Bewegung zerrüttet wurde. Der Platz im System genügte ihm nicht. Er wollte Primus inter pares sein. Dazu unternahm er als Schiedsrichter Verhandlungen mit Preußen, Italien und Österreich. Untersuchungsgegenstand dieser Hausarbeit wird deshalb die Rolle Napoleons III. im preußisch-italienisch-österreichischen Krieg sein. Des Weiteren muss der Arbeit voran gestellt werden, dass jene sich als Überblicksdarstellung versteht und die großen Linien der in der Literatur auftretenden Parallelen vorzustellen versucht. Es soll also eine erste Heranführung an die wichtigsten historischen Fakten in diesem Zusammenhang dargestellt werden. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, gliedert sich diese Arbeit in folgende sechs Kapitel. Das erste Kapitel widmet sich dem Werdegang der Person Napoleons III. um den weiteren Verlauf seinen Lebens und entscheidende Handlungen seinerseits annährend verstehen zu können. und welche Auswirkungen dies zur Folge hatte. Anschließend wird aufgezeigt, wie Napoleon Italien unterstützte und ihm zu Venetien verhalf. Im zweiten Kapitel werden die Vorstellungen des französischen Kaisers zur Neugestaltung beschrieben. Die Verbindung zu Preußen wird im dritten Kapitel untersucht. Wie die Schleswig-Holstein-Frage geklärt wird, behandelt das nächste Kapitel. Zum Abschluss werden der Weg in den preußisch-italienisch-österreichischen Krieg sowie der Verlauf im Überblick und die folgenden Friedensverhandlungen abgehandelt.

2. Zur Person Napoleons

Louis Bonaparte, Bruder des Kaisers Napoleon I., war mit Hortense de Beauharnais verheiratet, die zugleich die Stieftochter Napoleons I. war. Am 20. April 1808 wurde ihr Sohn Napoleon III. als Charles-Louis Bonaparte in Paris geboren. Auf Grund seiner Körpergröße trug er den Spitznamen Napoléon le Petit. Seine Kindheit verbrachte er größtenteils in Florenz, Rom, Augsburg und auf dem Gut Arenenberg, bei Konstanz. Im Rahmen eines eidgenössischen Militärdienstes absolvierte er eine Artilleristenausbildung. Infolge des frühen Todes seines älteren Bruders und dem einzigen Sohn Napoleons I. wurde Louis Napoleon zum Oberhaupt der Bonapartes. Sein älterer Bruder Napoléon Louis brachte ihm die italienische Nationalbewegung näher, wodurch Napoleon III. die Carbonari kennen lernte. Ob er wie sein Bruder Mitglied der selbigen war, ist umstritten.[1] Nach einigen Auslandsaufenthalten, sowohl freiwillig als auch unfreiwillig, und zwei fehlgeschlagenen Staatsstreichen in Frankreich, wird er am 10. Dezember 1848 zum Präsidenten der französischen Republik. Er suchte den Weg zur Wiederherstellung des napoleonischen Kaisertums. Dafür wählte sein Halbbruder und Innenminister Auguste de Morny den Jahrestag der Kaiserkrönung Napoleon I., den 2. Dezember 1851 für einen erneuten Staatsstreich, bei der die Nationalversammlung aufgelöst und die Verfassung von 1848 außer Kraft gesetzt wurde. Am 2.Dezember des darauffolgenden Jahres wurde für das Staatsoberhaupt die Kaiserwürde wiederhergestellt und Napoleon zum Kaiser der Franzosen. 1853 heiratet er die spanische Grafentochter Eugénie de Montijo. Ihr Sohn Louis Napoléon wird 1856 geboren.[2]

1854 griff er im Krimkrieg ein, um der Friedensordnung des Wiener Kongresses eine Revision zu unterziehen. Er unterstützte England im Kampf gegen Russland um das Osmanische Reich. Während des Pariser Friedenskongresses im Frühjahr 1856 feiert Napoleon seinen Prestigegewinn.

3. Die Unterstützung Italiens

Am 14. Januar 1858 wird gegen ihn und seine Familie ein Attentat von italienischen Exulaten unter dem Mazzini-Anhänger Felice Orsini verübt. Das Resultat waren acht Tote und 130 Verletzte. Der Kaiser und seine Familie blieben jedoch unverletzt. Die Attentäter wollten Napoleon für die italienische Nationalbewegung gewinnen. Der Kaiser gab nach und traf sich mit dem Ministerpräsidenten des Königreichs Sardinien Graf Camillo Cavour im Vogesenkurort Plombiéres ohne den französischen Außenminister zu informieren.[3] Orsini wurde vom Attentäter zum „Volkshelden“[4]. Das Ziel war eine Föderation der italienischen Staaten nach dem Vorbild des deutschen Bundes. Lediglich die Königreiche Sardinien-Piemont, Toskana, Sizilien und der Kirchenstaat sollten existieren. Im Frühjahr 1859 kommt es deshalb zur Kriegserklärung Wiens an Turin. Im Juni wurde Österreich unter dem kaiserlichen Kommando in Magenta und Solferino besiegt. Den Waffenstillstand schlossen Napoleon III. und Kaiser Franz-Joseph in Villafranca am 11. Juli. Für ihre Unterstützung sollte Frankreich Nizza und Savoyen erhalten. Beide Kaiser einigten sich auf eine veränderte Form des italienischen Bundes mit päpstlicher Spitze. Nach dem Friedenschluss im November 1859 in Zürich begann die Angliederung der mittelitalienischen Fürstentümer, des Kirchenstaates und dem dazugehörigen Romagna in Sardinien-Piemont. 1860 wurde durch den Anschluss Sardiniens das neue Königreich Italien proklamiert. Anlässlich des Anschluss Siziliens und Marken 1861 erfolgte eine Beeinträchtigung des Kirchenstaates.

Napoleon III. hatte das Risorgimento unterstützt und Sardinien-Piemont geholfen. Österreich war im Besitz Venetiens und der Papst regierte den Kirchenstaat in Rom. Die Italiener wollten nicht billigen, dass sie auf die „Ewige Stadt“ als Nationalhauptstadt verzichten müssen und diese unter französischem Schutz stand.

Der Papst besaß als Kirchenoberhaupt Mittel sowohl italienische als auch französische Gläubige gegen die Gegner seiner weltlichen Herrschaft zu mobilisieren. Italiensche Truppen stellten sich italienischen Demonstranten in den Weg, die „Rom oder Tod“ forderten. Am 29. August 1862 kam es zu einem Kampf unter Brüdern. Garibaldi ergab sich und zog sich auf die Insel Caprera zurück voller Zorn gegen den französischen Kaiser.[5]

Napoleon III. kam Victor Emanuel bei der Lösung der römischen Frage entgegen. Er entließ seinen Außenminister Thouvenel, der ihn in eine Sackgasse manövriert hatte und erwartete von Drouyn de l`Huys, dem Diplomaten alter Schule, dass er ihn herausführen würde.[6]

Unter zwei Bedingungen akzeptierte er ein einiges Italien: Zum einen wollte er im Wettbewerb mit England nicht den Kürzeren ziehen, zum anderen sollten die Ergebnisse in geordneten und kalkulierbaren Bahnen ablaufen.[7]

3.1. Konvention: Abzug in Rom

Frankreich verpflichtete sich durch die Konvention vom 15. September 1864 seine Truppen binnen zwei Jahren aus Rom abzuziehen, und Italien, das päpstliche Gebiet nicht anzutasten und gegen Angriffe zu schützen. Vorerst mussten sich die Italiener mit Florenz als Hauptstadt zufrieden geben. Den Turinern missfiel der Verlust des Regierungssitzes. Papst Pius IX. sah sich von Napoleon verraten. Italienische Patrioten hätten das „Haupt der Welt“ am liebsten so schnell wie möglich nationalisiert. Des Weiteren protestierten katholische Franzosen, die den Papst schon den Garibaldianern ausgeliefert sahen.[8]

3.2. Päpstliche Enzyklika

Am 8. Dezember 1864 erließ der Papst die Enzyklika „Quanta cura“ mit dem „Syllabus“. In diesem Hauptverzeichnis der hauptsächlichen Irrtümer unserer Zeit wurde unter anderem die Volkssouveränität kritisiert, welche einen Grundsatz des Second Empire darstellte. Napoleon III. ließ die Veröffentlichung dieser Schrift verbieten und Geistliche, die den „Syllabus“ trotzdem verkündeten, vom Staatsrat verurteilen.[9]

4. Napoleons Vorstellungen von einer Neuordnung Europas

Die Alpengrenze erreichte Frankreich durch die Einverleibung von Savoyen und Nizza, die Napoleon III. den Italienern als Dank für deren Unterstützung im Krieg gegen Österreich entzog. Nun galt sein Interesse der Rheingrenze. Entgegen standen ihm dabei die preußische Rheinprovinz, eine Siegesbeute der Befreiungskriege, sowie Belgien, das 1830 seine Unabhängigkeit gegenüber dem Königreich der Niederlande errungen hatte. Napoleon III. strebte eine Neuordnung Europas an. Zu seinen „natürlichen Grenzen“ sollte das französische Kaiserreich gelangen. Das noch zu Österreich gehörende Venetien sollte das Königreich Italien vergrößern. Das Königreich Polen sollte aus den russisch, österreichisch und preußisch gewordenen Teilen des Landes gebildet werden. Durch die Rückgabe Finnlands an Schweden sollte das Kaiserreich Russland auch im Norden verkleinert werden. Die Habsburger sollten durch Sachsen und Bayern entschädigt werden. Kaiserin Eugenie wollte dem protestantischen Berlin Schlesien abnehmen, um es dem katholischen Schlesien zurückzugeben.[10]

Einer Verwirklichung der Ziele Napoleons III. standen jedoch einige Hindernisse im Weg – „die anderen Mächte, das Missverhältnis zwischen französischem Anspruch und französischem Vermögen sowie die schon Napoleon I. zum Verhängnis gewordene Unmöglichkeit entgegen, die Führungsrolle des Empire mit dem durch den Empereur geweckten und geförderten Nationalismus in Einklang zu bringen.“[11] Napoleons Ideen blieben unverwirklichte Bleistift-Zeichnungen.[12] Im Gegensatz zu seinem Onkel, der selbstherrlich anderen Staatsmännern gegenüber trat, musste Napoleon III. um die Gunst derer buhlen.[13]

4.1. Napoleon pro Polen

Napoleon wollte die von den Russen verfolgten Polen unterstützen. Dabei stand die Nation hinter ihm, als Dank für Polens Unterstützung zu Zeiten Napoleons I. Liberale sahen die Menschenrechte verletzt, Demokraten die freie Willensäußerung des Volkes. Katholiken wollten ihren Glaubensbrüdern Beistand gewähren. Wohingegen Konservative eine Gefahr für das Gleichgewicht befürchteten.[14]

Auf dem Wiener Kongress war Polen zum vierten Mal geteilt worden. Posen und Westpreußen erhielt Preußen, Galizien ging an Österreich und alles Übrige, an Russland. Nichtsdestotrotz erhielt Polen eine liberale Verfassung. Jedoch wurde sie von der polnischen Bevölkerung nicht toleriert. Die Rechten strebten ein Großpolen, die Linken eine Nationaldemokratie an. 1830 und 1863 nahm sich Polen an der französischen Julirevolution ein Bespiel und erhob sich gegen Russland. Den Bauern wurde das von ihnen bebaute Land als Eigentum zugestanden. Die nationale Revolution war somit auch eine soziale. Die französische Bevölkerung war auf ein freies und einheitliches Polen aus.[15] Napoleon ließ am 17. April 1863 mit England und Österreich in Petersburg eine Note überreichen, mit der Polen eine Art Autonomie im Rahmen des russischen Staates erhalten sollte. Nachdem Preußen die Teilnahme abgelehnt hatte, nahm sich Russland ein Beispiel und blieb der Demarchie fern. Der französische Kaiser dachte mit einem Kongress dem Antagonismus aus dem Weg gehen zu können, obgleich er sich damit irrte. Weil Zar Alexander Napoleon während des italienischen Krieges zur Seite stand, war er vorsichtiger als sonst, wenn es um die Einhaltung des Nationalitätenprinzips ging.[16]

4.2. Großmächte gegen Napoleon

Da bereits das Verhältnis zu Österreich und England differenziert war, entschied sich Napoleon für diplomatische Maßnahmen um weiteren Konflikten mit europäischen Mächten, insbesondere Russland und Preußen, aus dem Weg zu gehen. Hätte doch ein Einmarschieren in Polen eine Divergenz mit Preußen bedeutet. Nur eine Zusammenarbeit der Mächte hätte einen Erfolg gegen Russland gebracht. Jedoch waren Preußen, England und Österreich dazu nicht zu bewegen. Nach langer Überlegung lud der französische Staatschef die anderen Länder zu einem Kongress nach Paris ein. Diese hegten jedoch Misstrauen gegen ihn und glaubte seiner Aussage nicht, an einer allgemeinen Abrüstung interessiert zu sein. Schließlich war er es, welcher in Mexiko einmarschierte und den Rhein ansteuerte. Napoleons Rechnung ging nicht auf. England kehrte sich ab. Österreich hielt sich von ihm fern. Russland verbündete sich mit Preußen. Ihr Ziel war es Deutschland zu einigen und Frankreich herauszufordern. Dennoch blieb den Deutschen ein neuer Verfassungsstaat vergönnt. Napoleon hatte Respekt vor den Hohenzollern und ihrer aufsteigenden Militärmacht. „Preußen sei aus einer Kanonenkugel ausgebrütet“[17], bemerkte der Kaiser der Franzosen. Er besaß die Absicht einen Staat zu begünstigen, der stark genug war um die Einigungsbewegung in Gang zu bringen, dem entgegen nicht mächtig genug um ihm gefährlich werden zu können - in Italien war das Sardinen-Piemont, in Deutschland liebäugelte er mit Preußen. Österreich als Vielvölkerstaat schien ihm nicht passend zur Errichtung eines Nationalstaats. Dem ungeachtet hielt er ein österreichisches Großdeutschland für unberechenbarer und explosiver als ein preußisches Kleindeutschland. „Ein österreichisches Deutschland, das mehr als 70 Millionen Menschen in einer Hand vereinigt hätte, hätte das europäische Gleichgewicht bedroht und die Mächte beunruhigt. Ein preußisches Deutschland mit 32 Millionen Bürgern, wird niemanden alarmieren,“ so beschreibt Edmond About die Besorgnis in der von Napoleon in Auftrag gegebenen Schrift „La Prusse en 1860“.[18]

5. Napoleon und die Preußen

5.1. Das Treffen in Baden-Baden

Die Heirat zwischen Wilhelm von Preußens Tochter Luise und dem Großherzog von Baden war eine erste Annährung zwischen den Nord- und Süddeutschen Staaten. Von Petersburg aus verfolgte Bismarck den Kongress in Baden-Baden zwischen Napoleon III. und dem Prinz-Regenten Mitte Juni 1860. Die deutschen Bundesfürsten ließen durch ihre Anwesenheit ihr Interesse Kund tun. Dies war ein Ausdruck der „Geschlossenheit der deutschen Nation nach außen“ zum einen sowie der „inneren Zerrissenheit der deutschen Länder“ nach außen.[19] Allerdings war das von keinem der Staatsmänner beabsichtigt. Als Unterkunft für den französischen Kaiser wurde das Hotel Stephanie gewählt, wo bereits am Abend der Ankunft Napoleons, am 15. Juni 1860, bereits das erste Treffen des Kaisers und des Prinz-Regenten stattfand. Der französische Staatschef reiste in Begleitung seiner Generäle Fleury, de Failly, Oberst Lepic, der Marquis de Gaillfet, der Kammerherr Zorn von Bulach und Stallmeister Davillier an. Im alljährlichen Quartier von Wilhelm von Preußen, im Maison Messmer, kam es am darauffolgenden Tag zu einer weiteren Aussprache, deren Inhalt jedoch nicht bekannt ist. Lediglich die Mitteilung der Massen, die sich vor der Maison angesammelt hatten, Napoleon sei „abgeblitzt“, lässt den Ausgang des Gespräches erahnen. Herzog Ernst II. von Sachsen-Koburg-Gotha berichtet in seinen Memoiren „Aus meinem Leben und aus meiner Zeit“, von einem Wortwechsel zwischen Kaiser und Herzog, in dem Napoleon erklärt: „Ich bin hierhergekommen um alle jene Versicherungen über meine Friedensliebe persönlich abzugeben, die man nur immer wünscht, und um die Notwendigkeit einer vertrauensvollen Übereinstimmung zwischen mir und meinem Nachbarn aller Welt zu beweisen.“[20] Der Herzog gab zu, dass das friedensliebende Deutschland gegenüber Napoleons Politik ein Misstrauen hegte. Napoleon erwiderte in diesem Gespräch „Voila le malheur“ und verstand nicht, warum die Welt so misstrauisch sei und man in Italien, England, Spanien, Belgien und Deutschland von seinen kriegerischen Absichten spreche.[21] Der Presse gab er Schuld, denn wenn man etwas täglich lesen würde, so würde man es irgendwann glauben, meinte Napoleon III. Er begriff nicht, dass er durch seine Annexions- und Expansionspolitik sowie seinem Drang nach Verwirklichung von Imperialismus und Nationalismus in Europa Besorgtheit auslöste. „Ich kann mir unmöglich denken, dass man hier im Begriffe ist, eine Koalition gegen mich zustande zu bringen“[22], so deutet Napoleon die ihm entgegengebrachte Freundlichkeit der deutschen Fürsten. Weil Napoleon den Waterloo-Tag in Frankreich verbringen wollte, reiste er, noch bevor es zu einem angemessenen Kongress kommen konnte, ab. Die versammelten Herzöge versuchten mit dem Kongress die Chance auf eine deutsche Einheit zu nutzen, während die Könige ihre Selbstständigkeit fürchteten. Mit einem Resumé des Kaiserbesuchs eröffnete Wilhelm von Preußen die Versammlung: „Der Kaiser Napoleon habe als Grund seines Wunsches einer Zusammenkunft mit mir die Absicht ausgesprochen, seinen Willen, den Frieden zu erhalten, dadurch vor Europa zu beweisen und die Aufregung der Gemüter zu beschwichtigen, die, wie es wohl auch bekannt ist, von der Besorgnis erfüllt sind, dass die Annexionspolitik auch auf Teile Deutschlands ausgedehnt werden könnte.

[...]


[1] Vgl. Hawig, Peter: Napoleon III. und Europa – Revision eines Gesichtsbildes. Europäische Hochschulschriften. Bd.207. Frankfurt am Main. Bern. New York 1983. S. 244f.

[2] Vgl. Erbe, Michael: Napoleon III.; in: Hartmann, Peter Claus: Französische Könige und Kaiser der Neuzeit. München Beck 1994. S. 422ff.

[3] Vgl. Herre, Franz: Napoleon der Dritte. Glanz und Elend des Zweiten Kaiserreichs. München 1990. S. 265f.

[4] Vgl. Hawig, Peter: Napoleon III. und Europa – Revision eines Gesichtsbildes. S. 253.

[5] Vgl. Herre, Franz: Napoleon der Dritte. Glanz und Elend des Zweiten Kaiserreichs. S. 266f.

[6] Vgl. Ebd. S. 267.

[7] Hawig, Peter: Napoleon III. und Europa – Revision eines Gesichtsbildes. S. 278.

[8] Vgl. Herre, Franz: Napoleon der Dritte. Glanz und Elend des Zweiten Kaiserreichs. S. 267f.

[9] Vgl. Ebd. S. 268.

[10] Vgl. Ebd. S. 266f.

[11] Herre, Franz: Napoleon der Dritte. Glanz und Elend des Zweiten Kaiserreichs. München 1990. S. 266.

[12] Vgl. Ebd. S. 266.

[13] Vgl. Berl, Heinrich: Napoleon III. Demokratie und Diktatur. München 1946. S. 500.

[14] Vgl. Herre, Franz: Napoleon der Dritte. Glanz und Elend des Zweiten Kaiserreichs. 268f.

[15] Vgl. Ebd. S. 268f.

[16] Vgl. Aubry, Octave: Das Zweite Kaiserreich. Erlenbach-Zürich 1938. S. 496.

[17] Herre, Franz: Napoleon der Dritte. Glanz und Elend des Zweiten Kaiserreichs. S.271.

[18] Vgl. Ebd. S.271f.

[19] Berl, Heinrich: Napoleon III. Demokratie und Diktatur. S.498.

[20] Ebd. S.498f.

[21] Vgl. Ebd. S.499.

[22] Ebd. S. 499.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Napoleon III. im Zeichen des heraufziehenden preußisch-italienisch-österreichischen Krieges
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Note
2,1
Autor
Jahr
2010
Seiten
25
Katalognummer
V161514
ISBN (eBook)
9783640753826
Dateigröße
541 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Napoleon III, Deutsch-deutscher Krieg, Preußisch-österreichisch-italienischer Krieg
Arbeit zitieren
Marie-Therese Härtelt (Autor), 2010, Napoleon III. im Zeichen des heraufziehenden preußisch-italienisch-österreichischen Krieges, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161514

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