Die vorliegende Hausarbeit behandelt die Einbettung des Mythos des Halbgottes Prometheus in Johann Wolfgang von Goethes gleichnamigen Gedicht „Prometheus“ und fokussiert vor allem deren Einordnung in die Zeit des Sturm und Drangs und des Genie-Zeitalters. Es soll im Folgenden untersucht werden, inwiefern das Gedicht in die Zeit um 1800 eingeordnet werden kann und welche Wirkung der Dichter evozieren möchte.
Das Verwenden mythischer Figuren in Werken der Zeit im deutschsprachigen 18.Jahrhundert – „Mythopoetische Texte“ genannt- erfährt eine neue Dimension, insofern „mythologische Motive und Stoffe omnipräsent in der europäischen Kunst und Literatur“ war. So bedienten sich neben Johann Wolfgang von Goethe vor allem Gotthold Ephraim Lessing, Johann Gottfried Herder, Friedrich Schiller sowie diverse Schriftsteller der Romantik des aussagekräftigen Stoffes, um die Intention ihrer Stücke zu bekräftigen.
Die „unbeweisbare, fiktional-erzählende Rede“ , wie der Mythos in einschlägigen Lexika definiert wird, gab und gibt vielen Autoren Anlass zur deren Übernahme in eigene Werke. Neben zahlreichen Autoren des 18. Jahrhundert – und auch heute noch - bedient sich auch Johann Wolfgang von Goethe 1774 der nicht beweisbaren, aber sinnstiftenden Erzählung , um soziale Missstände in der Gesellschaft des späten 18. Jahrhunderts aufzudecken und anzuklagen. Das Leben im Deutschen Reich gestaltete sich nach dem Westfälischen Frieden vom 24.Oktober 1648 als schwierig, insofern sich das Machtverhältnis zuungunsten der Bürger veränderte und zu Unzufriedenheit vor allem im Bürgertum führte.
Eines der bekanntesten Gedichte, welches die Schwierigkeiten im Kontext des veränderten Deutschen Reichs zum Gegenstand macht, ist sicherlich Goethes „Prometheus“, welches er zwischen 1773 und 1774 verfasste. Über die Entstehungszeit herrscht Uneinigkeit in der Literatur, nicht zuletzt daher, weil Goethe das Gedicht erst seinen Freunden zukommen ließ bevor er es erst später veröffentlichte .
Goethe greift auf den „Prometheus“-Mythos zurück, indem er seinen Kern in einer Hymne verarbeitet. Interessant für die Hausarbeit ist es, die Zusammenhänge zwischen der Epoche des Sturm und Drang und der Prometheus-Erzählung zu ziehen. Hinblickend auf die Intention des Autors soll im Folgenden der Blick auf die Termini Mythos, Sturm und Drang und Hymne gerichtet werden, um anschließend den Prometheus-Mythos mit Goethes Version in Verbindung zu bringen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Mythos
2.1. Einbettung des Mythos in Literatur und Kunst
3. Epoche des Sturm und Drang
4. Der Dichter im Sturm und Drang
5. Goethes „Prometheus“ als Renaissance der Mythologie im 18. Jahrhundert
6. Literaturgeschichtliche Einbettung der Prometheus-Hymne Goethes
7. Der Prometheus- Mythos
8. Interpretation der Hymne „Prometheus“
8.1. Hymne
8.2. Interpretation und Aufbau der Antihymne „Prometheus“
9. Fazit
10. Literaturangaben
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht die Einbettung des Prometheus-Mythos in Johann Wolfgang von Goethes gleichnamiges Gedicht, mit besonderem Fokus auf dessen Einordnung in die Epoche des Sturm und Drang. Es wird analysiert, wie Goethe die mythologische Figur als Instrument nutzt, um zeitgenössische gesellschaftliche Verhältnisse und Machtstrukturen zu kritisieren und das Selbstverständnis des Genies darzustellen.
- Die literarische Verarbeitung des Prometheus-Mythos im 18. Jahrhundert
- Merkmale und Ideale der Epoche Sturm und Drang
- Die Funktion von Mythologie als Medium der Gesellschaftskritik
- Die Interpretation von „Prometheus“ als Antihymne
- Das Selbstverständnis des Dichters als autonomes Individuum
Auszug aus dem Buch
8.2. Interpretation und Aufbau der Antihymne „Prometheus“
Die vorliegende Hymne setzt sich aus sieben ungleich langen Strophen zusammen, welche freirhythmisch aufgebaut sind. Die Hymne ist fast dialogisch aufgebaut, sofern man Zeus als stummen Adressaten bezeichnen kann.
Im Verlaufe des Gedichts beleidigt und beschimpft Prometheus Zeus und die Götter regelrecht. Wenn er sagt „Bedecke deinen Himmel, Zeus, mit Wolkendunst und übe, Knabengleich, der …“ (vgl. V. 1-4), dann entwürdigt und pikiert er Zeus, indem er ihn, den mächtigen Zeus mit Knaben vergleicht. Spöttisch diminuiert er Zeus‘ Aufgabenbereich und lässt seine Arbeit lächerlich wirken.
Insofern er einen Befehl an Zeus richtet, stellt er von Beginn an klar, dass er sich der Obrigkeit widersetzt. Zugleich hebt er Ansprüche auf die Erde, die laut Prometheus ihm gehört: „Muss mir meine Erde doch lassen stehn,…“ (vgl. V. 6+7). Mit dieser Alliteration untermauert er seine Ansprüche und hebt die die Worte meine, mir besonders hervor. Der Einsatz von Possessivpronomen ist auch im Zusammenhang mit der Antithese „deinen Himmel“ (vgl. V.1) und „meine Erde“ (vgl. V.6) von Bedeutung. Er schafft damit eine klare Trennung von Zeus‘ Herrschaftsgebiet und seinem, dem der Erde. Die Aufteilung der Einflussbereiche stellt für Prometheus ein wichtiges Argument dar, welches er gegen Zeus einsetzt, um diesen seine Grenzen aufzuzeigen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik ein, das Gedicht „Prometheus“ in den Kontext des Sturm und Drangs und des Genie-Zeitalters einzuordnen.
2. Mythos: Dieses Kapitel definiert den Begriff Mythos als vorrationales Weltverständnis und erörtert dessen Funktion sowie die Einbettung in Literatur und Kunst.
3. Epoche des Sturm und Drang: Hier werden die zeitliche Einordnung und die wesentlichen Merkmale dieser literarischen Revolte gegen aufklärerische Einseitigkeit beschrieben.
4. Der Dichter im Sturm und Drang: Es wird das Selbstverständnis der Dichter dieser Epoche als rebellische Individuen beleuchtet, die sich gegen Vernunftgedanken und gesellschaftliche Zwänge auflehnen.
5. Goethes „Prometheus“ als Renaissance der Mythologie im 18. Jahrhundert: Das Kapitel analysiert, warum Goethe auf mythologische Figuren zurückgriff, um politische Kritik am Absolutismus zu üben.
6. Literaturgeschichtliche Einbettung der Prometheus-Hymne Goethes: Es wird die formale und inhaltliche Verortung des Gedichts innerhalb der Genieästhetik des Sturm und Drangs vorgenommen.
7. Der Prometheus- Mythos: Dieses Kapitel fasst die griechische Ursprungsgeschichte des Prometheus und seine Rolle als Menschenfreund zusammen.
8. Interpretation der Hymne „Prometheus“: Hier erfolgt eine detaillierte Analyse der Hymnenform und die Untersuchung des Aufbaus der Antihymne anhand von Textstellen.
9. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das Gedicht durch die Einbettung in den Mythos die gesellschaftliche Kritik und das emanzipierte Menschenbild der Epoche ideal widerspiegelt.
10. Literaturangaben: Eine Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Prometheus, Sturm und Drang, Goethe, Mythos, Genie, Antihymne, Aufklärung, Gesellschaftskritik, Individuum, Emotionalität, Rebellion, Absolutismus, Literaturgeschichte, Werkanalyse, Schöpfung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt Goethes Gedicht „Prometheus“ und dessen Einbettung in die literarische Epoche des Sturm und Drang.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Rolle des Mythos in der Literatur, die Genieästhetik, die Auflehnung gegen gesellschaftliche Autoritäten und die Verbindung von persönlichem Gefühl und dichterischer Freiheit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu untersuchen, inwiefern das Gedicht ein typisches Werk des Sturm und Drangs darstellt und welche Wirkung Goethe durch das prometheische Aufbegehren erzielen wollte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text anhand von Sekundärliteratur, historischen Kontexten und textimmanenten Interpretationen untersucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definition des Mythos, die Einbettung in die Epoche, die spezifische Funktion der Figur Prometheus als Sprachrohr des Dichters sowie eine detaillierte Interpretation der Hymne.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Sturm und Drang, Prometheus, Genie, Mythos, Antihymne und Gesellschaftskritik.
Warum wird Prometheus im Gedicht als „Antihymne“ bezeichnet?
Da Prometheus im Gegensatz zur klassischen Hymne, die ein Lobpreis auf eine göttliche Instanz ist, seinen Ärger über Zeus ausdrückt, diesen anklagt und eine deutliche Absage erteilt.
Welche Bedeutung kommt dem „Herz“ im Gedicht zu?
Das „Herz“ dient als zentrales Symbol für die subjektive Empfindungswelt und die emotionale Kraft, die für die Vertreter des Sturm und Drang maßgeblicher war als rationale Vernunft.
- Citar trabajo
- Sabine Reinwald (Autor), 2010, Johann Wolfgang von Goethes Hymne "Prometheus" im Kontext des 18. Jahrhunderts, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161684